Wie standen Toynbee und Sartre in ihrer Religionskritik zueinander?

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2 Antworten

Arnold Toynbees Aussage zu seiner Zeit war, dass keine Religion, bis auf das westeuropäische Christentum, zunehmend mehr Anhänger fand und sich ausbreiten konnte. Sein Fokus lag auf dem Zusammenhang von Kulturen und Religion. Er betrachtete eine Religion als Grundstock für die Entwicklung neuer Kulturen und Zivilisationen, die diese auch zusammenhielt. Darüber hinaus vertrat er die Meinung, dass Religions-Staaten weder fähig waren, für Frieden zu sorgen noch sah er sie in der Lage, Menschen und ihre Umwelt vor Kontamination zu schützen resp. deren Rohstoffquellen sinnweisend zu erhalten.

Sartre hingegen bezog sich auf Gott. Er verneinte seine Existenz bzw. meinte, dass dieser nicht länger existiert, tot, weg sei, er ist die Einsamkeit des Menschen. Er bezieht sich weiterhin auf Dostojewsky's Aussage, dass alles möglich wäre, wenn Gott nicht existierte. Ob Gott existiert oder nicht ist belanglos, da es nichts ändert. Der Mensch ist bestimmt, frei zu sein und für alles, was er tut, die Verantwortung zu übernehmen (Existenzialismus).

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Ich bin nicht sicher, ob Sartre Toynbee gekannt oder ernst genommen hat. Dazu war die Einstellung beider zu verschieden. Toynbee war missionarisch besessener Katholik, Sartre Atheist.

"Ganz anders als Spengler und nicht so verschieden von Hegel will Toynbee in der Weltgeschichte zugleich den Gang des – christlichen! – Gottes durch diese sehen. ... So handelt der Mensch letzten Endes frei, bleibt aber doch stets auch ein Werkzeug Gottes. In der manchmal etwas blumigen Sprache Toynbees liest sich das folgendermaßen: Früher oder später wird Gott dem Menschen „zur Erfüllung von des Menschen wahrem Ziele“ verhelfen, welches darin besteht, „Gott zu rühmen und Seiner sich wieder einmal zu erfreuen“. ... " (http://www.zeit.de/1984/07/der-gang-der-weltgeschichte)

Im Weltbild der Existentialisten Sartre und Camus kommt Gott nicht vor.

In L’existentialisme est un humanisme formuliert Sartre:

„Selbst wenn es einen Gott gäbe, würde das nichts ändern; das ist unser Standpunkt. Nicht, als ob wir glaubten, dass Gott existiert, aber wir denken, dass die Frage nicht die seiner Existenz ist. Der Mensch muss sich selbst wieder finden und sich überzeugen, dass ihn nichts vor ihm selbst retten kann, wäre es auch ein gültiger Beweis der Existenz
Gottes.[

D.h. die menschlichen Existenzbedingungen sind wie sie sind, egal, ob man noch eine Gottesidee drüber stülpt oder nicht. Religion, die Erlösung aus diesen Existenzbedingungen verspricht, ist Verführung zum Selbstbetrug.

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