Frage von piusalex, 158

Wie sollte ein Lehrer auf diese Aussage reagieren?

Wenn in einer Abiturklasse ein 13-Punkte Schüler in Geschichte zu seinem Sitznachbarn sagt, der Nationalsozialismus sei die Blütezeit dieses Landes gewesen und auch öfter solche kleinen Äußerungen tätigt und dem Thema mit einer Mischung aus Respekt und Bewunderung gegenübertritt, wenn es im Unterricht behandelt wird, jedoch sehr gute Leistungen im Geschichte- Leistungskurs bringt und auch sonst intelligent wirkt. Sollte der Lehrer es als ironisch auffassen und ignorieren oder den Schüler irgendwann darauf ansprechen?

Antwort
von 1988Ritter, 38

Der Lehrer darf fachspezifisch darauf gar nicht reagieren.

Begründung:

Die Äußerung ist eine politische Ansicht. Der Geschichtsunterricht hat nichts mit Politik zu tun.

Menschlich muss der Lehrer in einem persönlichen Gespräch darauf reagieren, in dem er den betreffenden Schüler fragt, ob er die Nazi-Diktatur favorisiert. 

Das Resultat der Frage sollte dann Anlass zu persönlichen Gesprächen geben, die allerdings keine schulischen Auswirkungen haben dürfen, da wir hier die politische Meinungsfreiheit haben, und die Ansichten des Schülers privater Natur sind.

Erst wenn der Lehrer den Eindruck gewinnt, dass mit den Äußerungen ein Gewaltpotential verbunden ist, und eine öffentliche Gefährdung besteht, sollte er einen Schritt weiter gehen, und die Behörden kontaktieren.

Antwort
von WeinerGmbh, 19

Das darf der Lehrer nicht!
Er darf den Schüler weder im Unterricht benachteiligen noch sein Urteil über diese Verhaltensweise in die Benotung einfließen lassen.

Wenn er es nicht lassen kann ihn persönlich darauf anzusprechen, soll er das machen, aber sich darauf gefasst machen, dass der Schüler seine Meinung nicht ändert.

Und das, das hier manche geschrieben haben a` la 'so jemand kann ja nicht intelligent sein (und 13 Punkte haben)' ist solcher Unsinn!
Über die Richtigkeit seiner Position lässt sich natürlich streiten, aber die politische Position hat absolut nichts mit der Intelligenz zu tun!

Ich hoffe, dass ich dir helfen konnte.

LG,
Nina

Antwort
von Schuhu, 87

Der Lehrer sollte vielleicht darauf aufmerksam machen, dass es nicht besonders intelligent wirkt, den Zweiten Weltkrieg als "Blütezeit" zu betrachten. Zumindest ist eine solche Bemerkung keine "sehr gute" Leistung.

Antwort
von Hegemon, 59

Der Lehrer sollte in der Lage sein, dem angeblich intelligent wirkenden Schüler die ausgemachte Dummheit seiner Aussage vor Augen zu führen. Wenn er das nicht schafft, hat er seinen Beruf verfehlt und sollte besser keine Kinder unterrichten noch ähnliche Verantwortung wahrnehmen.

Antwort
von Golumbinsky, 64

Als Lehrer, der diese Äußerungen mitbekommt, würde ich mir alle Beispiele der sogenannten Blütezeit aufzählen lassen und die dann Punkt für Punkt widerlegen.

Nach meinem Kenntnisstand sind so gut wie alle "Errungenschaften" des Dritten Reiches entweder als abgekupfert oder als zweckgebunden (Rüstung und Kriegsvorbereitung) belegbar.

Was wir allerdings dem Dritten Reich zu verdanken haben, ist der arbeitsfreie 1. Mai. In der Weimarer Republik haben sie es nicht fertigbekommen, diesen Tag zum Feiertag zu machen. (Natürlich war der 1. Mai kein uneigennütziges Geschenk des NS-Staates, sondern diente nur als Schlafpille für die Arbeiter, deren Gewerkschaften nicht mehr da waren).

Antwort
von AriZona04, 88

Tricky. Ich denke, der Schüler will provozieren. Klar würden mich seine Argumente intressieren - oder ist alles nur heiße Luft? Wie reagiert Euer Lehrer denn tatsächlich darauf? Im Grunde dürfte er auf solch politische Einstellung nicht eingehen. Dennoch würde ich mich - wäre ich Lehrer - provoziert fühlen. Wie reagiert Euer Lehrer?

Antwort
von schesslo, 64

Hmm wenn er so denkt.. kann man nicht viel dran ändern.. in Deutschland herrscht Meinungsfreiheit. Vielleicht könnte man sachlich mit ihm argumentieren. Man muss bedenken jeder hat seine (manchmal auch privaten) Gründe dafür warum er so handelt/denkt. Ich glaube seine Denkweise darf ihn aber nicht in der Note reduzieren.

Antwort
von xXWaffelXx, 84

Nationalsozialismus an sich ist kein Verbrechen. Da jeder Mensch andere Vorlieben und Meinungen zu gewissen Themen hat, ist es ihm selbst überlassen, was er toll findet und was nicht.

Solange er keine komplett radikale Stellung einnimmt, würde ich ihn einfach machen lassen.

Kommentar von Schlaubi900 ,

"Nationalsozialismus an sich ist kein Verbrechen". Aber sonst gehts dir gut?

Ich empfehle dir einen Blick ins Strafgesetzbuch zum Tatbestand der Volksverhetzung.

Alternativ auch in ein Geschichtsbuch zu den Verbrechen des Nationalsozialismus. Ohne Worte.

Kommentar von xXWaffelXx ,

Wenn wir schon pingelig sein wollen: Die Ausübung von Nationalsozialismus ist ein Verbrechen. Aber das Thema an sich nicht. 

Kommentar von Schlaubi900 ,

§ 130 StGB Abs. 3 und 4:

(3) Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird
bestraft, wer eine unter der Herrschaft des Nationalsozialismus
begangene Handlung der in § 6 Abs. 1 des Völkerstrafgesetzbuches bezeichneten Art in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, öffentlich oder in  einer Versammlung billigt, leugnet oder verharmlost.

(4) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird  bestraft, wer öffentlich oder in einer Versammlung den öffentlichen  Frieden in einer die Würde der Opfer verletzenden Weise dadurch stört, dass er die nationalsozialistische Gewalt- und Willkürherrschaft billigt, verherrlicht oder rechtfertigt.

Damit dürfte alles gesagt sein.

Kommentar von susicute ,

pingelig? Der Nationalsozialismus ist eine Ideologie, die im Kern antidemokratisch, rassistisch, antisemitisch und imperialistisch ist.

Kommentar von earnest ,

Doch, der Nationalsozialismus Hitlerscher Prägung WAR ein Verbrechen.

Expertenantwort
von atzef, Community-Experte für Politik, 39

Hitlernde Fans des Nationanlsozialismus können nicht gut in Geschichte sein - sonst wären sie ja keine.

Wenn also ein Neonazi in einem Leistunggskurs Geschichte auf 13 Punkte kommt, sollte der Verfassungsschutz und die Dienstaufsichtsbehörde sich mal näher mit dem Lehrer beschäftigen...

Kommentar von Brotmensch89 ,

Was Sie nicht alles aus der Aussage "Die NS-Zeit war die Blütezeit Ds" herauslesen können. Respekt!

Kommentar von atzef ,

Sooo schwer ist das nicht. Das erscheint allenfalls rechten Apologeten des NS-Terrorregimes als kaum lösbare Aufgabe?!

Antwort
von earnest, 52

Neonazis gehören auf den Pott gesetzt.

Wenn der Musterschüler diese Äußerung nicht aus Daffke gemacht hat, sondern aus Überzeugung, dann sollte ihm der Lehrer vielleicht ein Referat über Konzentrationslager aufdrücken.

Aber viel wichtiger ist doch, dass die KLASSE so etwas nicht kommentarlos hinnimmt.

Gruß, earnest

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