Frage von seddiefan, 45

Wie soll man so etwas umgehen?

Hallo, ich bin mir sicher, dass ihr alle wisst, was in Paris geschehen ist. Seitdem fällt es mir irgendwie schwer mich wieder in meinem Alltag einzufinden. Mir war schon immer klar, dass jeden Tag irgendwo auf der Welt so etwas Schreckliches passiert, was aber gerade aktuell in Paris geschehen ist, hat für mich dem ganzen nochmal eine Krönung gegeben.Was das alles besonders schlimm für mich macht, ist, dass ich vor ein paar Wochen noch selbst in Paris war, die Straßen entlang gegangen bin auf denen Freitagnacht Unvorstellbares geschehen ist. Ich habe ein friedliches Paris erlebt. Mich macht das Ganze furchtbar traurig. Ich trauere nicht nur um Paris und die Opfer, sondern um die ganze Welt. Ich kann nicht begreifen, weshalb Menschen so etwas aneinander antun. Ich bin mir fast sicher, dass die Menschheit sich selbst zerstören wird. Wir machen die Welt kaputt, indem wir die Natur zerstören, Tiere quälen, Geld darüber entscheiden lassen, wer reich und wer arm ist, Ideal erschaffen und andere verurteilen die denen nicht entsprechen und so weiter...und eben das zu wissen, zieht mich so runter. Ich lebe hier mein Leben, bin in Sicherheit, während andere für nichts sterben oder gefoltert werden. Ich schäme mich, wenn ich daran denke, dass mein größtes Problem im ALltag ist den Bus verpassst zu haben oder eine schlechte Note in der Schule geschrieben zu haben. Gemessen an dem Leid was täglich passiert, sind das alles nur Nichtigkeiten.

Ich habe jetzt vielleicht ein bisschen zu viel geschwafelt, was ich eigentlich fragen möchte, ist einfach, wie ich mit so etwas umgehen kann oder wie ihr damit umgeht? Mache ich mir da zu viele Gedanken? Ist es banal, dass es mir jetzt schwer fällt mit meinem Alltag weiterzumachen? Ich habe einfach das Gefühl, dass das doch nicht richtig sein kann, dass es mir hier in Deutschland so gut geht, ich mich vergnüge und so tue als sei alles gut, während auf der Welt solche DInge passieren.

Würde mich wirklich über einen Rat freuen! :)

Antwort
von Ellen9, 25

Ich kann deine Sichtweise sehr gut verstehen. Du hast Glück, dass du zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort warst. Du hast recht, mit dem, was du schreibst; und es gibt glücklicherweise ebenso Menschen, die an dem Wohl der Welt interessiert sind, und ihren Teil dazu beitragen, dass es auch gute Dinge darüber zu berichten gibt. Ich verarbeite das Weh der Welt mit künstlerischen Aufgaben, damit ich in meiner Balance bleibe. Du solltest dich nicht davon aus der Bahn werfen lassen. Bedenke, dass man nie die komplette Wahrheit über die kriegerischen Zustände in der Welt erfährt. Nur einen minimalen Teil von Auskünften, wenn überhaupt. Du hast bestimmt genug Fähigkeiten, die dir dabei helfen können, das Schwerwiegende leichter zu 💪verkraften. Viel Glück für alles Weitere♡

Antwort
von rosepetals, 27

Du hast ziemlich gut ausgedrückt was möglicherweise den meisten von uns momentan durch den Kopf geht. Aber ganz schwarz zu sehen ist hier falsch. Das angehängte Video bringt es ziemlich gut auf den Punkt, dass man sich sogar Hoffnungen machen kann, was den Krieg anbelangt - denn er nimmt ab. Deine Energie, die dich nachdenklich und schlecht fühlen lässt, kannst du dazu nutzen Aufklärung zu bieten, Informationen auf Youtube/Facebook zu sammeln, Diskussionen zu führen, deine Meinungen zu bilden und insgesamt eine positive Auswirkung direkt in deinem Umfeld zu haben, indem du gegen all diese Sachen in kleinsten Schritten ankämpfst.

An die ganze Welt zu denken geht auch parallel dazu, sich über Freunde und Hausaufgaben Gedanken zu machen. Zu Beginn erscheint es vielleicht wie Rückschläge: Du isst Eis mit Freunden und denkst an Afrika und die hungernden Kinder. Aber dich holt das Gleichgewicht ein und du vermischt alles auf einmal in dir, ohne das andere auszuschließen: Einen politisch so-und-so eingestellten Charakter, der jederzeit bereit ist für das Gute die eigene Meinung zu äußern, und den ganz normalen Alltag mit deinen ganz persönlichen "first world problems". 

Antwort
von Superstudent, 45

Wenn es dich tröstet, den Menschen in Europa geht es deshalb verhältnismäßig gut, weil sie sich an Gesetze halten, arbeiten gehen und Steuern zahlen. Nichts von dem, was du siehst, wenn du aus dem Fenster schaust, ist einfach vom Himmel gefallen, sondern es basiert auf dem Blut und dem Schweiß der hier lebenden Menschen. Etwas weniger Selbsthass und mehr Anerkennung würde dir wahrscheinlich gut tun.

Dass in anderen Ländern Folter, Krieg und Vertreibung herrschen ist zwar durchaus traurig, aber deine individuelle Schuld daran ist faktisch nicht vorhanden. Es gibt viele Nationen, die pro forma reicher sein müssten als wir, es aber aufgrund mangelnder Disziplin, stark ausgeprägten religiösen Konflikten und einer nicht vorhandenen Bereitschaft zu gesellschaftlichen Veränderungen nicht sind. Nur bist du nicht daran schuld, dass sich Sunniten und Schiiten bekriegen.

Im Gegenteil, du kannst stolz auf dich sein, dass du dich in ein funktionierendes System einordnest, dich an Gesetze hälst und andere so leben lässt, wie sie es möchten, solange niemand deine legitimen Interessen berührt. Das ist schon eine Leistung zu der die Mehrheit der Menschen auf dieser Welt ganz offenbar nicht bereit ist.

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