Frage von Schneemobil123, 107

Wie soll ich reagieren beim "Schmied-Problem"?

Mein Pferd ist 13 Jahre alt und sehr dominant. Ich habe sie erst seit einem halben Jahr. Sie hat die früheren Jahre kaum Grunderziehungen bekommen, unter dem Sattel läuft sie aber Top. Sie drängelt rum, möchte überholen, schupst, und vorallem gibt sie nur bei mir Hufe bei anderen versucht sie zu treten egal wie sehr ich versuche sie daran zu trainieren, das macht sehr große Probleme beim Schmied ich weiß nicht wie ich noch reagieren soll wenn sie dabei so ein Theater macht und wieder ihre Dominanz spielen lässt. Hat jemand Erfahrung oder Vorschläge? Bitte nur sinnvolle ernst gemeinte Antworten!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von beglo1705, 34

Erziehen wäre deine Aufgabe, denn das hat das Pferd anscheinend nicht gelernt. Treten nach mir oder jemand anderem geht überhaupt nicht und da hört bei mir der Spass definitiv auf.

Nur mal angenommen, jemand anders erklärt sich bereit, dein Pferd zu begleiten (weil du vielleicht grad keine Zeit hast) bei der Hufbearbeitung und wird getreten evtl. sogar schwer verletzt, dafür kann und will ich die Verantwortung nicht übernehmen und deshalb musst du daran unbedingt arbeiten. Oder lass was anderes sein, wo jemand fremdes dein Pferd holen muss (verletzung, Gefahr usw.)

Das Drängeln und Schubsen ist ebenfalls ein Signal, welches verrät, dass dein Pferd nicht nur dominant ist sondern bereits die Führung übernommen hat. Lässt für mich auf fehlendes Vertrauen schließen durch zu wenig Konsequenz.

Unabhängig ob das Pferd das vorher richtig gelernt hat oder nicht, klar so eines wird immer versuchen, mit der altbekannten Masche durchzukommen, wenn keine Grenzen gezogen werden.

Ich hab u.a. auch so einen "Führer" gekauft, der sollte eigentlich zum Abdecker: treten, beißen, steigen, mit dem Kopf Kinnhaken verteilt (und die haben gesessen!), nicht einfangen lassen und ständig am Raufen, was für ihn dann Einzelhaft bedeutet hat. Da hat sich natürlich niemand mehr hingetraut an den Hengst und der Bolzeschußapparat stand schon parat für ihn.

Ich arbeite ihn nun seit ca. 5 Jahren, der macht keine großartigen Sperenzchen mehr weder beim Hufe bearbeiten noch sonst wo. Manchmal muss er daran erinnert werden, wer hier die Kommandos gibt, ansonsten ist er im Offenstall mit anderen Hengsten was ihm sichtlich gut tut. Den unbändigen Trieb unbedingt immer alles selbst zu entscheiden und auch umzusetzen zu müssen hat er dank viel Vertrauensarbeit, Führtaining und positive Verstärkung größtenteils abgelegt. Ich möchte fast sagen, er hat sich zu 180 Grad gedreht.

Das kannst du auch in dem du ein paar Regeln beachtest:

-zieh Grenzen, bis hierhin und nicht weiter.

-und sei auch konsequent, wenn Regeln gebrochen werden (dem Pferd und dir zuliebe)

-arbeite am Vertrauen (wenn du da nicht so erfahren bist, hol dir jemanden zu Hilfe der dich instruiert. Das ist keine Schande)

Diese Stichpunkte kann auch ein 13jähriges Pferd erlernen und umsetzen, wenn man Zeit und Geduld mitbringt, sich nicht zu fein ist Hilfe zu suchen und anzunehmen und das Ganze dann auch umsetzt.

Expertenantwort
von ponyfliege, Community-Experte für Pferde & reiten, 46

ich zitiere meinen alten schmied:

ein pferd, das mich kennt und nicht steht, braucht einen tierarzt

und recht hat er gehabt.

ein pferd, das ANGST vor dem schmied (hufbearbeiter) hat, hat angst vor schmerzen.

und es ist eine traurige wahrheit - die meisten pferde gehen vom schmied mit schmerzen weg. falsch ausgeschnitten, falsch beschlagen, huf zu lang, zu kurz, falsches eisen (wenn denn eisen), kippelig hingestellt. 

oder scheinbar "fühlig" und in wirklichkeit eine hufbeinabsenkung oder ein hufgeschwür...

wenn pferd beim dritten mal hufbearbeitung nicht einigermassen stand, wurde der tierarzt angerufen - meist schon mit einer diagnose.

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bei deinem pferd ist die ursache aber eine andere - es ist schlicht und ergreifend ungezogen.

unter dem sattel läuft sie aber top. sie drängelt rum, möchte überholen, schubst.

wo ist das bitte top? warum kaufst du ein 13jähriges pferd, was derart unerzogen ist?

dass sie nur dir die hufe gibt, und bei andern tritt, ist ein unding. - oder einbildung. du tust dir und dem pferd keinen gefallen. irgendwann wird es gefährlich.

ich kenne mehr als ein pferd, das für den schmied sediert werden muss, damit da ausgebessert werden kann, was die vergangenen jahre versaut haben. willst du wirklich, dass dein pferd irgendwann für die kleinste kleinigkeit eine betäubundsspritze oder eine nasenbremse braucht?

du hast dein pferd nicht unter kontrolle. und eines tages liegst du in irgendeiner ecke. wenn dich ein pferd mit voller wucht RICHTIG tritt, fliegst du 12 meter weit. und ein pferd, das RICHTIG tritt, tritt dich nicht gegen das bein oder die hüfte - das tritt dir in den bauch oder ins gesicht. dein pferd kann dich mit einem einzigen tritt töten.

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ich hätte da eine absolut sinnvolle lösungsmöglichkeit:

wenn das nächste mal die hufe dran sind, sagst du bescheid, dass der schmied einen helfer mitbringen soll und siehst zu, dass ausserdem der pferdepfleger aus dem stall da ist.

und du selber machst dich bitte für die dauer der hufbearbeitung vom acker und rennst nicht dazwischen rum. und du kommst erst wieder, wenn du angerufen wirst, dass das pferd fertig ist.

lass einfach den schmied seine arbeit machen. der hat das schon mal gemacht und kann das. und das pferd wird sich vermutlich um längen besser benehmen, wenn du nicht dabei bist.

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und sorg bitte dafür, dass du für dein pferd einen verhaltenstrainier bekommt, der dir zeigt, wie du mit einem unerzogenen pferd umzugehen hast. damit niemals der ernstfall eintritt.

auf ein pferd, das einen menschen schwerstverletzt oder getötet hat wartet in der regel der bolzen und der abdecker - die tötung solcher pferde wird  durch den amtsveterinär angeordnet und ist dann unumgänglich.

und das dann bloss, weil sich niemand die mühe gemacht hat, das tier zu erziehen. mit so einer erheblichen macke muss das pferd recht günstig gewesen sein...

Kommentar von Heklamari ,

Buch-Tipp:

"Das sinnvoll auf den Schmied vorbereietete Pferd"

danach kannst Du üben

Kommentar von ponyfliege ,

ich habe ganz früh am "anderen ende" mitgeholfen. die wirklich allermeisten pferde sind wie umgewandelt beim hufbearbeiter, sobald der besitzer (oder die RB) ausser sichtweite ist.

besitzer dabei heisst in ganz vielen fällen bis 50% längere arbeitszeit, weil erst der tanzkurs beendet werden muss. viele hufbearbeiter arbeiten schon gar nicht mehr pro huf, sondern nach zeitaufwand.

ein foto von der hufsituation wäre natürlich hilfreich - nur dann lässt sich erkennen, ob schmerzen, die gangsituation nach bearbeitung oder mangel an erziehung die ursache sind.

Antwort
von sukueh, 18

Auch "sehr dominante" Pferde können gut erzogen sein - ich hab eh oft das Gefühl, dass mangelnde Erziehung mit diesem "sehr dominant" entschuldigt werden soll.....

Jedenfalls lässt sich beim Schmied nicht ihre  Dominanz spielen, sondern breitet ihr Repertoire an Unerzogenheit aus. Was du da tun sollst: Erziehungsarbeit leisten. Du hast ein unerzogenes Pferd gekauft, hast es seit einem halben Jahr und es hat sich offenbar nicht viel an seinem Verhalten gebessert (das Schubsen, überholen etc. hätte ja schon längst beseitigt sein können bzw. müssen). Also hol dir professionelle Hilfe. Balanceprobleme scheint das Pferd ja lt. einer anderen Frage auch zu  haben. Also wär vielleicht eine Art Korrekturberitt angebracht.

Dass sich mein Pferd nur von einer Person die Hufe aufheben lässt, geht auch nicht. Das würde ich allenfalls bei einem traumatisierten Pferd gelten lassen, wobei auch hier normalerweise daran gearbeitet wird, dass das Pferd soweit Vertrauen fasst, dass es auch den Hufmenschen an sich dran lässt und mit dem kooperiert.

Such dir professionelle Hilfe vor Ort. Das Internet ist keine Lösung für Mensch-Pferd-Probleme.

Antwort
von haufenzeugs, 7

lass den schmied seine arbeit machen und verschwinde in der zeit.

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