Frage von emptysoul2002, 69

Wie soll ich mit der neuen Situation umgehen und sollte ich doch in die Psychiatrie gehen?

Hallo, Community... Ich bin 14, weiblich und habe seit mehreren Monaten Depressionen und Suizidgedanken. Und - nein, ich bin keine von diesen aufmerksamkeitssuchenden Gören, die so tun, als wären sie zutiefst betrübt und unglücklich, um "cool" zu sein und Anerkennung zu erhaschen. Ich ritze mich auch nicht, weil ich das einfach sinnlos finde und mir das nicht das Geringste bringt.

Es geht jetzt um Folgendes: Ich bin seit ein paar Wochen in Therapie, aber meine Psychologin wusste bis jetzt nicht, dass ich Suizidgedanken habe, sondern nur, dass ich depressiv bin. Heute habe ich endlich den Mut aufgebracht, es ihr zu sagen und sie hat meine Mutter in das Vertrauen gezogen, die aus allen Wolken gefallen ist und es zuhause sofort meinem Stiefvater (den ich abgrundtief hasse und der an meinem Zustand mitverantwortlich ist) UND meinem Opa (was hat der überhaupt damit zu tun?) erzählt hat. Dann haben sie mich quasi ausgeschimpft, verhört und mich dazu gezwungen, alles über meine Gefühle zu erzählen, was ich nur meiner Psychologin anvertrauen will... Ich bin dann aus der Situation entkommen, indem ich gesagt habe, dass ich so etwas nur der Psychologin erzählen möchte, weil ich mich bei ihr damit wohler fühle. Meine Mutter hat dies dann akzeptiert und mein Opa war dann schon weg, aber mein Stiefvater will immer noch alles darüber wissen, wie es mir geht... Ich muss dazu noch erwähnen, dass dieser Mann ein Sadist ist.

Meine Psychologin hat mir auch vorgeschlagen, für zwei oder drei Tage in eine Psychiatrie zu gehen, damit mir vor der Tagesklinik (in die ich bald gehen werde) noch zusätzlich wegen dieser Krise geholfen werden kann, aber ich habe zunächst abgelehnt, weil ich mich generell überhaupt nicht wohlfühle, wenn ich alleine außerhalb in einem fremden Umfeld irgendwo übernachten oder so muss, da ich eine tiefgreifende Entwicklungsstörung habe - das ist aber ein anderes Thema... Das Verhältnis zuhause ist jetzt allerdings total angespannt und seitdem würde ich mich an jedem Ort wohler fühlen als hier. :(

Meint ihr, ich sollte doch in die Psychiatrie gehen? Und was soll ich generell wegen der Situation zuhause tun? Ich kann gerade einfach nicht mehr... :(

Vielen, vielen Dank an die, die mir helfen wollen... Liebe Grüße.

Antwort
von Stadewaeldchen, 32

Hallo emptysoul,

kurz zu meiner Person: Ich bin 47, leide seit ich ca. 20 bin unter Depressionen, kann mich also ein wenig in deine Situation hinein denken. Dank Aufenthalt in der Psychiatrie und anschließender ambulanter Therapie geht es mir aber inzwischen wieder ganz gut.

Zu dir: Das deine Eltern und Großeltern nicht verstehen, was mit dir los ist, verwundert mich gar nicht. Für aussenstehende ist es schwer bis gar nicht zu begreifen, was mit einem depressiven Menschen los ist. Das du allerdings entschieden hast, erst mit deiner Therapeutin darüber zu reden, anstatt mit deiner Familie ist goldrichtig. Du, und nur du allein, kannst entscheiden, wem du wann was über deine inneren Gefühle preigeben willst/kannst. Das ist dein gutes Recht. Du hast ja schließlich nichts geklaut oder wurdest besoffem am Bahnhof aufgegriffen oder so'n Unsinn ;)

Haben deine Mutter oder dein Stiefvater wenigstens Hilfe angeboten, wenn's dir dreckig geht? Suizidgedanken sind ja kein harmloser Schnupfen.

Hast du irgendjemanden (Therapeutin, Arzt, Freunde, Lehrer, Mitschüler oder was auch immer) den du im absoluten Notfall erreichen könntest? Falls nein, erarbeite dir unbedingt so einen Notfallplan.

Was mich ein wenig verwundert ist deine Therapeutin. Hat sie dich wenigstens vorher gefragt, ob das ok für dich ist, dass sie die Mutter informiert oder dir erklärt, wozu das gut sein soll?

Letztendlich, wenn du schon selber sagts, du möchtst erst mal eine weile aus dem Schußfeld heraus, dann solltest du den Gang in die Psychiatrie ernsthaft in Erwägung ziehen. Du hast da zumindest für eine Weile deine Ruhe und psychiatrische Kliniken haben heute wenig mit den Irrenanstalten aus Großväterzeiten zu tun. Klar, dort ist oft auch viel Massenbetrieb und die Behandlung nicht immer zu 100% optimal, aber ich hab damals die Erfahrung gemacht, daß es mir gut tat, mich für eine zeit um nichts alltägliche Kümmern zu müssen. Das hat auch irgendwie gut getan. Weise aber unbedingt auf die bevor stehende Therapie in der Tagesklinik hin, damit es da kein termin-Chaos gibt am Ende.

Schau auch mal nach, ob es bei dir in der Nähe eine Beratungsstelle, z.B. vom paritätischen Wohlfahrtsverband, gibt, die dir vielleicht weiteren rat geben können.

Kopf hoch, du schaffst das!

Antwort
von einfachichseinn, 38

Kannst du nicht einfach für ein oder zwei Nächte bei einer Freundin übernachten?
Ich persönlich würde nicht nur für ein oder zwei Tage in die Psychiatrie gehen. Mir wäre das definitiv zu viel Trubel. Erst dort Leute kennen lernen und dann mach kurzer Zeit das selbe Spiel in der Tagesklinik wieder. Das wäre nicht meins.
Einem Therapieerfolg kommst du dir davon natürlich auch nicht erhoffen. Dazu sind zwei Tage einfach viel zu wenig.

Außerdem solltest du mit deiner Mutter ein wenig nachsehen haben und dich freuen. Deine Mutter hat vermutlich deinen Stiefvater und deinen Opa informiert, weil sie schockiert war, vielleicht auch verunsichert und einfach jemanden zum reden brauchte.
Freuen solltest du dich, weil das zeigt, dass du deiner Mutter sehr viel bedeutest.

Antwort
von artekote, 31

Finde einen Freund oder Freundin, aber die, die nicht die ganze Zeit mit der ganze Gruppe von Freunden unterhaltet und sich cool stellt, sondern Zeit nehmen genau für dich und möchte gern was über deinen Leben hören. In diesen Fall hast du dann eine große chance einen Tipp oder Hilfe zu bekommen. Es ist schwer so einen zu finden. Aber das Lohnt sich. Warum ich über Freunde rede? Jetzt ist die Situation eher unklar. Es ist schwierig aus Wien in der Gutefrage zu sehen was bei dir passiert. Und das letzte und das wichtigste. Wenn dir niemand Hilft wie ein Held, dann sei ein Held!

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