Frage von Birdinthecage, 146

Wie soll ich mit den Depressionen meines Freundes umgehen, wie kann ich helfen, ich brauche jemanden, der mir zuhört?

Hey Leute

Ich (15 J.) möchte es eher kurz halten.

Es geht um einen guten Freund von mir (16 J.). Ich kenne ihn seit 2014, wir haben uns in der Schule kennengelernt! Mir fiel seine (damals ihre!) Zurückgezogenheit schon früh auf. Dazu helle Narben auf seinem Arm. Er beichtete mir erst spät, dass er sich im falschen Körper fühle, dass er transsexuell sei. Weil er sich schämte. Weil seine Familie aus Schweinen besteht, schreckliche Menschen! Immer schreien sie und beschimpfen ihn aufs Übelste, selbst die Geschwister tun das! Nachdem ich von seinen Gefühlen erfahren habe, habe ich ihn natürlich unterstützt. Dann kam es dazu, dass er sich Ende 2015 outete. Seine Familie hat es naja aufgenommen, nicht zufrieden, aber sie haben ein paar Hilfskräfte eingeschaltet. Die schauen ab und zu vorbei und nehmen meinen Freund mit zu einer Art Selbsthilfegruppe. Doch nachdem er erfuhr, dass es noch um die eineinhalb bis zwei Jahre dauern würde, bis er eine Hormontherapie (FALLS es ihm ermöglicht wird) bekommt! Und er ist am Boden zerstört!

Er hat mir erzählt, er fühle sich so bereits seit Jahren. Verzweifelt, hoffnungslos, ein Wunsch nach dem Tod besteht! Er ist wirklich schwer depressiv! Und eine Therapie ist nicht in Sicht! Ich mache mir wirklich Sorgen um ihn und gebe ihm so viel Aufmerksamkeit und Verständnis, wie ich kann! Aber ich bin mit meinem Latein am Ende! Wenn er einen besonders schlechten Tag hat, und ich mich übers Handy von ihm verabschiede (wegen Schule, Lernen, etc) dann schreibt er mir Sachen wie "Typisch für dich" "Du hasst mich ja sowieso" "Meld dich nie wieder" "Ich will sterben" - und ich bekomme so starke Schuldgefühle! Ich weiß einfach nicht, was ich tun oder wie ich alles unter einen Hut bringen soll! Ich fühle mich ausgebrannt, und tue mir schwer, ihn für ein paar Stunden aus meinem Kopf zu verbannen, um sorgenfreie Zeit zu genießen! Ich meine das wirklich nicht böse, er ist mir sehr wichtig, und dass sag ich ihm immer wieder, aber manchmal wünsche ich mir RUHE!

Er ist wirklich ein lieber Mensch, wir teilen dieselben Hobbys, wir verstehen uns! Ich will ihn nicht loslassen! Und wenn es ihm etwas besser geht, dann verbringen wir auch eine tolle Zeit zusammen! Aber das wird alles von seiner Depression verschluckt und ich hab das Gefühl, es wird immer schlimmer!

Ich weiß nicht, wie ich mit ihm umgehen soll. Speziell, wenn er wieder in einem extremen Tief steckt. Ich will ihn unterstützen, ihm helfen, aber ich kann nicht! Und das lässt mich verzweifeln!

Hat jemand vielleicht einen Ratschlag für mich? Wie ich ihm bei seinen Depressionen helfen kann, wie ich ihm helfen kann, sich männlicher (er HASST seinen Körper, sich selbst, ALLES!) zu fühlen? Er ist jetzt nämlich auch ein halbes Jahr von der Schule daheim geblieben (und hat sich natürlich isoliert) und wechselt nach den Sommerferien auf eine neue Schule. Und er hat so große Angst davor (kann ich nachvollziehen)

Danke für alle, die bis hierher gelesen haben.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von JaniXfX, 26

Hallo,

ganz dringend: Das muss in professionelle Hände! Der junge Mann braucht dringend eine Psychotherapie. Du bist Laie und oftmals wirkt das unwissende (normale) Verhalten sogar verstärkend auf die Erkrankung. Ich trenne die Transsexualität von der psychischen Erkrankung nicht. Ich sehe das sehr zusammenhängend - mit der Transsexualität ist auch eine Irritation der Identität einhergehend... das sollte nicht außer Acht gelassen werden; so einfach geht es nicht zu ignorieren.

Das, was Du durch ihn erlebst, ist eine Form von aggressivem Verhalten. Das wirkt auf uns besonders paradox: er scheint gegen sich selbst aggressiv zu sein (ich bringe mich um) - aber das ist seine Form, auch gegen andere aggressiv zu sein (indem er Dich dazu bringt, nach seiner Nase zu tanzen). Es ist für Angehörige (wie Dich) ein sehr betroffen-machendes Instrument, da es bei Dir sehr schnell sehr starke Schuldgefühle auslöst - würde er Dich nur herumkommandieren, dann könntest Du wenigstens sauer auf ihn sein, das scheint sich aber bei solchen depressiven Aggressionen zu verbieten. Problematisch an der Geschichte: Er lernt dadurch jedes Mal, dass seine Art funktioniert. Das Selbstschädliche führt quasi erfolgreich durch sein Leben. Und er selbst muss in einem mühseligen Prozess lernen, anders mit Problemen und Sozialverhalten umzugehen. Das geht, wie gesagt, nur in professioneller Therapie.

Kommentar von Birdinthecage ,

Ich stimme dir zu. Und deshalb ist es für mich auch oft schwer, mit ihm umzugehen, aus Angst, etwas Falsches zu sagen oder zu tun. Und das mit dem aggressiven Verhalten habe ich aus dieser Sicht noch nie betrachtet, auch vielen Dank dafür! 

Antwort
von Firefighter04, 53

Hi :) das ist natürlich ein sehr sehr schwieriges Thema :/ Ich denke, dass das was du für deinen Freund tust echt Respekt verdient hat! :) Du hast euf jeden Fall meinen vollsten Respekt! Und seine Familie hat anscheinend schon vorarbeit geleistet indem sie ihn beschimpft haben ( finde ich unter der Gürtellinie). Für ihn ist es jetzt ganz wichtig jemanden zu haben an den er sich halten kann *dich*. Aber auch für dich ist es sehr wichtig mal abschalten zu können. Einfach mal das Handy für 5-10 min weglegen und an nichts denken, denn nur so bekommst du die nötige Energie die du für deinen Freund benötigst. Du kannst ihm ja auch mal sagen, wie wichtig er für dich ist und das er eventuell sogar einer der wichtigsten Menschen in deinem Leben ist. Aber mach seine Probleme nicht zu deinen! Damit meine ich, dass wenn er dir das nächste Mal so kommt du dir keine Schuldgefühle machen darfst.  Wichtig ist du lässt ihn nicht fallen aber nimm dir auch mal Zeit für dich, deine Familie, dein Leben ;) Und wenn du meinst du hast wieder genug Energie um ihm beizustehen und ihn in den Arm zu nehmen, dann gehst du wieder hin ! Du kannst seine Probleme leider nicht lösen auch wenn du dir wünschst du könntest es, aber du kannst da sein :)  Ich wünsche dir und deinem Freund sehr viel Kraft ! 

Kommentar von Birdinthecage ,

Ich danke dir für die Ratschläge und die liebevollen Worte! 

Kommentar von Firefighter04 ,

Gerne ! 

Antwort
von VanilleCat001, 61

Sei für ihn öfters da und nehm ihn auch mal in den Armen wenn er ein guter Freund von dir ist.

Er sollte sich ausweinen. Dadurch wird man leichter und man hat was rausgelassen. Schaut euch traurige Geschichten oder so auf YouTube an.

Hauptsache sich ausweinen. Halt ihn nicht dabei auf sondern lass ihn. Es tut gut! Gute Besserung und viel Glück!!:)

Kommentar von Birdinthecage ,

Danke für deinen Ratschlag. 

Antwort
von Dontknow0815, 54

Du scheinst nicht viel Erfahrungen mit Depressionen zu haben. 11% der deutschen leiden an einer Depression. Früher kam diese meist zwischen 37 und 45 vor. Jetzt ist der größte Teil zwischen 16-30 jährigen.

Das liegt einfach an der wirtschaftlichen Entwicklung. So viel zur Theorie.

Für deinen Freund sind natürlich keine wirtschaftlichen Hintergründe sondern persönliche Probleme daran schuld. Ablehnung durch die Familie ist meiner Meinung nach das schlimmste was einem passieren kann. Dein Freund sollte diese familienprobleme schnellst möglich lösen.
Dabei sollten die Eltern auch nicht auf die Wirkung nach außen durch die transsexualität achten sondern auf das Wohl ihres Sohnes. Soetwas ist keine Krankheit sondern genetisch.

Du selbst solltest eine gewisse Distanz nehmen. Dich zieht das Thema extrem herunter. Du verzweifelst und das ist meist der erste Schritt in eine Depression. Schlage deinen Freund vor dass du ihn gern bei der Lösung hilfst wenn der Wille seinerseits dafür da ist. Er muss durch eine Therapie oder selbst die Depression bekämpfen. Rate ihn zu Sport und gesunder Lebensweise auch das kann sich sehr positiv auswirken und hat mir damals auch sehr geholfen.

Kommentar von Birdinthecage ,

Ich gebe dir vollkommen recht...ich weiß, dass das auf Dauer nicht gut für mich ist...Ich werde versuchen, es ihm schonend beizubringen und ihm verständlich zu machen, dass ihm da wohl nur eine Therapie helfen kann. Vielen Dank für deine Antwort!

Antwort
von howelljenkins, 43

versuch nicht, seine probleme zu loesen, und mach sie nicht zu deinen.

wenn er abweisend ist oder dir noch die schuld an seinen negativen gefuehlen gibt, setzt er sich ins unrecht (und das weiss er vermutlich auch). 

du kannst einem menschen in so einer situation in der regel nur durch eigene stabilitaet helfen. und das bedeutet, dass du lernen musst, dich abzugrenzen.

wenn er dir das naechste mal bloed kommt, nimm es nicht so ernst und lass dir keine schuldgefuehle machen. du kannst nichts fuer seine probleme.

steh ihm bei, wenn du die zeit und die nerven dazu hast. wenn du selbst sorgen hast oder keine zeit oder einfach lust etwas zu unternehmen, mach dein eigenes ding. das ist auch fuer IHN wichtig, weil es hilft, die konflikte zwischen euch kleiner zu halten.

mach dir klar, dass du nicht fuer ihn verantwortlich bist und deine moeglichkeiten, ihn zu unterstuetzen, begrenzt sind. er ist fuer sich selbst verantwortlich und auch wenn es schwer ist, mit seiner situation klar zu kommen, muss ER es, nicht du. 

sorg fuer dich selbst. triff dich auch mit anderen. tu, was dir spass macht. dann hast du auch viel eher die kraft, ihm hin und wieder beizustehen und nicht das gefuehl, immer nur die gebende zu sein.

Kommentar von Birdinthecage ,

Vielen, vielen Dank! Ich werde deine Ratschläge berücksichtigen und versuchen, mir weniger den Kopf zu zerbrechen. Danke!

Antwort
von Karenuki, 51

Es ist gut, zu einer Familienberatungsstelle zu gehen. Da sind Leute, mit denen du über solche Dinge reden kannst. Es kostet nichts und die haben dort Schweigepflicht und sind in der Regel auch ziemlich nett. Ich glaube, das ist etwas besser als so online...

Antwort
von jaybob, 40

Erstmal verdient dein Engagement Respekt in deinem alter! Aber er brauch auf jedenfall professionelle Hilfe! Du kannst nicht 24/7 für ihn da sein du hast auch dein eigenes Leben....Er sollte auf alle Fälle eine Therapie machen!
Du machst dich nur selbst kaputt...

Kommentar von Birdinthecage ,

Danke für deine Antwort! Ich versuche, so gut es geht, auf mich selbst aufzupassen, aber es ist halt ein wenig schwer, wohlgemerkt für uns beide...und ja, er braucht professionelle Hilfe, und ich hoffe, die bekommt er möglichst bald...

Antwort
von Nashota, 28

Du kannst das nicht stemmen. Für transsexuelle Menschen gibt es Hilfe.

http://www.trans-ident.de/trans-ident-beratungsstelle

Kommentar von Birdinthecage ,

Ich weiß. Danke. Und danke für den Link! 

Kommentar von Nashota ,

Er soll da mal Kontakt aufnehmen. Ich denke, das hilft ihm schon weiter, wenn er da von Menschen beraten wird, die sich selbst mit diesem Thema auskennen.

Kommentar von Birdinthecage ,

Ich werde versuchen, ihn dazu zu animieren. Danke. 

Antwort
von Dianaartem, 38

Keine Ahnung am besten du bringst den zum Psychologen oder so was oder zum Arzt, der weiß besser was man da machen kann.

Ein Frage aber noch (bitte das ist jetzt nicht böse gemeint, ich habe auch was Bedenken das zu schreiben, weil mich hier einer verfolgt und genau darauf achtet ob das für ihn falsch ist und auch sonst gibts noch genug Moralapostel die dann sauer sind) Also glaubst du wirklich, dass du mit so jemand glücklich werden wirst, ich würde davon abraten, aber das ist nur meine persönliche Meinung, bitt net sauer sein, du musste das ja ganz alleine wissen.

Kommentar von Birdinthecage ,

Moralapostel sind immer lästig, mein Beileid! Und danke für die Antwort! Ich muss hier richtigstellen: Mit Freund meine ich nicht festen Freund, sondern einfach ein guter Freund von mir...falls du das gemeint hast! Ich wünsche mir nur, ER würde irgendwann mal glücklich werden...und ja, ich weiß, ich muss loslassen, wenn es nichts mehr bringt...
lg bird

Kommentar von Dianaartem ,

Achso ok, das ist was anderes.

Viel Erfolg

Antwort
von huppelduppel, 16

Das ist äußerst traurig und ich kann seine familie null verstehen.. einfach hart so zu reagieren, richtig unmenschlich..

Sei für ihn da. Rede mit ihm, quasi all das was du schon machst..

Er ist 16 und hat nur noch 2 jahre vor sich in denen er sich zwangsweise mit seiner familie auseinandersetzen muss. hilf ihm bis dahin und wenn es zu krass wird, gibt es soziale einrichtungen die ihm helfen können. darunter fällt ein wohnheim oder auch psychische betreuung. du könntest auch ein expertenteam hier fragen, die haben bestimmt hilfreiche tips!

Ich wünsche dir und besondern ihm alles gute! und cudos an dich, dass du ihm beistehst! Das ist anscheinend nicht selbstverständlich, da ich hier sogar eine antwort lesen musste, die impliziert ihn einfach fallen zu lassen.. schon traurig dass sich hier sowas unsoziales und unloyales lesen lässt..

Zum abschluss: seid stolz auf euch beide. du weil du zu ihm stehst und er weil er durchhält!

Kommentar von Birdinthecage ,

Vielen lieben Dank für deine aufmunternden Worte! 

Kommentar von huppelduppel ,

Gerne. Ein freund von mir ist auch schwul und als er seinen eltern das mitteilte, haben die angefangen zu weinen und akzeptieren das absolut nicht. daraufhin gab es erstmal keinen kontakt, bis sie sich wieder leicht angenähert haben. Aber seinen freund darf er trotzdem nicht mitbringen und das thema homosexualität ist absolut tabu. nichtmal seiner schwester wurde es erzählt, wobei sie wohl bescheid wissen sollte. einfach nur traurig sein eigen fleisch und blut zu verstoßen.. und das wegen ner völlig normalen sache, die sogar so natürlich ist, dass man es bei tieren vorfindet.

Ich kann es mir garnicht vorstellen von meinen eltern und von meinen geschwistern aufgrund so einer sache verstoßen und niedergemacht zu werden.. einfach unbegreiflich. In solchen zeiten sind freunde wie du gold wert und für mich sieht es so aus, als ob du mehr familie für ihn bist, als seine sippe..

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