Frage von Rakete73, 132

Wie soll ich mich verhalten gegenüber meinem Vater?

Ich fang mal an. Von kleinauf ist mein Vater Zwangsneurotiker, d. h., er tut Dinge 5 bis 10 Mal, die man normalerweise einmal tut und braucht dadurch für alles sehr viel Zeit. Spontan rausfahren am Wochenende ging nie. Freunde hatte er nie, da er auch noch cholerisch ist. Er brauchte mein Mutter (die ein lieber Mensch ist) immer nur zum "Fre...en machen" und für den Haushalt. Mich "verwöhnte" er immer mit viel Taschengeld, was ich gar nicht ausgeben konnte (im Osten war das noch), nahm mich auch immer mal in den Arm und sagte mir schon immer mal wieder, dass ich das Beste sei, was er je zustande gebracht hat. Er beschimpfte aber täglich meine Mom und machte sie nieder. Wenn der Thunfisch aus dem Westen mal mehr auf unserer Tischseite stand, schmiss er ihn jähzornig runter. Mutter musste es wegmachen. Er schmiss mir auch schon mal ein Schnitzel mit Ketchup hinterher, dass ich ihm servierte, was mir aber vom teller rutschte. Ein schwerer Latsch wurde auch schon nach mir geworfen. Dazu kam, dass er zweimal die Woche trank. Erst war er lustig, dann pennte er ein und pinkelte überall hin, da er die Peilung völlig verlor. Ich sah das alles mit an. Es kamen auch immer sprüche wie "Ich wollte gar nicht nach Hause kommen" oder "Kriech ihr (Mutter) doch in den Ar...!". Bis sich meine Mutter endlich scheiden ließ. Sie lernte einen anderen Mann kennen und ich zog mit dorthin. Ich hatte endlich ein eigenes Zimmer, kam mir aber abgeschoben vor, da ich nun immer da reingehen sollte und Mama ja mit dem Neuen alleine sein wollte. Das verstand ich damals als 16jährige nicht. Ich trank also öfters mal einen und bekam eine Angststörung mit Depris. Vater klammerte an mir, ich musste ihn einmal die Woche besuchen. Er lud aber immer seine schlechte Laune bei mir ab und bestärkte mich nie, mal selbstständig zu werden. Immer kam "Lass das lieber sein, Du bist nicht geeignet dafür oder Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass Du kochen kannst" oder Wirst Du eigentlich immer fetter?" Oder er brüllte mich am Telefon nieder, wenn er schlechte Laune hatte. Er ist nämlich auch noch schwer depressiv, lässt sich aber nicht behandeln, seien Zwangsneurosen sind so doll geworden, dass er kaum noch das Haus verlassen kann, aber wenn ich ihm sage, dass er krank ist, wird er böse. Zuckerbrot und Peitsche. Ich bin immer sein "kleines Mäuschen", dass auch immer große Geschenke bekommt, auch mal ein Stofftier (ich bin 42!!), er knutscht mich auch immer am Telefon, aber ich will das gar nicht, weil ich einmal die Woche anrufen MUSS, in einem engen Zeitfenster. Und Montag MUSS ich eine SMS schreiben, sonst wird er grantig. Seine Freundin sieht er nur alle vier Wochen und ICH muss ihn zweimal die Woche kontaktieren. Wenn ich dann was "Falsches" erzähle wie "Ich war essen", dann hackt er gleich auf meinem Gewicht rum, ich hatte immerhin damals Magersucht+Bulimie. Ich brach letztens in Tränen aus und beendete den Kontakt. Ich kann die Attacken nicht mehr ab, bin verletzt. Was würdet ihr tun?

Antwort
von GreenDrea, 28

Hallo Rakete73,

Wenn ich mir so durchlese wo du schon alles durch musstest kann ich mir deine Sorge sehr gut vorstellen. Du scheinst all die Jahre den Kontakt zu deinem Vater gehalten zu haben, weil du dir entweder eine 'heile Familie' wünschst (so heil sie eben sein kann), oder weil du nicht wolltest, dass dein Vater allein dahinsiecht.

Es ist dennoch vollkommen richtig, dass du den Kontakt abgebrochen hast. Auch wenn er krank ist, auch wenn er dein Vater ist,  auch wenn Familie doch Familie ist, er hat nicht das Recht dein Leben zu zerstören. Es ist natürlich traurig, dass du ihm nicht helfen kannst. Eine Therapie könnte ihm helfen, aber auch nur dann wenn er das will. Eine fehlende Krankheitseinsicht haben viele psychisch Kranke, daran kannst du dich vielleicht auch noch aus den Anfängen deiner Magersucht erinnern. Irgendwann erkennt man normalerweise, leider nicht immer, dass etwas nicht stimmt und versucht den Fehler zu finden.
Dein Vater hat den Fehler zwar nicht gefunden, aber er glaubt es. Für ihn ist es selbstverständlich, dass deine Mutter an der Scheidung schuld ist und dass du fett bist und dass du ihm jeden Montag eine SMS schreiben musst und es falsch ist das nicht zu tun. Es kommt ihm gar nicht in den Sinn, dass sein Weltbild falsch sein könnte und damit ist alles was du tun kannst dich selbst zu schützen. 

Ich rate dir den Kontakt nicht wieder aufzunehmen. Sollte dein Vater eines Tages eine Aussprache suchen, weil er anfängt zu verstehen dann kannst du ihm beistehen, wenn du es möchtest. Du musst nicht. Es ist allein deine Entscheidung. Und vollkommen egal wie er reagiert: Seine Krankheit ist nicht deine Schuld und nicht deine Verantwortung.
Fängt er an dich mit anrufen zu bombardieren kannst du seine Nummer sperren lassen, steht er vor deiner Tür und du willst nicht reden, dann mach einfach nicht auf oder wenn es ganz schlimm kommt: ruf die Polizei oder ziehe um ohne ihm deine Adresse zu geben. sollte er einen Anfall haben und zusammenbrechen bist du verpflichtet einen Krankenwagen zu rufen. Du musst ihn aber nicht ins Krankenhaus begleiten. Und selbst wenn das Allerschlimmste passiert und er sich etwas antut: Du bist nicht an seinem Unglück schuld!

Solltest du Probleme haben dich von ihm zu lösen, weil du um ihn besorgt bist, Albträume hast, versucht bist doch ans Telefon zu gehen,...: Nimm dir einen Psychologen. Die sind nicht nur da um 'die Verrückten zu behandeln' sondern auch um zu verhindern, das man erst verrückt wird. 

Ich wünsche dir viel Kraft und alle Gute!
Drea

Antwort
von Blindi56, 30

Dein Vater ist krank und will sich nicht helfen lassen. DU bist erwachsen und selbständig und kannst ihm nicht helfen.

Selbst wenn es Dir weh täte: mach es wie deine Mutter und brich den Kontakt ab. Sag ihm, Du meldest Dich erst wieder, wenn er professionelle Hilfe annimmt. Das muss er von sich auch machen! Telefon ausmachen, neue Handynummer....

Wenn Du die Möglickeit hast (wie groß ist die räumliche Trennung?), bitte einen nachbarn oder Freund/Freundin Deines Vaters, weiter nach ihm zu sehen und Dir Bescheid zu sagen, wenn ihm was passiert oder so. Damit Du Dir nicht möglicherweise Vorwürfe machen musst, Du hättest Dich nicht  gekümmert.

Er hat Dir die Hälfte Deines Lebens schwer gemacht, das reicht....

Kommentar von Rakete73 ,

Ich danke Dir sehr! Das ist ein guter Tipp.

Antwort
von Allexandra0809, 36

Wie kann Dich Dein Vater zwingen, dass Du Dich zweimal in der Woche melden musst? Mach es doch einfach nicht. Melde Dich nur einmal in der Woche. Selbst wenn er grantig wird, so legst Du einfach auf. Er muss eben lernen, dass er nicht Dein Leben bestimmen kann.

Es war ganz bestimmt nicht einfach für Dich, aber Du musst Dich mehr um Dich selbst kümmern. Vielleicht wäre auch eine Therapie für Dich angebracht. Red doch mal mit Deinem Arzt darüber.

Kommentar von Rakete73 ,

Das Schlimme ist, dass er die Therapie bräuchte. Ich hatte schon, aber kam trotzdem nicht los von ihm. Er machte mir so ein schlechtes Gewissen...

Kommentar von Allexandra0809 ,

Kann ich gut verstehen. trotzdem musst Du versuchen, weniger Kontakt mit Deinem Vater zu haben. Es bringt Dir ja nichts, wenn er Dir ein schlechtes Gewissen einredet. Du musst auf Dich und Dein Leben achten. Dein Vater ist für sich selbst zuständig.

Ich bin zwar der Ansicht, dass Kinder nach ihren Eltern sehen sollen, wenn diese krank oder alt sind. Jedoch will sich Dein Vater ja von außen nicht helfen lassen. Vielleicht muss er erst mal so weit kommen, damit er sich dann auch helfen lässt.

Antwort
von Koellemann, 47

Mit einer Zwangsneurose (vor allem wenn sie stark ausgepraegt ist) ist das natuerlich immer schwieirg, diese Menschen lieben Muster und es muss alles nach diesem Muster ablaufen, ansonsten passt es ihnen nicht, du kannst dir ueberlegen deinen Vater von anderen Mustern zu ueberzeugen, die ihm eventuell sogar den Alltag erleichtern (zB Anrufe an jedem 7. Tag +1, etc etc).

Da dein Vater dir immer noch Kuscheltiere schenkt und dich kleines Maedchen nennt haengt er erinnerungstechnisch bestimmt noch in der Zeit fest als du wirklich ein kleines Maedchen warst und er wahrscheinlich auch viel gleucklicher war da du ja sein ein und alles bist/warst.

Vielleicht kannst du ihm anhand eines fotoalbums dass du mit ihm zusammen anschaust veranschaulichen dass du jetzt eine erwachsene Frau bist die mitten im Leben steht (eventuell mit deinem Partner zusammen).

Ich wuerde dir aber auf jeden Fall empfehlen dir professionelle Ratschlaege bei einem Psychologen zu holen.

Viel Erfolg und LG

Kommentar von Rakete73 ,

Genau, als kleines Mädchen, das ich aber nicht mehr bin. Danke :-)

Antwort
von pauli232, 38

Puh das ist eine total schwere Situation und es tut mir unendlich Leid für dich! Ich kann das wahrscheinlich echt nicht nachvollziehen. Aber das du den Kontakt abgebrochen hast war bestimmt super schwer, da er ja immer noch dein Papa ist. So wie es sich aber anhört, ist diese Entscheidung die Richtige für dich, da du ja darunter schon mehr als einmal gelitten hast. Dein Vater will sich ja auch nicht helfen lassen, aber vielleicht sieht er durch deine Entscheidung und diesen Schritt ein, dass es Zeit wird etwas zu ändern. Mit ihm reden wird wahrscheinlich nichts bringen, so wie ich das verstanden habe.
Ganz viel Kraft, du schaffst das!

Kommentar von Rakete73 ,

Reden hatte ich nochmal versucht, aber er wurde gleich wieder laut und sah nichts ein. Bringt nichts. Okay, danke Dir!

Antwort
von Ostsee1982, 12

So hat nun jeder seinen Rucksack im Leben zu tragen. Ich bin 20 Jahre meines Lebens mit Prügel groß geworden und habe heute zu meinen Eltern dennoch ein normales Verhältnis. Ganz gleich ob man es selbst lernt oder auch mit Hilfe eines Therapeuten kann man im Erwachsenenalter gut lernen sich von Altlasten zu distanzieren und diese zu verarbeiten. Wenn ich mir deinen Text durchlese, finde ich, dass du für dich selbst viel zu wenig einstehst und keine Grenzen setzt. Du bist nicht das kleine Kind sondern ein eigenständiger, erwachsener Mensch.

Du "musst" deinen Vater nicht kontaktieren zu festgelegten Zeiten sondern machst das offenbar aus Angst und Pflichtbewusstsein. Die Probleme deines Vaters sind seine Probleme, nicht deine. Ich würde ihm das auch sagen und eine klare Grenze setzen. Wenn du nicht aktiv wirst wirst du aus diesem Kreislauf nie raus kommen und kannst dein Leben ewig fremdbestimmen lassen. Bleibt nur die Frage ob du das möchtest und wenn nicht, was du dann vor hast, aktiv dagegen zu tun. Von alleine klärt sich das nicht.

Antwort
von Gisadeel, 31

also ich kenne das eine zwangsneurose zu haben das ist nicht einfach und ich glaube das er für manche Sachen zwar nichts kann aber sein verhalten gegenüber dir und deiner mutter ist nicht in Ordnung! vielleicht solltest du ihm zum Psychologen schicken und der wird ihm sicherlich weiter helfen aber wenn du auch kein kontakt mehr mit ihm haben möchtest solltest du es dann auch dabei belassen aber rede einfach mal mit ihm darüber mehr kann ich nun auch nicht sagen ich hoffe ich konnte dir etwas helfen

Kommentar von Ostsee1982 ,

Man kann keinen erwachsenen Menschen zum Psychotherapeuten schicken der es nicht freiwillig, von sich aus, will.

Antwort
von ShitzOvran, 40

Wenn dir der Kontakt so weh tut, dann unterbinde diesen. Er ist zwar dein Vater, aber wie du schon selber schreibst... Er will sich nicht helfen lassen. Du bist 42 Jahre alt und bist auf so einen Vater nicht angewiesen. Niemand muss sich schlecht behandeln lassen. Vllt muss er ganz unten ankommen um Hilfe zu wollen.

Kommentar von Rakete73 ,

Danke! Das habe ich mir nämlich auch gedacht... :-(

Antwort
von AngiMia, 13

Also irgendwie ist es sehr schade wie dein leben so verlaufen ist (so was du hier jetzt geschrieben hast)

Es ist nicht immer leicht ein scheidungskind zu sein man hat viel mehr Ballast mit sich rum zu tragen als Kinder aus einer Familie in deren die eltern glücklich verheiratet sind.

Meiner Meinung nach hatte deine Mutter damals den Fehler gemacht und dich so zu sagen " weg geschoben" um mit ihrem neuen partner die zweisamkeit zu genießen ..Riesen Fehler von deiner mutter!

Dein vater so hart es auch klingt braucht dringend Hilfe ...ich kenne das mein Vater ist auch mal ausgerastet. ..aber das ist keine Entschuldigung ...du kannst nichts für seine Krankheit ...er sollte sich helfen lassen! Und wenn er das nicht mag ...dann trenne einfach mal für ein zwei Monate den Kontakt ab ...und melde dich mal nicht bei ihm ...mal sehen ob er sich bei seiner Tochter meldet.

Fakt ist du bist 42 und du kannst nicht dein Leben lang nach deinem vater tanzen ...klingt zwar hart ist aber so ...du hast auch ein eigenes leben ...indem du es dir erlauben darfst glücklich zu sein!

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