Kai aus Berlin am 10.05.2008 um 0:40 Uhr
Ich hatte gerade einen Anruf von einem Bekannten, der mir eine "wirre" Geschichte erzählte und auch Suizidgedanken äußerte. Neben einem schweren Schicksalsschlag vor 2 Jahren ist er zudem schon seit Jahren arbeitslos und war eigentlich immer angetrunken, wenn ich in letzter Zeit mit ihm sprach. Er hat sich in den vergangenen Monaten mit fast allen Freunden verstritten, wird in seinem Verhalten immer unzufriedener und streitsüchtiger. Nach dem heutigen Telefonat vermute ich bei ihm eine schwere psychotische Störung der o.g. Ursachen. Er hält sich für normal und vom Schicksal ungerecht behandelt und will nicht in therapeutische Behandlung. Wie soll ich tun? Wie kann man in diesem Fall helfen?
Klingt nach einem Fall für Telefonseelsorge. Die wissen auch Stellen, an die man sich wenden kann.

Die Polizei umgehend wegen Gefahr eines Suizid informieren.
Polizei kann erst etwas tun, wenn etwas passiert ist :-(
tradaix am 10. Mai 2008 00:46 @Achat: Das stimmt so nicht. Die Polizei muss präventiv einschreiten.
Strolschi am 10. Mai 2008 00:54 da geb ich dir recht, die Polizei nimmt ihn wenigstens eine Nacht in Verwahrung
bitmap am 10. Mai 2008 01:11 Mit welcher Begründung sollte die Polizei das tun?
@tradaix: Das höre ich gerne!
bitmap am 10. Mai 2008 01:05 Das kommt auf das PsychKG des jeweiligen Bundeslandes an.
Kai aus Berlin am 10. Mai 2008 00:49 Er hatte in letzter Zeit auch schon gegenüber Anderen Suizidgedanken erwähnt - ich hatte heute nicht den Eindruck, dass es akut wäre. Er ist im Moment auch irgendwo unterwegs - ich weiß nicht wo.
Strolschi am 10. Mai 2008 00:52 versuch ihn doch nochmal anzurufen und ruhig auf ihn einzureden oder heraus zufinden wo er steckt, dann die Polizei benachrichten. Versuchs mal
tradaix am 10. Mai 2008 00:55 @Kai aus Berlin: Dein Bekannter sendet Hilferufe, weil er alleine keine Lösung findet. Er braucht eine professionelle Betreuung.
Kai aus Berlin am 10. Mai 2008 01:02 Das sehe ich auch so, deshalb frage ich hier nach den Möglichkeiten.
Menschen die den Suizid ankündigen "schreien" nach Hilfe, aber begehen diesen in aller Regel nicht. Allerdings ist natürlich eine Alkoholisierung immer eine Gefahr, das er sich selbst nicht mehr kontrollieren kann und "Dummheiten" macht.
aline1507 am 10. Mai 2008 02:32 @fairlane: zu deinem 1. Satz: woher willst du das wissen? Jeder angekündigte Suizid sollte ernst genommen werden - und das ist nicht nur meine Meinung, sondern auch die der lehrenden Medizin; und wenn man sich den von Kai beschrieben Lebenslauf so anhört, ist die Sache wohl erst Recht ernst zu nehmen...
@Kai: im Akutfall kannst du auch einen Rettungswagen + Notarzt rufen, der Arzt hat das Recht ihn in die Psychatrie einweisen zu lassen. Ansonsten finde ich die Idee von Achat (psychologische Telefonseelsorge) sehr gut für dich - die sind Profis und können dir die besten Tips im Umgang mit deinem Freund geben. Ich wünsch dir viel Glück und hoffe, dass er doch noch Krankheitseinsicht zeigt und sich therapieren lässt!

Selbst wenn dein Eindruck richtig ist, und selbst wenn du ihn mit mehr oder weniger Gewalt zu einem Therapeuten oder Psychiater schleppen würdest: es würde nichts nützen, so lange er nicht selbst davon überzeugt ist und es selbst will.
Sprich mit ihm noch einmal ausführlich über seine Schicksalsschläge, damit ihm deutlich wird, wie er leidet. Das muss sein, ohne Leidensdruck wird er sich nicht helfen lassen. Mach ihm dann konkrete Vorschläge, wie alles wieder besser werden kann. Er braucht eine Perspektive. Dabei kannst du vielleicht helfen (Behandler suchen, begleiten). Er hat ja wohl sonst niemanden mehr.
Das wäre eine große Hilfe. Mehr kannst du nicht tun. Verantwortlich bist du nicht!
aline1507 am 10. Mai 2008 02:33 DH!
Angela2305 am 10. Mai 2008 08:18 Das ist eine super Antwort, DH
"Sprich mit ihm..." Ich meine, bei der dramatischen Symptomatik ist ein Laie ueberfordert und es ist auf jeden Fall die Mithilfe von Profis noetig. Siehe dazu meinen Beitrag.

Das hört sich sehr nach Alkoholismus an die Symtome passen jedenfalls dahin. Das wird ja von den Betroffenen nie zugegeben, aber daraus resultiert dann eben das Pech, Misserfolg, Depression und Suizidgedanken. Telefonseelsorge ist da schon die erste und eine gute Anlaufadresse. Aber dann bald zu einem guten Arzt. Dann vielleicht eine Selbshilfegruppe. Aber den Betroffenen dazu zu bringen die Einsicht zu bekommen, daß er Hilfe braucht, das ist die Schwierigkeit. Eine gewisse Härte bei der Hilfeleistung ist angebracht.
Angela2305 am 10. Mai 2008 08:23 Den Verdacht habe ich auch. Er merkt vielleicht dass er aus seiner Abhängigkeit nicht alleine rauskommt. Fazit: Er trinkt weiter, bemitleidet sich selbst. Versuche ihn zu stärken, dass er erstmal eine Selbsthilfegruppe aufsucht. Die Adresse der anonymen Alkoholoker findest Du im Telefonbuch. Da gibt es auch immer eine Kontaktadresse. Wende Dich doch mal da hin. Das sind alles selbst Betroffene, die wissen von was sie reden. Ich wünsche Dir viel Kraft ? LG

Die Antwort vom Tradaix ist korrekt: Pol, , die holt den Amtsarzt und der den rettungsdienst zur ZE in eine Fachklinik... Diese einweisung geschieht unter Richtlinien der Psych KG... Begründung... Fremd/Eigengefährdung...
Da haben schon sehr viele Leute Ratschlaege gegeben und ich lese immer wieder den Hinweis auf Polizei, Amtsarzt usw. Das mag zwar im Notfall, wenn keine Zeit mehr ist, zutreffen, fuehrt aber oft zu einer Krise bis zum Bruch in der Beziehung zu der Person, die offizielle Stellen eingeschaltet hat.
Wichtig scheinen mir in der Beziehung zu der betroffenen Person Achtung (als Gegensatz zu Verachtung) und freundliche Zuwendung ohne Ueberfuersorglichkeit.
Den Rat von Selbsthilfegruppen wegen dem Alkoholproblem einzuholen bzw. die Leute dort vielleicht um eine direkte Kontaktaufnahme mit dem Betroffenen zu bitten halte ich fuer unerlaesslich. (Z.B. Anonyme Alkoholiker AA, Selbsthilfegruppe fuer Angehoerige AlAnon, Kreuzbund, Guttempler, Blaues Kreuz)
Professionelle Helfer duerfte es in Berlin viele geben, wahrscheinlich sind dort Sozialpsychiatrische Dienste oder Gesundheitsamt als Erstes die Ansprechpartner.
du hast nur die möglichkeit gut auf ihn einzureden...rechtliche mäglichkeiten hast du nicht bzw du kannst ihn nicht gegen sein willen ihn in eine psychiatrie befördern. hat er eine familie? dann sprich mit ihnen und versucht eine lösung zu finden
Kai aus Berlin am 10. Mai 2008 00:51 Er wohnt bei seiner 75-jährigen Mutter, um die er sich kümmert. Ich werd es wohl nochmal mit einem Gespräch versuchen, wenn er nüchtern ist.

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Erzwingen kann man nichts. Wenn er es selber nicht einsieht das er Hilfe brauch bleibt nur die Möglichkeit eine Einweisung in eine Psychatrie und das willst du bestimmt auch nicht. Alles gute
Angela2305 am 10. Mai 2008 08:24 Das ist richtig, DH
DAS wäre Adresse No. 2