Frage von suessigkeit99, 116

Wie soll ich das ganze durchhalten und wann fängt wieder unser ganz normales Leben an?

Hallo, also wo fange ich an. Begonnen hatte es halt mit einer echt schlimmen Krankheit bei meinem Vater namens Magendarmkrebs. Seit er eine Chemotherapie bekommen hatte, verhielt sich mein Vater dann gegenüber uns echt seltsam. Ab 2016 wurde es dann viel schlimmer. Er stritt immer mehr alles ab und das was richtig war, meinte er es stimmt gar nicht. Meine Mutter hat damals wirklich nur 2 Tage von Russland nach Deutschland gebraucht und mein Vater schrie sie an und beleidigte sie a kurze Zeit als dumm, obwohl sie selbst weiß das sie so lange brauchte nach Deutschland zu kommen. So, er hat bei mir auch manchmal so reagiert oder hatte immer wieder mal Ausraster zwischen uns. Das schlimme daran ist, mein kleiner Bruder lässt einfach nicht los und stresst ihn halt dadurch mehr, wobei dann sein ganz komisches Verhalten zum Vorschein kommt. Mein kleiner Bruder wird manchmal aggressiv und heult dann einfach los, wenn er nunmal eine Schulaufgabe erledigen muss, es nur 3 Seiten zum schreiben sind und er meint dass es zu viele sind. Nichts desto trotz habe ich es geschafft das er 3 Seiten schreibt, weil ich ihm das ganze diktiert hatte. Sonst wäre das ganze noch viel schlimmer ausgeartet und mein Vater hätte ihn bestrafen können und dann wäre mein Vater noch mehr mies drauf und dann wäre es wieder ein schlechter Tag für uns alle gewesen. So, da mein Vater die Chemotherapie gemacht hat, wissen wir alle nicht genau wie wir damit umgehen sollen, ein guter Tipp hatte ich mal gehört wir sollten ihn nicht stressen. Das hilft schon irgendwie, er war zum Glück diese Woche normal und hat uns nicht angeschrien gehabt. Bloß die Sache mit meinem Bruder ist halt knifflig er ist 9 aber wenn wir versuchen mit ihm normal zu sprechen und er soll es lassen unseren Vater zu stressen, weil dann sonst dieses Verhalten von ihm wieder zum Vor käme. Weil mein Vater ist zu manchen Zeit irgendwie ein anderer Mensch, als ob er nicht mehr derselbe wäre wie früher. Früher war er halt viel normaler und wir konnten mit ihm öfters normal. Doch jetzt ist es leider so, dass ich in diesem ständigem Angst lebe und mich nicht wohlfühle zu leben weil er manchmal wenns wieder kommt, dann so behandelt. Kann das aufhören und wenn ja wann? Ich will halt endlich mal wieder so normaler leben wie früher, da wo mein Vater halt wirklich ein richtiger Vater war. Und nicht einer der sofort auf einen Schlag manchmal zum bösen Menschen wird und meint wir würden das falsche sagen. Früher wars nie so. Ich hoffe, jemand versteht mich. Brauche halt echt Hilfe und mache mir ständig Sorgen das es nie aufhören wird.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Buddhishi, Community-Experte für Angst, Gesundheit, Krankheit, 59

Hallo Suessigkeit99,

ja, das verstehe ich alles sehr gut. Manche Menschen reagieren so nach einem schweren Schlag durch eine Erkrankung, ich habe das alles selbst erlebt und weiß, wie unberechenbar der 'Kranke' dann sein kann und man selbst das Gefühl hat, ständig auf einem 'Pulverfass' zu sitzen, dass jederzeit explodieren kann.

Man weiß nicht mehr, was man wann wie sagen darf und ist komplett verunsichert. Es gibt 'Kranke', die irgendwie den Schock, den das Krankheitserlebnis in ihnen ausgelöst hat, überwinden. Aber das ist leider nicht immer der Fall.

Ich kann Dich also entweder belügen und sagen, dass alles wieder gut wird. Oder ich sage Dir die Wahrheit: Ich weiß es nicht, wie es sich bei Deinem Vater weiterentwickeln wird. Ich kann nur mit Dir hoffen, dass er bald wieder 'normal' wird, also umgänglicher. Aber ob er je wieder ganz der 'alte Vater' sein wird, das glaube ich eher nicht.

Es kann nämlich auch ganz anders werden: Das er ein viel besserer Vater wird. Einige Menschen lernen aus solch einer schweren Phase ihres Lebens, dass es nicht unendlich ist und fangen an, bewußter zu leben, das Leben mehr zu genießen und sogar noch liebevoller zu ihren Mitmenschen zu werden, weil sie wissen, dass man sich nicht für ewig hat.

Vielleicht gelingt es Dir ja auch, diese Gedanken mal behutsam mit Deinem Vater zu besprechen?

Alles Liebe und Gute

Buddhishi

Kommentar von carsten2013 ,

Super Hoffnung: Aus einer Krankheit positiver herauskommen:)

Kommentar von Buddhishi ,

Danke, Carsten2013, Deine Antwort finde ich ebenfalls super. Aber das habe ich tatsächlich erlebt, dass Krankheit durchaus im Nachhinein als sinnvoll betrachtet wurde und als Anstoß, etwas im Leben zu ändern, zu verbessern.

Das ist übrigens auch oft nach anderen Krisen der Fall, aus denen man gestärkt hervorgehen kann :-) LG

Kommentar von CeliBeee ,

Ich kenne es ebenso. Mein Großvater hatte damals auch 3 verschiedene "Arten" von Krebs aufeinmal, er lernte das Leben mehr zu schätzen, dann verstarb er. Manche lernen daraus. Ich wünsche euch einen schönen Abend und deinen Vater, suessigkeit99 eine gute Besserung.

Kommentar von Buddhishi ,

Danke, CeliBeee, Dir auch noch einen schönen Abend :-)

Kommentar von suessigkeit99 ,

Danke an euch alle, sowas gibt mir echt Mut. Kann er trotzdem noch sich dann mehr positiv verändern obwohl er schon fast 55 Jahre alt ist?

Kommentar von Buddhishi ,

Natürlich, Suessigkeit, das hat nichts mit dem Alter zu tun, sondern eher mit der inneren Einstellung zum Leben. Ich hoffe es für Dich und Deinen kleinen Bruder.

Ich glaube, er ist mit der Situation einfach überfordert und hat vermutlich irre Angst, seinen Papa zu verlieren. Du sicherlich auch, aber da Du älter bist, kannst Du anders damit umgehen. Bitte versuche vor allem Eurer Mutter das verständlich zu machen, damit sie dem Kleinen trotz ihres eigenen Kummers vielleicht etwas mehr Sicherheit vermitteln kann.

Es ist für alle eine sehr schwere Zeit. Ich denke an Euch und bete für Euch. Ich mache abends oft eine Kerze für die Traurigen an, heute wird sie für Euch brennen.

Wenn Du weiteren Zuspruch brauchst, melde Dich bitte wieder :-)

Kommentar von suessigkeit99 ,

Werde ich aufjedenfall mal machen. Tja, man konnte ja leider nie wissen ob er Magendarmkrebs bekommen wird und mein Vater aß halt komische Sachen die man roh eigentlich nicht essen durfte, doch das war sowieso nicht mehr zu verhindern. Ich werde weiterhin versuchen stark zu bleiben.

Kommentar von Buddhishi ,

Das ehrt Dich :-) Bitte versuchen aber auch trotzt allem an Dich selbst zu denken. Ich gebe Dir mal einen Tipp mit, wo Du jederzeit anonym und kostenlos anrufen kannst, um Dich selbst auch mal aussprechen zu können, denn hier ist ja nur schreiben möglich: Kummertelefon oder Telefonseelsorge.

Es ist wichtig für Dich, nicht alles in Dich hineinzufressen und für Dich einen Ausgleich zu finden, sei es Sport, ein gutes Buch, irgendetwas, das Dich erfreut und ablenkt. Okay?

Kommentar von suessigkeit99 ,

Danke, das werde ich machen. Und ablenken werde ich mich sowieso, sowie da auch mal anzurufen. :)

Kommentar von suessigkeit99 ,

Achja und ich bin ja bald 18. Kann ich dann da trotzdem noch anrufen?

Kommentar von Buddhishi ,

Telefonseelsorge auf jeden Fall und Kummertelefon weiß ich zwar nicht genau, aber ich denke schon.

Kommentar von Buddhishi ,

Vielen Dank für den Stern :-)

Antwort
von carsten2013, 42

Ja, dein Vater hat eine schlimme Krankheit, wo er nichts weiß, ob er das Überleben wird. Da ist es verständlich und völlig normal, dass das Leben nicht so bleibt wie es war.
In dieser schwierigen Phase ist familiärer Rückhalt wichtig wie nie.
Ihr solltet euren Vater, auch wenn das schwer fällt, diesen Rückhalt geben.
Sprecht ihm Mut zu, helft ihm Alltag, macht Ausflüge und habt gemeinsam einfach eine schöne Zeit, soweit das möglich ist, auch wenn er krank ist.
Die Psyche spielt bei Krankheiten eine große Rolle und kann auch über Genesung entscheiden.
Wie lange diese Phase andauert kann dir niemand sagen.
Wenn es gut läuft und ihr ihn unterstützt kann wieder etwas Normalität in euer Leben kommen, vielleicht wird es sogar wieder zeitweise wie früher.
Aber sicherlich wird es immer wieder Phasen geben, in denen er traurig/ wütend sein wird, und auch das muss man respektieren, und dann für ihn ganz besonders da sein.
Ich hoffe für euch, dass er (bald) gesund wird und bete für euch, denn auch das kann das ein oder andere Wunder bewirken :)

Liebe Grüße

Kommentar von CeliBeee ,

Eine sinnvolle und nette Antwort (: Warscheinlich ist dein Vater auch frustriert, er hat den Hintergedanken das er evt sterben könnte, das frustriert ihn, macht ihn wütend und traurig.

Kommentar von suessigkeit99 ,

Das mit den Ausflügen klingt nicht schlecht. Wenn bloß meine Mutter nicht so viel arbeiten würde. Und wenn wir dieses Jahr wieder in den Urlaub fahren, hoffe ich mal das wir uns dann alle entspannen können.

Kommentar von carsten2013 ,

Ich wünsche euch alles Gute!

Kommentar von suessigkeit99 ,

Dankeschön, wir müssen halt da echt durch und ich muss irgendwie stark bleiben.

Antwort
von CeliBeee, 41

Hallo suessigkeit99
Dein Vater ist in einer schwierigen Situation, er hat Krebs, Chemo und alles drumherum. Da muss sein angestauter Frust wohl manchmal rausgelassen werden.. Rede mal mit ihm darüber wenn er im "normalem Zustand ist" Deinem kleinen Bruder würde ich auch mal zur Seite nehmen und erklären wie es Papi geht und das er sich nicht so verhalten darf.. Ansonsten könnt ihr leider nicht viel machen als euren Vater zu schonen und in Frieden zu lassen. Ich weis es ist eine schwere Zeit, aber ihr schafft das schon. Wie steht's denn mit deinem Vater? Ist es arg schlimm oder ist er auf dem Weg der Besserung?
Wünsche euch alles gute und Glück!
-Lg CeliBeee

Kommentar von suessigkeit99 ,

Also wie eben, diese Woche z.B wurde es besser, wurden nicht von ihm angeschrien usw. Doch das kann sich immer wieder innerhalb kürzester Zeit ändern, wenn er halt arg gestresst wird. Deshalb, wir versuchen meinem kleinen Bruder das zu erklären, doch auch das klappt einfach nicht, er meint manchmal er hat wegen unserem Vater diesen Stress und deswegen würde er einfach los heulen.

Kommentar von suessigkeit99 ,

und vielen Dank

Kommentar von CeliBeee ,

Keine Ursache.. Dann tut es mir leid aber ihr könnt nur abwarten und die Zeit mit ihm genießen. Das wird alles schon, ich wünsche euch das Glück der Welt, und allen anderen kranken ebenso. Wie geht es deinem Vater denn körperlich, also der Krebs.. Ist es arg schlimm oder schon fast überwunden?

Kommentar von suessigkeit99 ,

Naja wenn er manchmal wenn wir alleine zuhause sind oder die Mutter am arbeiten ist oder ich in der Schule war und er nach dem spazieren nachhause kommt, fällt er halt einfach so dann um.

Kommentar von suessigkeit99 ,

Körperlich ist er momentan auch nicht immer fit.

Kommentar von CeliBeee ,

Hm Okey das ist natürlich nicht so schön. Was sagen denn die Ärzte wie sein Zustand ist?

Kommentar von suessigkeit99 ,

Er war seit langem nicht mehr beim Arzt und lässt sich momentan nicht mehr dahin schicken.

Kommentar von CeliBeee ,

Hm.. Okey alles gute noch und mein Beileid!

Antwort
von sommerfrage, 16

Finde, wurde schon sehr viel schönes gesagt dazu!

Gerade mit dem Stress, Frust usw.! Aber es gibt auch Menschen, die denken (nur denken, muss nix so sein), dass sie ihre Krankheit nix überleben und es den Angehörigen leicht machen wollen, wenn sie nix mehr da sind. Damit die Lieben später nix in Trauer versinken, motzen sie vorher rum um nix mehr so geliebt zu werden und ihr froh seit, wenn er weg ist oder so ähnlich! Hoffe Du verstehst was ich meine?

Zeigt ihm, dass er euch nix abschrecken kann mit dem Gemecker, und ihr auch versteht, dass er es nix leicht hat im Moment. Vllt. auch kleine Botschaften verteilen, so das er sie findet (1/Tag?). Es könnte darauf stehen: "Wir wissen Du schaffst das, weil Du stark bist!", "Egal was Du machst, wir lieben Dich!", "Dein Tag, soll so gut wie es jetzt möglich ist werden!", "Freuen uns schon darauf, wenn Du wieder OK bist zusammen..........(was ihr gerne zusammen gemacht habt immer) können!"

Ihn nix überfordern aber auch nix wie ein rohes Ei behandeln. Ihn mal um Hilfe bitten, bei Hausaufgaben oder was auch immer, so das er sich nix nutzlos vorkommt und sieht er wird gebraucht.

Eben solche Sachen ausprobieren. Habe ja k.A. wie Dein Dad so darauf reagiert!

Wünsche ihm so schnell wie möglich, gute Besserung und Dir (mit Familie) viel Kraft in der Zeit! ::-)



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