Frage von Salser,

Wie soll ich auf Indirektes Mobbing durch Chefin reagieren?

Ich arbeite seit 6 Jahren als Therapeutin(!) in einer Praxis mit 15 Mitarbeitern. 5 jahre lang ging alles gut man war mit meiner Arbeit und auch mit mir als Kollegin/Mitarbeiterin zufrieden und ich habe fast nie wegen Krankheit gefehtlt. Seit 20 Monaten bin ich an Multipler Sklerose erkrankt und war deshalb für 2,5 Monate am Stück und dann nochmal für 12 Arbeitstage und jetzt gerade aktuel für 8 Arbeitstage krank. Also mehr als durchschnittlich. Jedes Mal wenn ich nach einem Krankheitsschub zur Arbeit komme werde ich erst sehr freundlich empfangen und dann kommen irgendwelche Beschwerden die Kollegen (angeblich) über mich gemacht haben. Es sind zwar jedes Mal Dinge, die ein en wahren Kern haben, aber es wird jedes Mal wesentlich übertrieben, Fakten vermisch überspitzt...Heute habe ich eine Akenkundige Belehrung über das (angeblich mehrfach ausgesprochene und von mir nicht eingehaltene)Verbot der Verwendung bestimmter Stifte erhalten. Soll ich diese wie gefordert unterschreiben und einfach so tun als ob dass alles ganz normal sei, oder mir einen Anwalt nehmen?

Insgesamt macht mir meine Arbeit sehr viel Spaß, ich werde gut bezahlt, habe günstige Rahmenbedinungen und die Chefin sehe ich eh kaum, aber ich stehe unter enormem Druck keine Fehler zu machen.Alle bisherigen Gespräche mit der Chefin verliefen so dass meine Chefin mir immer freundlich zu verstehen gegeben hat, dass ich einfach mehr Fehler mache als früher, dass diese Ermahnungen nichts mit meiner Erkrankung zu tun hätten, dass meine Kollegen das auch so sehen UND das ich durch meine STÄNDIGE KRANKHEIT ja auch einen ERHEBLICHEN VERLUST für die Praxis sei.

Ich habe keine Ahnung ob es besser ist, so zu tun als ob alles in Ordnung ist, diese Belehrung einfach unterschreiben und lächelnd und emsig weiter zu Arbeiten, oder nochmal um Gespräche zu bitten?

Antwort von asteppert,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Hallo Salser,

das hört sich alles sehr nach einer wirklich raffiniert ausgeführten Mobbingsache an, die damit enden soll, dass du deinen Hut nimmst. Allerdings ist das nur eine Vermutung von mir.

(angeblich mehrfach ausgesprochene und von mir nicht eingehaltene)Verbot der Verwendung bestimmter Stifte erhalten

Das würde ich an deiner Stelle nicht unterschreiben, denn du sagst ja "angeblich", also stimmt diese Sache gar nicht. Wenn du unterschreibst, dann stimmst du ja zu, dass es so war!

Ein Anwalt würde Wunder wirken. Wie sind die Kollegen, denn du sagst, die hätten sich auch angeblich beschwert? Könntest du mit denen reden?

Jedenfalls lass dich nicht "rausmobben", du bist sicher im Recht.

Gruß Alfred

Kommentar von Salser,

"(angeblich mehrfach ausgesprochene und von mir nicht eingehaltene)Verbot der Verwendung bestimmter Stifte erhalten" Genau da ist meine Schwierigkeit, es ist zum Teil wahr. Wir hatten ein am 1.8.11 Rundschreiben erhalten, dass wir "Rollerball-Stifte" nicht mehr zum ausfüllen von Rezepten nehmen dürfen, und dass habe ich nach dem ich es wußte auch nicht mehr gemacht, allerdings habe ich wiederholt versäumt, alle vorher mit dem falschen Stift ausgefüllten Rezepte mit einem richtigen Kugelschreiber zu überschreiben. Das war auf jeden fall ein (kleiner) Fehler meinerseits nur wenn alles andere super wäre (z.B nicht Krank) hätte man mir lächelnd gesagt, "du solltest doch die Rezepte vor dem abgeben kontrollieren, denk daran bitte"... Von der Sache her hat die Chefin also Recht, aber sie übertreibt völlig mit der Reaktion und die "Aktenkundige Belehrung" lag an meinem ersten Arbeitstag nach der Krankheit auf meinem Schreibtisch.

Als ich das letzte mal (vor 7 Monaten) nach ein paar Tagen Krankheit zurück kam, wollte meine Chefin mich wegen "gehäuften Beschwerden von vielen Kollegen" sprechen. auch da stellte sich raus, das tatsächlich Kolleginen bei der Chefin einige kleine Organisationsprobleme (die ich auch wirklich hatte!) angesprochen hatten, aber sie daraus ein "es sind ALLE der meinung dass .." "Es haben sich viele darüber beschwert dass...". Im Gepräch mit dem ganzen Team wurde dann schnell aus einem "Alle"= "2 Kolleginnen " "dass Du standig/immer..." = es kam eine kurze Zeitlang gehäuft vor dass Du...weil es dir warscheinlich gerade nicht so gut ging, aber dass ist seitdem wir dich drauf angesprochen haben auch übrhaupt nicht mehr vorgekommen..."
Es sind also keine Lügen, sondern Halbwarheiten. Ich glaube gegen echte Lügen könnte ich mich einfach besser wehren.

Hab ihr noch ein paar ganz konkrete Tips?

Kommentar von asteppert,

Hallo Salser,

das ist natürlich weit schwieriger, sich gegen Halbwahrheiten zu wehren.

Jede Halbwahrheit hat ja den Lügenkern in sich, sonst wäre es ja Wahrheit. Konkrete Tipps sind sehr schwer zu geben. Aber es ist normal, dass zum Beispiel 2 oder 3 KollegInnen als ALLE gelten. Das alleine ist nicht einmal etwas, das ich deiner Chefin ankreiden kann. Hole dir auf jeden Fall Hilfe, sei es bei einem Anwalt oder der Gewerkschaft, IKH, AK, was auch immer in deinem Fall zuständig ist. Alleine wirst du das nicht schaffen.

Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute, viel Kraft.

Gruß Alfred

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