Frage von bachforelle49, 144

Wie sind Schule und Lehrer auf Flüchtlinge und ihre Kinder vorbereitet?

Immer wieder fallen trotz neuer Einstellungen Schulstunden aus, die zu Lasten unserer Kinder gehen, die ohnehin mit der Verkürzung der Schuljahre (G8) zu kämpfen haben, wenn sie denn Abitur machen wollen. Jetzt tut sich ein neues Faß (ohne Boden) auf, nämlich der stete Zuwachs neuer Schüler und Schülerjahrgänge via Zustrom durch Flüchtlinge und ihrem Anhang. Ungeanhnte Überfüllungen der jeweiligen Klassen wegen fremdsprachiger neuer Schüler bahnen sich an.. Wie ist die Schule bzw. das Schulministerium darauf vorbereitet, und haben wir genug Lehrer für alle?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von 1988Ritter, 46

:-)))....auch hierbei werden mal wieder die Ressourcen gesprengt.

Hinsichtlich Deiner Befürchtungen zum erfolgreichen Abitur kann ich Dich aber beruhigen.

Gemäß den Erhebungen des Bundesamtes für Arbeit weisen 80% der Flüchtlinge einen geringen bis gar keinen Bildungsstand auf.

Weiterhin haben wir bei der Flüchtlingswelle einen Anteil von jungen Männern mit mindestens 75%. Lediglich 25% sind als Familie ins land gelangt. Dies bedeutet, bei 1.1 Millionen Flüchtlingen sind lediglich 275.000 als Familie gekommen. Gehen wir dabei mal von Eltern und zwei Kinder aus, dann unterhalten wir uns über ca. 137.500 Kinder. 

Nehmen wir die Erhebung des Bundesamtes für Arbeit, 137.500 x 80% = 110.000, dann gehen lediglich 27.500 Kinder im gesamten Bundesgebiet auf eine weiterführende Schule. 

Das kann man verkraften.

Übel wird es lediglich bei Hauptschulen ausschauen.

Kommentar von bachforelle49 ,

Hauptschulen `sterben `ja ohnehin aus; wer was auf sich hält und Verantwortung für seine Kinder trägt, schickt sie auf die Realschule oder aufs Gymnasium alternativ Gesamtschule. Das ist natürlich traurig, denn im Handwerk zB reicht vielfach die Hauptschule bei ansonsten gesundem Menschenverstand, aber die Firmen nehmen ja nur die B e s t e n... Das zum stressigen Ausleseprinzip der Firmen und Betriebe... Bedeutet im Umkehrschluß, daß bislang gar keine Vorbereitung stattgefunden hat, und man sich wieder erstmal gemütlich zurücklehnt

Kommentar von 1988Ritter ,

Vielen Dank für die Auszeichnung.

Antwort
von whabifan, 36

Gar nicht, das nennt sich learning by doing. Seit Jahrtausenden wendet der Mensch dieses Prinzip an, denn die Gesellschaft und die Lebensumstände ändern sich permanent. Sind wir deshalb ausgestorben? Nein! In dem Land in dem ich gross geworden bin sind fremdsprachige Schüler seit Jahrzehnten ein Phänomen das auftritt. Und trotzdem klappt es sehr gut. Dies läuft dann halt über Sprachkurse und vor allem über den täglichen Kontakt mit Muttersprachlern. Kinder können Sprachen sehr schnell lernen. Erwachsene Menschen wissen wie schwer es ist eine Sprache zu lernen. Für Kinder ist es zwar auch schwer, aber Kinder können sich alles merken, von daher denke ich nicht dass dies ein Problem ist. Es ist eine Herausforderung, aber der Mensch wächst an Herausforderungen und mit dem Mensch auch das System, in dem Fall, das Schulsystem. In Zeiten der Globalisierung, wo Reisen nicht mehr ein Privileg für Reiche ist, sondern immer mehr Menschen die Möglichkeiten haben ihre Heimatländer oder ihre Kontinente zu verlassen ist dies einfach nur eine Herausforderung die auf Lehrer, Schulministerien und auch auf die Schüler zu kommt. Dies hat viele Vorteile. Wenn Leute aus arabischsprachigen Ländern zur Schule gehen, dann ermöglich dies einen kulturellen Austausch und auch einen sprachlichen Austausch. Neben der Tatsache dass Kinder und Erwachsene aus beispielsweise Syrien Deutsch lernen, haben vor allem deutsche Kinder auch die Möglichkeit arabisch zu lernen beispielsweise. Und arabisch ist eine wunderbare Sprache, die ich gerne mal lernen würde und auch werde. Lg 

Antwort
von Ansegisel, 84

Es werden momentan so viele Lehrer neu eingestellt, wie schon lange nicht mehr. Viele davon auch unbefristet. Es wird also tatsächlich Geld in die Hand genommen, um Flüchtlingskinder so gut wie möglich in die Schulen zu integrieren ohne den normalen Lehrbetrieb zu belasten.

Die Kinder werden zunächst bis zu zwei Jahre hauptsächlich in Deutsch unterrichtet. Dies geschieht in gesonderten Klassen. Erst wenn gewährleistet ist, dass die Kinder dem deutschen Regelunterricht folgen können, werden sie in die normalen Klassen integriert. Die normalen Klassen platzen daher auch nicht aus allen Nähten, weil die Flüchtlingskinder in diesen erst nach und nach ankommen.

Kommentar von bachforelle49 ,

Na, dann ist ja alles im Lot und die Bilanz am Ende des Jahres im Reinen - frag mich nur, warum Monate später dann auffällt, daß ein paar Hundert Millionen mehr fällig sind als geplant und daß bei soviel überstudierten Betriebswirtschaftlern

Kommentar von Ansegisel ,

Alles, was für Bildung ausgegeben wird, ist bestens investiertes Geld.

Expertenantwort
von rotesand, Community-Experte für Kleidung, Auto, Mode, Schule, 49

Hallo!

Ich würde es nicht so dramatisch sehen! Es ist mMn Schwarzmalerei pur, wenn man denkt, dass die Klassen sich aufgrund nichtdeutschsprechender Kinder überfüllen & das Lernklima letztendlich dadrunter leidet!

Bin zwar kein "Gutmensch", aber es ist m.E. nicht korrekt bzw. unfair wenn man in Flüchtlingen das Argument für Unterrichtsausfall sucht.. das gab's auch laaaaaange vor dem Zuzug nach Deutschland (zu meiner Schulzeit vor 10-20 Jahren; RS-Abschluss 2007) & da führt auch in Zukunft ganz bestimmt kein Weg vorbei.. selbst an personell gut aufgestellten Schulen, denn nicht immer ist es möglich einen Vertreter zu finden der ggf. auch fachlich auf dem Laufenden ist für das Fach. Und einfach Beaufsichtigung während die Schüler Zeitung lesen oder Handygames zocken ist auch nicht der Sinn der Sache.. außerdem betrifft Ausfall idR auch nur Randstunden, wo es Sinn macht sie früher gehen oder später kommen zu lassen!

Außerdem: In den Schulen, die ich kenne (sind einige) kommen Asylbewerberkinder erst dann in den Regelschulbetrieb, wenn sie Angebote wie Vorbereitungs- oder Förderklassen bzw. Deutschunterricht durchlaufen haben & nach eingehender Prüfung ihres Lern- und Sprachverhaltens auf Deutsch klar sichergestellt ist, dass sie im Regelklassenbetrieb auch mitkommen. Diese Klassen werden von ehrenamtlichen Kräften oder stundenweise abgeordneten freiwilligen aus dem Lehrerzimmer betreut. Diese Lösung finde ich persönlich wirklich gut!

Kommentar von Gugu77 ,

Diese Klassen werden von ehrenamtlichen Kräften oder stundenweise
abgeordneten freiwilligen aus dem Lehrerzimmer betreut.

Zwei Anmerkungen dazu.

Ehrenamtliche dürden die Aufnahmeklassen nicht unterrichten. in NDS und Nordrhein Westfalen haben die Schulen allerdings ein Budget bekommen, um befristet Lehrer für DAZ einzusstellen. Eingestellt werden Pensionäre als auch diejenigen, die noch keine Planstelle haben (z.B. nach dem Studium).

NDS stellt auch Hochschulabsolventen mit Magisterabschlüssen ein, NRW hat noch rigide Vorlagen, wie ein Staatsexamen, bevorzugt Deutsch als Lehrfach.

Allerdings gehen langsam die Ressourcen zu Ende, so dass die Anforderungen sinken.

Antwort
von Sanja2, 57

Die ganz normalen Regelschul Klassen unseres Schulsystems sind davon nicht betroffen. Die Übergangsklassen für Flüchtlinge sind oft überfüllt bzw. Schüler bekommen keinen Platz mehr. Da du von G8 schreibst gehe ich davon aus, dass du vom Gymnasium sprichst. Die wenigsten Flüchtlinge schaffen es aufs Gymnasium und die wenigen haben schon noch Platz. Lehrer werden vom Gymi überhaupt nicht abgezogen. Gymnasiallehrer ist eine eigene Ausbildung und wird nicht einfach in einer anderen Schulform eingesetzt. Nur werden auch Gymnasiallehrer die am Gymi nicht angenommen wurden evtl. auch in einer Übergangsklasse beschäftigt, der wurde aber vorher nicht in den Schuldienst am Gymi übernommen und sucht sich somit einen anderen Arbeitsplatz. Schulen die Übergangsklassen haben bekommen dafür auch die entspechenden Lehrerstunden refinanziert.

Antwort
von botanicus, 26

Die Lehrer Deiner Kinder haben mit den (deutschunkundigen) Neuankömmlingen gar nichts zu tun, und sobald die Flüchtlinge Asylanten sind und die Regelschule besuchen können, kompensieren sie noch nicht einmal die abnehmenden Schülerzahlen an unseren Schulen.

Ich weiß nicht, für welches Bundesland Du sprichst (bei Schulfragen sollte man das immer angeben), aber zumindest bei uns in Bayern ist der Stundenausfall nicht groß.

In den von mir unterrichteten Klassen gibt es durchaus viele Kinder "mit Migrationshintergrund", aber die hindern niemanden am Lernen, bereichern kulturell die Klassen und lernen innerhalb beachtlich kurzer Zeit unsere Sprache.

Kommentar von bachforelle49 ,

NRW, im Brennpunkt des Geschehens

Kommentar von botanicus ,

Okay, aber das ändert auch nicht viel. Flüchtlinge gibt es hier wie dort. Wie gut Eure Personaldecke ist, weiß ich natürlich nicht.

Antwort
von FooBar1, 24

Es müssen viel mehr Lehrer eingestellt werden. Auch Queereinsteiger. Das ist ein Teil der riesen Chance die ich sehe um weiter an die Vollbeschäftigung und mehr Wohlstand für alle heranzukommen. 

Antwort
von Nunuhueper, 31

Lehrer sind sehr schlecht oder gar nicht auf die Vergrößerung ihrer Schülerzahl vorbereitet, man spekuliert nur mit den Zahlen. Von den Sprachproblemen der Migrantenkinder mal abgesehen.

Als sehr problematisch aber sehe ich die ungleiche Bezahlung der beamteten und angestellten Lehrer, die beide die gleiche Leistung erbringen müssen.

In Berlin wird es demnächst daher zum Lehrerstreik kommen und die Schüler samt Eltern sehen "alt" aus.

Kommentar von DolphinPB ,

"Als sehr problematisch aber sehe ich die ungleiche Bezahlung der
beamteten und angestellten Lehrer, die beide die gleiche Leistung
erbringen müssen."

1. Das hat mit irgendeiner Flüchlingsproblematik gar nichts zu tun.

2. Ich kann es nicht mehr hören. das gibt es in anderen Bereichen auch, nicht nur bei den Lehrern. Das ist eine komplett andere Besoldungsgrundlage, und im Übrigen wäre noch die Frage welche Bezahlung man mit welcher Bezalung vergleichen will. Die Gehaltsstruktur ist eben auch eine andere.

Kommentar von Nunuhueper ,

Die Mehrarbeit mit Flüchtlingskindern belastet auch die Lehrerschaft. Ich weiß, wovon ich rede.

Wenn Du das nicht mehr hören kannst, so bist Du sicher in der glücklichen Lage, Beamter mit komplett anderer Besoldungsgrundlage zu sein. 

Diese Begründung kann ich auch nicht mehr hören.

Antwort
von fds16, 45

Zu wenig Lehrer sind schon lange ein Probelm   hört endlich auf Probleme die wir sowieso schon haben immer auf die Flüchtlinge zu setzen.  

Je nachdem wie an einer Schule sowieso schon die Lehrersituation ist haben diese Schule jetzt natürlich mehr Probleme, wenn dann jemand Krank wird. Sonst machen viele Lehrer freiwillig mehr Stunden bzw. müssen mehr Stunde machen um auch Flüchtlinge zu unterichten.  Das ist nämlich wichtig damit Flüchtlinge hier richtig ankommen können. 

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