Frage von mehmetcetin, 84

Wie sind die Vorraussetzungen zur Gründung eines gemeinnützigen Vereins?

Hallo Leute! Ein Freund und ich haben ein Modelabel gegründet, dass nur Klamotten verkauft die umweltfreundlich hergestellt und fair trade gehandelt werden. Wir beide verdienen an diesen Klamotten keinen Cent, spenden jedoch den Gewinn. Ich habe mit den zuständigen Behörden bereits gesprochen, die konnten mir jedoch keine genau Auskunft geben da sie von solch einer Form vorher noch nie gehört haben. Ich würde erstmal gerne wissen ob man so etwas als gemeinnützigen Verein anmelden kann und falls ja, ob man die steuern absetzten kann, da wir unsere Klamotten derzeit aus Dänemark beziehen und die MwSt. dort bei 25% liegt. Falls jemand mir da weiter helfen kann wären wir ihm sehr sehr dankbar!

Beste Grüße das Azalie-Clothing-Team Raphael & Mehmet

Antwort
von NickgF, 39

Breites Feld, schau mal ab Seite 10

https://broschueren.nordrheinwestfalendirekt.de/herunterladen/der/datei/150720-v...


Kommentar von mehmetcetin ,

Ist sehr Informativ, würde nur noch gerne wissen ob das auch für Baden-Württemberg gilt.

Kommentar von NickgF ,

Da es sich um Bundesrecht handelt, dürfte es keine länderspezifischen Unterschiede geben.

Die BW-Ausgabe zum Thema bekommt man hier >

https://mfw.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/m-mfw/intern/Dateien/Publi...

Antwort
von DerSchopenhauer, 31

"Ein Freund und ich haben ein Modelabel gegründet, dass nur Klamotten
verkauft
die umweltfreundlich hergestellt und fair trade gehandelt
werden."

Entscheidend bei der Beurteilung der Gemeinnützigkeit ist nicht was ihr mit dem Gewinn macht (komplett spenden) sondern ob die Tätigkeit als solche gemeinnützig ist - wenn Waren verkauft werden, ist das kein gemeinnütziger Zweck gem. § 52 (2) AO (Abgabenordnung).

Innerhalb eines gemeinnüzigen Vereins wäre das ein wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb (körperschaft-, gewerbesteuer- und umsatzsteuerpflichtig).

In diesem Fall kann auch kein (seltener und genehmigungspflichtiger) wirtschaftlicher Verein anerkannt werden, da eine andere Rechtsform außer Verein zumutbar ist.

Kommentar von DerSchopenhauer ,

Ein mildtätiger/gemeinnütziger Verein würde z. B. vorliegen, wenn die Waren nur an eine förderungs- und unterstützungswürdige Klientel (z. B. ALG-II-Empfänger, Behinderte etc.) kostenlos oder gegen eine symbolischen Betrag abgegeben werden - ein Verkauf der Waren an andere, als die anerkannten Personengruppen, würde dann aber zum Entzug der steuerlichen Begünstigung führen.

Ein bekanntes Beispiel sind die Tafeln, die Lebensmittel an bedürftige Personen abgeben (es ist jede einzelne Bedürftigkeit zu prüfen und zu dokumentieren) - schon die Abgabe an nur eine Person, die die Kriterien nicht erfüllt, kann zur Aberkennung der Mildtätigkeit/Gemeinnützigkeit führen.

Das Gemeinnützigkeitsrecht kennt keine Sanktionen wie Ordnungsgelder bei Verstößen, sondern es kann die Gemeinnützigkeit direkt aberkannt werden.

Kommentar von DerSchopenhauer ,

Wenn Waren, wie im oben genannten Fall (besondere Klientel) abgegeben werden und es damit gemeinnützig/mildtätig wäre, könnten auch Waren an andere Personen verkauft werden, aber das wäre dann ein wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb innerhalb eines gemeinnützigen/mildtätigen Vereins (Folgen siehe erster Kommentar) - diese Bereiche müssen streng getrennt werden und es dürfen keine Gelder aus dem ideellen Bereich für den wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb verwendet werden (strenge und ständige Kontrolle durch das Finanzamt, ob das eingehalten wird).

Grundsätzlich kann ein gemeinnütziger/mildtätiger Verein folgende Bereiche haben:

Ideeller Bereich

gemeinnützige/mildtätige Anerkennung durch Finanzamt - Satzung muß der Mustersatzung der AO entsprechen.

keinerlei Steuern und es dürfen Zuwendungsbestätigungen bei Spenden ausgestellt werden.

Vermögensverwaltung

keinerlei Steuern

Zweckbetrieb

Umsätze, die mit dem gemeinnützigen/mildtätigen Zweck unmittelbar zusammenhängen und die zur Aufrechterhaltung der satzungsgemäßen Zwecke dienen UND man darf nicht im Wettbewerb zu Wirtschaftsunternehmen stehen.

(Körperschaft- und Gewerbesteuerfrei) aber Umsatzsteuerpflicht (ermäßigter Steuersatz 7%)

wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb

jede andere wirtschaftliche Betätigung

(steuerpflichtig in allen relevanten Steuerarten)

Die Gewinne müssen zwingend für satzungsgemäße Zwecke verwendet werden.

Kommentar von mehmetcetin ,

Was wäre dann die beste Option für uns?

Wir denken über eine UG nach, jedoch muss man dabei 25% seines Gewinnes "sparen" bis man 25000€ hat um eine GmbH zu gründen.

Gibt es noch irgendwelche anderen Optionen die für unser Modell passender wären?

Das würde uns extrem weiter helfen.

Kommentar von DerSchopenhauer ,

Das läßt sich aus der Ferne nicht beurteilen - dazu sollte ein Steuerberater hinzugezogen werden, da viele individuelle Aspekte berücksichtigt werden müssen...

Expertenantwort
von wfwbinder, Community-Experte für Steuern, 46

Natürlich könnt Ihr einen Verein gründen, braucht aber 7 Gründer, nicht nur 2.

Dann müsst Ihr die Satzung beim Finanzamt einreichen und die entscheiden nach der Satzung (Mustersatzungen im Internet), ob Ihr die Gemeinnützigkeit bekommt.

Natürlich sind Verkäufe Umsatzsteuerpflichtig. Vorsteuer kann abgezogen werden. 

Aber Einkäufe in Dänemark sind innergemeinschaftliche Einkäufe, also Ihr werdet beliefert, ohne das der Lieferant Umsatzsteuer berechnet udn ihr versteuert den innergemeinschaftlichen Einkauf und könnt dann den Betrag als Vorsteuer wieder abziehen.

Was bei gewährter Gemeinnützigkeit entfallen würde, wäre die Körperschaftsteuer.

Wovon wollt ihr leben? Angestellte beim Verein? Dann muss die Satzung entsprechend geschrieben sein.

Lasst Euch professionell beraten.

Kommentar von mehmetcetin ,

Vielen Dank schonmal für die Antwort!

Der Lieferant berechnet uns bei jeder Bestellung 25% des Nettobetrags. So kommen wir von 12,77€ für einen Pullover auf knapp 16€. Wir wollen die Preise natürlich auch so gering wie möglich halten.

Das ist nicht das wovon wir leben wollen. Sollten wir mal Angestellte haben, werden die, wie alle anderen, Fair bezahlt, nur wir, die das ganze gegründet haben, wollen kein Geld damit verdienen da wir der Meinung sind dass wir nicht von anderen erwarten können zu spenden während wir daran verdienen.

Kommentar von wfwbinder ,

Der Berechnet Euch die Dänische Umsatzsteuer nur, weil ihr als Privatpersonen bestellt  und nciht als Unternehmer. Ihr müsst natürlich (für Euch, oder dann für den Verein) eine USt-ID beantragen. So sind die 25 % für Euch einfach verlorenes Geld.

Oder ihr verkauft hier als Kleinunternehmer.

Antwort
von eccojohn, 5

Laßt diesen Gedanken lieber gleich mal aussen vor - man zieht euch seiten des Fiskus das Fell schneller über die Ohren, wie ihr einmal mit dem Auge gezwinkert habt. 

Die sitzen dabei auf einer besseren Geldquelle wie die Araber beim Öl, schrecken vor nichts und niemanden zurück, und prozessieren wenn sie unrecht haben so lange bis ihr Pleite seit - dann haben sie wiederum ihr RECHT.  So auch das Recht zum Kauf von geklauten Steuer-CD´s. Wenns das Gesetz nicht hergibt, wirds wenn erforderlich und zielführend einfach mal geändert.

Gemeinnützigkeit ist der größte Schwindel den unsere Politiker jemals fabriziert haben. Frag mal bei irgend einer gemeinnützigen Einrichtung an, welch riesige Vorteile die wirklich haben !!

Beispiel: Deine durchgelatschte alten Käse-Socken sind amtlich als Müll deklariert wenn Du sie entsorgen willst - die Entsorgungshoheit dafür liegt bei den Komunen. Wirfst Du sie in einen gemeinnützigen Kleider-Container, wird´s wieder ein Wirtschaftsgut - von wegen Gemeinnützigkeit - die besteht dann darin, STEUERN ZU ZAHLEN für amtlich deklarierten wertlosen Müll, der dann nach ebenso amtlichem Verständniss GOLD wert ist.

Füttere erst mal einen ordentlichen Steuerberater für alle Infos, damit ihr wenigstens DANN auch eine einigermaßen machbare Chance habt. 

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