Frage von Fallon, 66

Wie sieht es mit der Kündigungsfrist und Renovierung bei einem Todesfall aus?

Hallo,

die Mutter meines Freundes ist vorgestern plötzlich verstorben und nun muss u.a. ihre Wohnung gekündigt werden. Wir sind beide noch ziemlich jung und überfordert und unerfahren mit so einer Situation. Die Mutter lebte von Hartz 4. Im Normalfall gibt es ja eine Kündigungsfrist von 3 Monaten. Wie sieht es in diesem Falle aus? Muss mein Freund die Miete für diese 3 Monate weiter bezahlen, da er der Erbe ist? Da er noch studiert, lebt er von Bafög, ist also nicht gerade so vermögend, dass er 2 Wohnungen finanzieren könnte. Und wie sieht es mit der Renovierung aus - muss mein Freund diese auch übernehmen?

Danke und LG

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von bwhoch2, Community-Experte für Mietrecht, 45

Da er als Erbe erbt, erbt er hoffentlich soviel, dass er max. 3 Monate Miete zahlen kann. Erbt er nicht soviel oder würde er gar noch Schulden erben, sollte er das Erbe ausschlagen.

Schlägt er das Erbe aus, wird der Vermieter die Wohnung entrümpeln, um sie so schnell wie möglich wieder vermieten zu können. Stößt er dabei auf Geld, das in Kissen eingenäht war, Goldbarren im Wäschefach etc., gehört ihm alles, denn Dein Freund hätte das Erbe ja ausgeschlagen. Deshalb lieber erst einmal alles genau prüfen.

Denk daran, dass es eigentlich eine Kaution geben müßte. Wenn diese von der Mutter bezahlt war, ist sie auch Teil des Erbes. So kann es gut sein, dass man ruhig das Erbe annehmen kann. Man räumt dann so schnell wie möglich die Wohnung aus und kommt ggf. den Renovierungspflichten nach. Goldbarren, Bargeld, Schmuck, das man unerwarteter Weise noch findet, gehört dann Deinem Freund und wenn der Vermieter bereits nach einem Monat wieder einen neuen Mieter findet, reduziert sich die Mietzahlung auf den/die Monat/e des Leerstands.

Also lieber erst mal genau hinschauen und nicht sofort Panik bekommen.

Kommentar von bwhoch2 ,

Danke für die Auszeichnung und noch mein herzliches Beileid nachgereicht.

Antwort
von peterobm, 66

ALG 2, klingt für sich, da wird nicht viel zu holen sein! Besser wäre es viell. das Erbe abzulehnen, damit wäre für ihn alles erledigt; da kümmert sich das Amtsgericht. Für die Kosten der Beerdigung wird er nicht herumkommen. 

Im Erbfall kommt er auch für sämtliche Schulden und Verpflichtungen auf. http://www.erbrecht-wuerzburg.de/checkliste-erbfall/

Antwort
von andie61, 61

Wenn er der Erbe ist übernimmt er auch alle Pflichten aus dem Mietvertrag,und da gelten auch bei einem Todesfall die Kündigungsfristen.Was die Renovierung  betrifft hängt es davon ab wie es im Mietvertrag geregelt ist,und wie der Zustand der Wohnung ist.Wurde die Wohnung ohne Beanstandung übergeben muss er auch die letzte Heiz und Nebenkostenabrechnung übernehmen,Gutschriften und die Mietkaution gehen auch an ihn.

Kommentar von TrudiMeier ,

Gutschriften und die Mietkaution gehen auch an ihn.

Sehe ich anders. Das geht m. E. nicht an den Erben sondern zurück an die Arge - die habens ja bezahlt. Zumindest die Nebenkosten - wer die Kaution gezahlt hat ist ja nicht bekannt.

Kommentar von andie61 ,

Stimmt,hatte ich überlesen das es Hartz4 Bezug war.

Antwort
von ChristianLE, 45

Im Normalfall gibt es ja eine Kündigungsfrist von 3 Monaten. Wie sieht es in diesem Falle aus?

Die Kündigungsfristen bleiben in diesem Fall bestehen. Laut § 563 BGB treten die Erben automatisch in das Mietverhältnis ein, so dass dieses zeitnah gekündigt werden sollte (Sofern das Erbe angetreten wird).

Und wie sieht es mit der Renovierung aus - muss mein Freund diese auch übernehmen?

Das lässt sich ohne Kenntnis des Mietvertrags und des Zustandes der Wohnung nicht beurteilen.

Expertenantwort
von isomatte, Community-Experte für Hartz 4 & Hartz IV, 43

Sollte die Mutter keine Ersparnisse haben,dann würde ich an seiner Stelle das Erbe beim Nachlassgericht innerhalb von 6 Wochen ausschlagen,dann müsste er auch nicht für evtl.noch entstehenden Kosten aufkommen !

Er darf dann aber aus der Wohnung außer Papiere,Fotos usw.nichts entfernen.

Was dann die Kosten der Bestattung usw. betreffen,die muss er dann beim Sozialamt beantragen,wenn er selber bzw.keine anderen Unterhaltspflichtigen leistungsfähig sind.

Es werden dann allerdings nur die notwendigen Kosten übernommen,also eine einfache Urnenbeisetzung und das ganze sehr wahrscheinlich auf einer grünen Wiese die dafür vorgesehen ist.

Kommentar von geckobruno ,

Das Sozialamt zahlt eine würdige und angemessene Bestattung. Auch eine Erdbestattung oder ein Urnengrab.

Oft zahlen sie aber keine Trauerfeier. Auch Kosten für Bekleidung, Redner und anschließender Kaffeetafel werden nicht übernommen.

Das ist aber von Stadt zu Stadt verschieden. Unseres zahlt z.B. auch einen Teil für die Urne und bei einer Erdbestattung auch den Sarg (sofern es ein einfaches Modell ist).

Auch Blumen werden bei uns gezahlt (einen festen Betrag gibt es dafür).

Kommentar von isomatte ,

Das ist bei uns anders,dass bei einer Urnenbeisetzung auch die Urne vom Sozialamt gezahlt wird ist ja logisch,wenn es entweder keine Angehörigen mehr gibt oder aber diese nicht leistungsfähig sind !

Aber eine Bestattung mit Sarg gibt es bei uns nicht,dass übernimmt das Sozialamt bei uns nicht,denn erstens ist ein Sarg bei weitem kostspieliger als eine Urne und zweitens würden dann ja noch Kosten für den Platz anfallen.

Das spart sich das Sozialamt alles ein bei uns,da gibt es eine große Wiese und das war es dann auch,gibt es Angehörige können die natürlich mit dabei sein und wenn nicht,dann ist meist nur 1 Mitarbeiter des Sozialamtes dabei,ein paar Blumen und ggf.einen kleinen Kranz gibt es auch,aber das liegt nicht lange.

Antwort
von TrudiMeier, 54

Wenn die Mutter deines Freundes von Hartz4 gelebt hat, dürfte es da nicht viel zu erben geben. Es besteht die Gefahr, dass dein Freund auch Schulden erbt. Es wäre vielleicht am sinnvollsten das Erbe auszuschlagen. Dafür hat er aber nur 6 Wochen Zeit. Aber dann ist er auch das Wohnungsproblem los. Wenn er das Erbe ablehnt, darf er aus der Wohnung bis auf Papiere und verderbliche Lebensmittel nichts entfernen, sonst gilt das Erbe als angenommen.

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