Frage von pvmrathalos, 54

Wie sichern sich Piloten gegen sehschwäche ab?

Ich habe gelesen dass viele, oder besser gesagt die meisten Airlines nur piloten mit maximal +-3 Dioptrien einstellen. Aber die sehstärke kann sich über die vielen Jahre hinweg verändern. Wie sichern sich Piloten dagegen ab, oder muss man einfach mit diesem Risiko Leben?

Expertenantwort
von ramay1418, Community-Experte für Pilot & fliegen, 20

Das Risiko liegt beim Piloten - und beim Optiker, denn der muss eine Brille anfertigen, welche die Anforderungen des PART-MED der EASA-FCL erfüllt. 

Die EU lässt ja für Berufspiloten +5,0/-6,0 Dioptrien auch bei der Erstuntersuchung zu, wenn durch eine Brille die Sehleistung vollständig hergestellt werden kann. Und es gibt nur noch wenige Airlines, die geringere Toleranzen fordern; selbst bei LH ist man schon länger bei den gesetzlichen Vorgaben (bzw. bei +/-5,0) angelangt (noch vor Einführung der FCL undenkbar), auch wenn dann der Gutachterausschuss entscheiden muss. 

Die Augenuntersuchung allein umfasst ja rund ein Dutzend Punkte, die bezüglich einer Erkrankung überprüft werden; da ist der Visus das kleinste Problem. 

So schlimm ist das also nicht. Es gibt jede Menge Piloten, die eine Brille tragen, auch im Grenzbereich. Es wird dann von der Luftfahrtbehörde, bei uns dem LBA, eine Sondergenehmigung ins Medical und in die Lizenz eingetragen und in der Fliegerakte ein Vermerk angelegt, dass z. B. eine Augenuntersuchung nicht 1x jährlich, sondern evtl. alle drei Monate zu erfolgen hat. 

Und natürlich kann sich ein Pilot gegen Fluguntauglichkeit und den damit verbundenen Verlust der Lizenz versichern. Bei den großen Unternehmen gibt es aber auch fast immer die Möglichkeit einer Bodenbeschäftigung, z. B. als Dispatcher oder als Simulatorlehrer oder auch etwas ganz anderes zu machen, vielleicht Flugbegleiter. 

Das Risiko, seine (verminderte) Arbeitskraft dem freien Markt zur Verfügung stellen zu müssen, ist nicht Null, aber überschaubar. 

Kommentar von pvmrathalos ,

Danke!

Antwort
von Pilotflying, 7

Der Gesetzgeber lässt bei der Erstuntersuchung zum Medical Klasse I sogar noch viel schlechtere Werte zu. 

Die Airlines kochen halt ihr eigenes Süppchen und picken sich die besten raus. Denn wenn man die Werte noch unter denen des Gesetzgebers ansetzt, ist nach oben hin noch Luft. Die Augen werden mit zunehmendem Alter immer schlechter. Das ist ein natürlicher Prozess. Allerdings sind die Augen und die Fehlsichtigkeit nur ein kleiner Teil.

Die meisten Piloten werden aus ganz anderen Gründen untauglich. Man geht in der Fliegerei immer ein gewisses Risiko ein, denn Krankheiten, die zur Untauglichkeit - wenn auch vielleicht nur zur vorübergehenden Untauglichkeit - führen,  gibt es haufenweise.  Natürlich kann man vielen Krankheiten durch eine gesunde Lebensweise vorbeugen, aber eben nicht allen. Damit bleibt ein gewisses Restrisiko.

Daher haben viele Piloten eine loss of licence Versicherung, die für solche Fälle einspringt. Diese Versicherung ist allerdings nicht billig und ganz einfach kommt man nicht in den Genuss,  Leistungen zu erhalten. Denn die zahlen nicht bei jedem Zipperlein.

Antwort
von Hardware02, 23

Es gibt eine "Loss of Licence" Versicherung, und ich kann mir nicht vorstellen, dass es Piloten gibt, die diese nicht abschließen.

Kommentar von pvmrathalos ,

Man verliert ja die Lizenz nicht in dem sinne. sondern man wird von keinem Arbeitgeber mehr genommen verlieren Tut man die Lizenz meinen Recherchen zu Folge erst ab 8dioptrien

Antwort
von Luftkutscher, 25

Durch eine sog. Lost-of-Licence-Versicherung. Falls ein Pilot aufgrund fortgeschrittenen Alters tatsächlich fluguntauglich werden sollte, dann springt die Versicherung ein und zahlt eine monatliche Rate, damit der Ex-Pilot nicht zum Sozialfall wird. 

Kommentar von pvmrathalos ,

Die Lizenz behält man ja laut meinen Recherchen bis +-8 Dioptrien. Nur nimmt einen anscheinend ab +-3 keine Airline mehr. Habe dann zwar die Lizenz aber keinen Job. müssen Piloten einfach mit diesem Risiko Leben?

Kommentar von Luftkutscher ,

Du musst unterscheiden zwischen den Einstellungskriterien, die jede Airline für sich festlegt und den gesetzlichen Vorgaben. Wenn eine Airline einen Bewerber einstellt, dessen Visus den Vorgaben des Arbeitgebers entspricht und sich der Visus im Laufe der Jahre verschlechtert, dann bedeutet das nicht, dass er dann entlassen wird. Eine Entlassung aus dem fliegerischen Dienst tritt erst ein, wenn er von den Luftfahrtmedizinern gegroundet wird. Es könnte somit durchaus Piloten geben, deren Visus schlechter als +/- 3 Dioptrien liegt.    

Kommentar von Pilotflying ,

Die Lizenz nimmt Dir niemand weg - die ist unbefristet gültig und verfällt nicht. 

Falls die gesundheitlichen Anforderungen für das Medial Klasse I nicht mehr vorliegen, gibt es halt kein Tauglichkeitszeugnis mehr  - und ohne das darf nicht mehr geflogen werden. So einfach ist das. 

Aber nur weil man mit zunehmenden Alter schlechter als 3 Dpt. sieht, wird man von der Airline nicht vor die Türe gesetzt. Da wären viele Piloten  (einschließlich mir) arbeitslos.

Kommentar von pvmrathalos ,

Dann ist man aber für immer an die Airline gebunden aber danke für die Antwort!

Antwort
von SiViHa72, 31

Ich kann mir nicht vorstellen,d ass es eine versicherung gibt, die das anbietet/ übernimmt.

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