Frage von koyami, 163

Wie selbstbewusster werden und Konfikte austragen?

Hey, ich habe ein Problem ,das mir zunehmend zu schaffen macht. Wenn ich WILL,kann ich selbstbewusst auftreten,sehr gute Präsentationen abhalten und gut mit Menschen reden und meinen Standpunkt durchsetzen. Allerdings laugt mich das oft sehr aus. Daher bin ich meistens sehr passiv in Gesprächen,ich vermeide Konflikte und wenn ich merke ,dass sich tiefgreifende Meinungsverschiedenheiten ergeben,ziehe ich mich häufig zurück. Wenn ich grundlos angeschnautzt werde,nehme ich die Schuld auf mich,obwohl ich weiß,dass mein Gegenüber im Unrecht ist. Ich hasse einfach Konflikte und Streitereien und wirke dadurch oft sehr schüchtern und zurückgezogen.

Zum Hintergrund: In meienr Familie gab es früher viel Streit und viele Konflikte. Meine Eltern waren ziemlich dominant und haben mich unterdrückt,ich hatte großen Leistungsdruck in der Schule. Als ich 15 war,trennten sie sich mit großem Ach und Krach. Seit der Trennung bin ich auf mich gestellt und hatte keinerlei Regeln,oder Richtlinien mehr.

Wie kann ich selbstbewusster auftreten und eine eigenständige,gefestigte Persönlichkeit sein?

Antwort
von skipworkman, 51

Hallo koyami,

das sind teilweise sehr komplexe Muster die da am arbeiten sind. Der erste Schritt ist immer das Bewusst machen und beobachten, was läuft da in mir ab. 
Wenn du erkannt hast, was da abläuft kannst du beginnen das aufzuarbeiten und deinen Frieden damit zu machen. Dazu gibst reichlich lesestoff.

Es ist auch vollkommen ok, wenn du das mal einem Fachmann erzählst und den einfach mal um Rat fragst.
Der kann dir dann Wege zeigen wie du dein Ziel erreichen kannst. Du kannst Dich da auch alleine durcharbeiten, das wird dann sehr warscheinlich länger dauern. 

Und das Wichtigste zum Schluss : Du bist Ok so wie du bist, an dir ist nix falsch."

viele Grüße

Antwort
von Dxmklvw, 74

"Konflikte austragen" klingt ungefähr so wie "in eine Schlacht ziehen". In einer Schlacht gibt es mehrere Möglichkeiten, z. B. bis zum letzten Mann kämpfen oder auch fliehen, wenn man merkt, unterlegen zu sein, und es gibt auch die Möglichkeit, einen Waffenstillstand zu vereinbaren mit dem Ziel, den Krieg zu beenden.

Konflikte lösen wäre deshalb sicher die bessere Wortwahl, was dann aber bedeuten sollte, weder auszuweichen noch sich zu entziehen, sondern Wege für eine Einigung zu schaffen.

Im Fall von Konflikten halte ich persönlich es für sinnlos, als Sieger hervorgehen zu wollen oder als "besonders wichtig" erhöht zu werden.

Mein Standpunkt ist, daß nicht diejenigen die größten sind, die ganz oben auf dem Podest sitzen oder denen alle nachstreben, sondern nur diejenigen, die möglicherweise sogar ganz unten sitzen, ohne die aber nichts mehr laufen würde oder am Ende der Kette im Chaos enden würde.

So betrachtet kann sowohl die Putzfrau, die für den Manager arbeitet, wichtiger sein als der Manager selbst, und selbst die Idee eines Obdachlosen könnte sich eines Tages als für die Welt bedeutsamer herausstellen als die Genialität irgend einer Berühmtheit.

Die Erkenntnis daraus ist für mich, daß im Fall von Konflikten massives Selbstbewußtsein ebenso schädlich sein kann wie ein Ausweichen, und daß es eigentlich mehr auf Menschenkenntnis ankommt, die ein Selbstbewußtsein im angepaßten Umfang zwangsläufig "hinter sich herschleppt".

Oder ganz anders ausgedrückt: Kein Kaufmann wird davon reich, daß er sich so gut mit Planung oder Warenkunde usw. auskennt oder weil er mit dem Knüppel in der Hand Werbung betreibt, sondern primär dadurch, daß er weiß, wie seine Lieferanten und wie seine Kunden ticken.

Antwort
von Sonja66, 18

Hallo koyami

Du hast ja schon viel gut durchleuchtet und erkannt..... prima!

Allerdings laugt mich das oft sehr aus.

Gut, dann ist es also so, dass dich das Stark-sein, deinen Standpunkt-vertreten sehr anstrengt und übermäßig viel Energie kostet.
Warum? Weil dir bei allem Leichtigkeit fehlt? Vielleicht auch die Übung?

Warum sind dir dem männlichen Prinzip zugeordnete Eigenschaften (Durchsetzungsvermögen, Standhaftigkeit, Zielstrebigkeit, Mut, Konfliktbereitschaft....) eine Last?
Weil du dir in Vergangenheit verständlicherweise eine üble Meinung darüber zugelegt hast?


Willst du etwa aufgrund gewisser unangenehmer Erlebnisse überhaupt gar nichts mehr mit bestimmten Aspekten des Lebens zu tun haben?

Wenn du aufgrund deiner in Vergangenheit gebildeten abwertenden Gedanken über Konflikte und weiteren eher aggressiven Eigenschaften aber das Leben deren verweigerst, so bleibt dir ja nur das Gegenteil dessen und du musst den Rückzug antreten und still sein.
Mehr gibt es ja nicht. Von allem immer zwei.

Du steckst also in einem Konflikt zwischen:
Im positiven Sinne aggressiv sein (Aktivität) das verweigerst du, weil du von diesen Eigenschaften die Schnauze gestrichen voll hast und nur noch mies darüber denkst
und
Passivität, still sein, Rückzug....  und das macht dir zu schaffen, warum auch immer, wegen der Resignation, weil man so zu nichts kommt....????

Konflikt heißt: Zusammenstoß und meint, wie du ja selbst schon richtig erkannt, dass zwei sich widersprechende / gegensätzliche Kräfte aufeinandertreffen und aufeinanderprallen, sich aber leider abstoßen und nicht verbinden / zusammenarbeiten.

Warum prallen sie denn aneinander? Warum stoßen sie denn zusammen?
Und ist das die einzige Möglichkeit, die Gegensätze haben, dass die zusammen stoßen oder gäbe es dafür noch eine Alternative?

Warum prallten deine Eltern so massiv aufeinander?
Weil sie ablehnten, keinen Weg zueinander fanden, keine Zugeständnisse machten, das Gegenteil nicht gelten ließen?

Wie hätten sie sich verbinden (Alternative zu zusammenstoßen) können?
Wenn sie ihre gegensätzlichen Kräfte verbunden hätten, indem jeder dem anderen nicht nur Vorwürfe gemacht hätte, sondern auch mal recht gegeben hätte, wenn beide mal einsichtig gewesen wären, wenn sie an einem Strang gezogen hätten?
Aber das machten sie nicht. Jeder ging davon aus, alleinig im Recht zu sein.
Aber meist ist das gar nicht so.

Gegensätzliches kann ich verbinden, indem ich beidem recht gebe, beidem eine Daseinsberechtigung gebe. Dann können beide mal sein / leben. Dann können sie sich verbinden, weil beide mal sein dürfen.
Beide Kräfte eines Konfliktes haben recht. Halbe, halbe. Jede Seite davon sollte mal gelebt werden.

Wer will schon abgelehnt werden? Wohl nichts und niemand.

Wo lehnen wir ab? Im Geiste natürlich. Nur in unseren Gedanken. Da liegt der Anfang für jegliches Nein, aber auch JA!  ;-)
Hier legt man den Grundstein für eigenes Erleben dann.....

Du hasst Konflikte, was heißt, das du sie stark ablehnst, obwohl sie dir aber nur zeigen wollen, was dir zu einem friedlichen, ausgeglichenen, zufriedenen Leben fehlt.
Könntest du durch entsprechende Gedanken darüber Frieden mit Konflikten und Streit machen, deren Vorteile erkennen und vor allem anerkennen, so wärest du in Frieden damit und könntest alle Eigenschaft davon immer wieder förderlich in deinem Leben einsetzen.
So aber lehnst du sie einfach nur ab, hast nichts davon.....  ;-)

Damit will ich sagen, dass du dich dem Thema Aggressionen / Lebenskräfte wieder nähern solltest und mildere Gedanken darüber pflegen solltest, dann wäre das Thema keine so große Last mehr für dich und deine Rückzüge würden dir weniger zu schaffen machen.
Erkenne all die Vorteile von Konflikten und Streit, auch, wenn du in Vergangenheit überwiegend die unschönen Seiten davon erleben musstest.
Dies aber heißt nicht, dass der Einsatz seiner Lebenskraft grundsätzlich übel und schlecht wäre.

Deine Eltern zeigten dir, wie man es falsch macht. Man unterdrückt nicht, lehnt nicht ab, urteilt nicht zu hart....
Du machst es jetzt besser, weil du dir das wert bist!
Und weil du fähig bist, aus Fehlern zu lernen.....!!!

Diese Veränderung mag schon eine Herausforderung sein, aber dir traue ich das durchaus zu, weil du schon so gut Zusammenhänge beobachtet hast, dass du sicherlich auch nächste Schritte machen willst....  :-)))
Alles Gute dafür.....

Antwort
von suessf, 31

Meist stecken dahinter Ängste. Vielleicht ist es die Angst, dich in solchen Situationen "nicht richtig" ausdrücken zu können oder falsch zu reagieren?

Klar kann man dies nicht mit ein paar wenigen Zeilen in einer solchen Community "lösen". Daher würde ich dir empfehlen, dass du dir eines der vielen Konfliktmanagement-Seminare leistest! Solche Kurse dauern in der Regel 2-3 Tage Es gibt auch Eintäger, aber die finde ich definitiv zu kurz; vor allem sind die nur rein theoretisch und haben keine praktischen Übungssequenzen dabei. Die Theorie lesen könntest du ja selber in Büchern, aber Entwicklungssprünge machst du erst durch das selber Anwenden. Und das lernst du in der geschützten Atmosphäre solcher Kurse. Ich verspreche dir, dass du dich danach wie ein neuer Mensch fühlen wirst, wenn du in dem Seminar erstens über gewisse Schatten springen konntest und zweitens dann Werkzeuge in der Hand hast, wie du dich in Zukunft in solchen Situationen wesentlich besser verhalten kannst. "Kommunikation" ist generell in (erschreckend) vielen Situationen eines der wichtigsten Mittel überhaupt, um selbsicherer, bewusster ... und schliesslich lebensfroher zu sein :-))

Antwort
von Marco350, 29

Selbstbewusstsein stärkt sich durch wissen und Können. Wenn du weist das du im Recht bist vertrete deine Meinung und zieh dich nicht zurück. Zu wissen das man recht hat kann positive Energie freisetzen, du solltest aber nicht rechthaberisch rüberkommen sondern dezent. Du solltest dich nicht zurückziehen sondern deinen Standpunkt vertreten und wenn dich jemand anschnauzt lauf nicht weg sondern bleib standhaft mit deinen Argumenten. 

Expertenantwort
von Buddhishi, Community-Experte für Psyche, 42

Hallo Koyami,

sehr gute Frage :)

Ich habe hier einen hilfreichen Link für Dich, der dazu dient, Dein Selbstwertgefühl zu stärken.

http://www.selbstbewusstsein-staerken.net/

Zur Entwicklung der Konfliktfähigkeit gebe ich Dir noch das hier mit auf den Weg:

http://www.bildungsxperten.net/ratgeber/konfliktfaehigkeit/

Viel Erfolg!

Kommentar von FrageAntwo ,

Beim ersten Link wäre ich vorsichtig. Zwar hat mir die Seite einiges gebracht er hat aber teilweise auch naive und sehr weitgreifende Ansichten die ich nicht teile und die würde sie jeder Mensch befolgen erhebliche Folgen hätten. Also man kann die Seite durchaus nehmen aber alles Kritisch lesen und nicht alles glauben 

Kommentar von Buddhishi ,

Hallo FrageAntwo, danke für Deinen Kommentar. Kritisches Lesen und das Ausfiltern der hilfreichen Inhalte sollte man eigentlich immer handhaben. Vielleicht habe ich da etwas zu viel vorausgesetzt - dann täte es mir leid. Hauptsache, es hat Dir etwas gebracht :)  LG

Kommentar von FrageAntwo ,

Natürlich sollte man das aber erstens tut das leider nicht jeder und zweitens schreibt er in einer solch einfachen Sprache dass man seine Thesen (wie zB jeder Job wo man angestellt ist ist abzulehnen,Nachrichtensendungen sollte man überhaupt nicht gucken und Kinder kriegen bringt auch fast nur Nachteile) sehr einfach glauben kann sodass man doppelt kritisch sein sollte

Antwort
von Etter, 18

Nun du bist doch schon selbstbewusst. Es strengt dich halt atm. noch an. Ich würde das wohl wie Muskelaufbau machen und nach dem Motto gehen: Training hilft.

Begib dich immer wieder in solche Situationen, wo du in einem Konflikt bist, mit Menschen redest und/oder deinen Standpunkt verteidigen musst.

Irgendwann sollte es dann eig. zur Gewohnheit für dich werden.

Das ist allerdings nur eine recht lockere Idee.

Antwort
von safur, 6

1) Man muss nicht überall eine Meinung dazu haben, bzw. diese äußern!
2) Das ist kein Konflikt, das ist eine Meinungsverschiedenheit - sehr großer Unterschied
3) Wenn dich jemand anschnautzt kannst du auch einfach mal STOPP! sagen :-) Oder.. "nicht in diesem Ton!" oder du verlässt erstmal die Situation, wenn du nicht schlagfertig genug bist.

Ich würde mir auch einpaar KO-Argumente überlegen. Sowas wie "Genau! Da hast du sowas von recht!" oder "Das kannst du auch schon!"

Je schneller der andere merkt er kann nicht alles mit dir machen, desto einfacher und vorallem wohler wirst du dich fühlen.

Antwort
von ChloeSLaurent, 4

Die letzte Frage von Dir ist durch Dich selbst schon, verständlicherweise, verzerrt.

Du kannst nicht eine so und so oder so Persönlichkeit sein, sondern Du hast eine Persönlichkeit. Deine Eigene. So, wie Du bist.

Ich füge hier mal jetzt einen von mir verfassten Spruch ein:

Wer schüchtern ist, ist intensiv letztendlich.

Wer intensiv ist, denkt weiter letztendlich.

Wer weiter denkt, darf schüchtern sein.

Vorsichtig eben, letztendlich.

....soweit erstmal von meiner Seite.

Bei Kritik, Fragen oder näherer Ausführung gern melden.

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