Frage von Muffjack, 56

Wie seht ihr die Frau in der Gesellschaft?

Hallo meine Lieben :)

Heute hatte ich eine ausführliche Diskussion mit Familienangehörigen. Ich habe türkische Wurzeln und meine Familie ist muslimisch. Ich habe schon früh gemerkt, das ich als Frau nicht spät raus durfte, während meine Cousins bis spät in die Nacht unterwegs waren. Auch was das Thema Haushalt angeht, während ich gekocht habe, saßen die Männer im Wohnzimmer und unterhielten sich. Nach dem Essen standen sie auf und gingen rauchen, während ich natürlich den Tisch aufräumen musste. Ihre Ausrede? Wir Männer gehen arbeiten, ach und wir Frauen tun das nicht? Wir leben im 21. Jahrhundert und auch Frauen machen eine Ausbildung.. im Islam heißt es, Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau und das der Prophet Muhammed sallallahu alleyhi wa salam auch seiner Frau im Haushalt geholfen hat. Ich kann nicht verstehen, warum das vor allem bei den Ausländern so ist mit der Rolle der Frau, obwohl klar im Islam beschrieben wird das die Frau nicht erniedrigt werden soll! Es tut mir Leid, werden Frauen so behandelt weil sie keinen Schwan* haben? Ehre hin oder her, Männer dürfen mit ihr und ihr das machen und wir Frauen habe keine Ehre wenn wir mit einem Mann Händchen haltend durch die Stadt laufen? Warum ist das so?

Antwort
von RFahren, 9

Die meisten Kulturen hatten ursprünglich patriarchalische Strukturen. Da der Mann der Frau in der Regel an Körperkraft überlegen ist, konnte er schon von Urzeiten an seinen Willen durchsetzen und die Frau musste sich ihm fügen, wenn sie nicht Schläge bekommen wollte.

Da eine Urangst des Mannes ist, dass seine Frau von einem Nebenbuhler geschwängert wird bzw. er eine Frau heiratet, die bereits das Kind eines Anderen trägt, tut er sein möglichstes um die Sexualität der Frau zu kontrollieren - und diese Vorstellung wurde in den verschiedenen Märchenbüchern, die dann als "heilige Schriften" Karriere machten, natürlich ebenso festgehalten.

Frauen zu steinigen, die "Unzucht" betrieben haben - also vor oder außerhalb einer Ehe Sex hatten beseitigt das "Übel" an der Wurzel. Das Ausgangsverbot bzw. die Pflicht stets einen "Aufpasser" dabei zu haben, nimmt der Frau die weitestgehend die Gelegenheit für einen Seitensprung. Durch Kopftuch, Schleier, wallende Gewänder (welche die Körperformen verstecken) usw. wird die Frau "unsichtbar" - also für mögliche Konkurrenten uninteressanter. So kann auch ein Mann mit schwachem Selbstbewusstsein sich auf eine Frau einlassen. Da ein Mann ja nicht "schwanger nach Hause kommen kann" und man seinem "kleinen Chef" nicht ansehen kann wo und wie oft er ihn benutzt hat, nehmen die Männer für sich allerdings gerne alle Freiheiten in Anspruch.

Wer seiner Frau oder Tochter keine solchen Zwänge auferlegt, gilt bei seinen Kumpanen als "schwach" und "ehrlos", da er womöglich nicht mitbekommt, wenn seine Frau oder Tochter einem Mann zu nahe kommt... .

Auch in Deutschland musste noch bis vor einigen Jahrzehnten eine Frau die Unterschrift ihres Ehemannes vorlegen, wenn sie eine Arbeitsstelle annehmen wollte. Das Wahlrecht der Frau galt lange Zeit als unvorstellbar und vor 100 Jahren galt ein Ehemann als "gute Partie", wenn er seine Frau nicht allzu häufig schlug und nicht jeden Abend in der Kneipe saß.

Dank den Anstrengungen engagierter Frauen und der Unterstützung modern denkender Männer herrscht heute in Deutschland Gleichberechtigung - was auch bei uns in der Regel GEGEN die Religion und ihrer Vertreter durchgesetzt werden musste.

Wenn Du in Deutschland lebst, dann bist Du mit 18 Jahren volljährig und kannst ab dann Dein Leben selbst bestimmen. Dann kannst Du alleine bestimmen wo und mit wem Du wohnst, mit wann und mit wem Du Dich triffst und mit wem Du eine Beziehung führst oder gar heiratest - immer vorausgesetzt Du kannst das Ganze auch finanzieren (Unterhalt könnte man theoretisch sogar von den Eltern einklagen - ist aber nicht lustig)... .

Deine Eltern sind die ersten 18-20 Jahre für Dein Glück verantwortlich - aber die restlichen 60-80 bist Du selbst für Dein Lebensglück zuständig. Die Eltern drohen in einem solchen Fall ja gerne mit dem Kontaktabbruch (damit "die Anderen" einen nicht für "ehrlos" halten - wie bescheuert ist das denn?!) - bei der Gelegenheit kannst Du aber zu bedenken geben, dass eines Tages DU es bist, der entscheidet wer und wann Deine Kinder (ihre Enkel!) sehen und Umgang haben darf... .

Auch wenn es anfangs schwer fällt: Ohne Eltern kann man prima zurecht kommen - aber ohne einen geliebten Partner macht das Leben keinen Spaß! Religonen (die - wie gesagt - stets von Männern erfunden wurden) und versuchen einen mit Drohungen (Hölle) und Versprechungen (Paradies) während des ganzen Lebens in Schach zu halten und auf ein "Leben nach dem Tod" vertrösten, können Dir nicht helfen Dein Glück zu finden - gerade als Frau. Was ist, wenn eine der 4000 anderen Religionen Recht hat - ODER GAR KEINE! Sicher ist nur: Es gibt ein Leben VOR dem Tod - und DAS solltest Du Dir so schön und erfüllend gestalten wie möglich und Alle, die dies verhindern wollen, hinter Dir lassen!

Seid nett aufeinander!

R. Fahren

Antwort
von skjonii, 12

Also ich für meinen Teil kann eindeutig sagen, dass ich in meinem Leben in absolut keinster Weise ich benachteiligt bin, weil ich eine Frau bin. Eher im Gegenteil, "Brüste-Bonus" und Helfersyndrom funktionieren immer noch. 

Ich glaube das kommt doch eher vom islamischen, als vom türkischen. Ich kenne eine türkische alevitische Familie, wo das von dir beschriebene so überhaupt nicht der Fall ist. 

Antwort
von TylerDurden11, 10

Hey Muffjack,

das ist ein komplexe Frage. Vor allem kann es in jeder muslimischen Familie anderes sein. Ich denke jedoch dass, das Gesellschaftsbild in vielen muslimischen Ländern ein anderes ist. Die Kinder bekommen schon von klein an, dieses Weltbild vermitteln und nehmen es als gegeben hin un reflektieren es häufig später gar nicht. 

Ich habe z.b. jemanden in meinem Umfeld aus einer vermögenden persischen Familie der sich an "niederen" Arbeiten beteiligt. Keiner mag ihn. Dabei ist es einfach nicht gewöhnt, dass man nach dem Essen den Tisch abräumt oder anbietet den Abwasch zu machen. 

Viele Punkte die wir heute aus Religionen kennen, das gilt auch für das Judentum und das Christentum beziehen sich auf damals wichtige Lebenspunkte. Man brauchte diese Regeln um zu überleben. Die Regeln haben sich dann über die Jahrhunderte eingebürgert und sie gehören dazu, obwohl der Grund warum sie entstanden sind heute gar nicht mehr zu trifft. 

Vielleicht noch am Ende etwas aus der Geschichte. Es geht zwar nicht um muslimische Geschichte, sondern um römische, aber vielleicht hilft dir das auch weiter. In Rom waren auch nur die Männer stimmberechtigt. Bevor Rom eine Republik wurde und ganz Italien beherrschte durften auch nur die Männer abstimmen. Genau genommen nur die wehrfähigen Männer. Das Stimmrecht war also damit verbunden. Wer mit in dem Kampf zog, durfte mit bestimmen ob gekämpft wurde oder nicht, da es schließlich um sein Leben ging. An sich logisch. Da die Männer kräftiger waren und die Frauen Kinder bekamen, lag es an den Männern in den Krieg zu ziehen. Später wurden auf diese Weiße alle relevanten Entscheidungen getroffen. Und irgendwann hatte Rom eine Berufsarmee und nicht mehr alle Bürger mussten Wehrdienst leisten, aber das Stimmrecht blieb. Da die Römer ein sehr großes Gebiet beherrschten hat sich diese Praxis sicher verbreitet. Ich kann mir gut vorstellen, dass es sich bei arabischen, persischen oder afrikanischen Stämmen ähnlich verhalten hat.   

  

Antwort
von Nightwing99, 15

Der Islam ist wie (fast) alle Religionen sexistisch. Du sprichst von Gleichberechtigung von Mann und Frau im Islam ich kenne aber da ganz andere Texte und Aussagen. Fängt doch bereits damit an das sich die Frau verhüllen muss um die männliche Begierde nicht zu wecken. Die ja gottgegeben ist und somit eine tolerierte Schwäche um die sich die Frau zu scheren hat. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen heißt für mich wenn Jemand seine Triebe nicht im Griff hat ist die Frau ja schuld weil sie sich nicht verschleiert hat (überspitzt dargestellt) aber dennoch total daneben.
Ich bin kein Religionshasser auch wenn ich mich zu keiner klar zu zähle, ehrlich gesagt schätze ich viele islamische Lehren gerade im Bezug auf Gastfreundschaft und Nächstenliebe sehr aber wie bereits gesagt ist der Islam genauso wenig gleich berechnend wie das Christen und Judentum. Alle Religionen stellen den Mann über die Frau.
Ich denke bzw. Bekomme es oft mit das der Bezug von türkischen/albanischen/afghanischen/... Menschen zur Religion sehr häufig größer ist als in unserer jetzigen westlichen Gesellschaft. Denke das hat auch etwas mit der Angst vor Entfremdung und den Versuch des Erhaltes der eigenen Kultur zu tun.
Denke das ist ein großer Aspekt und ich denke es wird auch noch einige Generationen dauern bis sich Deutsch turken und andere hier lebende Muslime zeitlich darauf eingestellt haben.

Antwort
von therightway, 8

Es kommt drauf an wie deine Situation ist. Ich bin auch eine Türkin. Meine Mutter ist zuhause.
Da ist es dann aber für mich auch klar, dass sie den Haushalt macht. Im Bezug auf mein Vater

Mein Freund dagegen, lasse ich jetzt schon arbeiten und bereite ihn psychisch vor.
Ich arbeite du arbeitest also machen beide den Haushalt und beide Kochen. Mal du mal ich oder wir beide. Und er sieht das als Selbstverständlich. :-)

Im übrigen trage ich auch ein Kopftuch.

Das ist eine Frage, wie man persönlich mit sich selber umgehen kann. Klar könnte ich schuften, aber warum sollte er der Pascha sein :-D. Dann will ich Prinzessin sein :)))

Wenn meine Mutter mal in der Türkei ist, lass ich mein Vater auch den Haushalt. Ich bin auch ein Mensch :)

Wenn ich aber später Kinder bekomme und Zuhause bin würde ich nur Unterstützung erwarten mal abräumen oder so.

Ich kannte aber auch Deppen aus der Steinzeit. Die sagen Frau macht dies und das. & ich nein die Zeiten haben sich geändert :)

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