Frage von Hyzenthlay1994, 116

Wie seht ihr den befehlsartigen Satz "Lebe im Hier und Jetzt" und was haltet ihr davon?

Hallo.

Wahrscheinlich kennt ihr Floskeln von Gutmenschen, die anderen weis machen wollen, dass sie weniger nachdenken und dafür im Hier und Jetzt intensiv leben sollen. Auch ich habe solche angebliche Tipps schon gehört, die schon in die Privatsphäre eingreifen, meiner Meinung nach. Heute bin ich im Internet zufällig auf einen Satz gestossen von Victor Marie Hugo: "Zu sterben ist ein Nichts. Nicht zu leben ist schrecklich." Den ersten Teil habe ich verstanden; jeder von uns stirbt eines Tages. Doch der zweite Teil gibt mir zu denken. Jedes Mal, wenn ich etwas in der Art lese oder höre, fühle ich mich persönlich angegriffen, beleidigt. Warum das so ist? Ich beschäftige mich gerne mit dem Leben und dem Tod, fast alle meine Lieblingskünstler und Inspirationen leben (teils schon seit Jahrzehnten) nicht mehr, aber sie sind für mich hochaktuell und sie bedeuten mir enorm viel.

Zu mir:

Ich bin 21 Jahre alt, doch der Umgang mit feiernden Jungs und Mädels, etwa in Discos oder auf anderen Partys, ist mir meistens zu anstrengend, langweilig, nichtssagend, da ich mich oft und gern über tiefgründige Themen unterhalte. Ich kann nichts mit Leuten anfangen, die ständig hinter den neusten Trends hinterherlaufen, NUR die aktuellsten Charts hören, überhaupt nicht offen sind für die Vergangenheit und eventuell sogar etwas hämisch schmunzeln, wenn ich von meinen Vorbildern oder generell von mir erzähle.. Ich bevorzuge Restaurant- und Kinobesuche oder einfach gemütliche Abende zu Hause, wo man sich gut miteinander austauschen kann.

PS: Ich höre auch moderne Musik und tanze in meinem Zimmer. Calvin Harris und David Guetta zum Beispiel, finde ich ebenso Granate wie Falco! Aber mich umgibt einfach diese starke Faszination für den Sinn des Lebens, die Vergangenheit und für den Tod. Es gibt oft Momente, in denen ich mich meinen verstorbenen Lieblingskünstlern, mit deren Werke ich aufgewachsen bin und die mich schon früh glücklich und sehnsüchtig gemacht haben, viel näher fühle, als allen Lebenden. Dann höre ich Musik, schaue mir Bilder und Texte an, die ich teils selbst geschrieben habe, und denke einfach an diese Person und stelle mir vor, wie es wäre, wenn dieser Mensch etwas davon mitbekommen könnte, dass ich an ihn nicht vergessen habe, obwohl ich zu seiner Zeit noch nicht auf der Welt war.

Die meisten Menschen würden wohl sagen, dass das kein Leben sei, was ich führe. Doch auf eine gewisse Art und Weise, erfüllt mich die Beschäftigung mit dem Tod mit Leben, es gibt mir irgendetwas, was mir der Umgang rein mit Lebenden und allem Aktuellen auf dieser Welt, absolut nicht geben könnte. Aus diesem Grund tut es mir weh, immer und hören zu müssen, man solle leben! Wie ist das gemeint? Was bedeutet eigentlich Leben? Ich lebe doch auch - auf meine Art und Weise! Haben Menschen überhaupt das Recht dazu, anderen Leuten im Bezug auf deren vermeintlich "langweiliges" Leben ein schlechtes Gewissen aufzuzwingen?

Bin gespannt auf eure Antworten! LG

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Pescatori, 36

Zunächst überrascht mich Deine Deutung des Begriffs „Gutmensch“.

Bei uns in Deutschland wurde „Gutmensch“ zum Unwort des Jahres 2011. Aus der Begründung:

"Mit dem Ausdruck Gutmensch wird insbesondere in Internet-Foren das ethische Ideal des „guten Menschen“ in hämischer Weise aufgegriffen, um Andersdenkende pauschal und ohne Ansehung ihrer Argumente zu diffamieren und als naiv abzuqualifizieren."

In der Schweiz wird diese Bezeichnung möglicherweise anders verwendet:

Leute die mit moralischer Überheblichkeit anderen vorschreiben wollen, wie sie sich zu verhalten haben (?)

Nun gibt es ja durchaus Zeitgenossinnen und Zeitgenossen, die meinen, schon in den höheren Welten beheimatet zu sein und dann mit erhobenem Zeigefinger daherkommen und verkünden, dass ein relevanter Mensch im "Hier und Jetzt" zu leben hat.

Ich glaube, dass wir zwar als Menschen nicht aus unserem Denken – dass immer auf Vergangenheit und Gegenwart bezogen ist – verabschieden können, wenn wir nicht den Kontakt zu zur Bewusstheit unserer Welt verlieren wollen. Aber wir haben auch die Möglichkeit diese enge Gebundenheit an die Bewusstheit unserer Welt zu durchbrechen. In unserer säkularisierten Welt – so meine ich – kann uns vor allem künstlerisches Tun aus den Zwängen unserer engen Denkwelt befreien. Wobei „künstlerisches Tun“ jedem Menschen zugänglich ist.

Dein Beitrag weckte bei mir den Eindruck, dass Du diese Zwiespältigkeit zwischen einem „kontemplativen Leben“ und dem Eingebunden sein in die Welt der handfesten Realitäten selber erlebst.Ein Bindeglied zwischen diesen beiden „Welten“ hast Du – so mein subjektiver Eindruck – ja selber benannt:

Ich höre auch moderne Musik und tanze in meinem Zimmer.“

Sich von der Musik tragen zu lassen, das ist doch genau das, was mit dem „LEBEN IM HIER UND JETZT“ gemeint ist.

Dieses freie SICH-VON-MUSIK-TRAGEN-LASSEN war mir auch für immer in der Intimität meines eigenen Zimmers eine wichtige „künstlerische“ Erfahrung. Allerdings verband sich damit auch oft ein Gefühl des Mangels: In mir war ja auch der Wunsch, mich mit meinem Tanz anderen zu präsentieren, der Wunsch, mein „narzisstisches Bedürfen“ auszuleben, ja, auch der Wunsch mich mit anderen im Tanz zu vereinen.

Vielleicht reicht Dir das ja - viermal im Jahr.

Ich wünsche Dir von Herzen, das Dir die Balance zwischen dieser Welt des alltäglichen Denkens, des „Realismus“ und der Erfahrung des „Darüber-Hinaus“, der Verbindung mit der „ganzen Wirklichkeit“ immer wieder gelingt.

Kommentar von Hyzenthlay1994 ,

Vielen Dank für Deine lange und sehr interessante Antwort. :=)

Die Thematik "Gutmensch" habe ich bisher nie hinterfragt. Mit diesem Begriff wollte ich eigentlich eher "Leute die mit moralischer Überheblichkeit anderen vorschreiben wollen, wie sie sich zu verhalten haben" auf die Schippe nehmen. Damit dürfte ich auch gleich Dein Fragezeichen in Klammern beantwortet haben. Anscheinend habe ich mir mit dem Begriff "Gutmensch" allerdings unbewusst selber ein Ei gelegt / mich selbst beleidigt. ;=)

Die Gegenwart wird von der Vergangenheit beeinflusst. Somit
spielt sie eine Rolle im Hier und Jetzt. Ich fühle mich in der Gegenwart nur wohl, wenn ich das Vergangene mit einbinden kann. Wie heisst es so schön: "Zurück zu den Wurzeln" oder Manchmal muss man zurück zum Anfang gehen, um das Ende zu verstehen". Ich persönlich finde es wichtig, das Geschehene nicht zu vergessen und daraus für die Gegenwart und Zukunft zu lernen. Ich denke, ich sollte einfach damit aufhören, mich zu rechtfertigen. Im Hier und Jetzt intensiv/bewusst zu leben, bedeutet ja letztendlich auch, dass man das was man im Leben macht, gut findet und dahintersteht. Die Gegenwart wird von der Vergangenheit beeinflusst. Jede unserer Handlungen geschieht jetzt, genau in diesem Wimperschlag. Doch die Ergebnisse werden morgen eine Rolle spielen. Demzufolge ist es von grosser Bedeutung, was im Gestern passiert ist. Somit spielt die Vergangenheit eine wichtige Rolle im Hier und Jetzt. Wenn ich das Vergangene in die Gegenwart mit einbinde und damit erfüllt bin, so denke ich nun, lebe ich wahrscheinlich mehr im Hier und jetzt, als jemand, der nicht auf seine innere Stimme hört und stattdessen irgendein Leben führt, welches er eigentlich nicht befürwortet und nie angestrebt hat.

Wie Du offensichtlich bemerkt und auch angesprochen hast, habe ich Probleme mit dem Spagat zwischen der Vergangenheit, die mich stets überallhin begleitet und der "knallharten" Realität, die mir oft sehr anstrengend und unsensibel erscheint. Es fällt mir noch deutlich schwer, die für mich richtige Balance zwischen den "Welten" zu finden. Wenn ich Musik höre, egal ob aus dem Jahr 1920 oder 2016,  tauche ich ein in eine Welt, in der ich - scheinbar vollkommen gegensätzlich zu meinem realen Leben - auf einer Bühne völlig ausgestellt tanze vor unzähligen Leuten, und von allen bewundert werde. Ziemlich unrealistisch, aber wichtig, damit ich mich "wertvoll" fühle.

Wie gesagt: In Wahrheit besuche ich nicht einmal Diskotheken. In letzter Zeit träume ich besonders oft davon, meine eigene emotionale Diashow/Dokumentation auf einer grossen Leinwand anzuschauen, im Beisein von zahlreichen ergriffenen Menschen. Das ist ein grosser Wunsch von mir; meine Möglichkeit, endlich mein Innerstes nach Aussen zu transportieren. Aber ich bin weder Autist noch schüchtern. Der Wunsch nach Geselligkeit ist da; ich arbeite in einem Gartencenter, wo ich gerne mal einen kurzen Schwatz halte mit netter Kundschaft. Generell sage ich IMMER das was ich denke und fühle, reagiere sehr emotional.

Sehr wahrscheinlich muss ich einfach meinen Mittelweg finden, all meine Träume, die Beschäftigung mit der Vergangenheit sowie die vielen Erwartungen von Heute irgendwie zusammenzuführen und zu einer Einheit zu machen.

Danke für Deine lieben Wünsche! Alles Liebe und Gute! :=)     







Kommentar von Pescatori ,

Ja, es wäre ja unsinnig, wenn ich behaupten würde, dass
meine Gegenwart nicht entscheidend durch meine Vergangenheit geprägt wird.

Aber meinem Denken kommt da etwas in die Quere. Oder: da ist noch etwas anderes, als das, was unser  Wissen über uns ausmacht.

Ich nenne es mal einfallsbestimmt mein „entgrenztes Identitäts-erleben“.

Ich kann mich – etwa im  Tanz - ganz meinem Tun hingeben;
dann bin ich – eine kaum denkbare Aussage – nicht mehr ich, sondern all das, was mein Tun unfasst - und das ist dann letztlich – Verzeihung! – ALLES:

Aber so eine „unsinnige“ Behauptung springt sicher den
Rahmen, der hier vorgegeben ist.

Antwort
von pingu72, 50

Ich verstehe nicht warum du dich bei solchen Aussagen persönlich angegriffen fühlst, es als "Befehl" siehst oder beleidigt bist. Es ist nur ein Rat, nicht mehr und nicht weniger! Ob du ihn befolgst oder nicht liegt doch bei dir! Jeder soll Leben wie es ihm gefällt. Und wenn dir dein Leben gefällt führe es weiter so und lasse dir nicht rein reden. Indem du dir sowas zu Herzen nimmst machst du dir das Leben unnötig schwer... in meinen Augen nimmst du das viel zu Ernst, ich höre mir sowas an, mache mir (vielleicht) kurz Gedanken und dann ist gut... Mein Lebensmotto lautet "lebe dein Leben, nicht das der anderen", also ich tue das was für mich gut ist, egal was andere denken. Schließlich bin ich diejenige, die mein Leben lebt und sonst niemand! Ich weiß aber auch, dass es nichts bringt über die Vergangenheit zu grübeln da man sie nicht mehr ändern kann, und ich habe es aufgegeben über den Tod nachzudenken da ich nie erfahren werde was dann passiert (zumindest nicht solange ich lebe:). Also macht das mit dem hier und jetzt absolut Sinn. Dieses "was wäre wenn Spiel" bringt rein gar nichts, dabei kann man nur verlieren! Es gibt Fragen auf die man nie eine Antwort bekommt...  

Also lebe dein Leben und lass andere reden und denken was sie wollen! 

Übrigens war ich von Anfang an in Falco vernarrt und bin es heute noch ;)

Kommentar von Hyzenthlay1994 ,

Danke für deine Antwort, deine ehrlichen Worte. Zitat: "lebe dein Leben, nicht das der anderen" - genau das ist der Punkt. Ich lebe, indem ich das Leben anderer betrachte und versuche deren Emotionen nachzuempfinden. Ich liebe es, gedanklich das Leben anderer Menschen zu leben. Das ist genau die Eigenschaft, die mich einerseits unglaublich erfüllt mit intensiven Gefühlen, die mich andererseits aber auf eine einsame Art und Weise anders macht.

Kommentar von pingu72 ,

Solange du auch DEIN Leben betrachtest und eigene Emotionen hast etc ist doch alles ok! Vergiss dich selbst nie dabei und bleib du selbst! Du bist halt sehr interessiert und empathisch, was ja nicht negativ ist. Aber mein Motto bedeutet hauptsächlich dass man nicht auf andere hören muss, und dass man sich keine Gedanken darüber machen soll was andere von einem halten oder denken (könnten).  

Antwort
von JTKirk2000, 21

Wie seht ihr den befehlsartigen Satz "Lebe im Hier und Jetzt" und was haltet ihr davon?

Auch wenn dieser offenbar im Imperativ geschrieben ist, empfinde ich diesen weniger Befehl, denn als eine Aufforderung. Im Hier und Jetzt zu leben bedeutet für mich, dass man das Leben im gesunden Maße in der Gegenwart genießen soll und nicht in der Vergangenheit festhängen oder mit den Gedanken nur in der Zukunft schweben soll, was, wenn man es übertreibt immer zulasten des Erlebens der Gegenwart geht. Im Hier und Jetzt zu leben bedeutet auch tendenziell, dass man immer die Gegenwart nutzen sollte, am das Beste aus seinem leben zu machen, denn was sich im Leben entwickelt, erwächst aus all unseren Entscheidungen und Handlungen, einschließlich unseres Charakters, unserer Interessen und Fähigkeiten.  

Ich bin 21 Jahre alt, doch der Umgang mit feiernden Jungs und Mädels, etwa in Discos oder auf anderen Partys, ist mir meistens zu anstrengend, langweilig, nichtssagend, da ich mich oft und gern über tiefgründige Themen unterhalte.

Ich wüsste nicht, wie die "Floskel" dem entgegen stehen würde. Es ist immer eine persönliche Sache der Auslegung, wie man die Gegenwart genießt und nutzt.

Ich kann nichts mit Leuten anfangen, die ständig hinter den neusten Trends hinterherlaufen, NUR die aktuellsten Charts hören, überhaupt nicht offen sind für die Vergangenheit und eventuell sogar etwas hämisch schmunzeln, wenn ich von meinen Vorbildern oder generell von mir erzähle.. Ich bevorzuge Restaurant- und Kinobesuche oder einfach gemütliche Abende zu Hause, wo man sich gut miteinander austauschen kann.

Das hätte auch von mir, selbst dann sein können, als ich in Deinem Alter war, ebenso auch das mit Diskos und andere Partys. Ich kann diese Oberflächlichkeit auch nicht leiden, und sie erscheint mir einfach nur hohl - im nicht beleidigenden Sinne. 

Um irgendwie wieder zur Frage zu kommen, kann man immer nach etwas streben, aber das Leben ist nicht das, was sein könnte, sondern das, was wird, indem man möglichst jeden Moment durch Entscheidungen und Handlungen daran arbeitet.

Kommentar von Hyzenthlay1994 ,

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort, deine Sichtweisen. :=)



Ich denke, ich sollte einfach damit aufhören, mich zu rechtfertigen. Im Hier und Jetzt intensiv/bewusst zu leben, bedeutet ja letztendlich, dass man das, was man im Leben macht, gut findet und dahintersteht. Die Gegenwart wird von der Vergangenheit beeinflusst. Somit spielt sie eine Rolle im Hier und Jetzt. Wenn ich das Vergangene in die Gegenwart mit einbinde und damit erfüllt bin, so denke ich nun, lebe ich wahrscheinlich mehr im Hier und jetzt, als jemand, der nicht auf seine innere Stimme hört und stattdessen irgendein Leben führt, welches er eigentlich nicht befürwortet und nie angestrebt hat.



Kommentar von JTKirk2000 ,

Im Hier und Jetzt intensiv/bewusst zu leben, bedeutet ja letztendlich, dass man das, was man im Leben macht, gut findet und dahintersteht.

Ja, das sicherlich auch.

Die Gegenwart wird von der Vergangenheit beeinflusst.

Ebenso, wie die Zukunft von den Entscheidungen und Handlungen der Gegenwart beeinflusst wird. Wie wir uns entscheiden und handeln, beeinflusst die Konsequenzen in unserer Zukunft, seien diese nun gut oder schlecht, wir wir entschieden haben, beeinflusst sowohl unsere Gegenwart, als auch unsere Zukunft. Die einzige Frage ist, was wir aus den Erfahrungen der Vergangenheit lernen, um in der Gegenwart zu entscheiden und zu handeln.

Antwort
von HellasPlanitia, 41

Du liest in solchen Sätze einen impliziten Vorwurf. Hast du schon mal überlegt, wieso?

Niemand hat je definiert, dass "leben" gleichzusetzen ist mit Parties, Feiern, Exzessen, oberflächlichen Unterhaltungen oder all dem anderen, was du beschreibst. Du sagst doch selbst: "Ich lebe doch auch - auf meine Art und Weise!". Und solange du damit zufrieden bist, ist doch alles gut.

Du selbst hast die Wahl. Du kannst dich über solche Aussagen aufregen, wie du es offensichtlich tust. Du kannst beschliessen, dass du nicht einverstanden bist, die Aussagen verwerfen, vergessen und weiterleben. Oder du überlegst dir, wie man das denn sonst noch lesen könnte. Wie wärs mit folgender Interpretation: "leben" steht nicht für Party machen. "Leben" steht dafür, die Existenz auszunutzen. Dinge zu tun, die einen weiterbringen, die einen erfreuen, sein eigenes Leben und das der Mitmenschen verbessern. "Leben" kann in diesem Zusammenhang auch einfach das Gegenteil zu "vor sich hinvegetieren" sein - also bewusstes Handeln, Möglichkeiten ausschöpfen, sich nicht dauerhaft in eine Ecke verkriechen und die eigenen Wünsche unterdrücken.

Wenn du das so liest, dann handelst du doch genau nach dem, was dir die Zitate anraten. Du beschäftigst dich mit deinen Interessen und lebst so, dass du dich wohl und erfüllt fühlst. Wieso also fühlst du dich angegriffen? Du lebst dein Leben doch auf eine Weise, die für dich offenbar gut ist. Es sei denn natürlich, du hast trotzdem das Gefühl, dir fehle was... dann bringt es aber nichts, jene als "Gutmenschen" zu bezeichnen, welche anraten, das Leben auszuschöpfen und in all seinen Facetten zu erleben. Da würde ich vielmehr versuchen, herauszufinden, was mir fehlt, und Wege suchen, wie ich das in mein Leben integrieren kann.

Kommentar von Hyzenthlay1994 ,

Das was mir fehlt, ist die Bestätigung, dass ich "normal" und okay bin, so wie ich eben bin. Ich kenne niemanden, aber wirklich niemanden, mit dem ich mich über meine Interessen austauschen oder sie sogar teilen könnte.

Auf eine gewisse Art und Weise fehlen mir Discobesuche, ja. Und zwar deshalb, weil ich einfach merke, dass es schwierig für mich ist, Menschen kennenzulernen, wenn ich abends nicht ausgehe, oder selten. Abgesehen davon liebe ich Musik und Bewegung! Ich höre gern laut Musik und tanze dazu. Natürlich würde ich gern viel öfter unter freiem Himmel zu Hammer Beats und Sounds tanzen! Doch sobald ich umgeben bin von so vielen jungen Leuten, die wild durcheinanderschreien und saufen, vergeht mir die Lust an Parties. Heutzutage bedeutet Leben auch Feiern. Früher war das vielleicht ein wenig anders. Aber meine Generation hebt das wilde Wochenende auf ein hohes Podest.

Natürlich spreche ich nie von allen. Aber es ist so: Menschen, die ständig unterwegs sind und auf viele Parties gehen, werden automatisch bewundert, gefeiert, sie gelten als "Lebemann/Lebefrau". Ich gebe mir Mühe, mich nicht mit diesen aktiven Leuten zu vergleichen, aber es passiert halt manchmal, wenn ich mich als "Exotin" fühle...

Kommentar von pingu72 ,

Menschen, die ständig unterwegs sind und auf viele Parties gehen, werden automatisch bewundert, gefeiert, sie gelten als "Lebemann/Lebefrau". 

Ist das so? Ich kenne sehr viele die seeeeehr selten auf Partys gehen und trotzdem absolut respektiert und für "normal"gehalten werden. Und viele finden diese Partyleute die ständig feiern und saufen dumm, oberflächlich usw..... Da ist/denkt jeder anders, und das ist gut so!

Kommentar von Hyzenthlay1994 ,

Naja, das "Saufen" ist wieder ein anderes Thema, das war etwas ungeschickt von mir gewählt. Wer zu viel Party macht, ja exzessiv, kippt buchstäblich auf die andere Seite, wird als dumm und oberflächlich abgestempelt, das stimmt. Nur, ich gehe nicht mehr als vier Mal im Jahr auf eine Party...Letztendlich liegt es vielleicht an mir, dass ich damit aufhören sollte, mich für meine Art zu rechtfertigen. Dass mich Sätze wie "Leb dein Leben und geniess es in vollen Zügen" wütend machen, liegt daran, dass ich mich damit unter Druck gesetzt fühle, ständig ausser Haus gehen, um die Welt reisen und zahlreiche Leute treffen zu müssen. Ich hoffe sehr, dass sich diese Sicht noch verändern wird und ich meine Situation 100%ig annehmen kann...

Kommentar von pingu72 ,

Kannst du! "Das Leben genießen" heißt nicht "geh feiern!" sondern: "genieße DEIN Leben!" Egal ob mit feiern, lesen, Sport oder faulenzen... das sieht jeder anders! Ich zB genieß es momentan am meisten einfach nur nach der Arbeit auf der Couch zu liegen während meine Katze schnurrend auf meinem Schoß liegt....es gibt nix Schöneres;) 

Also jedem das Seine!

Kommentar von HellasPlanitia ,

Ich denke, das ist viel weniger eine Frage der Generation als vielmehr eine des Umfeldes, in dem man sich bewegt. Ich bin nicht viel älter als du, keine 5 Jahre, und ich kenne mittlerweile eine ganze Menge Menschen, die ähnlich denken wie du (und ich), ähnliche Interessen haben, mit denen man einen gemütlichen Nachmittag in einem Café verbringen, über die Welt philosophieren, das politische Geschehen zerpflücken oder einfach eine Runde spazieren gehen kann.

Es gibt definitiv Kreise, in welchen man Ansehen unter anderem dadurch erringt, dass man ausdauernd feiert, aber genauso gibt es auch in unserer Altersklasse Menschen, denen andere Dinge viel wichtiger sind.

In diesem Sinne: Leb dein Leben weiterhin so, dass du dich wohlfühlst. Lass dir nicht einreden, deine Art zu leben sei schlechter als jene deiner Mitmenschen, denn am Ende ist entscheidend, dass es dir damit gut geht. Und sei geduldig, meiner Erfahrung nach wird es mit zunehmendem Alter eher einfacher, ähnlich denkende Menschen zu finden - zumindest, solange man ihnen eine Chance gibt und sich nicht komplett verkriecht.

Übrigens: Wenn du hier in den Fragen ein bisschen blätterst, wirst du jede Menge Beiträge von Jugendlichen und jungen Erwachsenen finden, die glauben, die einzigen zu sein, welche kaum feiern gehen, nicht exzessiv trinken, nicht rauchen, sich nicht stundenlang schminken, keine zwanzig Beziehungen hatten... bei der Menge an Fragen, die es dazu gibt, kann man sich schon sicher sein, dass diese Art zu leben nicht derart exotisch sein kann. ;-)

Kommentar von Hyzenthlay1994 ,

Ich bedanke mich sehr für deine Mühe, deine vielen Zeilen! Es hat mich zum Nach- und irgendwie auch Umdenken gebracht. Nicht im Bezug auf meine Art, ganz im Gegenteil. Ich sollte einfach damit aufhören, mich zu rechtfertigen, dann wird es vielleicht noch leichter, ähnlich denkende Menschen zu treffen und sich anzufreunden.

Kommentar von HellasPlanitia ,

Es freut mich sehr, dass meine Antwort dir weiterhelfen konnte. :)

Für deine Art musst du dich auch nicht rechtfertigen. Bleib dir treu und geh deinen Weg. Lebe deine Interessen aus, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass du ähnliche Menschen triffst, sehr gross.

Alles Gute! :)

Antwort
von Narave, 44

nö, beschäftige dich mit dem was du gerne machst und wenn es dich erfüllt und du abends erschöpft aber zufrieden ins bett fällst, lebst du vermutlich weit mehr im hier und jetzt als so mancher, der seine zeit sinnlos vor der glotze o.ä. verplempert. ich persönlich beschäftige mich gerne mit nostalgischen sachen, egal ob fotos, märchen, geschichten, mythologie, ältere pc/konsolenspiele... hat auch niemand verständnis dafür aus meinem umfeld bzw ansatzweise interesse. ist mir egal ;) gehe aber auch gern mal feiern. jeder muss vllt das rechte maß für sich selbst finden.

Kommentar von Hyzenthlay1994 ,

Danke für deine Antwort. Ich gehe ca. zwei bis vier Mal im Jahr feiern. Mehr nicht. Doch jedes Mal habe ich richtig Spass an der Musik, am Tanzen und Lachen mit meinen wenigen, dafür liebenswürdigen Freundinnen. Auf Dauer jedoch würde mir das zu viel...Die Sache mit dem gesunden Maß ist so ein Thema: ich kann es nicht verleugnen, dass ich an manchen Abenden ziemlich erschöpft ins Bett falle. Meine vielen Gedanken und Texte verlangen mir Einiges ab. Da ist für mich meine Arbeit im Gartencenter fast eine Art Verschnaufpause von mir selbst, haha. ;=)

Antwort
von hepla,

Du kannst nur leben, wenn du in der Gegenwart bist. Du beschäftigst dich offenbar viel auch mit der Vergangenheit.

Konzentriere dich mehr auf die Gegenwart, sagt diese Weisheit.

carpe diem, nutze den Moment, das ist das Leben. nicht die Rückscua, nicht das Hoffen auf Zukunft. Du musst das jetzt machen, was jetzt notwendig oder gut erscheint.

"Jeder ist seines Glückes Schmied" zielt auch in diese Richtung.

Antwort
von Herpor, 25

Wie kommst du darauf, dass "im Hier und Jetzt leben" heißen soll, dass du nur feierst?

Das scheint mir eine etwas sehr eingeschränkte Interpretation der obigen Aussage zu sein.

Ich kenne da das Gegenteil: Wer mit einem Bein in der Vergangenheit und mit dem anderen in der Zukunft steht, der kackt auf die Gegenwart.

Schon mal darüber nachgedacht?

Ist für mich leichter nachvollziehbar. Vielleicht fehlt mir mit meinen 70 einfach die Tiefe deiner Erfahrung.

Kommentar von Hyzenthlay1994 ,

Meine Generation hebt das wilde Wochenende auf ein hohes Podest. Natürlich spreche ich nie von allen. Aber es fällt auf: Menschen, die ständig unterwegs sind und auf viele Parties gehen, werden automatisch bewundert, gefeiert, sie gelten als "Lebemann/Lebefrau". Ich gebe mir Mühe, mich nicht mit diesen aktiven Leuten zu vergleichen, aber es passiert halt manchmal, wenn ich mich als "Exotin" fühle.

Der Spruch "auf die Gegenwart kacken" ist gut, ich habe ihn zuvor noch nie irgendwo gelesen. Jedenfalls erinnere ich mich nicht daran.

Ihr letzter Satz ist ironisch gemeint, nicht wahr? Das Alter ist nämlich auch so eine Sache: Mein Hobby, oder eher meine Lebensart, kommt mir gerade deshalb so seltsam vor, weil ich erst 21 bin.

Antwort
von derMannohnePlan, 18

Ich habe mir Deinen Text nicht durchgelesen.

Wahrhaftes Leben findet im hier und jetzt statt! Es ist die Lösung aller Probleme im psychologischen Sinne.

Falls Du ernsthaftes Interesse daran hast mehr darüber zu erfahren, empfehle ich Dir 7,90€ zu investieren und Dir das Buch Wu Wei von Theo Fischer zuzulegen.

Kommentar von Hyzenthlay1994 ,

Die Gegenwart wird von der Vergangenheit beeinflusst. Somit spielt sie eine Rolle im Hier und Jetzt. Ich fühle mich in der Gegenwart nur wohl, wenn ich das Vergangene mit einbinden kann. Wie heisst es so schön: "Zurück zu den Wurzeln" oder Manchmal muss man zurück zum Anfang gehen, um das Ende zu verstehen". Ich persönlich finde es wichtig, das Geschehene nicht zu vergessen und daraus für die Gegenwart und Zukunft zu lernen.

Kommentar von derMannohnePlan ,

Du fühlst Dich in der Gegenwart nur wohl, wenn Du die Vergangenen mit einbeziehen kannst?

Bis irgendwann der Schmerz einsetzt, welcher "immer" mit der Vergangenheit in Verbindung steht!

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