Frage von carn112004, 25

Wie sehr orientiert sich die gerichtliche Praxis an dem Wortlaut und wie sehr an der Intention von § 176 StGB?

Achtung: Diese Frage geht tief in die Juristerei; bitte nur bei Wissem in diesem Bereich beantworten.

Der Wortlaut von § 176 StGB ist eindeutig, jede sexuelle Handlung an einer Person unter 14 Jahren oder das Vornehmen lassen durch eine solche ist eine Straftat; darüber hinaus mit 6 Monaten bis 10 Jahren kein Bagatelldelikt.

Dieser Wortlaut hätte allerdings auch folgende praktische Wirkungen:

Wenn A (13, w) mit B (16, m) einvernehmlich Sex hat und sich beide gegenseitig Lieben usw. und es auch überhaupt nichts schlimmes für A ist (also psychologisch keine negative Konsequenzen nachweisbar ordentlich verhütet, usw.), dann hat sich B dennoch strafbar gemacht. (Nebenbei könnte B auch 14 sein, dann wärs immer noch strafbar für ihn.)

Ferner, wenn A diese Absicht zuvor mit ihren Eltern bespricht und diese sie ihr dies "erlauben" und durch Verschaffung von Verhütungsmitteln unterstützen, könnte dem Wortlaut nach eine Strafbarkeit wegen Beihilfe/Anstiftung oder auch Verletzung der Fürsorgepflichten vorliegen.

Allerdings wird auch behauptet, die Intention des Gesetzgebers sei es wohl nicht gewesen, dass sich Minderjährige und deren Eltern ziemlich leicht strafbar machen könnten, blos weil die Minderjährigen halt nicht bis 14 warten wollen und die Eltern auch - froh darüber, dass ihr Kind überhaupt mit ihnen über das Thema redet - da nicht mauern, sondern versuchen das in richtige Bahnen zu lenken. Insbesondere wäre es sogar denkbar, dass die Eltern wegen dem Verhalten von zwei unter 14-jährigen belangt werden könnten; denn zwar sind die nicht strafmündig, aber das heißt eventuell nur keine Strafe und nicht keine Tat, für die die Eltern dann hätten Beihilfe leisten können.

Es behaupten nun manche (unter anderem auch hier bei gutefrage), dass die Intention den Wortlaut "schlägt" und kein Staatsanwalt und kein Gericht wegen z.b. obigen Sachverhalt ermitteln, anklagen und/oder Strafen verhängen würde.

Problem ist das hier: http://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/13-Jaehrige-hatte-Sex-Eltern-landen-v...

"Die Anklage lautete: Beihilfe zu sexuellem Missbrauch eines Kindes. Wegen geringer Schuld mussten sie laut Schwaiberger eine Geldauflage in Höhe von 3000 Euro zahlen." ""Vor dem Gesetz sind Unter-14-Jährige Kinder", sagt die leitende Oberstaatsanwältin. Und Sex von Minderjährigen ist in Deutschland verboten." "Neumeier rät Eltern, offen mit ihren Kindern zu sprechen. Sex sollte kein Tabuthema sein. "Und man muss auch klar machen: Unter 14 Jahren geht nichts. Eltern sollen den Kindern auch klar machen, dass auch sie selber Ärger bekommen können, wenn die Kinder Sex haben.""

Somit scheint man in Augsburg von der vermeintlichen Intention des Gesetzgebers nichts mitbekommen zu haben.

Ich persönlich vermute, es könnte regionale Unterschiede geben (z.b. prüdes Bayern vs "arm, aber sexy" Berlin)

Weiß jemand, wie sehr die gerichtliche Praxis am Wortlaut orientiert ist und wie sehr an der vermeintlichen Intention?

Danke

Antwort
von Schnoofy, 13

Das ist mit Sicherheit keine Frage, die geeignet ist in diesem Forum sachlich und juristisch fundiert  beantwortet zu werden.

Da ein Jurist 280 Buchseiten zu diesem Thema verfasst hat

(http://www.hartung-gorre.de/rr249.htm)

scheint mir diese Lektüre sinnvoller zu seiner als das Halbwissen von Hobbyjuristen in diesem Forum.


Antwort
von carn112004, 22

Falls es den Link vermurkst, hier nochmal:

http://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/13-Jaehrige-hatte-Sex-Eltern-landen-v...

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