Frage von Michael6582, 49

wie schwer ist es nach einem Entzug nicht wieder zu Drogen zu greifen kann das jederzeit wieder passieren?

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Antwort
von Harlekin59, 8

123akw hat sehr recht: es passiert und leider viel zu oft. Das Schrecken während des Konsums und das Leiden im Entzug ist genauso wenig abschreckend, wie das Elend zu sehen, in dem andere Drogisten leben.

Ich selbst konnte fast nie 'nein' sagen, auch nach dem schlimmsten Entzug, allerdings in bezug auf Alkohol: den braucht man mir nicht anzubieten, es gibt ihn (in Berlin) Tag und Nacht..

Das Problem ist, daß das Suchtmittel bei einer Depression (in all ihren Variationen) immer geholfen hat, also warum soll ich gerade jetzt verzichten, wo es mir so mies geht???

Kontakte abzubrechen, lieber 123akw, ist nur zum Teil gut. Viele Abhängige haben irgendwann nur noch Gleichgesinnte, und die sind gerade am Anfang wichtig. Ohne sog.Freunde geht's nun mal garnicht!

(Fast) jeder Suchtkranke will aufhören. Wenn es jemandem, der aufhören will, gelingt, einen anderen zu finden, der zwar selber weiter konsumiert, aber unterstützend wirkt, ist das zwar eine sehr gefährliche Gratwanderung, aber eine Möglichkeit.

Ob du deinen Bekanntenkreis aufgibst oder in ein anderes Viertel, eine andere Stadt ziehst, dein Suchtproblem bleibt. Du kannst die Menschen in deiner Nähe genausowenig ändern, wie die Gegend, in der du lebst. Du kannst nur dich selbst ändern. Wenn dir das gelingt, hast du schon halb gewonnen.

Wenn dir dann jemand Stoff anbietet, kannst du mit einem strahlenden Lächeln sagen: "Nein danke, ich brauche das nicht mehr!".

Und dieses Lächeln steckt an und, zusammen mit deinem Zustand (Aussehen, Kleidung) wirkt es ansteckend und macht wahnsinnig viel Mut, Dir und anderen.

Am Dienstag habe ich Geburtstag: ich werde ein Jahr alt...

Kommentar von 123akw ,

wow....herzlichen glückwunsch nachträglich Harlekin ;) Hut ab...und  weiterhin so viel willenskraft für die nächsten jahre wünsch ich dir. 

Was das kontakte abbrechen angeht, sehe ich das allerdings etwas anders als du.

Ich kann nur sagen, was ich bei einer Bekannten beobachtet habe, die Jahrelang auf Speed war. Den großen Freundeskreis hatte sie eh nie. Nur eine beste Freundin und paar gute Bekannte (Nachbarschaft, Kollegen usw - dazu zähle auch ich) Als sie aus dem Enzug zurück kam, riet ihr jeder (der davon wusste) dazu, ihre "beste Freundin" (die übrigens selber drauf war und ihr den stoff immer besorgte) nicht mehr zu treffen. Ihre Antwort "das kann ich doch nicht machen, wir kennen uns seit dem sandkasten, sie ist ja wie meine schwester, sie würde mir niee wieder was geben... und bla bla bla" .... Und was war??? .....nach noch nicht mal 2 Monaten war sie wieder voll drauf!  (Tolle Freundin kann ich nur sagen).

Deswegen meine ich, besser gar keine freunde...und langsam neuen freundeskreis aufbauen (oder alte freundschaften wieder auffrischen), als weiterhin von leuten umgeben zu sein, die einem was anbieten. 

Es ist ja nicht so, daß keiner was mit ihr zu tun haben wollte. Viele wussten noch nicht mal was von ihrer sucht. Sie hat nur außer mit dieser einen "freundin" keine großen freundschaften gepflegt. Wäre sie nach dem entzug nicht zu dieser person gefahren und hätte sie den kontakt abgebrochen, dann wäre sie jetzt vielleicht weiterhin clean. MmN war sie aber immer noch nicht richtig geheilt... zumindest kopfmäßig nicht.... denn sie wusste ganz genau warum sie ausgerechnet zu dieser "Freundin" hinfährt! - Es ist sicher schwierigeer und aufwendiger sich erstmal einen neuen Dealer auf dem land zu suchen, wenn man die entsprechenden leute nicht kennt, als sich mit jemandem zu treffen, von dem man weißt, das er diese connections bereits hat.... oder noch "besser" einen gewissen vorrat zu hause.  :/

Natürlich argumentiert sie jetzt, daß sie ja erwachsen ist und selber hätte "nein" sagen müssen....und ihre freundin deshalb keinerlei schuld dran hat. 

Ja richtig.... einerseits. Aber andererseits hätte sie ihre "ach so tolle freundin" einfach nichts geben sollen, wo sie doch weißt, das sie gerade einen entzug hinter sich hat.

was hat diese "freundschaft" also meiner bekannten gebracht? Erneuten zugang zu drogen....sonst nix.

 

 

Kommentar von Harlekin59 ,

Danke für den Glückwunsch! - Ja, das ist alles richtig. Mir ist völlig klar, daß die Sache mit Freundschaften im und nach dem Entzug eine sehr, sehr schwere ist. Auf der einen Seite hast du das größte Vertrauen zu denen, mit denen du täglich Kontakt hattest, auf der anderen sind es genau die, mit denen du konsumiert oder den Stoff bezogen hast. Aber wem kannst und willst du in so einer Situation glauben? Tatsache ist, daß du - zumindest im Entzug - auf Hilfe angewiesen bist, weil du es körperlich garnicht mehr auf die Reihe kriegst, dich wenigstens ernähren zu können. Und wem kannst du deinen und den verwahrlosten Zustand deiner Wohnung zumuten? Jedenfalls ging es mir im Endstadium so. Bei einer Person hatte ich Pech und € 150,- weniger, bei der anderen Glück... Es ist schwer, die Streu vom Weizen zu unterscheiden.

Also hast du wahrscheinlich recht: am besten niemandem vertrauen, aber auch den cleanen/trockenen nicht (von deren Selbst- Gefährdung gar nicht zu reden!). Ich glaube, daß der Weg, den ich anfänglich mit einem gewissen Unbehagen gegangen bin, der aber für mich rettend war, nämlich eine Sozialtherapie für eineinhalb Jahre zu machen, am ehesten Erfolg hat.

Auch Einrichtungen wie z.B. Synanon oder das Angebot der AKB (Anonyme Alkoholkrankenhilfe Berlin, auch für andere Suchtkranke und bestimmt in ähnlicher Form auch außerhalb von Berlin) bieten Schutz und können auf das "Leben da draußen" vorbereiten.

Eines muß uns Suchtkranken klar sein: der Feind lauert nicht draußen, sondern er ist immer und überall in uns!

Allen Suchtkranken, die ich und die anderen, die helfen wollen, auf diesem Weg erreichen, wünsche ich sehr viel Mut, noch mehr Selbstvertrauen und am wichtigsten: Kraft!

Antwort
von Drewfire6392, 9

das kommt auf die Person und ihre Willenskraft drauf an und auf die Substanz die sie konsumiert haben

es gibt ja viele Drogen die nicht körperlich abhängig machen sondern "nur" psychisch aber generell davon wegzukommen ist für die meisten ein sehr schwerer kampf

und es kann sein das wenn sie mal ein Tiefpunkt in ihrem leben haben wo ihnen alles zu viel wird sie wieder zu den Drogen greifen das liegt an der Willenskraft und der Selbstbeherrschung des süchtigen

Antwort
von 123akw, 38

Ja kann es. Passiert sogar sehr oft. Genauso, wie bei jeder anderen Sucht (Alkohol, Spielsucht etc) 

Am besten (und das ist mMn die einzige Möglichkeit) ist es ALLE(!), aber auch wirklich ALLE Kontakte komplett abzubrechen, die damit zu tun haben, um nicht erst in Versuchung zu kommen wieder was zu nehmen. 

Denn wenn es dir immer wieder angeboten wird, wirst du dich vielleicht 10 Mal zusammenreißen können und "nein" sagen, aber irgendwann denkst du dir: "ach komm, nur das einzige Mal jetzt"....dann kommt: "nur so ab und zu".... gefolgt von "nur am Wochenende" und du wirst gar nicht merken, wann du wieder voll drauf bist und das Zeug regelmäßig nimmst. 

Ich spreche da aus Erfahrung.... kenne selber solche Leute, die sich nach dem Entzug sooooo sicher waren, nie wieder was zu nehmen..... bis sich die erste "Gelegenheit" bot. 

Kommentar von Michael6582 ,

wenn man einem ex Drogensüchtigen der ja jetzt clean ist Drogen anbietet nur als Beispiel würde er sie dann nehmen. 

Kommentar von 123akw ,

Einem ex-drogensüchtigen, der jetzt clean ist, überhaupt was anzubieten, find ich schon generell das Allerletzte!  

Kommentar von Michael6582 ,

ich weiß es war nur ein Beispiel würde er sie annehmen.

Kommentar von 123akw ,

Das kann man nicht so allgemein sagen....aber zu 90 % denke ich ja. Hängt aber auch davon ab wie stark ausgeprägt seine Sucht war, welche Drogen er nahm, allgemein von seinem Charakter usw usf

Antwort
von Assecuranzheini, 33

wurde schon oft gerfat:

https://www.gutefrage.net/frage/wie-schwer-ist-es-nach-einem-entzug-nicht-wieder...

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