Wie schaffe ich es, unverschämter zu sein?

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5 Antworten

Ich finde Deine Beispiele teilweise etwas befremdlich.

 Einige der Beispiele könnten auch von Menschen stammen, die wenig Geld haben und damit ein Problem (Getränke im Restaurant vermeiden z.B.). Am Buffet nehme ich mir auch immer große Portionen bzw. esse viel oder nehme gar kein Buffet. Das ist teuer genug, da muss ich mich nicht auch noch vornehm zurückhalten, sonst lohnt sich der Preis nicht.

Meines Wissens kommen Begleitpersonen von Behinderten auch kostenlos oder vergünstigt in bestimmte Veranstaltungen. Ich würde an Deiner Stelle mal anfangen, auf Deine Situation oder Wünsche hinzuweisen, statt unverschämt zu werden. Jemand will mit Dir ins Museum, kommt aber kostenlos rein? "Können wir uns meinen Eintritt dann teilen?" oder "Gehst du dann morgen auch mit mir zu (etwas, das ich gern machen möchte)?"

Jemand nimmt sich zuerst eine große Portion am Buffet: Nicht meine Sache, würde mich nicht stören, solange er manierlich isst.Kollegen joggen zur Stechuhr: Ihre Sache.Suche nach kostenlosem W-Lan oder Gutscheinen etc. - für manche Sport. Muss ich persönlich nicht machen, aber wenn andere es tun, ist das ihre Sache. Ich kenne diverse Gutscheinsammler, die als erstes immer googlen, ob sie Vergünstigungen bekommen. Ich würde das nicht machen, zahle so oft zu viel (weil ich mich schämen würde, in bestimmten Situationen Gutscheine zu verwenden, weil es so aussieht, als hätte ich kein Geld). Aber wenn es für andere Sport ist, und die sogar einen Umweg in Kauf nehmen, um ein paar Euro zu sparen - ihre Sache.

Ich kenne eine Frau, die wirklich alles mitnimmt, was sie kriegen kann und das mit einer großen Selbstverständlichkeit. Sie schämt sich nicht, bei Ämtern, Krankenkasse etc. Vergünstigungen zu FORDERN, nur weil sie ihr zustehen könnten (auch wenn kein wirklicher Bedarf da ist) und fragt sogar Bekannte (noch nicht mal Freunde), die anscheinend mehr Geld haben, spontan, ob sie ihr etwas kaufen können, das sie im Schaufenster gesehen hat. Ja, man kann sich darüber aufregen, aber solange es einen selbst nicht betrifft oder man ablehnt, ist das für mich okay. Ich möchte Dich davor warnen, jetzt ins andere Extrem zu verfallen. Ich habe das schon oft gesehen: Menschen meinen, sich jahrelang aufgeopfert zu haben, dann kommt ein Wendemoment und plötzlich werden sie unhöflich und unverschämt und versagen anderen Selbstverständlichkeiten ("wie kommst du darauf, dass du bei mir einfach etwas trinken kannst", wenn man im Sommer nach einem Glas Wasser oder so fragt).

 Überlege, was Du willst. Überlege, was für Dich selbstverständlich ist und was nicht. Überlege, was andere nur haben wollen oder auch brauchen (weil sie weniger Geld haben oder im Sommer z.B. Durst, ohne dass ein Laden in der Nähe ist - dann würde ich die Cola auch geben). Frage nach Kostenbeteiligung, Rückzahlung oder der Möglichkeit, sich etwas zu teilen oder eine Gegenleistung zu erhalten.Ich frage mich immer, ob mir etwas weh tut. Ist das nicht der Fall, gebe ich gern Materielles und Immaterielles (Rücksichtnahme etc.). Ist das der Fall, sage ich das oder biete Alternativen an (sorry, ich kann dir meine Cola nicht geben, ich muss noch nach Hause laufen und habe dann sicher wieder Durst. Wir können aber zu Aldi gehen, da bekommst du günstig Mineralwasser.)

Eine zweite Kasse wird eröffnet: Lasst sie rennen, wenn sie es eilig haben. Vielleicht sind sie im Zeitdruck. Wenn ich im Zeitdruck war, wurde ich meist vorgelassen, wenn ich den Grund genannt habe.Ich würde einfach etwas gelassener werden!

Deine Beispiele sind für mich zum großen Teil keine Beispiele für Handlungsbedarf. Ich kenne solche Situationen auch, aber bei mir war das etwa die Aufforderung, etwas heute zu unternehmen, und bei Ablehnung meinerseits mehrfache Rückfrage, ob ich meine Vorhaben nicht verschieben könne oder bei meiner Erklärung, gern mal alleine zu sein, das Angebot, dass man zu mir kommen könnte, und gemeinsam das tun könne, was ich allein tun wollte.

Das Problem besteht immer noch, mir fällt es schwer, deutlich zu sagen, NEIN, ich möchte heute allein sein, und JA, ich möchte backen, und JA, das ist für mich heute wichtig, auch wenn es dir nicht so vorkommt, und JA, ich möchte alleine backen.Gestern war hier eine Frage einer Jugendlichen, die manchmal nichts zu essen von ihrer Mutter bekommt. Wenn ich gewusst hätte, dass die ein paar Straßen weiter wohnt, hätte ich ihr ein paar Lebensmittel oder etwas Geld zum Einkaufen gebracht. 

Warum? 

Nun, es wäre für mich kein Beinbruch gewesen und ich müsste nicht mit dem Gedanken leben, dass ich mir schön den Bauch voll schlage, während jemand anderer seit 2 Tagen nichts gegessen hat. Auch wenn mich jemand direkt danach gefragt hätte, hätte ich etwas gegeben.

 Eine Freundin von mir hat eine komische Bekannte, die JEDES Mal, wenn die beiden etwas unternehmen, nach Sachen fragt (kannst du mir kurz Zigaretten kaufen? Ist das nicht schön! Ich kann es mir aber nicht leisten! Könntest du mir kurz Geld leihen, dann kann ich das Angebot noch wahrnehmen?"). Meiner Freundin fiel Ablehnung sehr schwer. Ich riet ihr, einfach zu sagen, dass sie an einem bestimmten Tag nichts kaufen/ essen möchte, weil sie Geld sparen will (sonst wird sie immer dazu angestiftet, etwas zu essen und die Freundin einzuladen, gegen ihren Willen). Warum nicht mal sagen, sorry, ich habe mein Tagesbudget schon ausgegeben? Warum nicht mal etwas mit der Freundin unternehmen, bei dem man keine Gelegenheit hat, etwas zu kaufen? Zuhause frühstücken und dann losgehen?

Setze Dir für Dich ein Limit. Das möchte ich geben, das nicht. Und dann sage das auch deutlich, aber freundlich. Du darfst auch sagen, dass du selbst sparen möchtest. Wenn jemand dich immer nach einer Tasse Kaffee fragt (im Café), frage ihn auch mal. Oder gehe mit ihm nicht ins Café, schlage anderer Unternehmungen vor. Aber lerne auch ein bisschen Gelassenheit - man muss sich nicht über alles ärgern!Ich bin immer überrascht, worüber sich Leute ärgern - Dinge, die mit ihnen direkt gar nichts zu tun haben. Etwa, dass jemand, der sie NIE um etwas bittet, sich von anderen immer einladen lässt. Soll er doch, wenn die anderen das mitmachen! Vielleicht macht es ihnen auch Spaß (einige Leute laden sehr gern andere ein!).

Wer kein Auto und wenig Geld hat, bedenkt oft Benzinpreise nicht denkt - nicht ganz zu Unrecht mMn - wenn er sowieso fährt, kann er mich ja mitnehmen, ich muss sonst den Bus zahlen. Wenn derjenige ein kleines Einkommen hat, kann ich das schon verstehen. Wenn es den Autofahrer stört, soll er das sagen, "nein, ich möchte das heute nicht, ich habe noch was anderes vor" oder "nein, die Benzinpreise sind gerade recht teuer".Mich hat als Schülerin mal jemand mitgenommen zu einer Veranstaltung, ich habe ihm 2 € angeboten. Ich wusste nicht, was Benzin kostet und wie viel ich "mitverbrauche", ich hatte aber auch nicht besonders viel Geld. Später erfuhr ich, dass die Fahrtkosten deutlich teurer gewesen wären. Er wollte aber von keinem einen Kostenbeitrag haben. Er hätte mich auch unverschämt finden können, weil ich ihn mit Pennys abspeisen wollte.

Das muss man auch bedenken - viele wissen gar nicht, dass sie Dich eventuell vor den Kopf stoßen. Z.B. der Behinderte macht sich evtl. nicht klar, dass Du den Eintritt bezahlen musst und dass das Eintrittsgeld evtl. an anderer Stelle fehlt. Jeder erlebt die Welt ja erst mal nur aus seiner Warte.

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Verstehe ich das richtig: Beim gemeinsamen Einkauf zahlst du alles? Wen das so ist, solltest du aber dringend etwas ändern.

  • Führe eigene Genussphasen ein, in denen du dich selbst einmal belohnst
  • Sortiere falsche Freunde (also Schmarotzer) aus und halte dich von weiteren solchen möglichst fern
  • Vermeide es, Situationen zu schaffen, wo du ausgenutzt werden kannst (ich denke an die Cola-Flasche im Rucksack - niemand muss wissen, dass du eine hast; ins Museum musst du auch mit niemanden fahren)
  • Teile mal für dich auf, wo du es selbst als ok ansiehst, andere den Vorrang zu lassen / ihnen etwas Gutes zu tun, und wo es dir eher schadet - mache es dir in bestimmten Situationen selbst bewusst
  • Lerne und übe das Nein
  • Schau nicht so sehr darauf, was andere Leute machen. Wenn sie denn nun zur Stechuhr hasten oder die halbe Stadt nach freiem WLAN absuchen, dann sollen sie es doch tun
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Hi Gingerale3! Höflich und sozial kompetent zu sein, ist definitiv keine Schande. Hilfsbereite Menschen wie du laufen jedoch leider sehr schnell Gefahr, von dreisteren Exemplaren ausgenutzt und für eigene Zwecke vor den Karren gespannt zu werden. Wenn du dein Verhalten ernsthaft ändern möchtest, ist das natürlich ein längerer Weg, denn du musst immer wieder deine eigene Routine ganz bewusst durchbrechen.

Beginne damit, dass du ab jetzt öfter schlicht und ergreifend keine Zeit hast; ohne Erklärung oder Rechtfertigung. Ein weiterer Ansatz wäre, dass du für aufwendigere Hilfestellungen ab jetzt einen Gegengefallen einforderst. Nicht unverschämt, aber mit Nachdruck und Selbstverständlichkeit. Wenn du jemanden beispielsweise eine lange Strecke fährst, dann muss dieser auch den entsprechenden Spritverbrauch bezahlen- dein Auto fährt ja sicherlich auch nicht mit Luft und Liebe. 

Das generelle Verhalten der anderen kannst du nicht verändern, aber zumindest deren Sichtwinkel auf dich und somit das Benehmen dir gegenüber. Wenn sie erst gemerkt haben, dass die Zeit der Ausbeutung endgültig vorbei ist, wird die richtige Dreistigkeit auch schnell enden. Innerhalb von Freundschaften kann das ausgeglichene Maß von gegenseitigen "Diensten" manchmal ganz wichtig sein, um sich dauerhaft auf derselben Ebene zu begegnen. Alles Gute für dich, und bleib stark und standhaft!!!

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Lies dir hier bei gutefrage ein paar Antworten/Kommentare auf Fragen in den Themengebieten Naturheilkunde, AfD, Religion, Flüchtlinge oder Rauchen/Drogen durch. Da kannst du schauen, wie es andere machen. Mit ein bisschen Übung hast du das mit der Unverschämtheit/ Respektlosigkeit/ Intoleranz dann ganz schnell drauf und kannst es auch gegen andere einsetzen. 

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du musst nur endlich mal lernen NEIN zu sagen..im sinne"nein-mache ich nicht "

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