Frage von XCrowntheEmpire, 27

Wie schaffe ich es, dass ich solche Dinge nicht mehr so nahe an mich heranlasse?

Huhu,

Ich habe heute mal eine Frage zum Thema emotionale Distanzierung von z.B. politischen, sozialen oder gesellschaftlichen Problemen.

Wenn ich die Zeitung in der Früh beim Frühstück lese, und zum Beispiel die Sparte mit den Leserbriefen überfliege - wo ich jetzt inzwischen nicht mal mehr hinschaue - stehen dort öfters mal Dinge, die mich von 0 auf 180 bringen. Da stehen dann zum Beispiel Dinge über die aktuelle Flüchtlingskrise, die AfD oder den Deal mit der Türkei. Und teilweise sind diese Meinungen so eiskalt, menschen verachtend oder schlicht und einfach 'dumm'.

Das selbe gibt es natürlich auch im Internet, teilweise natürlich noch sehr viel krasser. Ich traue mich inzwischen nicht einmal mehr die Kommentare unter den YouTube-Videos von z.B. der heute Show oder irgendwelchen Polittalkshows durchzulesen, weil ich dann jedes mal so geschockt und wütend bin über die Dinge die dort stehen.

Ich habe mich jetzt auch seit Neuerem von 9GAG abgemeldet, weil die Kommentare und Posts einfach so Frauenverachtend, Sexistisch, flach und ebenfalls Menschenverachtend geworden sind.

Ich bin nicht gerne die Person, die so zart besaitet ist, dass ich diese Dinge nicht einfach über mich ergehen lassen kann, aber ich kann nichts daran ändern. Wenn ich solche Kommentare lese oder Dinge von AfD-Politikern höre, werde ich teilweise so abartig wütend, dass ich sogar anfange zu weinen (vor lauter hilfloser Wut). Ich mochte dann losgehen und diesen Menschen erklären was sie da eigentlich genau von sich geben. Ich will dann losziehen und die Welt verbessern, obwohl ich genau weiß, dass ich das als einzelne Person nicht kann.

Auf den Gipfel getrieben hat das ganze dann allerdings letzte Woche ein Bericht über eine gewisse Organisation von einem Roosh V, der die Vergewaltigung von Frauen auf privatem Grundstück legalisieren will und behauptet, dass ein 'Nein' von Frauen nur eine weitere Herausforderung an den Mann ist.

Auch auf vielen Internetplattformen lese ich inzwischen (natürlich abgeschwächte und harmlosere) Versionen von diesen Aussagen. Es kommt mir dann immer so vor, als gäbe es nur noch wenige Menschen auf der Welt die wirklich verstehen was Feminismus wirklich ist und wieso solche extremen Aussagen einfach nur gefährlich sind.

Auf 9GAG war es genauso. In den Kommentaren ging es zu 90% nur darum was für Frauen doch seien und dass das weibliche Geschlecht im Allgemeinen schwächer wäre und dass Feminismus gleichzusetzen wäre mit Männerhass. Da war dann die Rede von sogenannten 'Feminazis'.

Wenn ich diese Dinge lese, bin ich inzwischen schon an dem Punkt angelangt, dass ich Selbstmordgedanken bekomme, weil ich es nicht aushalte in so einer Welt zu leben. Ich weiß selbst, wie lächerlich das eigentlich klingt, aber in diesen Momenten kann ich nicht damit leben. Ich habe sogar wieder angefangen mich selbst zu verletzten, weil die Wut sich dann so hochkocht, dass ich jemandem wehtun muss.

Kann mir irgendwer helfen?

Grüße

Antwort
von Bodaway, 6

Die trauer als Wut begreifen, die Wut als eneergie, und die Energie als Kraft. ;)

Es ist eine Frage der inneren Einstellung.
Ich sage mir: ich kann jetzt im Moment nichts daran ändern und nehme die Sachen mit einer gewissen sachlichen Distanz. Diese blöden Antifeministischen Antisozialen Menshen haben es nicht verdient, dass ich Energie dadurch verliere, dass ich mich aufrege. Ich begreife ihren unsinn als meinen Antrieb und habe eine Art trotzhaltung entwickelt "jetzt erst recht"
und sei es nur die Aufkleber die entfernt wurden zum zehnten mal an die gleiche Stelle zu kleben, und zu wissen, dass sich jemand darüber aufregt. ;)
vielleicht würde Dir eine ähnliche Einstellung auch helfen?

und geduld... es ist gut subversiv zu sein, auch wenn s weh tut.

Antwort
von Sungoo, 15

ich persönlich lese die Zeitung nicht mehr und lese im internet keine kommentare mehr, da es meistens die sind, die mich aggressiv machen... auf facebook schaue ich nur noch einmal in der früh und einmal am abend und dann auch keine kommentare lesen. überhaupt den internet konsum einschränken und immer daran denken, dass viele dieser menschen das im echten leben nie sagen würden sondern nur unter der anonymität des internets

Kommentar von XCrowntheEmpire ,

Aber es kann ja auch nicht der richtige Weg sein, die Augen einfach zuzumachen oder? Die Dinge lösen sich dadurch ja nicht in Luft aus. Es gibt trotzdem noch all das da draußen. All diese Menschen die sterben, verhungern oder denen sonst Unrecht getan wird. Ich denke es ist eine Art Pflicht sich mit diesen Dingen zu beschäftigen, auch wenn es unbequem ist. Nur gilt das auch, wenn es einen kaputt macht? 

Kommentar von Sungoo ,

ja aber ich frage mich ja, ob das was die Zeitung schreibt wirklich die "wahrheit" ist. und die frage ist doch: wenn du nichts dagegen tun kannst und es dich nur herunterzieht - was für einen nutzen hat es dann zb die zeitung zu lesen?

das mit den online kommentaren hat nichts mit augen verschließen zu tun, die artikel kann man ja ruhig lesen, aber die kommentare sind oft einfach nur dumm und beleidigend

und mit positiv denken meine ich auch nicht, die augen vor dingen zu verschließen sondern eher gedanken wie "alles ist sch****" und so nicht mehr zu zulassen. und zu glauben, dass alles immer schlechter wird, ist auch nicht unbedingt realistisch. die leute glauben dass schon seit den alten römern und es hat damals schon nicht gestimmt und wir leben ja immer noch

Kommentar von XCrowntheEmpire ,

Ja, dass es heutzutage alles so viel schlimmer ist als es Früher war ist absoluter Quatsch. Aber das macht es ja nicht besser. Es gibt so viele gesellschaftliche und soziale Probleme die mich persönlich ja auch betreffen und dann gibt es eben genau diese Menschen die solche Dinge von sich geben und ich kann das nicht einfach wegstecken, weil ich das alles zu persönlich und zu emotional aufnehme. Wenn ich mich für etwas interessiere dann mit allem was ich habe. 

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