Frage von carolia, 79

Wie sah es mit der Armut direkt nach dem zweiten Weltkrieg aus?

Hab im Internet schon so viel gesucht, aber nichts gefunden außer dass sie sehr groß war..

Antwort
von Reanne, 35

Für Deutschland: Es gab nichts zu kaufen, Lebensmittelmarken mit Zuteilungen für Nahrungsmittel, Heizmaterial, Kleidung. Als Brot gab es Maisbrot, frisch durchaus genießbar, sonst aber nass und schwer. Fett war absolute Mangelware, Bratkartoffeln wurden mir schwarzem Gerstenkafffee gebraten. Griessmehl mit Zwiebeln und einem Hauch Margarine wurde zum Brotaufstrich. Man fuhr Hamstern in die Dörfer zu den Bauern, tauschte an Gütern, was man noch hatte, gegen Speck, Eier, Mehl ein. Ich denke noch an den Steckrübenwinter, nur Steckrüben und mit nichts drin gekocht schmeckten eie fürchterlich.Auch Heizmaterila war kostbar. die Eisblumen blühten an den Fensterscheiben und nachts ging der Ofen aus. Wenn man einen Zuckersack ergattert hatte, wurde der aufgezogen und Kleidung daraus gestrickt. Phantasievolle Mütter waren gefragt, die aus nichts was machen konnten, man organisierte, was man bekommen konnt, z.B. grüne Bohnen beim Bauern, die wurden als Salzbohnen eingelegt, ebenso wurde Sauerkraut selbst gemacht, wer einen Garten hatte, war fein raus. Ich könnte ein Buch darüber schreiben. Das tollste aber war. nach der Währungsrefom war alles in den Geschäften vorhanden, nur da fehlte dasnn das Geld, mit 40 DM Kopfgeld konnte man nicht viel kaufen.

Antwort
von wfwbinder, 22

Wie war es mit der Armut?

Ganz einfach, über 80 % der Leute hätten in den Jahren bis 1948/49 das Leben eines ALG II Empfängers als traumhaft empfunden.

Viele hatten Zwangseinweisungen von Flüchtlingen in die eigene Wohnung, Man holte sich die Lebensmittel auf Lebensmittelkarten. Was es gab, waren wirklich nur das absolute Minimum.

Selbst mitte der 50er Jahre, als man kaum noch Arbeitslosigkeit hatte, war es noch nicht so, dass jeder eine Wohnung hatte.

Antwort
von Arckanum, 39

Den meisten ging es logischerweise schlecht, es herrschte Hunger, man hatte oft nur die Kleider die man trug und es wurde irgendwie versucht über die Runden zu kommen. Dennoch war es nicht überall so schlimm. In ländlichen Gebieten hat der Krieg teilweise nur peripher stattgefunden, abgesehen von Vätern und Söhnen die zum Front Einsatz gezogen wurden. Einige Bauern konnten gegen bspw. Lebensmittel/Unterschlupf beachtliche Gold und Geldmittel ansammeln. In den zerbombten Städten war es meines Wissens am schlimmsten (Chemnitz, Dresden, Köln.. 

Antwort
von Hegemon, 20

Ein Beispiel: Meine Oma ist mit ihren beiden Töchtern und zwei kleinen Köfferchen per Bahn aus den deutschen Ostgebieten geflohen. Man kann wohl davon ausgehen, daß man mit einem Gesamtbesitz von zwei Köfferchen und dem, was man auf dem Leibe trägt, schon sehr, sehr arm ist.

Meine Tante (also eines dieser beiden Flüchtlingskinder) hat später erzählt, wenn ihr Opa nicht so erfindungsreich und aktiv gewesen wäre, und immer irgendwie für Essen gesorgt hätte, wären sie alle verhungert.

Antwort
von frodobeutlin100, 20
Kommentar von frodobeutlin100 ,

oder du fragst mal Deine Großeltern oder andere alte Menschen so um die 70  ....

Antwort
von lupoklick, 23

stell Dir vor, Dein Haus sei abgebrannt, und Dein arbeitsloser Vater sei tödlich verungluckt - Versicherung gab es nicht ....

Wer nicht zufällig auf dem Lande wohnte und ein paar Tiere hatte, der nagte am Hungertuch

Flüchtlinge aus dem Osten und Ausgebombte der Großstädte litten ganz besonders, auch unter dem bitterkalten Winter 1946/47....

Kohlenklau am Bahndamm hatte kirchlichen Segen - "Fringsen"

"Otto Normalverbraucher" mußte seine Lebensmittelmarken sorfältig einteilen...

"Shopping" und "Nagelstudio" waren undenkbar....


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