Frage von BatmanZer, 152

Warum sagt man "Ich dachte", wenn man "Ich denke" meint?

Mir ist aufgefallen, dass die meisten Menschen "ich dachte" sagen, wenn sie auch hätten sagen können "ich denke". Z.B. Wenn man nach hause kommt und die Frau schon zu hause ist, du aber angenommen hast, dass sie erst später käme. - " Oh, ich dachte du wolltest heute länger in der Arbeit bleiben" anstatt " Oh, ich denke du wolltest heute länger in der Arbeit bleiben". "Dachte" ist schließlich die Vergangenheitsform von "denke". Deswegen impliziert der erste Satz, dass du gedacht hast, dass sie länger arbeiten will, es aber nicht mehr denkst. Wichtig ist "wollen", denn man kann auch danach noch annehmen, dass sie vorhatte länger zu arbeiten, es aber nicht tut - und dann heißt es "Ich denke..." Warum sagt das aber keiner?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von OlliBjoern, 11

Ich nehme an, dass es dem Umstand geschuldet ist, dass die Frau (um mal bei dem Beispiel zu bleiben) im Moment des Satzes eben nicht mehr diese Aussage "denkt" (schließlich steht er ja schon in der Tür), sie sagt also, dass sie "dachte", dass er länger auf der Arbeit bleiben wollte.

Moment, dir ist noch das "wollen" aufgefallen: ja, strenggenommen ist es schon richtig, dass sie (immer noch) denkt, dass er wollte. Ja, ganz strenggenommen hast du schon Recht. Ich nehme aber an, dass die Umgangssprache sich nicht sonderlich um diese Feinheit kümmert, insofern sind die Sätze

"ich dachte, du bleibst heute länger auf der Arbeit" und
"ich dachte, du wolltest heute länger auf der Arbeit bleiben" ziemlich gleich.

  

Antwort
von knallpilz, 21

Hä?

Wenn ich nach Hause komme, denkend, dass meine Frau später kommt und dann sehe, dass dem nicht so ist, denke ich eben nicht mehr, dass sie später kommt. :D
Deswegen bringe ich zum Ausdruck, dass ich, bis ich eines besseren belehrt wurde, dachte, dass sie später kommt.

Wenn man also denkt, dass sie wohl doch nicht länger bleiben wollte, sagt man "Ich dachte, du wolltest länger bleiben...", weil man wissen möchte, warum sie sich umentschieden hat. Oder man vermutet nicht irgendeinen Grund und fragt einfach "Wolltest du nicht länger bleiben?", um herauszubekommen, warum sie trotzdem schon zu hause ist...

Wenn ich denke, jemand kommt nicht mit ins Kino, und ich treffe ihn aber mit allen anderen vorm Kino an und sage dann "Ich denke, du kommst nicht mit..", würde der doch sagen "Wieso denkst du das, du siehst doch, dass ich hier bin." :D

Kommentar von BatmanZer ,

Ich habe es mittlerweile rauskommen. "Ich denke" ist genau genommen tatsächlich richtig.

Expertenantwort
von Volens, Community-Experte für Grammatik & deutsch, 29

..., weil sich in dem Augenblick, wo sie über die Schwelle tritt, die Zeitenfolge ändert und du sagen müsstest:

ich denke, sie habe gesagt, dass sie länger arbeiten wolle.

Wenn du nicht zu dieser Konstruktion neigst, wird aus "ich denke" im Augenblick der Veränderung "ich dachte". Das Präsens ist eine sehr flüchtige Zeit.

Antwort
von HansH41, 43

Batman, du kannst ruhig sagen: "Ich denke". Niemand wird dich deswegen steinigen.

Aber sonst - außer dir- sagt jeder: "Ich dachte".

Kommentar von BatmanZer ,

Ich sage normalerweise ja auch "Ich dachte" aber wenn man den Satz wortwörtlich nimmt, wäre "Ich denke" korrekt, oder?

Kommentar von HansH41 ,

Nein, ich glaube, du machst einen Denkfehler.

Kommentar von knallpilz ,

Aber wieso solltest du denn immer noch denken, was du vorher dachtest, obwohl du jetzt gesehen hast, dass es nicht so ist?
Mit "denken" ist ja nicht "sich vorstellen" gemeint, sondern "überzeugt sein von". Wenn ich also überzeugt davon bin, dass meine Frau länger bleiben will, und sehe, dass sie aber schon zu Hause ist, bin ich dann  nicht mehr so überzeugt davon, sondern verwirrt.

Antwort
von Pauli1965, 72

Wenn jemand schon vorher darüber nachgedacht hat, dass die frau länger arbeiten will, ist der Satz doch richtig mit dem dachte.

Antwort
von suziesext08, 20

das ist ne Abmilderung, wenn du sagst ich dachte. Im deutschen Sprachgebrauch empfinden das viele als etwas netter, höflicher. So wie du beim Bäcker sagst: das wärs. Wäre ist eigentlich Irrealis der Gegenwart, der aber sehr oft zur höflicheren Abmilderung der Aussage gebraucht wird:

dürfte ich mich da mal durchdrängeln; könnte ich mal kurz ihren Stift haben; wäre es ihnen recht, wenn...

würde es ihnen was ausmachen usw

Antwort
von berlina76, 48

Ich dachte ist richtig.

Weil der Mann ja bevor er seine Frau gesehen hat- also in der Vergangenheit- davon ausging. wenn er die Wohnung betritt, das keiner da ist. 

Wenn er seine Frau sieht ist sie ja da.

Also ich dachte.

Kommentar von BatmanZer ,

Das ist richtig, aber man kann ja auch danach noch annehmen, dass die Frau länger arbeiten WOLLTE, es aber aus irgendeinem Grund nicht macht. "Ich denke du WOLLTEST länger arbeiten" , "Ich dachte du BIST heute länger in der Arbeit" Beim Zweiten ist nur "dachte" richtig, da er es ja sehen kann, aber die Tatsache, dass die Frau länger arbeiten WOLLTE, kann er ja nicht sehen.

Kommentar von BatmanZer ,

Man kann ja trotzdem etwas wollen, ohne es zu tun.

Antwort
von SoVain123, 82

Nein, in deinem Beispiel stimmt nur dachte, denn man denkt es ja jetzt nicht mehr, denn die Person steht ja jetzt schon da.

Kommentar von BatmanZer ,

"Dachte" ist richtig, wenn es heißen würde: "Ich dachte, du bist heute länger in der Arbeit" und "Ich denke, du wolltest heute länger in der Arbeit sein" Oder nicht?

Kommentar von SoVain123 ,

Nein, weil die Person ja jetzt schon da ist. Dann denkt man es ja nicht mehr, weil man es ja schon weiß :D

Kommentar von DPower16 ,

Der zweite Satz ist komplett falsch.. ich weiß nicht, warum du so auf dem Präsens beharrst.

Kommentar von BatmanZer ,

Weil man doch danach noch annehmen kann, dass sie länger arbeiten WOLLTE, es aber offensichtlich nicht tut.

Kommentar von Volens ,

Dann heißt es:
ich hätte gedacht, du wolltest länger arbeiten.

Kann es sein, dass du ziemlich beratungsresistent bist?

Kommentar von knallpilz ,

Geh doch mal lieber auf sein Verständnisproblem ein...

Kommentar von knallpilz ,

Kann man annehmen. Nur ist das mit "Ich denke" oder "Ich dachte" nicht gemeint.
Wer so etwas sagt, vollzieht einen Sprechakt. D.h., es wird nicht einfach nur gesagt, um andere von einem Sachverhalt zu informieren, den die Wortfolge schildert, sondern um (in diesem Fall) Verwirrung auszudrücken. Was im Rückschluss bedeutet, dass er nicht genau weiß, warum sie jetzt doch da ist. Eine mögliche Erklärung wäre, dass sie ihre Meinung geändert hat. Eine mögliche Erklärung wäre, dass sie trotz ihrer Intention nicht länger bleiben konnte. "Ich dachte" heißt hier also "Bis eben war ich mir noch sicher, dass du länger bleiben wolltest".

Antwort
von Barolo88, 66

"ich denke" wäre in diesem Zusammenhang total falsch

Antwort
von thorsengel, 12

Schau mal hier. Vielleicht kommst du dann drauf-
http://www.verbformen.de/konjugation/wollen.htm

Antwort
von DPower16, 93

Das "Ich dachte.." ist schon richtig.
Sie hat bis zum Zeitpunkt vor seinem Eintreffen gedacht, dass er später nach Hause kommt. Die Sekunde vor seinem Eintreffen liegt in der Vergangenheit, auf die sich der Satz bezieht.

Kommentar von BatmanZer ,

Ja, aber man kann doch auch danach noch annehmen, dass sie länger arbeiten WOLLTE, sie aber aus irgendeinem Grund daran gehindert wurde. Wenn sich die Aussage auf das Dasein bezieht, ist nur das "dachte" richtig, da ja seine Annahme revidiert wurde (er sieht ja, dass seine Frau da ist und kann daher nicht weiter annehmen, dass sie arbeiten ist, sehr wohl aber, dass sie noch arbeiten wollte)

Kommentar von DPower16 ,

Du ziehst falsche Schlüsse aus deinen Aussagen.
Egal wie man es dreht, die Aussage ist nicht die, die man initiert zu sagen.
"Ich denke, du willst länger arbeiten." klingt wie eine Aufforderung dass sie wieder zur Arbeit gehen soll anstatt dass man gedacht hat, dass sie länger bei der Arbeit bleibt.

Wir sagen dir hier alle, dass es nicht klappt also solltest du uns vielleicht glauben.

Kommentar von BatmanZer ,

" ...anstatt dass man gedacht hat, dass sie länger bei der Arbeit bleiben WILL" Dass sie da ist, ist ja offensichtlich und deswegen in dem Fall tatsächlich nur das "dachte" richtig. "Ich dachte, du bist heute länger in der Arbeit." Aber: " Ich denke, du wolltest heute länger in der Arbeit bleiben". Sie kann ja auch noch daheim noch arbeiten WOLLEN, tut es aber aus irgendeinem Grund nicht. Und der Mann kann ja nicht erkennen, ob sie noch arbeiten will oder nicht, nur das sie nicht mehr arbeitet.

Kommentar von DPower16 ,

Sorry das ist mir zu dumm, ich bin raus.

Kommentar von BatmanZer ,

Tut mir Leid. Aber wenn man den Satz wortwörtlich nimmt, muss man "Ich denke" benutzen.

Kommentar von DPower16 ,

Muss man nicht. Das ist komplett falsch, so redet kein Mensch.

Kommentar von BatmanZer ,

Nur weil es kein Mensch sagt, muss es ja nicht falsch sein - deswegen ja meine Frage. ☺

Kommentar von knallpilz ,

Ich glaube, du verstehst die Bedeutung des Wortes "denken" in der Hinsicht falsch.

Man kommt nach Hause, überzeugt davon, dass sie Frau länger bleiben wollte. Man sieht dann, dass sie trotzdem schon zu Hause ist und denkt sich "Entweder wollte sie doch nicht länger bleiben oder sie konnte nicht.", ist also nicht mehr überzeugt davon, dass sie länger bleiben wollte. "Ich denke" heißt in dem Fall ja nicht "Ich könnte mir vorstellen", sondern "Ich bin mir sicher". Bloß bringt man das sprachlich anders zum Ausdruck.

Kommentar von BatmanZer ,

Ich habe es mittlerweile rausbekommen. "Ich denke" ist genau genommen tatsächlich richtig.

Antwort
von Dunkel, 72

Denkst du denn noch dass die Frau länger arbeitet, wenn sie vor dir steht?

Kommentar von BatmanZer ,

Nein, aber arbeiten wollte. Es ist offensichtlich, dass sie nicht mehr arbeitet, aber man kann noch annehmen, dass sie länger arbeiten wollte, es aber aus irgendeinem Grund nicht dazu kam.

Kommentar von knallpilz ,

Bloß meint niemand "ich nahm an", wenn er "ich dachte" sagt. Eher "ich war mir sicher, jetzt bin ich es nicht mehr". Das lässt sich daraus ableiten, dass der Sprechende Verwirrung zum Ausdruck bringt.
Wenn man sowas sagt, will man ja nicht seine Frau drüber informieren, dass man was gedacht hat, was jetzt keine Rolle mehr spielt, sondern man würde gerne wissen, warum sie jetzt doch früher da ist, da man es selber nicht genau versteht.

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