Frage von Ciel1984, 95

Wie sag ich's meiner Chefin?

Hallo liebe Community,

dies ist meine erste Frage hier, ich hoffe, ich kann mich verständlich machen. Vor kurzem habe ich meine Ausbildung abgeschlossen (mit Ende 20, nach ein paar Jahren angelernter Tätigkeiten und Abi auf dem 2. Bildungsweg) und habe nun eine Zusage für meinen Wunsch-Arbeitsplatz bekommen (da wo ich vor der Ausbildung angelernt worden war und man mich nun "als Fachkraft zurückholt", direkt vor meiner Haustür) soweit, so toll. In Vollzeit verdiene ich in meinem Job 1600 Euro netto. Damit komme ich hin. Der Punkt: die Kommune hat kein Geld und ich soll zunächst "stundenweise" anfangen (ca. 13-17/Woche) kann davon aber nicht leben! Ich hätte zwar Spaß an der Arbeit aber ca. genauso wenig Geld, wie wenn ich zuhause sitzen und ALG1 kassieren würde ( ALG wäre für ein Jahr zumindest ca. 1000 Euro/Monat, den Bewilligungsbescheid habe ich aber noch nicht). Meine Fixkosten betragen ca. 600 Euro. Erst ab Herbst 2016 soll ich die halbe Stelle erst vertraglich kriegen, dann wohl wenigstens unbefristet. Bis dahin werden die Stunden monatlich einzeln berechnet. Der entscheidende Punkt: wenn ich meiner Chefin sage, dass ich mir für die "freien" Arbeitstage einen Nebenjob suchen möchte, dann weiß ich schon was sie mir sagen wird: "Aber dann sind Sie doch nicht mehr so FLEXIBEL wie wir sie hier bräuchten!" (Ich arbeite dort nur Mo, Fr., Sa., bin theoretisch für einen Nebenjob immer Di, Mi. frei, theoretisch)

Was sage ich ihr dann?
Man muss noch zwei Sachen dazu sagen, 1. dass meine Chefin mir in Aussicht gestellt hat, meine Stunden sukzessive zu erhöhen. Aber das dauert.. 2. Die meisten Menschen mich nicht verstehen, warum ich unzufrieden bin und nicht "dann halt mal ein Jahr "etwas" weniger Geld habe".

LG Ciel

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von AlexChristo, 24

Der entscheidende Punkt: wenn ich meiner Chefin sage, dass ich mir für die "freien" Arbeitstage einen Nebenjob suchen möchte, dann weiß ich schon was sie mir sagen wird: "Aber dann sind Sie doch nicht mehr so FLEXIBEL wie wir sie hier bräuchten!" (Ich arbeite dort nur Mo, Fr., Sa., bin theoretisch für einen Nebenjob immer Di, Mi. frei, theoretisch)

 

Meine persönliche Meinung: Ich sehe da kein Problem. Du kennst die Chefin natürlich besser. Aber kann sie nicht verstehen wenn du sagst; dass du von so wenig Geld kaum leben kannst und du keinen ALGII-Zuschuss haben möchtest?

Ich persönlich finde es toll, dass du Verantwortung für ein Leben übernimmst und noch einen weiteren Job machen willst.

Du solltest auch schauen, dass dein Arbeitsvertrag in deinem "Hauptjob" klar sagt, wann du arbeitest und wann nicht.

Man muss noch zwei Sachen dazu sagen, 1. dass meine Chefin mir in Aussicht gestellt hat, meine Stunden sukzessive zu erhöhen. Aber das dauert..

Ist doch toll. Du kannst deiner Chefin sagen, sobald sie dir einen Vollzeitvertrag bietet, stehst du auch sehr gerne Vollzeit zur Verfügung und kündigst jeden weiteren Job. Du kannst ja auch klarstellen, dass du den Job gerne machst, aber von irgendwas musst du ja Leben. Luft und Liebe alleine funktioniert halt nicht.

2. Die meisten Menschen mich nicht verstehen, warum ich unzufrieden bin und nicht "dann halt mal ein Jahr "etwas" weniger Geld habe".

Echt jetzt? Es gibt Menschen, die nicht verstehen, dass du Vollzeit arbeiten (auch in zwei Jobs)  und faires Geld verdienen willst? Wenn es Menschen gibt, die das nicht verstehen, würde ich dir persönlich empfehlen: Halte dich von solchen Menschen fern.

Fazit:

Sag deiner Chefin ganz klar, dass du Geld benötigst, um zu Leben, wie jeder Mensch und dass du deswegen einen zweiten Job oder mehr Stunden benötigst. Ich finde das total logisch und nachvollziehbar. 

 

 

Kommentar von SiViHa72 ,

Exakt. Wenn man einen Job hat, der nicht genug Geld fürs Leben abwirft (und ich rede nicht von viel), dann aber dafür so flexibel sein muss, dass kein anderer Job nebenbei geht.. Idealismus in allen Ehren, aber der bezahlt das Brot zum Frühstück nicht (von der Butter drauf mal geschwiegen).

Kommentar von Ciel1984 ,

Erstmal danke für die vielen Antworten, so schnell hätte ich das nie erwartet, eine tolle Website hier mit guten Leuten ;-)

 - "Du kennst die Chefin natürlich besser. Aber kann sie nicht verstehen wenn du sagst; dass du von so wenig Geld kaum leben kannst und du keinen ALGII-Zuschuss haben möchtest?"

Ich glaube, ich werde das mal besser dann auf die Probe stellen, wenn ich ein, zwei Monate dort erfolgreich gearbeitet habe, oder? Gleich zu Anfang...ich weiß nicht..

Antwort
von SiViHa72, 35

Kurzer Erstgedanke: in Aussicht stellen kann man viel. Was dann wirklich daraus wird und auch wann und in welchen Schritten, das steht ganz woanders.

Ansosnten: es muss einfach für beide passen. Du kannst nicht erst für einige Stunden anfangen, aber zeit einplanen wi für eien Vollzeitjob- wovon sollst Du leben?

Das muss Deine Chefin auch verstehen.

Ihr müsst Euch im gegenseitigen Interesse so einigen, dass Du bis zur halben Stelle noch einen Nebenjob machen kannst.

Wenn Du den Umfang dann wirklich hast, kann man das ja ändern.

Aber vorher sieht es sonst für Dich ziemlich Essig aus.

Das MUSS sie verstehen und an einer guten lösung interessiert sein.

Erfahrungshalber sei gesagt- was meinst Du,w as AG so alles versprechen.. mit Speck fängt man Mäuse.

Dumm für den AN, wenn´s dann halt nicht so kommt.

Hört sich bitter an, aber das ist realität.

Du hast NUR, was Du schriftlich hast, alles andere sind nette versprechungen.

Kommentar von SiViHa72 ,

PS: nicht so verstehen, als ob ich abrate! Es muss nur einfach für beide machbar sein.

So hatte ich z.B. mal ein Angebot im öffentlichen Dienst, 20 Stunden,a ufbaubar. Da kamen wir schnell überein, dass ich bei aller Flexibilität einen Tag für einen 450€ -Job gekriegt hätte bis irgendwann die Stundenerhöhung käme.

Leider ist dann aus einem anderen Grund nichts draus geworden.

Aber das hätte ich gemacht,e infach weil es auch der erwünschte Einstieg in den ÖD gewesen wäre.

Kommentar von Ciel1984 ,

"Du kannst nicht erst für einige Stunden anfangen, aber zeit einplanen wi für eien Vollzeitjob- wovon sollst Du leben?"

Chefin, "die Leute" und sogar mein Vater sagen mir z.B. darauf "den Rest stockt das Amt auf"/"du kannst also jeden Monat leben" 

"Du kannst nicht erst für einige Stunden anfangen, aber zeit einplanen wi für eien Vollzeitjob"

Gut formuliert, plakativ einleuchtend...

Danke für deinen sehr guten Kommentar!

Antwort
von Tincheng78, 29

Hey!

Du hast eine Zusage wohnungsnah bei deinem Wunscharbeitsplatz bekommen aber es ist zu wenig Gehalt, das verstehe ich richtig? (Soll nicht anklagend wirken nur damit ichs verstehe) Sie würden dir einen evtl. unbefristeten Job anbieten aber erst nächstes Jahr...jetzt Stundenweise weil zu wenig Geld da ist..

Hast du zur Zeit einen Job wo du die 1600 verdienst oder ist das nur das eigentliche Gehalt überhaupt für den Job?

Kommentar von Ciel1984 ,

Hihi, danke für dein Nachfragen, du hast es im ersten Absatz richtig beschrieben. Ich hatte nach meiner bestandenen Ausbildung (das war Sommer 2015) einen Halbjahresvertrag in Vollzeit im Ausbildungsbetrieb, der zum Jahresende auslief. Da habe ich die 1600 verdient, das bekommt man bundesweit in etwa für den Job in Vollzeit. Ab Februar beginne ich dann also wie beschrieben als Fachkraft in meinem Wunschbetrieb vor der Tür in meiner klammen Kommune. Wie würdest du vorgehen?

Antwort
von wolfram0815, 18

Arbeiten statt ALG ist immer besser. Vor allem auch für den Lebenslauf. So lange du kein besseres Jobangebot findest, würde ich die Stelle annehmen. Die Kommune hat kein Geld, und die Stelle soll also erst ab Herbst 2016 fest sein und "wohl auch" unbefristet. Und das du mit den paar Stunden nicht davon leben  kannst, dürfte der Kommune auch klar sein, aber wenn die Kommune wegen der Flexibilität  von dir verlangt, auf einen zweit Job an den freien Tagen zu verzichten, wäre schon allerhand! 

Nun, als ob die Kommune im Herbst mehr Geld hätte. Ich persönlich sehe diese Aussagen als vage an. Es ist zwar sehr sehr wichtig, dass einem der Beruf auch Spaß macht, aber anständig leben muß ja auch möglich sein. Vor allem noch, weil du Abitur hast.

Mit deinem Abi kannst du noch viel mehr machen, und natürlich mehr Geld verdienen. Du könntest eine Ausbildung machen. Mit Abi kommst du da sicher erheblich leichter rein. 1600€ Netto, meinetwegen als Anfangsgehalt, find ich mit einem Abi wenig! Ohne weitere Ausbildung ist da auch nur schwer mehr möglich!

Kommentar von SiViHa72 ,

Leider ist das gar kein so unrealistischer Lohn, auch "mit Abi". Das alleine ist nicht der Entscheider.

Es gibt mittlerweile genug Jobs, wo nette Chefs meinen, man könne ja auch mal mit 1600 BRUTTO froh sein mit abgeschlossener Berüfsausbildung und Erfahrung danach.

Gibt genügend Akademiker, die nen netten Hungerlohn kriegen.

Kommentar von Ciel1984 ,

Danke für die ausführliche Einschätzung Wolfram, aber ich muss was anmerken, was du vielleicht oben übersehen hast: ich habe eine Ausbildung abgeschlossen und zwar in dem Beruf, in dem mich die Kommune jetzt ja auch einstellt ;-) Ist schon mein Traumberuf, u.a. AUCH deswegen, weil er aus meiner Sicht "leichte" Tätigkeiten, auf die viele einfach keinen Bock/keinen Sinn dafür haben, gut entlohnt.

"aber anständig leben muß ja auch möglich"

Von nicht wenigen höre ich "ööööhh, ich lebe sogar auf dem Level von Hartz4 und mir gehts gut, prüf mal deine Ausgaben etc." und frage mich dann immer, wo die Ambitionen der Leute sind oder ob die Recht haben...

Antwort
von MiraAnui, 28

Red erst mal mit deiner Chefin in ruhe.

Sag ihr, dass du den Job gut findest. Blabla, aber du nicht von stundenweise Arbeiten Leben kannst. 

Vlt hat sie ja auch noch einen Vorschlag für dich.

Antwort
von Killerkatze11, 22

Das man mit einer Teilzeitstelle nicht über die Runden kommt, sollte auch deiner Chefin klar sein. Und mit Zusagen ist es auch immer so eine Sache. Solange es nichts Schriftliches gibt, ist ihre Zusage nichts wert. Entweder wird der Zweitjob akzeptiert oder Adios....

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