Frage von Gym80951996, 186

Wie reagierten die DDR-Bürger auf die West-Autos?

Also im Westen gab es da ja schon sehr gute und normale Autos von BMW, Mercedes, Opel usw. Kannte man diese Autos oder wusste man was von Ihnen? Man konnte doch auf die andere Seite schauen?
Wie reagierten die Ostdeutschen nach dem Mauerfall auf die West-Autos, wenn man nur Trabant kannte?

Antwort
von PeVau, 90

Na ja, man kannte nicht nur Trabant. Ab und zu kam ja auch mal Westbesuch zur Nachbarschaft und brachte das Auto mit. Westfernsehen gab es auch incl. ARD-Ratgeber Auto. Als Kinder haben wir dann immer durch die Seitenscheibe gelinst und auf den Tacho geguckt, wie schnell der Wagen fahren konnte. Wenn die Skala dann bis 250 ging, war sonnenklar, dass der Wagen auch so schnell fahren konnte. :-D

Die Marken und Typen waren geläufig, wie auch die Vorurteile über bestimmte ausländische Hersteller. Wir standen nicht mit vor Staunen geöffneten Mund vor den Fahrzeugen, dafür aber mit sehnsüchtigem Blick. Richtig ist, dass so ein Westauto für so ziemlich jeden Ossi ein Traum war und unmittelbar nach der Grenzöffnung die Goldenen Zeiten für Gebrauchtwagenbetrüger aus dem Westen anbrachen.

Wir haben schnell gelernt und dafür viel Lehrgeld bezahlt.

Kommentar von Hegemon ,

"Wenn die Skala dann bis 250 ging, war sonnenklar, dass der Wagen auch so schnell fahren konnte. :-D"

Jo. Exakt. Das lief bei uns Gören auch genau so ab.

Kommentar von Gym80951996 ,

Aber wenn die Skala bis 250 geht heißt das nicht UNBEDINGT dass der Wagen auch so schnell fährt...

Kommentar von Hegemon ,

Richtig, mein Junge, das ist ja der Witz. Das wußten wir als 8-jährige Kinder nämlich nicht.

Übrigens - wenn ich heute im Lotto gewänn, tät ich mir flug dieses Traumauto holen. Da könnten mich weder BMW noch Opel von abbringen:

https://www.youtube.com/watch?v=Ozzlbrh6Tfc

Kommentar von metalfreak311 ,

Die Kiste war super gefedert, man schwebte regelrecht auf der Straße. In meiner Stadt fährt übrigens noch einer rum, natürlich mit Oldtimer-Kennzeichen.

Kommentar von Hegemon ,

Ich durfte mich als 5/6-Jähriger mal hinter das Lenkrad des M21 unseres Nachbarn setzen. Ich war stolz wie Oskar. Dann der extrem hohe Einstieg und die durchgehende vordere Sitzbank. Das werde ich nie vergessen.

Antwort
von Fuchssprung, 63

Wie soll man schon reagieren, wenn man mehr als 12 Jahre auf eine Pappe (Trabant) warten musste? Jeder der so ein Ding besaß, hat es sofort in die Tonne getreten und sich ein richtiges Auto geholt. 

Antwort
von metalfreak311, 71

Also, zu DDR-Zeiten (zumindest in den späteren Jahren) konnte man schon West-PKW in der DDR kaufen - es wurden u.a. VW Golf und Mazda 323 eingeführt, allerdings natürlich begrenzt und ziemlich kostenintensiv. Außerdem gab es für Glückliche die Möglichkeit, dass vermögende Westverwandte bundesdeutsche Marken mit Valuta sponserten. Die Staatsführung fuhr ja meist Volvo bzw. Tschaika (ein sowjetischer PKW auf Ami-Basis).

Nach der Wende kamen viele Gebrauchtwagenhändler in die Noch-DDR, um ihre Schrottkisten zu veräußern, weil es hier noch keinen TÜV o.ä. gab. Viele DDR-Bürger, die sich jahrelang von Werbung hatten berieseln lassen, schlugen zu reichlich überteuerten Preisen zu, da die PS-Zahlen blendeten (ein Trabi hatte z.B. 23 bzw. 26 PS), obwohl die Kisten nur noch Schrottwert hatten. Die West-Marken waren natürlich bekannt, weil man hier überwiegend auch West-TV empfing und die Autos u.a. aus Spielfilmen kannte (auch in den Kinos kamen jede Menge Westfilme).

Allerdings war bei vielen DDR-Bürgern das Urteilsvermögen relativ begrenzt, eben weil man es hier nicht gewohnt war, über den Tisch gezogen zu werden. Es gab also etliche, bei denen die Ernüchterung bald folgte, wenn die tolle Westkarosse bald den Geist aufgab.

LG metalfreak311

Antwort
von N0Nentity, 55

Westautos waren in der DDR wohl bekannt, nicht nur aus dem Fernsehen, sondern auch aus nächster Nähe.

Wer Verwandet im Westen hatte, konnte über diese einen Westwagen und andere Waren beziehen. Nicht wenige hatten die Möglichkeit über GENEX an das Objekt ihrer Begierde zu kommen, so dass Westwagen im Straßenbild der DDR durchaus nicht so selten waren, wie es viele annehmen.

Dazu nähere Erläuterungen hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/Genex

Antwort
von hummel3, 70

Da die ehemalige DDR nicht auf dem Mond angesiedelt war, wussten die Menschen sehr wohl, was "die im Westen" für Autos hatten. Der Grenzzaun war jedenfalls kein Hindernis für die Kommunikation via TV und Westbesucher im Osten.

Solange die Mauer noch bestand, reagierten die Menschen daher verständlicherweise gedanklich beschränkt, mit "auch haben wollen". Nach der Maueröffnung und der Vereinigung setzen die meisten alles daran, möglichst bald ebenfalls ein Westfahrzeug zu besitzen, egal ob gebraucht oder neu.

Kommentar von 666Phoenix ,

möglichst bald ebenfalls ein Westfahrzeug zu besitzen, egal ob gebraucht oder neu.

Genau! Und wurden auch hier i. d. R. über den Tisch gezogen wie bei so ziemlich allem anderen auch! Der Lernprozess hält weiter an!

Kommentar von hummel3 ,

Genau! Und wurden auch hier i. d. R. über den Tisch gezogen wie bei so ziemlich allem anderen auch! Der Lernprozess hält weiter an!

Ich glaube es ist das erste Mal, dass ich einem deiner Kommentare so uneingeschränkt zustimmen kann. Das war teilweise eine "Sauerei".

Kommentar von 666Phoenix ,

Ich glaube es ist das erste Mal,

Bei jedem "Glauben" gibt es ein erstes Mal! :-)

Antwort
von noname68, 83

schon mal was vom "fernsehen" gehört? nur im sog. "tal der ahnungslosen" hatten die ddr-bürger kaum möglichkeiten, sich über das leben im westen zu informieren. dort gab es wegen der geografischen lage keine chance auf empfang des west-fernsehens.

Kommentar von Gym80951996 ,

Ja diese Leute meinte ich

Kommentar von noname68 ,

die haben sich aber immer auf anderen wegen infos über unser leben ua. auch über unsere autos besorgt.

daher wurde anfang 1990 der auto-gebrauchtmarkt in den alten bundesländern leergekauft, weil alle den trabi satt hatten und lieber wenigstens einen verrosten käfer fahren wollten.

Kommentar von 666Phoenix ,

noname,

im Westen hatten sie die Möglichkeit, Ostfernsehen zu empfangen und in den Osten zu reisen. Das Wissen im Westen über die ehemalige DDR ist trotzdem und auch heute noch dermaßen grottenhaft, dass dieser Vergleich sehr hinkt! 

Antwort
von Claud18, 17

Man konnte auch zu DDR-Zeiten (ab den 80er Jahren) schon VW-Golf, Volvo und Mazda kaufen, wenn man über das nötige Kleingeld verfügte und evtl. auch über Beziehungen. Die Wartezeit war geringer als beim Trabant, der Preis allerdings wesentlich höher.

Zuvor bewunderten wir die Autos der Westbesucher oder ließen uns damit fotogafieren. Ich war damals sehr oft per Autostop unterwegs, und hin und wieder nahm mich ein Westauto ein Stück mit. Das war ein ganz phantastisches Fahrgefühl. Also - ganz im Tal der Ahnungslosen lebten wir nicht.

Antwort
von soissesPDF, 35

Sie kauften alles, was irgendwo herumstand.
Die Wessis hatten einen Slogan "Der Schrott geht nach Ost".

Zuerst kamen die Gebrauchtwagenhändler, wer auch sonst.
Bis die Konzerne ihre Autohäuser errichteten verging noch einige Zeit.

Antwort
von Klaudrian, 86

Die DDR Bürger wussten, dass wir diese Automarken haben. Opel und VW gab es schon vor der Mauer. Als die Grenzen geöffnet wurden haben sich die Bürger der DDR logischerweise die Fahrzeuge in echt ansehen wollen. Da nur wenige Autos hatten, war der Markt in Westdeutschland dementsprechend sehr ausgelastet. In der DDR wurden ja kaum Fahrzeuge produziert. Man musste teilweise 1 Jahr auf seinen bestellten Trabant warten. 

Kommentar von Gym80951996 ,

Das muss doch frustrierend gewesen sein? Zu wissen dass man diese Autos nicht fahren kann

Kommentar von Klaudrian ,

Die Leute damals hatten ganz andere Probleme als heute. Da waren grundlegende dinge wichtiger. Viele hatten nicht mal eine richtige Toilette. 

Kommentar von Hegemon ,

Nö. Das war so weit weg, das hat mich nicht so sehr interessiert, daß es mich frustriert hätte. Geld und Besitz spielte in der Gesellschaft bei weitem nicht die Rolle, die es heute spielt. Frustriert hat mich statt dessen, daß 1990 zwei Drittel der Belegschaft unserers Betriebes entlassen wurden, und wir als junge Studienabsolventen gefeuert wurden, noch bevor unser Arbeitsvertrag richtig wirksam wurde. Plötzlich gab es überall keine Arbeit mehr und es wurde auf einmal relevant, daß man in der Provinz lebte und nicht in der Großstadt. Diese Zukunftsangst, die ich vorher nie erlebt hatte, die war dann wirklich frustrierend - nicht die Tatsache, ob und welches Auto wir fuhren.

Kommentar von HansH41 ,

Da gab es so viel frustrierende Dinge, dass das Auto-Problem das allerkleinste war.

Kommentar von Gym80951996 ,

Ich dachte man müsste teilweise 10 Jahre auf einen Trabant warten

Kommentar von Klaudrian ,

Kann auch sein. 

Kommentar von Startrails ,

Ja, zehn Jahre Wartezeit kommt schon eher hin als "nur" ein Jahr ;-)

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