Frage von 120grammButter, 5

Wie reagiert die Gesellschaft wenn starke Depressionen eines Individuums externe Konsequenzen nach sich ziehen?

Bei langer schwerer / manischer Depression ist ja häufig der Fall, dass irgendwann interne Konsequenzen damit auftretten, wie z.B. die Borderline-Persönlichkeitsstörung oder sogar schlussendlich Suizid.

Was passiert aber wenn man die ganze Trauer, den Hass, die Angst etc. nicht an sich auslässt sondern an der Außenwelt? Nicht im Sinne von einem Amoklauf, sondern gezielt auf längeren Zeitraum versucht die Gesellschaft oder bestimmte Typen von Menschen zu unterwandern, teilweise zu schädigen oder gar auszurotten. Um es nicht falsch zu verstehen, dabei liegt der Fokus nicht auf Sadismus, sondern auf der Sichtweise der radikalen Veränderung für eine persönliche "möglichst ideale" Gesellschaft.

Man gibt quasi einen Teil der Gesellschaft die Schuld am eigenen Leid und versucht sie zu kompensieren, in dem man die jeweiligen negativen Einflüsse schädigt oder ganz beseitigt. Für die Person gilt dann Naturrecht über positiven Recht. Was ja der biologischen Realität auch entsprechen würde.

Spricht man dann schon von Egoismus, Misanthropie oder krankhaften Idealismus statt Depressionen? Und wenn ja, wäre es dann moralisch nicht irrelavant für die jeweilige Person? Wenn man es aus großen kollektiven politischen Blickwinkel betrachtet, macht das Militär ja auch nichts anderes. Schutz durch Verteidigung oder sogar den direkten Angriff.

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Antwort
von Enzylexikon, 2

Für die Person gilt dann Naturrecht über positiven Recht.

Das gilt aber nicht für die Gesellschaft, in der dieser Mensch lebt. Wenn er eine Straftat begeht, wird er dafür zur Verantwortung gezogen.

Ob er zurechnungsfähig und für den normalen Strafvollzug geeignet ist, oder eine psychische Erkrankung mit eine Schuldunfähigkeit vorliegt, muss dann geklärt werden.

teilweise zu schädigen oder gar auszurotten. [...]in dem man die jeweiligen negativen Einflüsse schädigt oder ganz beseitigt

Das klingt für mich nach der Absicht Straftat. Die möglichen Konsequenzen daraus habe ich oben geschildert.

Spricht man dann schon von Egoismus, Misanthropie oder krankhaften Idealismus statt Depressionen?

Wenn er die Gesellschaft aktiv schädigen will und entsprechende Handlungen begeht, ist das aus meiner Sicht vor allem kriminell. Ob dabei eine Persönlichkeitsstörung vorliegt, müssten Experten klären.

Eine Therapie scheint mir daher deutlich vernünftiger, anstatt die Produkte einer kranken Psyche an Anderen auszuagieren.

Kommentar von 120grammButter ,

Demnach müsste man den IS, Nationalsozialisten / Neonazis und extremistische Kommunisten / Sozialisten auch therapieren, oder?

Kommentar von Enzylexikon ,

Nur sofern eine psychische Erkrankung vorliegt. Eine Ideologie, egal wie radikal sie sein mag, stellt allein kein Krankheitsbild dar.

Man sagt zwar umgangssprachlich gerne mal "das ist ja krank", aber das ist eben keine qualifizierte Diagnose.

Kommentar von 120grammButter ,

Idealismus als Vorwand. Okay, das ist ja interessant. Denke auch, dass erst die aufgedeckte Straftat den Kampf gegen die Justiz / den Staat anfechtet. Wie z.B. bei Breivik der stolz sich in der Öffentlichkeit präsentiert im Gegensatz zum unaufgedeckten Serienkiller oder Auftragsmörder.

Antwort
von Tamtamy, 1

Du hast da jetzt eine Menge Aspekte in die Erläuterung deiner Frage gepackt ...
Wenn ich mich nur mal an die Frage selbst halte, dann reagiert "die Gesellschaft" als Kollektiv mit unterschiedlichen Angeboten.
Das reicht von herapeutischen Behandlungsangeboten bis zu den Konsequenzen des Strafrechts, sofern diesbezüglich relevante Handlungen vorgefallen sind.
Mit etwas Glück ist der Betroffene kreativ tätig, z.B. als Theaterautor - dann reagiert "die Gesellschaft" mit Eintrittskarten.

Kommentar von 120grammButter ,

Ja tatsächlich, die jeweilige Person könnte sogar im oberen politischen Establishment interagieren. :D

Antwort
von reginarumbach, 3

die gesellschaft reagiert , je nach verletzung der gesetze, mit sämtlichen juristischen mitteln und konsequenzen, die ihr zur verfügung stehen. die gesellschaft sieht sich nicht als verantwortlichen auslöser für diese psychischen erkrankungen und wird deshalb da gleiches recht für alle anwenden.

Kommentar von 120grammButter ,

Ist in Deutschland "die Gesellschaft" gleichbedeutend mit dem Staat? Sorry, kenn mich da leider nicht ganz aus. Habe einen Migrationshintergrund.

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