Wie philosophischen Artikel der Klasse präsentieren?

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1 Antwort

Der Aufsatz ist eher als journalistischer Beitrag zu werten, denn als philosophischer Aufsatz. Dazu ist er meiner Meinung nach zu oberflächlich. Er ist in 11 Abschnitte unterteilt. Nur die ersten drei befassen sich wirklich mit dem Thema Migration durch Klimawandel. Die übrigen setzen sich eigentlich mit Überlegungen auseinander, die im Moment angesichts der Migrationswelle diskutiert werden. Für das umfassende Thema ist allerdings der Aufsatz sehr knapp gehalten. Zwei wichtige Quellen, die Untersuchung der UNO und die der belgischen Wissenschaftler, werden nur in wenigen Ergebnissen angerissen, teils zustimmend, teils kritisch.

Die Frage einer gelingenden Integration wird eher ökonomisch gesehen. Die Problematik eines Kultur- und Zugehörigkeitsmix nur angerissen. Im letzten Abschnitt wird die Problematik durch einen scheinbaren Irrtum Goethes erledigt. Dass Goethe im Recht war und die anbrechende industrielle Revolution das romantisch-biedermeierliche Deutschland total auf den Kopf gestellt hat, bleibt unerwähnt, ebenso, dass es ein Unterschied ist, ob Kulturbrüche innerhalb einer Kultur stattfinden oder in Konfrontation mit fremden Kulturen. Da wäre ein Blick auf den Balkan, auf dem über Jahrhunderte verschiedene Kulturen nebeneinander gelebt haben, ohne zu einer friedlichen Gesamtintegration zu kommen, aufschlussreicher gewesen.

Die Problematik der Zeitgebundenheit nationalen Rechts und der reine Appellcharakter des internationalen Rechts werden nur ungenügend herausgearbeitet. Recht wird in Nationalstaaten oder von Siegerstaaten umgesetzt. Positives Recht ist immer eine Setzung auf der Basis des jeweiligen Wissens und der jeweiligen Erwartungen. Da kann man gespannt sein, welche Interpretation das deutsche Asylrecht in naher Zukunft noch erfährt. Das deutsche Asylrecht ist von zurückkehrenden deutschen Asylanten formuliert worden, die vor dem 3. Reich Asyl in Schweden, in den USA und anderen Ländern gefunden hatten. Deren Zahlen lagen weit unter denen, mit denen wir heute konfrontiert sind. Alle waren in Ländern „befreundeter“ Kulturen.

Mich hat erstaunt, dass in dem Beitrag zwei wichtige Fragen ganz ausgeklammert blieben, die nach Einschätzung von Fachleuten bereits jetzt Anschub der aktuellen Migrationsbewegung sind. Wenn von Klimawandel die Rede ist, ist ja unausgesprochen immer von Ursachen dieses Wandels die Rede, für die der Mensch verantwortlich ist. Dazu hätte man erwartet, dass mal ein Blick auf die Entwicklung der Weltbevölkerung gelenkt wird. Über Google „Entwicklung der Weltbevölkerung“ findet man Grafiken, die zeigen, dass sich die Menschen von 1804 = 1.000 Millionen bis heute auf 7.300 Millionen versiebenfacht haben. Diese Vermehrung in südlichen Zonen hat natürlich auch dazu geführt, dass Menschen z.B. küstennahe Gegenden besiedeln und die durch hohe Geburtenraten selbstgemachten Konflikte mit der Natur Wanderungsbewegungen anschieben.

Die nächste naheliegende Frage wird ebenfalls nicht angegangen: Trägt es zur Entschärfung der menschengemachten Konflikte mit der Natur bei, wenn Millionen Menschen aus dem weniger energieaufwändigen Süden in den Norden wandern, wo sich der Energieverbrauch klimabedingt pro Kopf mindestens verdoppelt? Abseits der Frage der Machbarkeit müsste eine Antwort lauten: Es ist günstiger, Menschen in ihren gewohnten Klimazonen und Kulturen zu befähigen, sich besser zu organisieren, die Geburtenrate zu drücken und sich bei langsam sinkenden Menschenzahlen aus kritischen Gebieten zurückzuziehen.

Angesichts der Realität stellt sich dann aber die Frage: Warum wird vorwiegend in nördlichen Regionen investiert, gehen Investitionen in kritischen Regionen und Know-How-Transport nur sehr schleppend voran? Warum müssen Menschen von Süden nach Norden wandern, um dort Arbeit zu finden, statt die Voraussetzungen dazu in ihren Heimatländern zu organisieren? Ein Blick auf die politischen und sozialen Strukturen dieser Länder einschließlich ihrer korrupten Eliten beleuchtet das Problem. Da ist es eine Scheinlösung, allen den Reisepass nach Norden auszustellen, statt durch die UNO evtl. mal dafür zu sorgen, dass korrupte Eliten und Stammes- wie Religionskonflikte eine Weiterentwicklung dieser Gesellschaften blockieren. Bevor sich 400.000 Millionen Menschen Richtung Norden in Bewegung setzen, wird das sicher noch zur Debatte stehen.

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Kommentar von setfs
28.12.2015, 20:06

Danke, Sie haben mir sehr weiter geholfen.

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Kommentar von setfs
30.12.2015, 17:53

Mit was für Mitteln sollte ich Ihrer Meinung nach arbeiten? Also um den ganzen Aufbau meiner Klasse am besten zu verdeutlichen?

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