Frage von sugarplum, 37

Wie operationalisiere ich folgende Begriffe?

Hallo!

Sitze gerade an meiner Bachelorarbeit und habe ein paar Problemchen mit der Operationalisierung. Folgende Hypothesen sind das Problem:

  1. Jungjournalistinnen geraten in ihrem Beruf öfter in Gewissenskonflikte als Jungjournalisten.
  2. Jungjournalistinnen fühlen sich in ihrem Beruf eher zu bestimmten Handlungsweisen gedrängt als Jungjournalisten.

Mich interessiert in meiner Arbeit nur das OB und nicht das WARUM, deshalb wurde in meinem Fragebogen nur gefragt ob die ProbandInnen in Gewissenskonflikte geraten und ob sie sich zu bestimmten Handlungsweisen gedrängt fühlen. Das Warum würde meine Vorgabe von 30 Seiten leider sprengen. So, nun das Problem: Wie operationalisiere ich Handlungsweisen & Gewissenskonflikte? Könnte mir da eventuell jemand behilflich sein?

Vielen Dank vorab.

Ps: Ich weiß, dass man die Operationalisierung normalerweise vor der Feldphase macht, aber ignorieren wir diesen Fakt einfach mal.

Antwort
von Ansegisel, 15

Ich fürchte, die kannst die von dir angesprochenen Bereiche "Gewissenskonflikt" und "zu bestimmten Handlungsweisen gedrängt fühlen" nicht nachträglich operationalisieren. Denn der Fragebogen ist  das Messinstrument bei der Operationalisierung.

Ich verstehe deine Erläuterung so, dass du diese beiden Hypothesen in Frageform in deinem Fragebogen aufgenommen hast. Wenn dem so sein sollte, dann sehe ich aber kein grundsätzliches Problem, denn "Gewissen" und "gedrängt fühlen" (diesen Teil finde ich wesentlich wichtiger als die "Handlungsweisen") sind subjektive Kategorien, die du meines Erachtens sowieso kaum objektiv im Rahmen eines Fragebogens abtesten kannst. Deswegen ist diese Vergröberung möglicherweise nicht ganz so wild.

Ich bin aber kein Empiriker, deswegen kann ich nicht viel mehr dazu sagen. Ich empfehle dir aber dringend, dich damit mal an der Universität an einen Experten für Studiendesign zu wenden - von denen gibt es traditionell in der Psychologie und der Bildungswissenschaft recht viele. Vielleicht kannst du dir da noch ein paar zielgenauere Tipps abholen.

Viel Erfolg!

(PS: Klingt nach einem spannenden Thema!)

Antwort
von EinNarr, 10

Die Formulierungen machen mir gerade Schwierigkeiten. 

"zu bestimmten Handlungsweisen" - an welche denkst du in diesem Fall? Die Formulierung lässt zu viel Interpretationsspielraum und deckt ein zu großes Spektrum ab, als das man es operationalisieren könnte. 

Für mich stellen sich da folgende Fragen:

Um wie viele Handlungsweisen geht es?

Welche Handlungsweise/n schweben dir vor?

In welchem Kontext und in welcher Regelmäßigkeit muss diese Handlungsweise auftreten, damit sie als "erfüllt" zu erklären ist?

etc. etc. etc.

Eine präzisere Beschreibung dieser bestimmten Handlungsweisen wäre, so meine Einschätzung, äußerst hilfreich. Bei den Gewissenskonflikten ist es recht ähnlich. Du möchtest wahrscheinlich auf die Häufigkeit von, direkt mit der Arbeit verbundenen, Gewissenskonflikten messbar machen - korrekt? 

Es bedarf, so mein erster Gedanke, einer "Symptomliste", damit die Art Gewissenkonflikt, die du suchst, korrekt "diagnostiziert" werden kann. Wenn das gegeben ist, könnte eine repräsentative Umfrage die Möglichkeit bieten, deine Fragestellung mit Zahlen zu unterlegen und dank der "Diagnostik", kannst du deinen "Journalistischen Gewissenskonflikt" auch messbar machen.

Ein Beispiel wäre, mit der klassischen 1-5 Skala als Antwortmöglichkeit (1 nie; 5 immer), Fragen zu formulieren und diese dann beantworten zu lassen. Fragen könnten ähnliche sein wie:

"Wie häufig schreiben sie etwas um oder lassen es komplett weg, aufgrund Ihres Geschlechts?"

"Wie häufig glauben sie [hier "bestimmte Handlungsweise" einfügen] tun zu müssen, aufgrund Ihres Geschlechts?"

...und so weiter. Ich bin kein Experte auf dem Gebiet der Fragestellungen aber der Grundgedanke sollte nachvollziehbar sein.

Kurzum - ich würde zuerst meine gewählten Begriffe klar definieren und an bestimmten "Symptomen" fest machen, die bei Erfüllung, eine "Diagnose" ermöglichen. So ließen sich dann Fragestellungen ableiten, die man den Umfrageteilnehmern stellen kann. Der Gewissenskonflikt und der Drang zu bestimmten Handlungen sind damit klar messbar, diagnostizierbar wenn man so will. Bei eine Auswertung lassen sich dann die Ergebnisse von Männern und Frauen vergleichen und du kannst deine Hypothesen überprüfen. 

Ich wünsche dir viel Glück bei deiner Arbeit und hoffe, du kommst noch auf einen grünen Zweig.

Liebe Grüße.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community