Frage von GirlPower01, 82

Wie nimmt mein Pferd ab?

Hallo Zusammen Ich habe eine 5.5 Jährige Freibergerstute. Trotz viel Bewegung ist sie immer ein wenig zu dick. Der Tierarzt meint, es sein nicht tragisch aber dennoch hätte ich gerne, dass sie eine gesunde Figur hat. Lana wird 6-7 mal in der Woche bewegt, nicht immer gleich intensiv, da ich will, dass sie ein wenig Abwechslung hat. Ich selbst gehe 4 Mal die Woche und meine Reitbeteiligung übernimmt 1-3 Tage. `Die Muskeln sind laut aussage des Tierarztes und meiner Sattlerin top dafür, dass mit ihr bis zu einem Alter von 4 Jahren nichts gemacht wurde. (Sie ist ein Ursprüngliches Schlachtfohlen und stand 4 Jahre von ihrem Leben in einer kleinen Box, ohne Licht und es wurde nur 1 Mal wöchentlich gemistet, wenn überhaupt. Als Futter bekam sie schimmliges Heu) Ich habe sie damal in diesem Zustand übernommen.

Die Fütterung zu kontrollieren ist bei ihr leider sehr schwer, da sie in einer 3-er Box steht und tagsüber auf der Weide mit ihrer Herde (6 andere Pferde) steht. Auch dort hat sie viele Möglichkeiten sich zu bewegen. Sie bekommt in der Box nur Heu und reduzieren wird schwer, da sie eben mit 2 weiteren Pferden in der Box steht.
Leckerchen bekommt meine Kleine höchst selten, nur wenn wirklich etwas ausserordentlich gut lief...

Im nächsten Jahr ist der Rundlauf in unserem Stall fertig, da wird sie selten in der Box stehen.

Was kann ich noch tun, damit mein Stütchen ein wenig abnimmt?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von MissDeathMetal, Community-Experte für Pferde, 54

Wie wird das Heu gefüttert? Lose oder im Netz? In einem Netz wäre es gut, da sie dann nicht schlingen kann. Auch wie unten schon erwähnt ist fettes Heu nicht gut, es sollte langfaserig und mager sein. Rationieren ist jedoch keine Lösung, das versetzt den Körper in ein Trauma. Wichtiger ist, dass das Pferd wieder lernt nach Sättigung zu fressen. Gerade bei Pferden die zu wenig und zu schlechtes Futter vllt auch zu selten bekommen haben stellt sich ein "Schling-Modus" ein, das Pferd frisst und frisst weil es nicht weiß wann es wieder gutes Heu gibt. Auch wenn es satt ist frisst es weiter. Deshalb 24h mageres Heu ad lib anbieten und das Pferd fressen lassen. So paradox es klingt: Fressen macht schlank! 

Weil das etwas schwer zu verstehen ist: Du kennst doch sicherlich den jojo-effekt beim Menschen? Ein Mensch isst eine Zeit lang sehr wenig, kalorienarm und nur 2-3x am Tag. Er nimmt ab, an fett, aber auch an Muskelmasse (nur merkt er das nicht). Hat die Person ihr Idealgewicht erreicht isst sie wieder normal, also auch mal kalorienreich und auch mal eine Zwischenmahlzeit. Plopp, geht sie auf wie ein Hefekloß. Warum? Weil der Körper sich auf dieses Trauma einstellt. Lange sehr wenig gegessen... also muss er alles einspeichern was er bekommt! Das Essen wird noch mehr und schneller angesetzt und davor und wenn man das nicht erkennt geht der Jojo-Effekt 100.000mal hin und her. Beim Pferd ist es exakt das selbe. Helfen würde: Magerheu, im Netz (verhindert ein Runterschlingen - PS: Kauen hilft bei der Thermoregulation, gerade im Winter wichtig), ad libitum (keine Angst mehr dass plötzlich kein Futter mehr). Das Pferd wird lange so weiterfressen wie es zuvor gefressen hat, aber irgendwann versteht es und sein Körper, dass kein Zwang besteht soviel reinzuschaufeln wie es geht. Und dann hört es auf zu fressen wenn es satt ist. Das ist das Ziel beim Pferd und auch beim Menschen. Wenn wir nur noch so viel essen wie wir müssen und nicht nach appetit und Lust und Laune reinstopfen, nehmen auch wir ab :) Bei 50kg Übergewicht ist es noch nicht soo tragisch. Reduzieren kann man aber das Kraftfutter, Mash, usw. Das macht eher fett, da es sehr viel Energie auf einmal liefert, das ein traumatisierter Körper erst recht einlagert. 

Evtl hilft dir auch eine Kräuterkur die entschlackend wirkt und den Stoffwechsel ankrubelt, wie bspw. Löwenzahn, Brennnessel, Hagebutte und Birkenblätter :) 

Kommentar von GirlPower01 ,

Vielen Herzlichen Dank für deine Ausführliche Antwort.
Das kann in diesem fall wirklich an ihrer früheren Haltung liegen. Seit sie auf der Welt ist bis sie 3 Jahre alt war hat sie kaum zu fressen bekommen, war völlig vernachlässigt und wild. Futter kam höchstens 4 mal wöchentlich und gemistet wurde manchmal 2-3 Wochen nicht. Das wird bei ihr dann wohl doch grösseren psychischen Schaden angerichtet haben als gedacht. Mit unglaublich viel geduld habe ich ihr Trauma von Menschen weggebracht und sie soweit gebracht, das sie uns vertraut (sie wurde zuvor viel verprügelt, hat narben am ganzen Körper davon...) Das Fressverhalten wird sie wohl noch von da haben... Das zweite Negative Mitbringsel von damals ist das koppen, das ist zwar seltener geworden, aber weg habe ich es noch nicht gebracht...
Ich werde nochmals meinen Tierarzt kontaktieren :)
Du hast das ganze sehr einfach erklärt, es hört sich sehr logisch an!
Danke!

Antwort
von Dackodil, 53

Wenn sogar der Tierarzt meint, es sei nicht tragisch, solltest du nicht päpstlicher sein als der Papst. Noch dazu, wenn sie gut bemuskelt ist.

Wenn sie mit aller Gewalt nach deiner Vorstellung abnimmt, könnte es sein, daß ihre Gier noch schlimmer wird und sie dann auch unbekömmliche Sachen frißt.

Ich bin so ein menschliches Islandpferd. Jeder Versuch abzunehmen endet im Fiasko und in gierigen Freßanfällen, schlechter Laune, verminderter Leistungsfähigkeit und Infektanfälligkeit. Wenn ich meinen Körper so akzeptiere, wie er ist, ist alles in Ordnung.
Wir, dein Pferd und ich entsprechen halt nicht der grade herrschenden Mode ;-)))

Kommentar von Magda1028 ,

Der Isi-Vergleich is super! Mir gehst genauso und ich bin Isi-Fan und -Reiterin!

Kommentar von GirlPower01 ,

hach wie ich jetzt lachen musste!
Ich bin genau so ein menschliches Islandpferd ;D
Ich will ja nicht, dass mein Pferd zwanghaft richtig krass abnimmt, sonst hätte ich sie vermutlich in eine Einzelbox gesteckt, wo ich ihr fressen gut kontrollieren kann.
Jedoch liegt mir das wohl meines PFerdes an oberster stelle. Ich sehe jeden tag, wie glücklich die kleine ist und mein Herz blüht bei diesem Anblick regelrecht auf.
Ich fände es nur nicht ganz so schlecht wenn sie ein paar Pfunde verlieren würde - genau so wie ich :D
Aber wir nehmen das jetzt auch nicht ganz so dramatisch! Solange der Tierarzt es noch okey findet :)

Kommentar von Dackodil ,

Es gibt da ein hervorragendes Buch von Prof. Achim Peters von der Uni Lübeck: Mythos Übergewicht - warum dicke Menschen länger leben.

Seit ich das gelesen habe, habe ich dem modernen Schlankheitswahn entsagt und lebe viel entspannter.

Und ich behaupte mal, daß das auch auf Tiere zutrifft. Also: lächeln :-)))

Antwort
von Unicorndoll, 82

Also wie es sich anhört ist das ja tatsächlich schwierig bzw auch komisch, dass sie trotz der viele Bewegung so dick sein soll. Wann wurde sie das letzte mal entwurmt? Es kann auch daran liegen, dass sie Würmer hat und dadurch so eine Statue hat, hatte mal eine bei uns im Stall mit ihrem Norweger.. Ansonsten vielleicht viel Ausdauertraining :)

Kommentar von GirlPower01 ,

Vielen Dank für deine Antwort.
Der letzte Kottest ist erst etwa 2 Monate her, dort hatte sie leider Würmer, aber sehr wenig. Trotzdem wurde sie darauf behandelt und entwurmt. Ich denke leider deshalb nicht, dass es an dem liegen kann...
Ausdauer sind wir laufend dran. Naja, ich hoffe es legt sich :)
Der Tierarzt meint 50kg runter wären Ideal, aber eben, tragisch ist es nicht :)

Kommentar von eleneret ,

Wenn sie aber  schon immer schimmeliges Heu bekommen hat, kann es auch sein, dass sie so viel auf einmal isst, weil sie Angst hat, dass das gute heu ihr weggenommen wird. So ist es bei emeinem Hund. Die schlingt auch alles runter und hat eine "rundere" figur

Antwort
von hupsipu, 62

Habt ihr Heu satt? Dann wäre es hilfreich, das mit einem engmaschigen Netz abzudecken sofern das mit den anderen Pferden geht. Auch an der Heuqualität kann man ggf was drehen - Magerheu statt Rinderwiesen und so. Ansonsten solltet ihr versuchen, so weit wie möglich ein Aktivstall-Konzept umzusetzen, also Futter, Wasser, Liegefläche und Gras mit größtmöglicher Entfernung (ist natürlich immer mit mehr Arbeit verbunden...). Ist ihr Stoffwechsel gecheckt, EMS und andere Störungen sind ausgeschlossen?

Kommentar von GirlPower01 ,

Vielen Dank für deine Antwort
Ein Aktivstall-Konzept wird Anfang nächsten Jahres mit dem Rundlauf abgedeckt :) Da freuen wir uns schon alle darauf! Die Heuqualität muss ich mal nachfragen, der Stallchef von uns legt aber sehr hohen wert auf ein qualitativ hochwertiges Heu und produziert dieses auch grösstenteils selbst.
Stoffwechselkrankheiten habe ich noch nicht ausschliessen lassen, da werde ich aber nächstes mal, wenn der Tierarzt da ist mal nachfragen.

Antwort
von GuckLuck, 41

Wie lange wird das Pferd denn pro Tag geritten? Vielleicht könntet ihr das reiten verlängern und/oder noch Longenarbeit machen. Gegen das Fressen auf der Koppel und in der Box würde ich eine Fressbremse (falls du nicht weißt was es ist: sieht aus wie ein Maulkorb beim Hund nur an einem Halfter dran; so kann das Pferd noch essen aber nicht mehr so viel/schnell) kaufen.

Hoffe ich konnte dir helfen,

LG GuckLuck

Kommentar von GirlPower01 ,

Vielen Dank für deinen Rat!
Wir bewegen lana etwa 1-2.5h am tag, je nach dem wie viel zeit ich habe. Dazu schauen wir, dass wir die schrittphasen möglichst kurz halten.
An eine Fressbremse haben wir auch schon gedacht, der stallbesitzer ist aber damit nicht so ganz einverstanden...

Kommentar von MissDeathMetal ,

Eine Fressbremse sollte wirklich das letzte Mittel sein, schließlich nimmt man dem Pferd sehr viel Freiraum. Fressen geht sehr schlecht bis gar nicht, gegenseitiges Kraulen mit anderen Pferden entfällt komplett, es kann nicht zwicken wenn es mal Gezicke gibt (und lernt sich so ein eher lockeres Hinterbein an), trinken ist auch sehr schwierig, bzw viele Pferde machen das mit Fressbremse nicht und gerade jetzt wenn es kalt ist, ist es sehr unangenehm so an der nase. Länger als 2 Stunden am Tag sollte ein Pferd das Ding auch nicht tragen und da ist es schon fraglich was und wie viel es bringen soll. Noch dazu scheuern sich viele Pferde wund und auch die Zähen leiden darunter, schubbern sie ja doch bei jedem Fressversuch am Plastik oder an der Gummieinlage. Wenn das Pferd auch noch koppt ein absolutes No-Go! Es sei denn das Pferd soll mit 20 oder früher dann so gut wie keine brauchbaren Zähne mehr haben. 

Engmaschige Heunetze sind da die beste Alternative, aber auch da sollte man es mit der Maschengröße nicht übertreiben, denn bei übermäßig wenig Futteraufnahme aber großen Kauaufwand und starker speichelproduktion können sich Magengeschwüre bilden. 

Futter reduzieren wirkt - wie ich schon in meiner Antwort geschrieben habe - traumatisierend und ist keine Hilfe, es sei denn man will sein Leben lang Generve mit der Futterrationierung haben. Ein traumatisiertes Pferd wird kein Heu ad lib vertragen weil es nur noch ins sich reinstopft. Dann muss rationiert werden und das geht entweder nur mit Futterautomaten, die aber nicht jeder Offen- oder Aktivstall hat da sehr teuer, oder via Einzelhaltung und das ist nicht mehr Pferdegerecht. 

Ich würde eher am Training arbeiten. Wenn Fett runter soll, dann muss vorher Zucker verbrannt werden, also die Reserven müssen angegangen werden. Bei nur kurzem aber sehr impulsivem Training wird erstmal nur der Zucker verbrannt. Positiv, weil dieser dann nicht eingelagert wird, negativ, weil das Pferd davon nicht abnimmt. Also lieber langstreckenarbeit machen und an der Kondition arbeiten. Ausritte in hügeligem Gelände sind da wirklich das allerbeste. 100m Höhenmeter entsprechen 1km in der Ebene, das kann man dann draufrechnen. Lockere Wechsel zwischen Schritt, Trab und Galopp. Bergauf im Schritt oder im kräftigen Galopp, nur faule Pferde traben! ;) Auf jeden anstrengenden Arbeitstag folgt ein Ruhetag, an dem das Pferd nicht zu hart gearbeitet wird, also bspw longieren (ohne Ausbinder!) im v/a oder aber Schritt. Muskeln werden nur in Ruhephasen aufgebaut. Wenn Muskeln dann da sind werden die wenigsten Pferde wieder dick, auch bei weniger Arbeit. Das liegt daran, dass immer alle vorhandenen Muskeln mitarbeiten und so auch Zucker oder Fett verbrennen. Der erhalt von Muskeln ist weniger anstrengend als der Aufbau :D 

Wenn dein Pferd richtig gut bemuskelt ist, Kondition hat und ein eigenes Verständnis für benötigte Futtermenge, dann musst du dir in Zukunft weder über das Futter noch über ein Abnehmtraining Gedanken machen ;D Ist aber ein langer weg. Der sich auch lohnt!

Kommentar von GuckLuck ,

Euer Stallbesitzer kann dir doch nicht vorschreiben wie du dein Pferd fütterst?!?!

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