Frage von anuschka93, 40

Wie nennt sich eine verhaltenstherapeutische Methode, bei der durch Bestrafung unerwünschtes VErhalten reduziert werden soll?

Hallo, ich arbeite in einer Wohngruppe, in der folgende Methode Anwendung findet: Es gibt ein Punktesystem, welches in verschiedene Kategorien aufgeteilt ist (Sozialverhalten, Ausgehzeiten,..). Bei Regelverstoß bekommt die BEwohnerin einen "Punkt" in der jeweiligen Kategorie. Werden innerhalb von drei Monaten drei Punkte in einer Kategorie gesammelt, findet ein Gespräch mit der Leitung statt.

Meiner Einschätzung nach ist diese Methode eine verhaltenstherapeutische. Durch Bestrafung soll unerwünschtes VErhalten reduziert werden (Extinktion). Ist das richtig? Und gibt es noch eine genauere Methoden-Benennnug? Das Punktesystem ist ähnlich wie das Token, allerdings begrenzt sich das Token auf Verstärker, oder?

Über ANtworten würde ich mich sehr freuen. Liebe Grüße

Antwort
von kiniro, 20

Ich weiß nicht, wie diese Methode heißt.

Leider klammern solche Methoden folgendes aus:

  • Warum wurde der Regelverstoß begannen?
  • Wer hatte diese Regeln ins Leben gerufen?
  • Sind diese Regeln starr oder können sie auch flexibler gestaltet werden?
  • Haben die Bestraften wirklich etwas aus den Strafen gelernt oder lassen sie gewisse Dinge nur, weil sie Angst vor der Strafe haben? Also keine echte, von innen gesteuerte Veränderung.
  • Sind die Verantwortlichen auch zur Selbstreflexion fähig? Sprich, können diese einen Zusammenhang zwischen ihrem Verhalten und den Reaktionen der Bewohner darauf herstellen?

Selten tragen solche Methoden zur echten Verbesserung bei.
Sonst würden sie sich selbst überflüssig machen - also die Methoden.

Antwort
von triunitas3in1, 11

(Ich nenne das Erpressung durch psychische Folter)

Scherz beiseite: verhaltenspsychologisch korrekt nennt sich sowas wohl "operante Konditionierung durch positive Bestrafung"... schau mal hier: http://images.google.de/imgres?imgurl=https%3A%2F%2Fwww.uni-due.de%2Fedit%2Flp%2...


Antwort
von cwahner, 4

Aus der pädagogischen Psychologie ist allgemein bekannt, dass am sinnvollsten erwünschtes Verhalten verstärkt und unerwünschtes Verhalten "gelöscht" (ignoriert oder in seiner Bedeutung jedenfalls herabgesenkt) werden sollte. Das entspricht übrigens auch dem Goethe-Imperativ: "Behandle deine Mitmenschen so, als ob sie bereits so sind, wie sie sein sollen."

Ausgiebige Strafen sind für bestimmte Leute sogar eine Art Belohnung, indem sie eine verschärfte Aufmerksamkeit darstellen. Und man sollte sich nicht wundern, wenn auch nach einer gewissen Zeit der ein oder andere Mitbewohner absichtlich Fehlverhalten begeht, um in den Genuss solcher Strafen zu kommen. Strafen sind nicht nur für BDSM-lastige Zeitgenossen eine Art Lebenselixier. Wenn man also eine strafenorientiertes Punktesystem einführt, sollte man sich im klaren sein, dass man damit Anstalten aus früheren Jahrzehnten ("Zuchthäuser", Internate, etc.) imitiert und dass man dann am besten gleich BDSM-Methoden an den Tag legt, sofern man konsequent sein will und Überraschungen möglichst ausschließen möchte.

Zumindest gegenüber der Autoritätsperson (aber eigentlich auch gegenüber allen Mitbewohnern) muss gemäß BDSM-Konzept Loyalität gezeigt werden, so dass jede Bestrafung auf diese Weise quasi Rechtmäßigkeit erlangt. Vor allem ist zu beachten, dass Strafen nur mit Reue und Buße sinnvoll sind. Aber gerade die Buße besteht eigentlich in der Verstärkung von erwünschtem Verhalten. Also kommt man selbst via BDSM-Konzept früher oder später zur oben genannten Strategie.

Antwort
von autmsen, 12

Pavlov fällt mir dazu spontan ein. Also Pavlovsche Konditionierung. Diese funktioniert sowohl über Bestrafung als auch über Belohnung. 

Als Gegenargument würde ich diese Methode durchaus empfehlen. Denn so weit mir bekannt ist heute nachgewiesen dass die Belohnung als Reaktion erfolgreicher ist. Nicht nur bei uns Menschen. Und vor allen Dingen bezogen auf soziale Interaktion.

Antwort
von einfachichseinn, 15

Operante Konditionierung vielleicht?

Kommentar von TRichter1956 ,

Ja, so heißt das.

Antwort
von Harald2000, 19

Wenn es diese Methode überhaupt geben sollte, dürfte sie nicht sehr erfolgreich sein; vielleicht gibt es zwangsläufig "Erfolge", die dann bei Wegfall der Rahmenbedingungen sich leicht in Misserfolge verwandeln dürften.

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