Wie nennt man die Erzählform in "Eine kaiserliche Botschaft" von Kafka?

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1 Antwort

Das ist zunächst mal ganz einfach eine (knappe) Erzählung, in der möglichst neutral von nicht-neutralen Begebenheiten berichtet wird. Der Bericht wird aber an ein Du gerichtet, das nur an Anfang und Ende erwähnt wird. Das sorgt für eine Spannung zwischen Allgemeinem und Individuellem.

Der Text steht ursrprünglich in der Erzählung Beim Bau der chinesichen Mauer, wo er als "Sage" präsentiert wird.

Die separate Veröffentlichung (etwa wie der Text "Vor dem Gesetz" aus dem Prozess-Roman) betont die mögliche Autonomie dieses Textes, der dadurch auch als Gleichnis (Kafka selbst gebraucht das Wort für seine Texte) bezeichnet werden kann.

Ein Gleichnis (Parabel) ist auch ein Text, der eine allgemeine Situation beschreibt, die dann individuell angewandt werden soll. Mir scheint, dass diese Textsorte hier ironisiert wird, weil das Du den Textinhalt (das vom Kaiser gesagte, die Botschaft selbst) ja  gar nicht mitgeteilt bekommt. Das gilt auch für der Leser, der am Schluss ja auch implizit mit dem Du identifiziert wird und nun auf eigene Interpretation angewiesen ist.

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