Frage von bennilaib, 55

Wie nennt man den Oberbegriff zu Antisemitismus?

Im Populismus lässt sich häufig das Pänomen beobachten, dass eine bestimmte Gruppe an Menschen systematisch ausgrenzt werden. Allerdings beruft man sich hier - anders als beim Rassismus - darauf, dass diese Gruppe eben nicht evolutionstechnisch unter einem stehe, sondern darauf, dass diese Gruppe besser als man selber sei bzw. bevorzugt behandelt werde.

Beispiele:

  • Die Füchtlinge dürfen machen was sie wollen, nur wir werden bestraft.
  • Die Reichen machen, dass es uns schlecht geht.
  • Die Politiker sind eine Elite.
  • Die Banken gehören Juden, die uns zerstören wollen.

Das ist zwar in einer Weise rassistisch, unterscheidet sich aber doch dadurch, dass hier 1. keine Rassen definiert werden, sondern Gruppen an Menschen, der theoretisch jeder zugehören könnte, und 2. diese definierte Gruppe nicht abgewertet wird, weil sie einem evolutionstechnisch unterlegen sei, sondern weil sie praktisch über einem stehe und man sie deshalb "vernichten" müsse.

Gibt es dazu einen Oberbegriff?

Antwort
von atzef, 18

Der Oberbegriff zu "Antisemitismus" ist Rassismus. Hier werden Menschen aufgrund von Merkmalen systematisch abgewertet und diffamiert.

Diffamierung und Abwertung drückt sich auch in der sozialneidischen aber ansonsten dümmlichen Vorurteilspflege aus ("Füchtlinge dürfen machen was sie wollen, nur wir werden bestraft"; "Die Banken gehören Juden, die uns zerstören wollen").

"Die Politiker sind eine Elite" ist eine eigentlich unproblematische Tatsachenbehauptung, über die sich natürlich streiten lässt.

"Die Reichen machen, dass es uns schlecht geht" ist natürlich kein Rassismus, sondern eine von Sozialneid getragene Vorurteilsfloskel, die einen Generalsündenbock konstruiert.

Antisemitismus/Rassismus, diskussionswürdige Tatsachenbehauptungen und vom Sozialneid getriebene Vorurteilspflege haben keinen sachlogisch gemeinsamen Oberbegriff.

Allenfalls verdichten sie sich zu einem mehr oder minder geschlossenen rechtspopulistischen/rechtsextremistischen Weltbild.

Antwort
von howelljenkins, 34

ich glaube, dass du da zwei verschiedene dinge vermischst.

diskriminierung von juden oder fluechtlingen ist eine kombination aus abwertung (der hakennasige geldgierige jude, der ungebildete, unkultivierte fluechtling) und angst vor dem verdraengt oder benachteiligt werden. beides wird fuer das propagandakonzept scapegoating kombiniert.

reiche und politiker werden aufgrund ihre gesellschaftlichen stellung von unten herauf mit vorurteilen belegt. 

also ein oberbegriff fuer beides, der allgemein gehalten ist, waere diskriminierung.

Kommentar von bennilaib ,

Ja schon, allerdings wird bei beiden definiert, dass sie in irgendeiner Weise bevorzugt sind, weshalb sie zerstört/vertrieben/vernichtet werden sollen. Das trifft sowohl auf den Flüchtling, als auch auf den Politiker zu.

Kommentar von howelljenkins ,

sehe ich bei politikern nicht. also weder, dass sie allgemein als bevorzugt betrachtet werden noch dass sie zerstoert/vertrieben/vernichtet werden sollen. das stimmt so verallgemeinert ja nicht. 

leute, die die regierenden parteien ablehnen sind ja nicht allgemein gegen politiker. die unterstützen i.d.r. nur andere parteien. politiker pauschal abzuschaffen ist jetzt nichts, das eine nennenswerte anzahl von menschen anstrebt oder wuenscht.

Kommentar von bennilaib ,

Ich meinte allgemein die aktuell ziemlich starke rechtspopulistische Szene (PEGIDA & Co.), die immer wieder gegen "die Etabilierten Parteien" hetzt. Es wird eine starke Differenz zwischen den "etabilierten Mächten"/"Altparteien" und "dem Volk" vermittelt, an die viele Menschen leider glauben. Diese Differenz wiederum entwickelt einen starken Hass gegenüber "den mächtigen Politikern".

Kommentar von howelljenkins ,

ich glaube, das schaetzt du falsch ein. die hetze, von der du sprichst, richtet sich nur "by proxy" an die altparteien und ist in wirklichkeit fremdenfeindlichkeit. die fluechtlinge sollen raus aus deutschland und um dieses ziel zu erreichen, muessen die altparteien abgewaehlt werden.

Antwort
von komplex, 6

Wir denken da an den Oberbegriff "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" (kurz: GMF) an denen Sozialwissenschaftlicher  bundesweit seit über 20 Jahren forschen.

Aktuelles dazu z.B. auf den Seiten des Instituts für Konflikt und Gewaltforschung der Uni Bielefeld von Andreas Zick oder von Kurt Möller, FH Esslingen.  

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