Frage von fred123123, 26

Wie nehme ich eine Konzert-/Veranstaltungshalle in Betrieb?

Ich komme aus einer Gegend, in welcher ich eine besondere nichtausgefüllte Nische in der Konzertewelt entdeckt habe, für die eine sehr große Nachfrage besteht.

Ich würde diese Lücke liebend gerne füllen. Problem ist jedoch, dass ich keine Ahnung davon habe, wie das ganze so abläuft, wenn man eine Konzerthalle eröffnen möchte. Was muss man beachten, was braucht man und wie geht man so vor.

Eine Ausbildung in diesem oder einem Ähnlichen Bereich habe ich nämlich leider überhaupt nicht.

Wäre für jeden Tipp dankbar!!

Antwort
von PibisTochter, 16

Hi.

Uff, ich weiß gar nicht genau wo ich anfangen soll. Es gibt so vieles was beachtet werden muss. Das fängt schon mit dem Gebäude selbst an.

1. Nur weil die Räumlichkeiten vor kurzem noch als Veranstaltungsraum freigegeben waren, heißt das noch lange nicht, dass sie das immer noch sind. Ob der Raum vllt. wieder "nur" ein Lagerraum ist (dann dürftest du dort unter keinen Umständen Veranstaltungen durchführen) oder ob es weiterhin als Versammlungsstätte geführt wird, kannst du beim zuständigen Ordnungsamt erfragen.
Dort kannst du auch, sollte es sich tatsächlich "nur" um ein Lager handeln, eine Nutzungsänderung beantragen. Diese kann eine grundsätzliche (dauerhafte) Änderung sein, oder auch nur eine Sonderausnahme (für einzelne Veranstaltungen).

2. Wenn die Räume als Versammlungs-/Veranstaltungsstätte zugelassen sind (Stichwort: Musterversammlungsstättenverordnung), dann brauchst du eine Bühne. Selbst für kleine Shows ist eine Bühne unabdingbar. 2m² Bühnenpodest (1x2m) kosten (neu) i.d.R. zwischen 200 und 300 Euro. Unter 15m² brauchst du eigentlich gar nicht erst anfangen. Sind also locker mal 1.500€

3. Wenn deine Bühne bzw. der Veranstaltungsraum selbst eine bestimmte Größe* erreichen, brauchst du ab Veranstaltungsaufbau(beginn) bis Abbau(ende) einen Bühnenmeister. Dieser kostet i.d.R. 40-60€ (Stunde). *Für die genaue Größe bitte in der Musterversammlungsstättenverordnung nachschauen, das ist Bundeslandabhängig.

4. Um Getränke zu verkaufen brauchst du nicht nur eine Theke und entsprechendes Personal (beides Kosten, die man nicht unterschätzen darf), sondern auch eine entsprechende Konzession zum Ausschank - diese wird, soweit ich weiß pro m² erhoben. Die genauen Kosten sowie die Genehmigung kriegst du bei deinem zuständigen Ordnungsamt.

5. Technik. Viele denken "Die Bands bringen alles selber mit". Das ist allerdings ein Riesenfehler. Vor allem wenn du Wert auf Qualität der Musik legst, reichen die einfachen Verstärker nicht mehr aus. Du brauchst Monitorboxen (auch bei einer kleinen Bühne 4 Stück), ein Tonmischpult, diverse Kabel (bitte unterschätze niemals die Kosten für Kabel), Endstufe, Verstärker, usw. - dazu kommt dann noch Licht. Für anständiges Bühnenlicht brauchst du auf jeden Fall einige Parkannen. Um die an der Decke zu befestigen, brauchst du eine entsprechende Konstruktion, am Besten Truss (Traversen). Zum Ansteuern der Lichter brauchst du auch wieder jede Menge Kabel und ein Lichtpult.

6. Personal. Du brauchst nicht nur jemanden, der hinter der Theke das Bier verkauft, du brauchst auch Tontechniker, Lichttechniker, ggf. einen Bühnenmeister, Einlasspersonal (Kasse & Security), jemanden für die Buchhaltung, Stagehands,...

7. Bands. Nur Musiker aus der Gegend, oder auch bekanntere? Unterschätze niemals die Gagen deiner Bands. Auch Bands aus der Gegend haben Instrumente abzubezahlen, Proberäume, die Miete kosten und brauchen Spritgeld. Außerdem muss für Catering gesorgt sein. Selbst wenn die Band aus deiner Straße kommt, solltest du ihnen 50-100€ in die Hand drücken können. Klar, das geht nicht immer. Aber die Bands spielen eben auch nicht immer für lau. Bei bekannteren Bands sind Gagen immer so eine Sache. Wenn eh eine Tour geplant ist, und dein Städtchen auf dem Weg liegt, und der Termin auch noch passt, kannst du eine sehr bekannte Band zu einem günstigen Preis buchen. Wenn sie aber eig. gar nicht auf Tour sind, und nur für deine Show überhaupt erst ihren Hintern bewegen (gilt nicht nur für die Musiker, sondern auch für deren Crew), kann einem bei den Preisen auch mal eben ganz fix schwindelig werden.

8. Risikofaktoren. Bitte vergiss niemals, dass Kultur - in welcher Form auch immer - ein Luxusgut ist. Und zwar eines dieser Luxusgüter, auf das die Menschen als erstes verzichten, wenn sie mal klamm sind. Sämtliche Konzertveranstalter sind davon betroffen, wenn sich wirtschaftliche (negative) Änderungen ergeben. Außerdem solltest du dich darüber informieren, warum die Halle, die du in Aussicht hast, zugemacht hat? Ist es dort vielleicht auch nicht gelaufen? War die Miete zu hoch? Woran auch immer es lag - stell dir die Frage, ob dir das nicht auch passieren kann.

9. Sonstiges. Faktoren, die Geld kosten, aber gerne übersehen werden: Miete für das Haus, Mikrofone, Technik, Getränkeeinkauf, Reinigung, Werbung (Plakate, Flyer, Internet), Gestaltung der Werbung (Layout), Kosten für Internetdarstellung (Homepage, E-Mail-Adressen), Steuerberater, Kosten für Konzessionen und Genehmigungen, evtl. anstehende Renovierungen, Kaution für das Gebäude, Schlüssel nachmachen lassen, Dekorationen, Lampen, Backstageausstattung, Kühlschränke, Zapfanlage, Geschirr, und vieles vieles mehr...

10. Du kannst das nicht alles auf einmal. Niemand kann das alles auf einmal. Einen genauen "Startpreis" kann dir niemand geben, da ist viel davon abhängig, wie die Räume beschaffen und ggf. schon ausgestattet sind. Hol dir jemanden mit ins Boot, der Ahnung hat, entwickelt ein Konzept, sucht euch alle Preise und kalkuliert, was das ganze am Ende kostet. Sicherlich kann man Technik, Theke, Kühlschränke, Bühnenelemente usw. auch gebraucht kaufen und einiges sparen, allerdings steht dann auch früher eine Neuanschaffung an. Außerdem darfst du KSK, GEMA und deren Freunde nicht vergessen.

So, das war's erstmal von mir. Ich möchte dir das auf keinen Fall ausreden, ich finde Kultur (insbesondere Konzerte) sehr wichtig, und veranstalte selbst welche (habe eine Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau gemacht), aber ich möchte, dass du dir im Klaren darüber bist, was mit der Umsetzung einer solchen Idee alles auf dich zukommt.

Kommentar von Zamon ,

Danke für die ausführliche Antwort auf die Nachfrage zu meiner.

Evtl. kann man auch nur eine kleine Tonanlage kaufen, und für größere Acts dazuleihen. Vllt. kann man das Know How dafür auch bei einer Veranstaltungstechnikfirma aus der nähe als Servicepartner "dazueinkaufen".

Antwort
von Zamon, 26

Dann solltest du ne menge Geld haben und Leute anstellen, die sich damit auskennen.

Das größte Problem wird die Halle und die Einrichtung dieser sein. Es gibt unglaubliche viele und schwer einzuhaltende Regeln, was den Betrieb von Veranstaltungsstätten betrifft. Meist rentiert sich nur ein Neubau, weil ein Umbau oft schwer möglich ist. Dazu kommt noch Security, Gastro, Technik und Management.

Leute anstellen, weil jeglicher Fehler auf den Betreiber zurückfällt. Und das wäre dann dein Part. Klagewellen, Anwohnerstreit, Bürokratie und Genehmigungen von der Gemeinde etc... Viel Erfolg!

Kommentar von fred123123 ,

Das heißt in der Regel werden Fachkräfte mit den nötigen Kenntnissen einfach nur eingestellt, anstatt dass der Besitzer des Ortes sich selber drum kümmert?

Eine Halle, die hier letztens noch als Discothek und Konzerthalle benutzt wurde hätte ich sogar bereits in Aussicht.

Was für ein Startkapital sollte man so ca. bereit haben, um so etwas ohne Schulden in die Tat umsetzen zu können? Hast du da einen groben Plan?

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