Frage von Lebkuchen0207, 63

Wie mit Suiziderfahrung umgehen?

Hallo,

vor kurzem hat sich ein guter Freund von mir das Leben genommen, ohne jegliche Vorwarnung (wegen Schulden). Ich habe ihn aufgehangen in seinem Keller gefunden. Natürlich habe ich sofort die Polizei verständigt und musste auch Zeugenaussagen machen etc. Das Bild das ich sah, wann er zuletzt in WhatsApp online war oder was wir letzte Woche noch gemacht haben geht mir nicht aus dem Kopf. Die Seelsorgehelfer waren auch schon da, jedoch habe ich an Gesprächen kein Interesse gehabt.

Nun leide ich unter diesem Vorfall, dies kennzeichnet sich vor allem durch Schlafstörungen oder die Angst, Nachts alleine zu laufen (was für mich zuvor kein großartiges Problem darstellte). Es äußert sich vorallem in meinen nun sinkenden Schulleistungen, die letzten Hausaufgaben habe ich allesamt nicht gemacht und auf die 3 Klausuren diese Woche nicht gelernt. Erzähle ich den Lehrern jedoch von dem Vorfall werde ich zu allen möglichen Psychologen geschickt und das möchte ich ehrlich gesagt nicht.

Ich frage mich, wie ich dieser Situation nun entgegnen soll, es stehen in nächster Zeit viele wichtige Prüfungen an (Führerschein, Schule..) in denen ich gut abschneiden muss. Verdrängen möchte ich das ganze nicht, da ich mir sonst Schuldgefühle zusprechen würde. Andererseits rauben mir die Gedanken an ihn und den Keller jede Nacht den Schlaf und auch sonst geht es gerade ziemlich bergab.

Mich würde es freuen, wenn es andere Menschen mit ähnlichen Vorkommnissen gäbe die berichten könnten, wie sie mit dieser Situation fertig geworden sind. Denn wie gesagt, für mich kommen Psychologen (welche ich natürlich sehr respektiere und schätze) eher nicht in Frage.

Mit freundlichen Grüßen

Antwort
von michi57319, 24

Psychologen sind halt nicht nur gute Zuhörer, sondern können auch deine Gedanken in eine bestimmte Richtung lenken und dir Tools an die Hand geben, um damit umzugehen. Das können Freunde/Bekannte/Verwandte nicht.

Ein solches Ereignis ist einschneidend, merkst du ja an dir selbst.

Das ist mit, oder ohne Psychologe nicht in drei Tagen erledigt, das dauert länger.

Deine Reaktionen auf den Freitod, vermutlich noch viel eher auf die Auffindesituation, löst diese Störungen aus, die du jetzt hast.

Du kannst alleine da durch, sicherlich. Aber es dauert länger, es ist quälender, weil da niemand ist, der dir hilft.

Ich selbst versuche seit fast 1,5 Jahren, ein schlimmes Erlebnis mit mir selbst auszumachen. Ohne Psychologe, ohne Medikamente. Das geht, aber ob es sinnvoll und zielführend ist, bleibt doch fraglich.

Antwort
von unhalt, 31

Hallo Lebkuchen0207

Da hast du wirklich eine Extremsituation erlebt. Ganz soewas schlimmes ist mir nicht wiederfahren, aber ich hatte auch schon mal eine echt üble Situation, nach welcher ich mit einem Psychologen Gesprochen hab. Bei mir hat es sich herausgestellt, dass ich das Erlebnis gut verarbeitet habe.

Psychologen sind nichts schlimmes und du bist auch nicht irgend wie 'krank' weil du zu einem 'Kopfdoktor' gehst. Ein Psychloge versucht dich einfach zu verstehen und dir dann zu helfen, was auf verschiedene Weisen geschehen kann. Meistens unterhält man sich einfach, er gibt dir Tipps um damit umzugehen und erklärt dir Dinge, wie zum Beispiel dass es einen so genannten Flashback geben kann.

Du kannst auch einfach eine Person deines Vertrauens zu einem Gespräch mitnehmen, was auch ein Freund oder eine Freundin sein kann, halt irgendwer den du gerne dabei hättest. Bei einem Psychologen hast du im Allgemeinen recht große Freiheiten und er wird dich auch zu nichts zwingen. Einen Psychologen zu finden ist oft das größere Problem, da muss man sich umhören, evtl. mal den Hausarzt fragen oder womöglich auch eine Nummer gegen Kummer anrufen. Schulen haben auch oft einen Bezugspsychologen, welcher selbstverständlich eine Schweigepflicht hat; nach diesem kannst du auch mal unverfänglich im Sekreteriat fragen.

Wichtig ist, dass du dich darum kümmerst und da du diese Frage hier gestellt hast, besteht bei dir ja schonmal die Bereitschaft dazu. Wenn du das verschleppst, wird es eher noch schlimmer werden, bis dahin, dass du wirklich 'krank' wirst. Lass dir deine Zukunft, derzeit ja erstmal die Schule, nicht durch sowas zerstören. Aber ich hoffe, dass du es schaffen wirst.

Liebe Grüße

unhalt

Kommentar von Lebkuchen0207 ,

Danke schoneinmal für deine Antwort.

Du hast es eigentlich ziemlich gut beschrieben, ich glaube, ich würde mich selber als "krank" bezeichnen wenn ich zu einem Psychologen gehen würde. Dies sollte ich natürlich nochmals überdenken.

Beim Schulpsychologen war ich bereits, allerdings vor 2-3 Jahren wegen eines anderen Themas. Hierbei hat es über Umwege leider doch die gesamte Klasse erfahren, z.B. wenn man gesehen wurde wie man in das Zimmer des Psychologen geht etc.

Ich möchte einfach mir selbst beweisen dass ich einen starken Willen habe, auch wenn ich selbst weiß, dass ich eine sehr sensible Person bin und dies auch nicht ändern kann. Der Vorfall härtet mich jedoch möglicherweise ein wenig ab, so hoffe ich.

MfG

Kommentar von unhalt ,

Sowas hat nichts mit hart oder weich sein zu tun. Das so zu sehen ist wie eine Mutprobe zu machen. Was wenn es dich nicht abhärtet? Ich will mir sowas nicht ausmalen.

Du merkst dass du damit zu kämpfen hast und das kannst du alleine oder mit Hilfe durchstehen. Solche Entscheidungen sind oft selbst schon schwer und ich mag dir mit meiner Meinung ein wenig helfen.

Deine Klasse sollte das auch verstehen, dass man in so einem Fall durchaus mal Hilfe braucht. Die Akzeptanz gegenüber Psychologen ist leider viel zu gering. Vielleicht suchst du auch den offenen Dialog mit deiner Klasse? Das würde Mut erfordern, aber sowas macht dann auch wirklich stark.

lg

Antwort
von DerTroll, 31

So etwas kann etwas dauern, bis man es verarbeitet hat. Gegen deinen Willen wird man dich nicht zum Psychologen schicken, höchsten mal mit dir besprechen, ob es nicht doch das beste wäre. Du solltest aber unbedingt mit deinen Lehrern darüber sprechen, schon allein, damit die wissen, daß deine momentan reduzierte Leistungsbereitschaft einen Grund hat.

Und ganz ehrlich, mach deine Hausaufgaben und alles, auch wenn es dir schwer fällt. Je mehr du versucht deinen normalen Alltag zu leben, desto eher rückt dieses Ereignis in den Hintergrund.

Antwort
von melinaschneid, 15

Es tut mir sehr leid für dich das du das durchmachen musst.

Zu einem Psychologen gehen ist nicht immer einfach für einen selbst. Im Grunde wird ja von einem erwartet sich einem vollkommen fremden zu öffnen. Ein guter Psychologe lässt sich zeit. Dazu gehört auch am Anfang das man sich gegenseitig kennenlernt ohne über die Probleme zu reden. Eine erfolgreiche Therapie ist nur dann möglich wenn man zusammen harmoniert.

Eine andere Möglichkeit wäre trauerbewältigung über die Kirche. Auch wenn man nicht gläubig ist kann das Einen sehr helfen. Pfarrer sind meistens sehr feinfühlige Menschen die gut zuhören können und die richtigen Worte finden.

Antwort
von jaybob, 22

Weil die Psychologen mit dem Schicksalsschlag am besten umgehen, deswegen werden sie dir empfohlen.
Nur kann dich keiner dazu zwingen du musst es selbst wollen! Die Bilder wirst du nicht mehr los ich spreche da aus eigener Erfahrung nur war es bei mir mein Bruder den ich gefunden habe :(

Antwort
von IchBinPassiv, 21

wenn du deinen Vorgesetzten nicht davon erzählst wirst du womöglich durch die Prüfungen Fallen, wenn du sagst du willst mit keinen Psychologen drüber reden, dann red mit irgendeiner anderen Person drüber die dir nahe steht

Antwort
von Frank6667, 15

Wenns dier so an die Nieren geht sprich mit irgendjemanden, ist alles besser alls es in sich rein zu fressen. P. S. Es gibt nicht nur Psychologen, Seelsorger, Pfarrer geh zu irgendwen.

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