Wie meditiert man richtig. Tipps, Tricks, Erfahrung?

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5 Antworten

Sich permanent bei allem was man denkt, fühlt, sagt und tut achtsam und "neutral" beobachten, das ist Meditation... insofern kann man nicht "richtig" meditieren. Es gibt keine Regeln, da Meditation sich letztlich auf alle Bereiche des Lebens und in jeden einzelnen Augenblick erstreckt...

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Ich habe einige Jahre Meditationserfahrung und helfe gerne weiter.

Meditation ist keine Technik

Zunächst einmal ist es meiner Meinung nach so, dass Meditation häufig als eine Technik gesehen wird, mit der man "sich ruhig macht", oder der Mensch irgendwie "verbessert" werden kann. Das halte ich für falsch.

Aus meiner Sicht ist Meditation ein Zustand entspannter Achtsamkeit, bei dem keine Bewertungen erfolgen. Es geht dabei weder um extreme Konzentration, noch um völlige Entspannung, oder eine Trance.

Es gibt verschiedene Techniken, um solch einen meditativen Geisteszustand zu erleben, allerdings kann man dies auch ganz normal im Alltag üben. Am einfachsten geht dies meiner Meinung nach, indem man bewusst Handlung und Atmung verbindet.

Meditation ist keine Therapie

Manche Menschen mit psychischen Problemen hoffen, ihre Krisen durch Meditation überwinden zu können. Doch das halte ich für einen nicht gerade unproblematischen Irrtum.

Während der Meditation ist man achtsam und so können Bewusstseinsinhalte auftauchen, die zuvor ins Unterbewusstsein verdrängt worden. Es könnte also eine Aktualisierung bzw. Retraumatisierung eintreten.

Daher rate ich Menschen mit psychischen Problemen, ihre Meditationspraxis nicht ohne Rücksprache mit dem Therapeuten zu beginnen.

Ziel der Meditation

Meditation ist nicht nur keine Therapiemethode, sondern sollte meiner Meinung nach ohne irgendein bestimmtes Ziel geübt werden.

Wenn man bestimmte Erwartungen hat - "ruhiger werden" oder "mehr Konzentration", dann sind das Ziele, die den Geist während der Meditation beschäftigen werden.

"Einatmen....Ausatmen....bin ich schon entspannt?....einatmen....wie lange es wohl dauert?....ausatmen.....einatmen....bringt es überhaupt was? In dem Video mit dem Guru sah es so....hey...ich wollte ja achtsam sein!....einatmen....ausatmen...." ;-)

Irgendwelche Ziele zu haben kann außerdem Halluzinationen begünstigen. Wer ständig auf göttliche Gnade, oder himmlische Ekstase hofft, muss sich nicht wundern, wenn sein Geist dann irgendwann Halluzinationen produziert.

Am besten ist es also meiner Meinung nach, keine besonderen Ziele zu haben, sondern einfach zu meditieren "weil mans kann" ;-)

Körper und Geist

Manche Anbieter von Meditationen versprechen eine Art spirituelle Vergeistigung, eine höhere Bewusstseinsebene, oder besondere spirituelle Fähigkeiten. 

Mit meinem Verständnis von Meditation haben solche Aussagen wenig zu tun, da sie den Geist überbetonen und das Materielle als etwas ansehen, dass überwunden, oder bestenfalls geduldet werden muss.

Meiner Meinung nach beeinflussen sich aber Körper und Geist wechselseitig, so dass man beides nicht voneinander trennen kann.

Haltung

Die Haltung des Körpers beeinflusst die Haltung des Geistes - und umgekehrt.

Wer ständig geistig angespannt ist, verkrampft sich und wird auch körperlich starr. Wenn er dagegen geistig erschöpft ist, erschlaffen seine Muskeln und er sinkt zusammen.

Daher kann eine gesunde Körperhaltung, die sowohl aufrecht, als auch entspannt ist, auch den geistigen Zustand beeinflussen.

Aus diesem Grund sollte man meiner Meinung nach weder im Liegen, noch mit einer Rückenlehne meditieren, weil dies eine übermäßige Entspannung fördern kann. Auch sollte man nicht strammstehen, wie ein Soldat.

Am besten eignet sich eine aufrechte Sitzposition. Entweder auf dem Boden, wobei man ein Kissen benutzt, damit die Knie auf dem Boden ruhen, oder einen Stuhl, evtl. mit einem Keilkissen, so dass man sich nicht anlehnt und die Füße bequem auf dem Boden sterhen.

Atmung

Atmung ist das natürlichste was es gibt und deshalb sehe ich keinen Grund, eine besondere Atemtechnik zu nutzen.

Es ist sinnvoll, zu Beginn der Meditation einmal ganz bewusst auszuatmen, aus dem Bauch raus, bis wirklich alle Luft raus ist - denn die Einatmung durch die Nase erfolgt dann ganz automatisch.

Dieser "Trick" hilft dabei, einen möglicherweise sonst eher verkrampften Atemrhythmus zu entspannen.

Danach gibt es nichts mehr zu tun...man atmet durch die Nase und lässt lange Atemzüge lang und kurze einfach kurz sein.

Gedanken

Gedanken sind nichts schlimmes und tauchen immer wieder bei der Meditation auf. Der Versuch, sie zu verdrängen bringt nichts, sondern ist einfach nur anstrengend und ermüdend.

Genau wie der Körper Schweiß absondert, ohne dass wir es kontrollieren können, produziert unser Gehirn eben Gedanken.

Es geht nur darum, ihnen nicht nachzuhängen, nicht an ihnen zu haften.

Manche Lehrer empfehlen ein Mantra, also eine heilige Silbe oder Formel, auf die man den Geist richten soll. zB "Om"

Ich persönlich halte das für falsch, denn dadurch wird meiner Ansicht nach der Geist nicht zur Ruhe gebracht, sondern eher betäubt, indem man eine Art geistige Endlosschleife mit einem Ohrwurm füllt.

Das hat aus meiner Sicht nichts mit Achtsamkeit zu tun - und manche Anbieter verlangen für solch eine einfache Technik sogar mehrere tausend Euro.

Wenn also ein Lehrer sagt, man solle "nicht denken", meint er damit meist nicht, die Gedanken zu unterdrücken, sondern nicht an ihnen zu haften.

Haltung bewahren...Atmen...Gedanken ziehen lassen.

Achtsamkeit

Eine der am leichtesten verständlichen Methoden ist die Achtsamkeitsmeditation mit der Beobachtung des Atems. Im Buddhismus nennt man diese Art der Meditation "Vipassana".

Auch wenn sie an sich leicht ist, handelt es sich keineswegs um eine "Anfängermethode", denn es gibt buddhistische Mönche, die ihr ganzes Leben fast ausschließlich dieser Form der Meditation widmen.

Hier ist eine fünfzehn Minuten lange Einführung - einfach bequem mit einem Kissen auf den Boden setzen und mitmachen, wenn du magst.

Achtsamkeit im Alltag

Achtsamkeit sollte aber nicht aufhören, sobald man die Beine entknotet, oder vom Stuhl aufsteht.

Mit regelmäßiger Praxis der Sitzmeditation fällt es auch im Alltag leichter, achtsamer zu sein. Gerade mit so etwas natürlichem wie der Atmung ist es leicht, sich aus dem Stress, wieder in den Moment zu holen.

Einatmen....Ausatmen....Schultern lockerlassen....und man ist wieder aus dem Karusell im Kopf raus, in dem man sonst täglich gefangen ist.

Mit etwas Übung kann man schließlich überall meditieren - auch auf lauten Bahnhöfen, oder an Bushaltestellen.

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Kommentar von Enzylexikon
07.03.2016, 14:11

Noch ein paar allgemeine Hinweise

Zeit

"Viel hilft viel" stimmt bei Meditation nur bedingt.

Das einfache "geschehen lassen" des Augenblicks und das "da sein" in diesem Moment, ist eine innere Haltung, die so sehr entgegen den sonstigen Gewohnheiten des täglichen Lebens ist, dass sich viele Menschen damit schwer tun.

Es bringt meiner Meinung nach nichts, sich dazu zu zwingen, zwei Stunden lang rumzusitzen, wenn dabei ohnehin nur träumt, oder Gedanken nachhängt.

Es ist besser, mit einer kurzen Sitzperiode anzufangen - die üblichen Empfehlungen lauten 10 bis 15 Minuten und auch wenn das nach wenig klingt, ist das bereits schon durchaus anspruchsvoll.

Da der Geist etwas Zeit benötigt, um zur Ruhe zu kommen, sollte man nicht zu kurz sitzen - sonst hat man gerade eine gute Verfassung erreicht, und der eingestellte Wecker klingelt.

Zu lang ist aber wie gesagt auch nicht gut, dass kann anstrengend und frustrierend wirken. Ich denke, 15 Minuten sind ein guter Kompromiss.

Wichtiger als lange zu sitzen ist es, regelmäßig zu sitzen - denn der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wenn man sich täglich fünf Minuten Zeit nimmt für die Meditation, dann wird die Erfahrung viel natürlicher sein, als einmal pro Woche eine Stunde lang zu sitzen.

Ort

Wie  gesagt, kann man eigentlich immer und überall seine Achtsamkeit üben. Neben einer bestimmten Zeit, kann aber auch ein bestimmter Ort sinnvoll sein.

Der Ort sollte möglichst ruhig sein, so dass man nicht von anderen Menschen, Telefonanrufen, oder SMS gestört wird.

Das kann das eigene Zimmer sein, aber auch ein Ort in der Natur, wo die Vögel zwitschern und andere natürliche Hintergrundgeräusche vorhanden sind.

Der Ort sollte sauber sein und nicht zu warm und nicht zu kalt, nicht zu hell und nicht zu dunkel. Einfach ein Ort, an dem man zur Ruhe kommen kann und nicht zu viele Dinge sind.

Sitzt man auf dem Boden, kann man eine zusammengefaltete Kuscheldecke unterlegen und sich auf ein festes Kissen setzen. So sind die Knie auf dem Boden, ohne dass sie durch den harten Boden übermäßig schmerzen und man kann in stabiler Haltung sitzen.

Irgendwelche besonderen Gegenstände wie Buddhastatuen oder ähnliches sind nicht notwendig. Manche empfehlen sie, weil etwa ein kleiner symbolischer Altar etwas Ruhe vermittele.

Ich persönlich denke, dass das Risiko besteht, sich zu sehr von äußeren Umständen, wie solch einem Altar abhängig zu machen und das Gefühl zu entwickeln, nur in einer bestimmten Atmosphäre meditieren zu können.

Daher empfehle ich, auf solche "Heiligkeiten" am Ort der Meditation zu verzichten.

Augen und Ohren

Ich sagte ja schon, dass der Ort idealerweise ruhig sein sollte und nicht zu hell, oder zu dunkel. Das ist darauf zurückzuführen, dass man bei der Meditation "sieht, ohne zu sehen und hört, ohne zu hören".

Das bedeutet, dass Dinge zwar wahrgenommen werden, aber nicht in die Gedankenschleife an Interpretationen einbezogen werden.

Der Vogel zwitschert, oder das Nachbarkskind schreit so laut, dass man es durch die Wand hört...das sind Geräusche.

Wenn man sich jetzt geistig daran festhält, geht das Gedankenkarusell los

"das Kind weint aber oft...ob sie es wohl mishandeln? Ich habe da neulich bei Spiegel Online gelesen....äh...einatmen...ausatmen..."

Die Augen sollte man weder ganz schließen, noch ganz öffnen, sondern einen entspannten "Schlafzimmerblick" haben.

Hat man die Augen zu, fängt man leicht an tagzuträumen und wilde Geschichten im Geist zu erfinden.

Hat man die Augen auf, dann trocknet sie das nicht nur aus, wenn man nicht zwinkert, sondern selbst wenn man sich vor eine Wand setzt, wo es nichts interessantes zu sehen gibt, kann das ermüdend sein.

Meiner Erfahrung nach ist es also am besten, den Blick einfach etwas zu senken, er fällt dann ganz natürlich in gewisser Distanz auf den Boden. Dort kann man ihn dann auch liegen lassen.

So, dass war jetzt ein kleiner Crashkurs mit ein paar Tipps und persönlichen Meinungen - wenn du noch Fragen hast, helfe ich gerne weiter.

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am besten du lernst es von einem ausgebildeten lehrer, alles andere sind nur provisorische versuche und notlösungen. siehe: http://meditation.de/tm-lernen/

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Es gibt zwei Aspekte bei der Meditation: Achtsamkeit und Konzentration. Meistens wählt man eine Meditations-Art, bei der entweder das eine oder das andere dominiert. Z.B. steht im Zen (da nennt sich die Meditationspraxis Zazen) die Konzentration im Vordergrund während bei Vipassana die Achtsamkeit das zentrale Element darstellt. Über soetwas sollte man sich im Klaren werden, da es ein grundlegender Unterschied ist und sich auch vollkommen verschieden anfühlt.

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