Frage von annazali, 86

Wie leben muslimische Frauen in Deutschland?

Im Rahmen eines Schulprojektes, beschäftige ich mich zu Zeit mit dem Thema: "Die Frau im Islam". Zur Zeit stelle ich mir die Frage, wie leben eigentlich muslimische Frauen in Deutschland? Danke im Vorhaus :)

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von mmolthagen, 33

Hallo,

"die" Frau im Islam gibt es nicht. Zu heterogen ist der Islam - auch hier in Deutschland, wo es ja auch noch viele deutsche Frauen gibt, die zum Islam konvertiert sind.

Nicht nur der Islam als Religion prägt zudem das Leben der Muslimas, sondern auch der "Volksislam" mit seinen Sitten und Bräuchen, die eigentlich nur wenig mit der "reinen Lehre" des Islam zu tun haben.

Ansonsten gibt es Muslima, die ihre Religion unterschiedlich ernst nehmen - von sozusagen "liberal" bis "konservativ". Manche eifern den Frauen der ersten drei Generationen der Muslime aus der „Zeit der ehrwürdigen rechtschaffenen Vorfahren” (den as-Salaf aṣ-Ṣāliḥ) nach und sehen sie als ihre Vorbilder. Diese Frauen der Salafiyya tragen dann oft Gesichtsschleier (Niqab), wobei sie nicht die einzigen sind.

Andere sind ganz liberal, manchmal mit, manchmal ohne Kopftuch (Hidschab), wieder andere verwechseln Traditionen mit der Religion (so kann der Gesichtsschleier manchen Muslima auch dazu dienen, böse Geister vom Eindringen in den Körper abzuhalten).

Eigentlich kannst Du Dir nur ein paar Frauen heraussuchen, die Du exemplarisch vorstellst, etwa eine "moderne Muslima" mit schickem und voluminösem Kopftuch, figurbetonter Kleidung und viel Make-up, eine konservative türkische Muslima und eine Salafiyya-Frau.

Dabei gilt: Die Frauen sind erst einmal Frauen. Wir dürfen sie nicht auf ihre Religion bzw. religiöse Äußerlichkeiten reduzieren - sie sind weit mehr als das.

Grüße

Michael

Antwort
von Jogi57L, 68

Also ich kann nur meine persönlichen Erfahrungen berichten.. und die sind meistens sogar nur auf meinen Stadtteil bezogen... 


( dort lebe ich, nehme z.B. aktiv an Flüchtlingshilfe teil, sowie an christlich-islamischen Gesprächskreisen... einige ehrenamtliche Tätigkeiten...u.a. auch: Versuche, muslimische Familien ins alltägliche Stadtteil-Leben zu integrieren......etc.... )

.. ( woanders wird es aber auch nicht wesentlich anders sein, als bei mir im Stadtteil....... denke ich....)


Und noch vorausschickend:

Alles, was ich berichte... bzw.. alle Frauen, die ich erwähne, sagen von sich, dass sie "Muslima" sind...


btw.: Menschen(gruppen)  sind wie ein Haufen Äpfel... als "Haufen" gesehen...sind irgendwie alle gleich... 

....einzeln betrachtet, weisen sie aber "große" Unterschiede auf.....so auch "meine" Musliminnen... ( so auch ich)


Einteilung in drei Gruppen:

1.) strenggläubige Musliminnen

2.) Switcherinnen

3.) "freie" Musliminnen


zu 1.)

die beachten mich nicht, senken ihre Blicke, und kriegen es häufig nicht mal fertig, zurück zu grüßen.

Sie haben die Befürchtung, dass jeglicher (Blick)Kontakt zu einem Mann gefährlich ist, und eine "Versuchung" beinhaltet...

Sie leben streng nach ihren Religionsregeln, sehen ihre Aufgabe darin, für die Familie und den Mann zu sorgen, und gehen nur dann in die Öffentlichkeit, wenn es unbedingt sein muss... und die islamischen Regeln erfüllt sind.... 

( mit Erlaubnis des Mannes/Vaters... in islamisch korrekter Bekleidung... wenn ein wichtiger Grund vorliegt.. und in Begleitung eines männlichen, erwachsenen Familienmitgliedes... )

Sie haben etwa die Einstellung:

ich will/muss Allah gehorchen, dessen Gebote zählen, und nicht die Gesellschaft ... ich will ins Paradies kommen


zu 2.)

Sie sind etwas hin-und hergerissen, zwischen den Anforderungen der westlichen Gesellschaft und dem Bedürfnis, die Regeln ihrer Religion zu erfüllen... teils auch nur die Erwartungen ihrer Familien zu erfüllen

Sie switchen, u.a. auch was die Bekleidung angeht... so beispielsweise:

"Kopftuch, sobald ich aus der Arbeit gehe, aber während der Arbeit darf ich es halt nicht..."

oder:

"Während der Arbeit zeige ich mich offen und westlich, danach als "Privatperson".. halte ich mich aber an die islamischen Regeln...

[ so hat z.B.: (m)eine Bäckereiverkäuferin zu mir gesagt:

Jogi, ich mag die Gespräche mit Dir, aber wir reden nur während ich auf Arbeit bin..ok ?.. sprich mich privat NIE an, denn Du weißt nie, ob mein Vater/Bruder.. oder sonstwer in der Nähe ist, und ich hätte dann große Probleme.. ok ? .. echt ok ?...sei aber bitte nicht sauer... ok ?.. sei bitte vorsichtig mit meinen Freundinnen.. die tun nur so als wären sie Freundinnen, und würden mich voll in die Pfanne hauen....]

etwa die Einstellung:

ich mag meine Religion, aber Allah versteht schon, wenn ich "Ausnahmen" mache(n) muss.. ich lebe ja hier.. und Allah weiß ja wie ich denke und fühle... also passt es irgendwie schon....


zu 3.)

Die tun was sie wollen, wann sie wollen, und mit wem sie wollen.. kleiden sich, wie es ihnen passt.. scheren sich recht wenig um religiöse Konventionen, aber ziehen im Bedarfsfall die "Muslima-Karte"

etwa die Einstellung:

ich bin ich, Religion schert mich nicht, außer es nützt mir in einer bestimmten Situation was.. aber ich glaube trotzdem an Allah, und der versteht ALLES, was ich tue, sonst ist es nicht "mein Allah"



OK, das sind meine Eindrücke, evtl. nützt es Dir was... ansonsten wirst Du sicher auch noch viele andere Antworten/Anregungen bekommen..


LG J.

Kommentar von mmolthagen ,

Hallo,

zu 1. muss man aber auch sagen, dass sie sich Dir gegenüber so verhalten, weil Du ein Mann bist. Einer Frau gegenüber würden sie sich anders verhalten - vor allem, wenn sie nur unter Frauen sind. Einem Mann gegenüber wird sich eine fromme Muslima in Verhalten, Kleidung und Ansprache sehr zurückhalten.

Die Geschlechtertrennung ist im Islam nun einmal ein wichtiges Thema - und eine Vermischung der Geschlechter im Prinzip genauso schlimm wie der Genuß von Alkohol oder Schweinefleisch.

Im Prinzip kommt es immer auch auf die Situation an. Wenn sie allein unterwegs ist, ohne einen Mahram bzw. ohne ihren Ehemann, wird sie sich meist anders verhalten als in Gegenwart ihres Ehemannes oder eines Mahram. Man darf als Mann eine fromme Muslima etwa niemals besuchen, wenn sie allein zu Hause ist - nur, wenn ihr Mann oder ein Mahram dabei ist.

Grüße

Michael

Kommentar von Jogi57L ,

Vielen Dank für die Erklärung.

Antwort
von Kleckerfrau, 86

Habt ihr Muslime in der Nachbarschaft ? Dann geh doch mal hin und unterhalte dich mit ihnen.

Antwort
von Saniye52, 30

Ich bin Deutsche, Moslem seit 20 Jahren, mit Kopftuch. Unterdrückt hat mich niemand. Ich gehe selbstbewusst durchs Leben, und habe viele (echte) Freunde unter Muslimen und Nicht-Muslimen. Ich bete 5 x am Tag, wenn die Zeit nicht ausreicht, weil ich Termine habe, auch mal 3 Gebete auf einmal (Nachholgebete). Ich bin bei Bookcrossing und arbeite ehrenamtlich mit   Nicht-Muslimen. Ich gehe ins Theater, zu Konzerten und zu Ausstellungen.      Außer dem Beten und Koranlesen lebe ich wie viele Frauen hier und anderswo. Ach so, seit einem halben Jahr bin ich Rentnerin.


Antwort
von Fabian222, 39

Die Frauen, die Hijab tragen haben es nicht leicht. Sie werden angeglotzt man spottet ueber sie und sie werden nicht toleriert. Fazit: Alles andere wird in Deutschland toleriert ausser wenn jemand sich aus religioesen Gruenden bekleidet.

Kommentar von LibertyFire ,

Und wenn man in einem islamischen Land wird man umgebracht, wenn man den Islam verlässt. Außerdem ist es völliger Blödsinn, so zu tun, als würden Muslime in Deutschland unterdrückt

Kommentar von Fabian222 ,

Es ist eine Art der Unterdrueckung wenn zB. muslimische Frauen so gut wie keine Moeglichkeit haben einen Job zu finden. Habe ich Recht? 

Kommentar von LibertyFire ,

Was für ein Unsinn. Wenn manche Arbeitgeber das Kopftuch verbieten, dann aus dem Grund, dass es ein Symbol ist, welches provozieren kann und Deutschland ein säkularer Staat ist. Das hat nichts mit Diskriminierung aufgrund des Glaubens zu tun.

Kommentar von LibertyFire ,

Was für ein Unsinn. Wenn manche Arbeitgeber das Kopftuch verbieten, dann aus dem Grund, dass es ein Symbol ist, welches provozieren kann und Deutschland ein säkularer Staat ist. Das hat nichts mit Diskriminierung aufgrund des Glaubens zu tun.

Kommentar von LibertyFire ,

Was für ein Unsinn. Wenn manche Arbeitgeber das Kopftuch verbieten, dann aus dem Grund, dass es ein Symbol ist, welches provozieren kann und Deutschland ein säkularer Staat ist. Das hat nichts mit Diskriminierung aufgrund des Glaubens zu tun.

Kommentar von Jogi57L ,

Sie werden angeglotzt man spottet ueber sie und sie werden nicht toleriert

Angeschaut werden sie natürlich, so wie andere Menschen eben auch, die durch ihre Kleidung etwas ausdrücken wollen, z.B. Dark-Wave, Hippies.. selbst andere Uniformierte....

Zudem werden Frauen häufig von Männern angeschaut, das ist ja völlig normal, und auch Musliminnen sind Frauen.

Spott habe ich seltenst gehört, jedenfalls seit Jahren nicht mehr.

Toleriert (geduldet) werden sie aber weitgehend überall in der BRD.

Allerdings muss man es ja nicht darauf anlegen, mit aller Gewalt aufzufallen. 

Man muss eben immer wissen, wann und wo man sich zu welchen Anlässen wie kleidet.

Kommentar von Fabian222 ,

Sind sie der Meinung dass die Frauen durch Hijab auffallen wollen? Nein! Vielmehr schuetzen sie sich vor falschen Blicke.

Antwort
von hummel3, 54

Das Feld, wie muslimische Frauen in Deutschland leben, ist sicher breit. - Einen guten allgemeinen Querschnitt vermittelt jedenfalls die Antwort  von "Jogi57L". 

Um es noch genauer zu erfahren, müsstest du geradezu "Mäuschen" bei ihnen zuhause spielen können. Doch das bleibt dir verwehrt. 

Antwort
von cherami, 49

Obwohl sie in unserem Lande dank unserer Gesetze frei sein könnten wie die Vögel, scheinen viele von ihnen ihr traditionelles Gefängnis nicht verlassen zu können. So tief hat sie ihre mittelalterliche Kultur schon geprägt.

Andere wiederum laufen nur traditionell im Gleichschritt der Muslimas mit, um sich "national" damit zu identifizieren, weil sie sich entweder von der Gesellschaft nicht angenommen fühlen, oder sich bewusst von ihr als etwas "Besseres" abgrenzen wollen.

Die dritte Gruppe dagegen ist so selbstbewusst geworden, dass sie sich  bewusst vom Islam und Muslima zu sein distanziert hat. Ich erwähne nur einige beispielhafte Namen wie Sabatina James, Arzu Toker oder Güner Yasemin Balci. - Frauen eben, welche wahrhaft Respekt verdienen!   

Antwort
von Irom39, 73

Oder besuch eine mosche, mit termin, interview etc.
Vieleicht kannst du dich mit einer frau treffen.

Antwort
von Dummie42, 52

Hier erzählen dir die (jungen) Frauen das selbst:

http://www.amazon.de/Muslim-Girls-Wer-sind-leben/dp/3821865334/ref=sr\_1\_12?ie=...

Gebraucht ab 2,11 € plus 3,00 € Porto.

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