Frage von hanncha22, 113

Wie laufen Beerdigungen in Deutschland (Atheisten,Christen,Muslimen) ab?

Zum Glück musste ich noch nie auf eine Beerdigung, doch mich würde mal interessieren wie das eigentlich so ist. In Filmen ist es ja meist so dass die Angehörigen um das Grab stehen und ein Pfarrer etwas sagt, so könnte ich mir auch vorstellen dass es bei Christen in Deutschland ist, aber wie sieht es bei Atheisten aus, was haben Leute die nicht gläubig sind für Bestattungsrituale? Wie laufen islamische Beisetzungen in Deutschland bzw. allgemein ab, z.B. wenn ein Araber stirbt der mit seiner Familie seit langer Zeit hier lebt und den islamischen Glauben beibehalten hat?

Zu guter letzt: Wie läuft das bei Einäscherung ab, werden da erst die religionsspezifischen Rituale durchgezogen und ganz am Ende der Körper verbrannt anstatt begraben? Gibt es Religionen die das Einäschern verbieten und nur begraben?

Wäre mal interessant wenn Leute aus verschiedenen Kulturkreisen ihre Ehrfarungen mitteilen würden :)

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Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Religion, 29

Als Buddhist gehört man in Deutschland zwar nicht zu einer offiziellen Religionsgemeinschaft im Sinne einer Körperschaft des öffentlichen Rechts, aber natürlich lassen sich auch in Deutschland Buddhisten bestatten. ;-)

Ein aus Asien übernommener Brauch ist die die dreitägige Aufbahrung des Toten, sowie die üblicherweise vorgenommene Einäscherung und Beisetzung in einer Urne.

Allerdings sind auch alternative Bestattungsformen wie etwa im "FriedWald" (Bestattung in kompostierbaren Urnen unter den Wurzeln eines Baumes), oder die Spende des Leichnams an die Wissenschaft möglich.

Die körperliche Unversertheit der Leiche in einem Grab hat also keine besondere Bedeutung (Besonderheiten siehe unten)

Die Handlungen am Grab selbst gleichen dem des bereits gesagten - eine kurze Rede am Grab, dann verabschieden sich die Angehörigen.

Je nach buddhistischer Traditionslinie gibt es weitere Gebräuche, die sich jedoch voneinander unterscheiden.

So können beispielsweise in der Gemeinschaft während der Trauerfeier religiöse Texte (Sutras) rezitiert, oder eine Zeremonie durchgeführt werden. Das dadurch erzeugte positive "Karma" wird dann dem Verstorbenen gewidmet.

Während es in der katholischen Kirche den "Totenrosenkranz" in der Gemeinde gibt, versammeln sich einige buddhistische Gemeinschaften über einen Zeitraum von 49 Tagen täglich zur Meditation.

Das geht auf die Vorstellung zurück, dass der Mensch 49 Tage lang in einer Art "Zwischenzustand" zwischen seinem Tod und der nächsten Wiedergeburt verweilt und während dieser Zeit durch Meditation und Zeremonien positiv beeinflusst werden kann. 

Aus diesem Grund gibt es auch Buddhisten, welche die Organspende ablehnen - sie befürchten negative Auswirkungen auf den Verstorbenen, wenn Eingriffe in diesen 49 Tagen durchgeführt werden.

Manchmal übernimmt auch nur ein Geistlicher, also ein Priester, Mönch, oder eine Nonne diese Art von religiösem Dienst.

Wie gesagt, die Einzelheiten weichen je nach buddhistischer Linie voneinander ab und daher kann man kaum etwas einheitliches sagen.

Antwort
von zehnvorzwei, 51

Hei, hanncha22, eine katholische Beerdigung spielt sich so ab, dass in der Kirche eine Messe gefeiert wird, ein Requiem, wo der Pfarrer u.a. Worte der Erinnerung an den Toten spricht (er kommt vorher nach Hause und erkundigt sich bei der Familie des Verblichenen). Danach begibt sich die Trauergemeinde zum Friedhof, wo in der Friedhofskapelle der Sarg aufgebahrt ist und noch eine kurze Andacht stattfindet. Von der Kapelle aus ´wird der Sarg zum Grab getragen, dem die Trauergäste folgen. Auch dort gibt´s nochmals eine kurze Andacht mit dem Pfarrer, ehe der Sarg ins Grab gesenkt wird. Danach verharren Angehörige und Freunde eine Weile am Grab, denen die Trauergäste ihr Beileid ausdrücken. Dann geht die Menge auseinander; meist werden engste Angehörige und Freunde sowie Vertraute des Toten danach zur Kaffeetafel eingeladen.

So ist es bei uns auf dem Land.

Ich nehme an, eine evangelische Beerdigung ist ähnlich.

Von den Moslems ist bekannt, dass die Toten in ein nahtloses Tuch gehüllt werden und binnen 24 Stunden beerdigt sein sollen. Die meisten von ihnen werden aber in die Heimatländer überführt.

Bei Atheisten suchen sich die Angehörigen jemanden, der die Trauerrede am Grab spricht - oder das Beerdigungsinstitut, dessen Hilfe man ja bei allen Beerdigungen benötigt, bestellt einen professionellen Sprecher, der besinnliche Gedanken zu Leben und Tod äußert.

Und so. Grüße!

Antwort
von DieFee85, 63

Leider war ich schon auf vielen Beerdigungen.
Andere Religionen haben auch Gotteshäuser in Deutschland. Somit werden die Zeremonien dort abgehalten...damit habe ich aber keine Erfahrungen.

Es kommt natürlich auch auf den Wunsch des Toten an, falls er seinen Willen bereits festgelegt hatte.

Bis jetz waren die Beerdigungen, auf denen ich war, sehr ähnlich...egal ob Atheist, Katholik oder Evangele.
Es gab eine kleine Rede in der Kirche oder einem kleinen Saal...mit Sarg oder Urne.
Dann ging man ins Freie zum ausgehobenen Grab...der Sarg oder die Urne wurden niedergelassen. Es folgten noch einpaar Worte und dann konnte jeder Trauernde eine Hand Erde und eine Hand Blütenblätter in das Grab fallen lassen.

Waren mir diese Personen besonders wichtig, habe ich meistens noch eine einzelne Blume besorgt. Je nach dem wie unsere Beziehung war...meist eine Rose in der passenden Farbe.

Ich hoffe ich konnte dir weiterhelfen.

Antwort
von MadEye77, 5

Hallo,

ich habe mich vor kurzem um die Beisetzung meiner Ma, die eine tolerante Freidenkerin war, kümmern müssen.

Ich bin an dem Tag, als sie verstorben ist mir ihrem Ausweis, Rentenausweis usw. in ein Beerdigungsinstitut gegangen und habe gesagt, was sie gewollt hätte. Dann kamen das Aussuchen der Schmuckurne, Karten, Musik, Redner in der Folgewoche. Um den Grabstein habe ich mich auch gekümmert, damit alles fertig ist für sie.

Der Redner hat uns vorher besucht und ist mit uns alles durchgegangen.

Die Beerdigung findet dann zu dem vereinbarten Termin statt und läuft so ab, wie du es für den Verstorbenen arrangiert hast. Wichtig ist, dass du jemanden bei dir hast, der dir auch zur Seite steht.

VG

Antwort
von AbuAziz, 27

Am besten wäre, wenn du dir die Zeit nehmen würdest und an den entsprechenden Beerdigungen einmal teilnehmen könntest. Alles ist öffentlich. Es gibt keine geheimen Aktivitäten.

Muslime sollen so schnell wie möglich beerdigt werden. Leider können Muslime hier in Deutschland noch nicht für immer(auf ewig) in einem Grab liegen, deshalb werden fast alle Muslime in ihre "Heimatländer" gebracht und dort beerdigt.

Ein Muslim wird für die Beerdigung vorbereitet. Dabei wird auch eine rituelle Reinigung(Waschung durchgeführt. Anschließend findet das Totengebet statt und die Leiche wird auf den Friedhof gebracht und dort ein einem Grab beerdigt. Dazu gibt es die verschiedensten Regeln. Deshalb mein Hinweis auf dieses PDF-Dokument. Hier wird es sehr detailliert beschreiben.
www.way-to-allah.com/dokument/Bestattungsregeln_im_Islam.pdf

Islamische Friedhöfe oder Gräberfelder findest du in Deutschland:
http://www.eslam.de/begriffe/i/islamische_graeberfelder_in_deutschland.htm
und frag einfach in deiner Stadt nach. vielleicht kannst du ja mal an so einer Beerdigung dabeisein.

Kommentar von hanncha22 ,

Ich kann mir schwer vorstellen dass jemand einen Fremden auf der Beerdigung eines Angehörigen haben möchte!

Wie meinst du sie könnten nicht "auf ewig" im Grab liegen?

Kommentar von AbuAziz ,

Fremde auf einer Beerdigung werde oft nicht bemerkt, Jeder ist mit seinem Kummer beschäftigt.

Auf ewig, bedeutet, dass das Grab bis zum Tage der Auferstehung bestehen bleibt und nicht ausgeräumt wird. In Deutschland ist es meist so, dass nach 20, 25 Jahren das Grab ausgeräumt wird, die Knochen/Überreste "entsorgt" und das Grab kann wieder für jemanden benutzt werden. Bei den Juden und bei den Muslimen gibt es diese zeitliche Beschränkung nicht. Deshalb findet man ja auch jüdische Friedhöfe in Deutschland bei dennen die Toten schon seit Jahrhunderten liegen. Das gibt es sonst nur bei sehr Prominetnen Toten.

Antwort
von Eselspur, 27

Ich kann dir etwas über Beerdigungen im katholischen Ritus schildern:

Begrüßung in der Beerdigungshalle, Musik, Gebete, Schriftwort, Ansprache; danach geht man zum Grab, dort kurze Gebete, dann wird der Sarg oder die Urne in das Grab gelegt bzw. in die Begräbnisnische gelegt.

Wenn der Leichnam nachher eingeäschert wird, geht ein Vorhang zu, bzw. man geleitet den Sarg zum Auto, das die sterblichen Überreste zum Krematorium bringt. 

Antwort
von depressed0815, 55

Bei Muslimen ist das so dass die Familie sich in der Moshee versammelt und gebete spricht. Am ende wird nochmal in der Moshee was gegessen miteinander und gebeten das geht so 2-3 stunden ich kenn das nur weil ich paar mal auf so ner beerdigung war

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