Wie lange dauerte in der Römischen Republik ein durchschnittliches Dankfest?

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2 Antworten

Bei einer supplicatio wird zwischen einem Bitt- bzw. Sühnfest und einem Dankfest unterschieden. Die Dauer der Dankfeste, die Gaius Iulius Caesar bekam, waren damals gleichsam Rekorde, die über bisherige Höchstwerte hinausgingen.

Die Dankfeste für Caesars Erfolge und Siege im Gallischen Krieg hatten tatsächlich eine außerordentlich lange Dauer. Sie übertrafen damals deutlich die bisher längste Dauer eines Dankfestes zu Ehren eines römischen Feldherrn.

57 v. Chr. wurde ein Dankfest von 15 Tagen beschlossen (Marcus Tullius Cicero, De provinciis consularibus 26; Gaius Iulius Caesar, Commentarii de Bello Gallico 2, 35, 4; Plutarch, Caesar 21, 1; Cassius Dio 39, 5, 1).

55 v. Chr. wurde ein Dankfest von 20 Tagen beschlossen (Marcus Tullius Cicero, De provinciis consularibus 25 – 27; Gaius Iulius Caesar, Commentarii de Bello Gallico 4, 48; Plutarch, Caesar 22, 4; Cassius Dio 39, 53, 2).

52 v. Chr. wurde ein Dankfest von 20 Tagen beschlossen (Gaius Iulius Caesar, Commentarii de Bello Gallico 7, 90; Cassius Dio 40, 50, 4 [gibt fehlerhaft 60 Tage an]).

Bis dahin hatte Gnaeus Pompeius die höchste Dauer mit Dankfesten von 10 bzw. 12 Tagen. Für Pompeius wurde 63 v. Chr. aufgrund des Todes von König Mithridates/Mithradates VI. von Pontos und der siegreichen Beendigung des 3. Mithridatischen Krieges (74 – 63 v. Chr.) ein Dankfest von 10 Tagen beschlossen (auf Vorschlag von Marcus Tullius Cicero) und 62 v. Chr. für die zu Ende geführten Land- und Seekämpfe ein weiteres Dankfest von 12 Tagen (Marcus Tullius Cicero, De provinciis consularibus 26 – 27; wenn die Lesart duodecim in den Handschriften von Marcus Tullius Cicero, De provinciis consularibus 27 richtig ist; manche haben die Lesart duodecim für einen Fehler gehalten und decem angenommen, weil eine angegebene Verdoppelung eine vorherige höchste Dauer von 6 Tagen bedeuten könnte und eine Dauer von 6 Tagen nicht belegt ist, sondern nur eine Dauer von 5 Tagen, außerdem wird teilweise gedacht, es sei nur ein einziges Dankfest gemeint, nicht zwei; eine zwölftägige Dauer wird angegeben bei Karl Christ, Pompeius : der Feldherr Roms ; eine Biographie. München : Beck, 2004 S. 98 und Matthias Gelzer, Pompeius : Lebensbild eines Römers. Neudruck der Ausgabe von 1984, mit einem Forschungsüberblick und einer Ergänzungsbibliographie von Elisabeth Herrmann-Otto. Stuttgart : Steiner, 2005, S. 112).

durchschnittliche Dauer

Die durchschnttliche Dauer eines Dankfestes in der römischen Republik ist nicht ganz einfach anzugeben. Es kommt darauf an, welcher zeitliche Bezug gewählt wird. Ursprünglich hat ein Dankfest wahrscheinlich nur 1 Tag gedauert. Die meiste Zeit war eine Dauer von 3 Tagen am ehesten ein durchschnittlicher Wert. Die Dauer war aufgrund von Ehrgeiz bald gewöhnlich mehr als 1 Tag, betrug also zumindest 2 Tage. Eine Dauer von 3 Tagen war eine häufige, seltener eine Dauer von 4 Tagen. Eine Dauer von 5 Tagen ist lange, Zeit, bis in das 1. Jahrhundert v. Chr. hinein der höchste Wert gewesen. Nach den Aussagen von Marcus Tullius Cicero, De provinciis consularibus 25 – 27 ist anzunehmen, für Gaius Marius sei nach dem Sieg über die Kimbren und Teutonen 101 v. Chr. ein Dankfest von 5 Tagen Dauer beschlossen worden. Dankfeste von 5 Tagen hatte es schon vorher bei herausragenden Siegen in Kriegen mit großer Bedeutung gegeben.

Mit der starken Steigerung der Dauer für Pompeius begann eine Phase, in der sich die Dauer deutlich erhöhte. Darin zeigt sich ein starkes Prestigedenken in einem von Konkurrenz unter einigen Spitzenleuten geprägten Wettbewerb.

Marcus Porcius Cato stimmte 50 v. Chr. daür, seinem Schwiegersohn Marcus Calpurnius Bibulus ein Dankfest von 20 Tagen zu bewilligen, als noch vor dessen Ankunft als Statthalter von Syrien dort Gaius Cassius Longinus einige Erfolge in der Abwehr der Parther hatte (Marcus Tullius Cicero, Epistulae ad Atticum 7, 2, 7). Die Sache hat wohl eine Spitze gegen Caesar, dem Bibulus als gleichwertig entgegengestellt werden soll.

Nach dem Sieg in der Schlacht bei Thapsos/Thapsus (in Afrika) von 46 v. Chr. wurde für Gaius Iulius Caesar ein Dankfest von 40 Tagen beschlossen (Cassius Dio 43, 14, 4).

Nach dem Sieg in der Schlacht von Munda (in Hispania) 45 v. Chr. wurde für Gaius Iulius Caesar ein Dankfest von 50 Tagen beschlossen (Cassius Dio 43, 42, 2).

Für einen Erfolg der Konsuln Aulus Hirtius und Gaius Vibius Pansa (beide starben im Kampf bzw. an im Kampf erlitenen schweren Verletzungen) und des zum Propraetor erklärten Octavian in der Schlacht bei Mutina 43 v. Chr. gegen Marcus Antonius hat der Senat auf Vorschlag Ciceros ein Dankfest von 50 Tagen beschlossen (Marcus Tullius Cicero, Orationes Philippicae 14, 29, 14, 37).

einige Angaben für einen Zeitraum ohne solche Steigerungen

Gaius Claudius Nero und Marcus Livius Salinator, Schlacht am Metaurus 207 v. Chr. gegen ein karthagisches Heer unter Hasdrubal, Dankfest 3 Tage (Livius 27, 51, 8)

Publius Cornelius Scipio, Sieg gegen den mit Karthago verbündeten Numiderkönig Syphax 203 v. Chr., Dankfest 4 Tage (Livius 30, 17, 3)

Hannibal und sein Bruder Mago verlassen Italien 203 v. Chr., Dankfest 5 Tage (Livius 30, 21, 10)

Publius Cornelius Scipio, Schlacht bei Zama 202 v. Chr. gegen ein karthagisches Heer unter Hannibal, 3 Tage Dankfest (Livius 30, 40, 4)

Lucius Furius Purpureo, 200 v. Chr. Sieg gegen Gallier in Oberiatlien (Gallia cisalpina), Dankfest 3 Tage (Livius 31, 22, 2)

Caius Cornelius Cethegus und Quintus Minucius Rufus, 197 v. Chr. Erfolge gegen gallische Stämme in Oberitalien (Gallia cisalpina), Dankfest 4 Tage (Livius 32, 31, 6)

Titus Quinctius Flamininus, Schlacht von Kynoskephala 197 v. Chr. gegen König Philipp V. von Makedonien, Dankfest 5 Tage (Livius 33, 24, 4)

Lucius Furius Purpureo und Marcus Claudius Marcellus, 196 v. Chr. Siege gegen Boier, Insubrer, Comenser und Ligurer in Oberitalien (Gallia cisalpina), Dankfest 3 Tage (Livius 33, 37, 9)

Titus Quinctius Flamininus, Sieg über die Lakedaimonier unter König Nabis 195 v. Chr., 3 Tage Dankfest (Livius 34, 42, 1)

Marcus Porcius Cato, Siege in Hispania, 3 Tage Dankfest (Livius 34, 42, 1)

Gaius Livius Salinator, Seeschlacht bei Korykos 191 v. Chr. gegen eine Flotte von König Antiochos III., Herrscher des Seleukidenreiches, nach Polybios 21, 2, 1- 2 Dankfest von 9 Tagen (angebliche Dauer vom Brauch abweichend, möglicherweise etwas falsch verstanden)

Manlius Acilius Glabrio, Krieg gegen Antiochos 190 v. Chr., Dankfest 3 Tage (Livius 36, 21, 4 -11)

Lucius Aemilius Regillus, Seeschlacht bei Myonessos 190 v. Chr., Dankfest 1 Tag (Livius 37, 47, 4)

Lucius Cornelius Scipio, Schlacht bei Magnesia 190/189 v. Chr., 3 Tage Dankfest (Livius 37, 52, 2)

Gaius Calpurnius Piso und Lucius Quinctius Crispinus, Erfolge 184 v. Chr. in Hispania, Dankfest 2 Tage (Livius 39, 38, 6)

Lucius Aemilius Paullus, Sieg in Ligurien 181 v. Chr., Dankfest 3 Tage (Livius 40, 28, 9)

Gaius Claudius Pulcher, Siege in Ligurien und Istrien 177 v. Chr., Dankfest 2 Tage (Livius 41, 12, 4)

Tiberius Sempronius Garcchus, Sieg in Sardinien 175 v. Chr., Dankfest 2 Tage (Livius 41, 17, 4)

Marcus Aemilius Lepidus und Publius Mucius Scaevola, Sieg über Ligurer 175 v. Chr. , Dankfest 3 Tage (Livius 41, 19, 2)

Lucius Aemilius Paullus, Schlacht bei Pydna 167 v. Chr. gegen König Perseus von Makedonien, Dankfest 5 Tage (Livius 45, 2, 8)

Lucius Anicius Gallus, Sieg in Illyrien 167 v. Chr., Dankfest 3 Tage (Livius 45, 3, 2)

Marcus Tullius Cicero, De provinciis consularibus (Über die konsularischen Provinzen) 25

Marcus Tullius Cicero, Die politischen Reden : lateinisch – deutsch. Herausgegeben, übersetzt und erläutert von Manfred Fuhrmann. Band 2. München : Artemis & Winkler, 1993 (Sammlung Tusculum), S. 477:  

„Daß ich in politischen Fragen anders dachte als C. Caesar und ebenso dachte wie ihr, bestreite ich nicht – doch auch jetzt stimme ich mit euch ebenso überein wie bisher. Denn ihr, an die ein L. Piso keinerlei Bericht über seine Amtsführung zu senden wagt, die ihr den Bericht des Gabinius auf unmißverständliche Weise gerügt und zu seiner beispiellosen Beschämung zurückgewiesen habt, ihr habt ja auch dem C. Caesar ein Dankfest bewilligt, so lang wie auf Grund eines einzigen Krieges noch niemanden, so ehrenvoll wie noch niemanden überhaupt.“

Marcus Tullius Cicero, De provinciis consularibus (Über die konsularischen Provinzen) 26 - 27

Marcus Tullius Cicero, Die politischen Reden : lateinisch – deutsch. Herausgegeben, übersetzt und erläutert von Manfred Fuhrmann. Band 2. München : Artemis & Winkler, 1993 (Sammlung Tusculum), S. 477/479:  

„Ich habe mich doch schon oft mit Dingen einverstanden erklärt, die mehr auf eine Würdigung der Person Caears abzielten, als daß sie politischen Notwendigkeiten gehorcht hätten. Ich habe für ein Dankfest von fünfzehn Tagen gestimmt. Aus politischen Rücksichten hätte die Zahl der Tage gereicht, die C. Marius erhalten hat; für die unsterblichen Götter war der Dank nicht zu gering, den sie nach den schwersten Kriegen erhalten hatten. Folglich hat dieses Mehr an Tagen die Würdigung der Person bezweckt.

Ich habe, als ich Konsul war, für Pompeius die Bewilligung des ersten zehntägigen Dankfestes betrieben (Mithridates war tot und der mithridatische Krieg beendet) und durch meinen Vorschlag zum ersten Male die einem ehemaligen Konsul zugestandenen Festtage verdoppelt; ihr aber habt euch mir angeschlossen, habt nach der Verlesung des Berichts, den Pompeius erstattet hatte (nunmehr sämtliche See- und Landkriege beendet), ein Dankfest von zehn Tagen bewilligt – da konnte ich nicht umhin, die Vornehmheit und Großzügigkeit des Cn. Pompeius zu bewurdern, daß er, der selber alle übrigen in jeder Art von Ehrung hatte überbieten durfte, einem anderen die größere Ehrung zubillligte, als ihm selbst zuteil geworden war. Kurz und gut, bei dem Dankfest, dem ich zugestimmt habe, war die Idee nicht den unsterblichen Göttern, dem Brauch der Vorfahren und dem Staatswohl zugedacht; der feierliche Wortlaut indes und die ebenso ehrenvolle wie neuartige Anzahl von Tagen gilt dem Lob und Ruhm Caesars.“

Literatur

F. S. Naiden, Ancient supplication. Oxford ; New York : Oxford University Press, 2006. ISBN 978-0-19-518341-2

Anne Viola Seibert, Supplicatio. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 11: Sam -Tal. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2001, Spalte 1116

„Als Dankfest wurde eine s. z. B. nach Beendigung einer äußeren Gefahr gefeiert (z. B. siegreiche Kriegsrückkehr; Liv. 37, 47; Aufdeckung einer Verschwörung: Cic. Cat. 3, 15) und die damit verbundene Ehrung demjenigen zugesprochen, dem das Verdienst am Erfolg zukam (Cic. Phil. 1, 12). Die Dauer der s. ergab sich aus der Wichtigkeit des Anlasses.“

s. = supplicatio  

Liv. = Livius  

Cic. Cat. = Marcus Tullius Cicero, Orationes in Catilinam  

Cic. Phil. = Marcus Tullius Cicero, Orationes Philippicae

Georg Wissowa, Supplicationes. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft : RE IV A 1. Stoa bis Symposion. Stuttgart : Metzlersche Buchhandlung, 1931, Spalte 942 - 951

Spalte 947: „Anders lag es bei der Dank—S. für Siege über die äußeren Feinde des römischen Volkes, wo schon bald der Ehrgeiz der siegreichen Feldherren, deren Name regelmäßig in der Gratulationsformel genannt wurde (der ständige Ausdruck ist nomine illius supplicatio in senatu decreta est, z. B. Liv. XXXIV 42, 1. Cic. Phil. XIV 29. ad fam. XI 98, 3), großen Einfluß gewann und die Anzahl der Tage der S. nach außen hin als Maßstab für die Größe des errungenen Erfolgs galt. Eintägige und zweitägige S. dieser Art bilden, wenigstens in der Zeit nach dem punischen Kriege, die Ausnahme, die Dreitägigkeit kann im allgemeinen als Regel gelten, aber auch vier- (Liv. Vi 23, 3. X 45, 1. XXX 17, 3) und fünftägige S. (Liv. XXX 21, 10. XXXIII 24, 4. XLV 2, 1) haben nichts Auffallendes. In der Zeit des Übergangs von der Republik zur Monarchie verliert man in der Steigerung der Dauer dieser S. alles Maß. Zu Ehren des Cn. Pompeius wurde für die Beendigug des mithridatischen Krieges i. J. 611 = 63 zum ersten Male eine zehntägige S. beschlossen (Cic. de prov. cons. 26), für Caesars Siege in Gallien (Cic. a. o. 25 C. Caesar supplicationes decrevistis numero ut emini uno ex bello, honore ut omnino nemini; vgl. Sueton. Caes. 24, 39 solche von 15 (Caes. bell. gall. II 25, 49 und 20 Tagen (Caes. bell. gall. IV 38, 5. VII 90, 8) für die Sieger im mutinenischen Kriege sogar solche von 50 Tagen (Cic. Phil. XIV 29. 37; vgl. Appian. bell. civ. III 74; Cass. Dio XLVI 39, 3).“

S. = Supplicatio/Supplicationes  

Liv. = Livius  

Cic. Phil. = Marcus Tullius Cicero, Orationes Philippicae  

ad fam. = Marcus Tullius Cicero, Epistulae ad familiares  

Cic. de prov. cons. = Marcus Tullius Cicero, De provinciis consularibus  

Cic. a. o. = Cicero, aufgeführter Ort   

Sueton. Caes. = Gaius Suetonius Tranquillus (Sueton), Divus Iulius (Caesar)  

Caes. bell. gall. = Gaius Iulius Caesar, Commentarii de Bello Gallico  

vgl. Appian. bell. civ. = vergleiche Appianos/Appianus (Appian), Emphylia [Ἐμφύλια; Bürgerkriege; lateinischer Titel: Bella civilia)  

Cass. Dio = Cassius Dio

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Kommentar von rosepetals
25.10.2016, 17:04

Guten Abend, Albrecht. Sie haben mir in der letzten Zeit bei vielen Fragen bezüglich Caesar weitergeholfen, ich kann Ihnen nur danken.

Ich hoffe Sie lesen diese Antwort, denn ich beende gerade meine Seminararbeit und hege Unsicherheit bezüglich einer Thematik.

Zu Ende fasse ich in groben Zügen die unterschiedlichen Ansichten der Bürger und der Senatoren über Caesar zusammen. Während den Senatoren ihr Freiraum in der Politik genommen wurde, erfuhr das Volk keinen Unterschied, zwischen der "Republik" (Oligarchie) der Senatoren und dem Monarchen Caesar, der sogar auf das Volk einging, etc.

Ich darf in dieser Arbeit nicht in die Zukunft greifen, würde jedoch erwähnen, dass dieser Widerspruch Folgen auf das römische Reich hatte und darauf, wie es sich in den Jahren nach Caesars Tod entwickelte.

Ist dies inhaltlich korrekt?

Caesars Leben kann ich rezitieren, aber bei allen Dingen, die über seinen Tod hinausgehen, bin ich noch nicht sehr gebildet

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Pompeius erhielt für seine Erfolge ein Dankfest von 10 Tagen - auch das war außergewöhnlich. In der Regel dauerten solche Feste längstens zwei bis vier Tage.

MfG

Arnold

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