Frage von euronews,

Wie lange darf jemand in der Psychiatrie fixiert werden?

Hallo,

mein Bruder (psychotisch) ist bereits seit 12 Tagen in der Psychiatrie und durchgängig an einem Bett mit Gurten fixiert. Zusätzlich wird er auch medikamentös sediert. Er wurde per Gerichtsbeschluss zwangseingewiesen, was auch in unserem Sinne war, weil eine Selbst-und Fremdgefährdung vorlag. Die vorläufige, weitere Unterbringung soll sich laut seinem gesetzlichen Betreuer auf weitere 4 Wochen belaufen. Damit wäre dann Zeit gewonnen, um für ihn eine adäquade Behandlungsmaßnahme zu finden. Auch das befürworten wir als Angehörige. Laut Psychiatrie behalten sie meinen Bruder aber nur fixiert da. Mit der Begründung, dass er vor 10 Jahren das Personal dort bedroht hat und damals die Polizei gerufen wurde. Man traut ihm deshalb nicht mehr. Ist das möglich???? Kann man tatsächlich einen Menschen 6 Wochen lang prophylaktisch ans Bett fesseln?? Mittlerweile ist er einsichtig und hat auch wieder einen Bezug zur Realität; ist eher depressiv und weint viel...Schon allein die medikamentöse Sedierung legt ihn völlig lahm. Weiß jemand etwas darüber wie lange man jemanden fixieren darf?

Danke schon mal...

Hilfreichste Antwort von Vernon,

Hallo, Eine Fixierung muss zuerst grundsätzlich richterlich genemigt werden. Meist wird sie mit der Unterbringung beantragt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Dein Bruder 6 Wochen lang fixiert wird, in der Genehmigung steht auch "längstens" und nur wenn es notwendig ist. Sobald die Psychose abgeklungen ist, das heist, sobald eine Bündnisfähigkeit hergestellt werden kann, braucht man die Fixiereung nicht mehr. Bei uns (arbeite seit 25 Jahren auf Stationen mit Psychotikern) muss eine Fixierung täglich überprüft werden, vom Arzt bei Notwendikeit ausdrücklich wieder verlängert werden usw. Fixierungen über den Zeitraum von 1 bis 2 Tagen hinaus sind in der heutigen Zeit bei modernen Medikamenten (Antipsychotika) eine Rarität. Insgesamt glaube ich, dass höchsten 2 - 3 % der Psychotiker während eines Aufenthaltes einmal fixiert werden müssen. Die meisten sind sowieso freiwillig da und dürften dann gar nicht fixiert werden. Prinzipiell aber können mit einmaligem richterlichen Beschluss Fixierungen (freiheitsentziehende Maßnahmen) bis zu 2 Jahren genehmigt werden (z.B. in Altenheimen nachts, oder Bettgittter hochziehen, Zimmertür absperren usw.)

Antwort von Virginia47,
5 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

So lange es notwendig ist.

Das dient nur zur eigenen Sicherheit. Und in diesem Fall auch zur Sicherheit des Personals.

Dafür gibt es Spezialisten, die das einschätzen müssen, ob eine Fixierung angeraten ist oder nicht. Und so lange eingeschätzt wird, dass der Patient eine Gefahr für sich selber und/oder andere ist, muss er eben fixiert werden.

Sicher tut Dir das leid, weil es Dein Bruder ist. Aber glaub mir, dass ihn damit geholfen wird. Und nur so kann er dann wieder in normales Leben zurückfinden. Dazu ist aber immer eine tagaktuelle Entscheidung nötig. Das kann man im Voraus nicht sagen, wie lange das dauern wird.

Wenn man das an eine starre Zeit binden würde, könnte man ihm eher schaden als nützen.

Antwort von snugata,
2 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

ich bin völlig deiner meinung - die sedierung ist ausreichend! zumindest für einen versuch.

wenn er abends vielleicht noch angegurtet werden würde - gut..

aber diese begründung ist ein armutszeugnis für das qualifizierte fachpersonal. wollen die sich jetzt an ihm rächen?!

die fixierung ist eigentlich zum schutze des patienten, der mitpatienten und des personals. doch da gibt es ganz sicher auch andere möglichkeiten - niemals 12 tage ohne aussicht auf "befreiung"!

wende dich an die krankenhausleitung.

lg :)

Antwort von apfelkiste,
2 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich
Kommentar von snugata,

nicht nur der betreuer, sondern auch die klinik hat sich hier strafbar gemacht - unglaublich!

Antwort von noname432,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Ist das möglich???? Kann man tatsächlich einen Menschen 6 Wochen lang prophylaktisch ans Bett fesseln??

Ja ist es, und wird auch gemacht! Wenn das Personal dann ruhe hat, auf jeden fall!

Kommentar von noname432,

Unsere Psychiatrie ist lange nicht so Modern, wie sie scheint!

Antwort von Mucker,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

" mein Bruder (psychotisch) ist bereits seit 12 Tagen in der Psychiatrie und durchgängig an einem Bett mit Gurten fixiert. Zusätzlich wird er auch medikamentös sediert. Er wurde per Gerichtsbeschluss zwangseingewiesen, was " auch in unserem Sinne war, weil eine Selbst-und Fremdgefährdung vorlag.war, weil eine Selbst-und Fremdgefährdung vorlag. "

Wenn der Patient eine Gefahr für sich selber und/oder andere darstellt, muss er fixiert werden.

Das dient seiner eigenen Sicherheit und der der anderen.

Da er mittlerweile aber einsichtig ist - und auch wieder einen Bezug zur Realität hat - ist die Frage, ob eine weitere Fixierung noch notwendig ist oder nicht - zumal die medikamentöse Sedierung doch ausreichend sein dürfte.

Sprich mal mit deinem Hausarzt und mit den behandelnden Ärzten und Psychologen darüber - und lass dich ggfs. durch einen RA rechtlich beraten - ob und was man da machen kann.

Alles Gute!

Antwort von harmonieee,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Wenn ein Gerichtlicher Beschluss vorliegt, solange wie nötig. Aber normal wird man nicht so lange fixiert. Schon rein wegen der Hygiene und auch Vom Kreislauf her. Ich würde da echt noch mal nachtragen, weil gesund ist das auch nicht

Antwort von bountyeis,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Hallo, wenn dein Bruder wieder einsichtig ist - komm mit einem Anwalt wieder. Eine so lange Fixierung geht garnicht.

liebe Grüße

Antwort von karlklavier,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Zur Länge gibt es keine Regelungen. Es darf in Detuschland nicht fixiert werden (gegen denWillen des Betroffenen) ohne richterliche Anordnung, sonst gilt es als Freiheitsberaubung.

Prophylaktisch geht nur, wenn es akut notwendig ist und es sofort richterlich bestätigt wird. Oder eben, wenn er selbst eingewilligt haben sollte. Der gesetzliche Betreuer darf das aber nicht alleine für ihn entscheiden, er braucht wiederum einen Gerichtsbeschluss.

Mein Rat: Das Gespräch suchen und nachfragen, warum genau diese Maßnahme angeordnet wurde und begründen lassen. Ggf. nach dem richterlichen Beschluss fragen. Meiner Erfahrung nach ist gemeinsam mit dem Personal besser eine Lösung zu erreichen als gegen das Personal.

Im Hintergrund stehen oft zwei Faktoren: zu wenig (gut ausgebildetes) Personal und die Angst vor Prozessen, wenn es doch mal zu tätlichen Übergriffen kommt.

Antwort von kaesefuss,

Einem Menschen kann man nicht in den Kopf schauen. Man kann sich nur vor einem Menschen schützen durch Maßnahmen. In diesem Fall spielt ein Gesetz keine Rolle.

Kommentar von karlklavier,

Sorry, aber das ist definitiv falsch ... bitte erkundigen, bevor du so etwas schreibst!

Kommentar von kaesefuss,

Ich weiß es nur, weil ich es mit bekommen habe wie sich Personal schützen muss, wenn gar nichts mehr geht. Demenz ist eine böse Sache wenn gar nichts mehr geht.

Kommentar von snugata,

im akuten fall - der liegt aber bei einer gelungenen und dauerhaften sedierung nicht vor

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