Frage von anonym140503, 42

Wie läuft eine haartransplantation ab und wie lange dauert es bis die haare wieder ca. 15-20 cm länge haben und wie lange bist sie schulterlang sind?

Antwort
von maranemo, 23

Hallo,

ich erzähle dir einfach mal von meiner Haartransplantation

Dies ist ein Auszug von meinem Internetblog (myhairtransplant), den ich darüber auch schreibe:

Mein Termin war für 8:00 Uhr angesetzt. Es wurde mit einer Besprechung begonnen und es immer jemand anwesend, der auf Deutsch übersetzt. (Hatte meine OP in Istanbul in der Türkei)
Zuerst wurden die Blutwerte betrachtet, speziell drei Werte die für das Anwachsen der Grafts eine Rolle spielen. Leider habe ich vergessen eine Kopie zu machen, daher kann ich jetzt gar nicht mehr sagen welche drei Werte gekennzeichnet wurden. Eine weitere Kontrolle sind Krankheiten wie Hepatitis B, Hepatitis C, Syphilis und HIV.
Ich glaube bei einem positiven Hepatitis-Ergebnis könnte man trotzdem operieren, dies wäre aber mit Zusatzkosten verbunden, da der Mikromotor nur für diese eine Behandlung genutzt werden darf. Bei den anderen beiden darf nicht operiert werden.
Bei mir war jedenfalls alles ok. Es wurden noch Allergien, bereits erfolgte Operationen, Haartransplantationen und Medikamente die man regelmässig einnimmt besprochen. Danach hat Dr. Balwi sich das Haarbild genau angeschaut und auch nach Haarausfall in der Familie gefragt. Wie sich dieser bei denen entwickelt hat und wie es heute aussieht.
Dies spielt eine Rolle für die Zeichnung der Haarlinien, da er sehr großen Wert auf ein gutes Ergebnis legt. Er sagte das mein Haarausfall noch nicht abgeschlossen ist und sich speziell am Hinterkopf noch ausbreiten wird. 
Nach der erfolgten ausführlichen Besprechung die gute 30-45 Minute dauerte, ging es zum anzeichnen der Haarlinien. Hierfür musste ich die Augenbrauen hochziehen, damit die Muskulatur der Stirn zum Vorschein kommt. Diese Muskeln geben vor, bis zu welcher Stelle maximal transplantiert werden kann oder besser gesagt sollte. Nach dem Anzeichnen der Haarlinie wird man nach seiner eigenen Meinung gefragt, ob man damit zufrieden ist. Änderungen können dann noch erfolgen. Ich hätte die Linie an den Seiten gerne noch weiter nach vorne gesetzt, aber er meinte, dass es dann nicht mehr natürlich aussehen würde. Die Erklärung dazu klang absolut plausibel, also beließen wir es bei der angezeichneten Linie.
Der nächste Gang führte uns ins Rasierzimmer. Hier werden alle Haare abrasiert. Für mich war das vor dem Eingriff der Punkt, vor dem ich am meisten Angst hatte. Nicht wegen der Schmerzen, sondern mit einer Glatze rumlaufen zu müssen. Heute kann ich sagen, dass es bei den meisten die ich gesehen habe gar nicht schlimm ausgesehen hat und auch bei mir konnte ich mich relativ schnell damit anfreunden.
Vor dem Anzeichnen der Haarlinie und der Rasur musste ich noch meinen Oberkörper entkleiden, da man einen Umhang bekommt, den man anziehen soll. Daher ist es sehr wichtig, die richtige Kleidung mitzuführen, da man das T-Shirt nach der OP wieder anziehen muss, ohne die Haare zu berühren. Ich hatte ein Polo-Shirt an. Denkt bitte auf jeden Fall an geeignete Kleidung, die ihr bedenkenlos an- und ausziehen könnt, ohne den Kopf zu berühren.
Bis jetzt war schon über eine gute Stunde an Zeit vergangen und es ging in den OP. Die Liegen sind bequem und elektronisch verstellbar. Dies scheint in der Türkei wohl nicht selbstverständlich zu sein. Die komplette Ausstattung war sehr hochwertig.
Im OP legte ich mich zuerst auf den Rücken, bekam eine Kanüle in den Arm, über die eine Infusion lief und später auch Blut entnommen werden konnte für die PRP-Behandlung.
Dann folgten die gefürchteten Spritzen. Normalerweise beginnt man mit der Entnahme der Grafts im ersten Schritt und öffnet im zweiten Schritt die Kanäle. Mein Haarbild hat es aber hergegeben, dass zuerst die Kanäle geöffnet wurden und erst im zweiten Schritt die Grafts entnommen wurden.
Demanch gingen die ersten Betäubungsspritzen in den Vorderkopfbereich. Diese empfand ich gar nicht so schlimm. Angenehm ist natürlich was anderes, aber absolut gut auszuhalten. Es tut auch nicht die Spritze an sich weh, sondern das Betäubungsmittel, welches den Schmerz bereitet. Es wurden glaube ich um die 15 Spritzen gesetzt und danach wurde 5 Minuten gewartet, bis die Wirkung vollständig da ist. Jetzt konnte eine Assistentin die Kanäle öffnen. Ich habe mir sagen lassen, dass jeder Mitarbeiter im Team auf einen bestimmten Arbeitsschritt spezialisiert ist, um die besten Ergebnisse zu erzielen. Diese Dame macht also wirklich nichts anderes als die Kanäle zu öffnen und weiß ganz genau was sie da tut. Das Zeitgefühl habe ich völlig verloren. Glaube eine bis eineinhalb Stunden dauerte das öffnen der Kanäle. Aber die gingen wirklich gut vorbei. Das Betäubungsmittel macht etwas müde und so döst man wohl ein wenig vor sich hin. Schmerzen hatte ich dabei absolut keine verspürt.
Erster Schritt abgeschlossen, so folgte der zweite. Ich musste mich auf den Bauch legen, da jetzt die Grafts entnommen werden sollten. Aber zuerst standen mal wieder die Spritzen auf dem Programm. Im Hinterkopfbereich war es wirklich unangenehm und nicht wie im Vorderkopfbereich. Die ein oder andere Stelle hat schon ganz schön gezogen. Aber das musste ich nur 2-3 Minuten aushalten, dann war es ok. Der jeweilige Schmerz dauerte auch nur ein paar Sekunden. Aber die Vielzahl macht es aus. Es ist aber auch nicht so, dass man Angst haben muss. Es ist unangenehm ja, aber auch auszuhalten.
Nachdem die Wirkung eingesetzt hat, machte sich Dr. Balwi ans Werk und entnahm die ersten Grafts. Diesen Schritt führt er immer selbst durch, weil er die Qualität beurteilen muss und auch den Mikromotor auf die richtige Größe einstellen muss. Nach einer gewissen Zeit, wenn die Qualität sichergestellt ist, übergibt Dr. Balwi wieder an eine Assistentin oder Assistenten. Das weiß ich ehrlich gesagt schon gar nicht mehr, weil ich in dieser Phase total weggedöst war. Ich wurde irgendwann wieder mit einem "Good Morning Mister"geweckt. Da war die Prozedur auch schon überstanden. Schmerzen auch hier absolut keine. Sonst könnte man vermutlich auch nicht einschlafen.
Mein Kopf wurde jetzt etwas eingepackt, mit Kühlakkus versehen und dann durfte ich aufstehen und es stand ein Mittagessen für mich bereit. Etwas schläfrig habe ich alles aufgegessen und danach ging es zum letzten der drei Schritte, dem Einsetzen der Grafts. Dies erfolgte wieder sitzend - liegend und die Betäubung hatte immer noch nicht in ihrer Wirkung nachgelassen. Also war auch dieser Schritt absolut Schmerzfrei und wurde beidseitig zur gleichen Zeit durchgeführt. Egal in welcher der drei Phasen, wenn man etwas gespürt hat, musste man es nur sagen und es wurde nachgespritzt. Über die Tage die ich vor Ort war, habe ich 4 andere deutsche im Hotel oder in der Klinik kennengelernt. Einer wurde schon Montags operiert, zwei mit mir am Dienstag und einer folgte am Mittwoch. Bei denen lief es wie bei mir, zwei beklagten sich aber über Schmerzen beim Einsetzen der Grafts. Ich habe dabei keinerlei Schmerz gefühlt.
Nach insgesamt 7,5 Stunden war ich gegen 17:20 Uhr erlöst und überglücklich, alles hinter mich gebracht zu haben.
Man muss allerdings noch etwas warten und bekommt die Medikamente erklärt und auf Dinge aufmerksam gemacht, die man unbedingt beachten soll. Dies steht aber auch alles nochmals auf ein paar Seiten beschrieben. Diese erhält man mit den Medikamenten und den Pflegemitteln mit.
Nach 20-30 Minuten ging es dann noch einmal an das Waschbecken. Die behandelten Stellen wurden mit heißen Tüchern belegt, dies soll die Blutung endgültig stillen. Dauerte auch ca. 10 Minuten und danach durfte ich gehen. Bevor ich gegangen bin, wollte Dr. Balwi aber nochmals kontrollieren und hat das Ergebnis als gut beurteilt. Bis auf ein paar Schwellungen, die aber völlig normal sind, alles ok.
Man soll sich nach der OP etwas ausruhen. Empfohlen werden 3-4 Stunden, da es aber schon spät war und ich auch noch essen gehen wollte, habe ich mich nur eine Stunde hingelegt und etwas geschlafen. Durch die Betäubungen hatte ich richtig kalt.
Während der OP bekommt man eine Decke, aber auch im Hotelzimmer hatte ich richtig gefroren. Da ich keine Jacke dabei hatte, sondern nur einen Pullover den ich nicht über den Kopf ziehen wollte, habe ich zum Bademantel gegriffen und bin zum essen gegangen. Ab einem bestimmten Punkt ist die Hemmschwelle überschritten und man hat nichts mehr zu verlieren. ;-)
Aber es macht auf mich den Eindruck, dass alle Leute in der Umgebung die für uns ungewohnten Bilder kennen. Man erweckt keinerlei aufsehen. Es gibt zwar viele Restaurants in der Umgebung, aber ich habe der Einfachheit im Hotel gegessen.
Nach dem Essen war mir auch nicht mehr kalt und ich habe die ersten Tabletten genommen.
Schmerztabletten zwar auch, weil es am gleichen Abend im Stirnbereich etwas gezwickt hat, aber das waren die einzigen geblieben. Etwas blöd ist, dass man nur auf dem Rücken schlafen darf und der Kopf mind. 30° erhöht liegt. Dafür gibt es auch ein Nackenkissen auf dem man schlafen soll. Das wird auf Dauer etwas unbequem. Da muss ich aber auch heute und die nächsten 3 Nächte durch. Danach ist alles ok.

Dann noch zu der Frage mit dem Wachstum. Du kannst ca. 1cm pro Monat rechnen, die die Haare wachsen. Bis du die 15-20 cm erreichst, können sicher 1,5 Jahre oder mehr vergehen.

Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne melden. Schicke dir auch gerne den Link zu meinem Internetblog. Da berichte ich ausführlich über den gesamten Verlauf.

 

Kommentar von anonym140503 ,

Vielen dank für deine ganzen erfahrungen. Jetzt weis ich viel mehr darüber und habe gemerkt dass ich dazu noch lange nicht bereit bin. Ich wünsche ihnen noch einen schönen tag ;)

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