Frage von diana2066, 93

Wie läuft ein Strafverfahren ab?

Hallo,

Ich wurde von einem älteren ca. 50 jährigen Mann am Bus Bahnhof belästigt. Er hat zu erst versucht meine Hand zu halten und hat dann zu mir gesagt ich soll ihn sexuell Befriedigen ( er hats krasser ausgedrückt als ich es geschrieben hab mir ist es nur peinlich/unangenehm darüber zu reden). Danach hat er mich am Oberschenkel angefasst wobei ich ihn dann auf Seite geschubst hab (er wurde nicht verletzt). Als dann ein Bus kam bin ich da rein gestiegen wobei er mir die ganze zeit küsschen gezeigt hat und mir zugezwinkert hat. Plötzlich ist er in den Bus rein und hat mich böse angeschaut und ich hab mich weggedreht. DANN ist er ausgestiegen und hat Herzchen auf die Fensterscheiben gemalt. Dann fuhr der bus auch schon los. Vor wenigen Tagen habe ich den Mann wieder gesehen und die polizei informiert. Sie kamen und stellten seine Daten fest und er wurde natürlich entlassen. Gestern war ich zur vorladung da und es wurde ein Verfahren gegen ihn eingeleitet wegen Beleidigung auf sexueller Grundlage.

Jetzt meine Frage:

-was passiert wenn der Mann das Gegenteil behauptet -wird der Staatsanwalt überhaupt ermitteln (bin minderjährig) -der Mann hat ein sichtlich alkoholproblem ist das ein Vorteil für ihn weil er unzurechnungsfähig ist?

Danke für eure Hilfe

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo diana2066,

Schau mal bitte hier:
Polizei Strafe

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von TheGrow, Community-Experte für Polizei, 29

Hallo diana2066,

Du hast geschrieben, dass Du minderjährig bist und die Polizei ein Strafverfahren wegen Beleidigung eingeleitet hat.

Der Straftatbestand der Beleidigung wird nur auf Antrag verfolgt. Den Antrag kannst Du selber aber noch nicht stellen, sondern der muss von den Eltern gestellt werden. Die Frist für die Stellung  Antrages beträgt drei Monate.

Aber zum Ablauf des Strafverfahrens.

Wurde ein Strafverfahren eingeleitet, läuft dieses wie folgt ab.

  • die Polizei nimmt die Anzeige und bei Antragsdelikten wie die Beleidigung den Strafantrag entgegen
  • Die Polizei schreibt eine Strafanzeige, wodurch ein Strafverfahren eingeleitet wird.
  • Der Täter erhält den Status "Beschuldigter in einem Strafverfahren
  • Das Opfer erhält sowohl den Status "Geschädigte" wie auch "Zeugin"
  • Die Geschädigte und zugleich Zeugin der tat wird vernommen
  • Falls weitere Zeugen vorhanden sind, werde auch die vorgeladen und vernommen
  • die Polizei sichert Beweise, wie zum Beispiel eventuell vorhandene Videoaufnahmen
  • der Beschuldigte wird von der Polizei zur Vernehmung vorgeladen und hat das recht sich zur Sache zu äußern
  • Nach Abschluss der Ermittlungen geht die Ermittlungsakte an die Staatsanwaltschaft
  • Die Staatsanwaltschaft liest sich die Ermittlungsakte durch und entscheidet dann,
  1. ob sie das Verfahren wegen Geringfügigkeit gem. § 153 StPO einstellt oder
  2. ob sie das Verfahren gegen Auflagen gem. § 153a StPO einstellt oder
  3. ob sie einen Strafbefehl mit einer Geldstrafe beim Richter beantragt oder
  4. ob sie Klage erhebt und sich der Beschuldigte als Angeklagter vor einem Richter verantworten muss.

Hat der Richter keine Zweifel an der Richtigkeit Deiner Aussage und somit nicht daran, dass der Angeklagte die Tat so wie vorgeworfen begangen hat, wird er auch für die Tat zu der im Gesetz angeführten Geld.- oder Freiheitsstrafe verurteilt.

Nur wenn der Richter Zweifel an der Tatbegehung hat, ist der juristische Grundsatz: "In dubio pro reo - Im Zweifel für den Angeklagten" anzuwenden und der Angeklagte ist freizusprechen.

Schöne Grüße
TheGrow

Kommentar von diana2066 ,

Danke für die ausführliche Antwort bei der Vernehmung war meine Mutter dabei um zu unterschreiben das hab ich nicht erwähnt:) Aber eine Frage an dich da du dich anscheinend sehr gut damit auskennst :) Glaubst du das die Ermittlungen eingestellt werden wegen Geringfügigkeit oder hab ich vielleicht Erfolgsaussichten?

Kommentar von Artus01 ,

Zunächst kannst Du keine Erfolgsaussichten haben, denn die Anklage erhebt die Staatsanwaltschaft. Du bist als Geschädigte auch Zeugin, falls es zu einem Gerichtsprozess kommt.

Ob das Verfahren eingestellt, oder was auch immer, kann so nicht beantwortet werden. Das hängt z. B. auch davon ab wie der Staatsanwalt die Sache beurteilt und ob der Beschuldigte eventuell einschlägige, oder auch andere Vorstrafen hat.

Kommentar von TheGrow ,

Nein, ich denke nicht, dass das Verfahren wegen Geringfügigkeit eingestellt wird, weil schlichtweg die Voraussetzungen für eine Einstellung nicht vorliegen:

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§ 153 StPO - Absehen von der Verfolgung bei Geringfügigkeit

(1) Hat das Verfahren ein Vergehen zum Gegenstand, so kann die Staatsanwaltschaft mit Zustimmung des für die Eröffnung des Hauptverfahrens zuständigen Gerichts von der Verfolgung absehen, wenn die Schuld des Täters als gering anzusehen wäre und kein öffentliches Interesse an der Verfolgung besteht. Der Zustimmung des Gerichtes bedarf es nicht bei einem Vergehen, das nicht mit einer im Mindestmaß erhöhten Strafe bedroht ist und bei dem die durch die Tat verursachten Folgen gering sind.

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Erstens, wenn ein fünfzigjähriger Mann eine Minderjährige zu sexuellen Handlungen auffordert und dabei noch unsittlich berührt hat, kann man nicht mehr von geringer Schuld ausgehen.

Zweitens kann man auch von einem öffentlichen Interesse an der Strafverfolgung ausgehen, wenn ein fünfzigjähriger Mann in der Öffentlichkeit solche Handlungen durchführt.

Dann noch ein Punkt zu Deiner Hauptfrage, auf den ich vorhin nicht eingegangen bin:

der Mann hat ein sichtlich alkoholproblem ist das ein Vorteil für ihn weil er unzurechnungsfähig ist?

Nur weil Jemand angetrunken oder betrunken war, führt das nicht zu einer Schuldunfähigkeit. Selbst wenn er Volltrunken war, und er deshalb wirklich für Schuldunfähig erklärt wurde, gilt folgender Paragraph:

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§ 323a StGB - Vollrausch

(1) Wer sich vorsätzlich oder fahrlässig durch alkoholische Getränke oder andere berauschende Mittel in einen Rausch versetzt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wenn er in diesem Zustand eine rechtswidrige Tat begeht und ihretwegen nicht bestraft werden kann, weil er infolge des Rausches schuldunfähig war oder weil dies nicht auszuschließen ist.

(2) Die Strafe darf nicht schwerer sein als die Strafe, die für die im Rausch begangene Tat angedroht ist.

(3) Die Tat wird nur auf Antrag, mit Ermächtigung oder auf Strafverlangen verfolgt, wenn die Rauschtat nur auf Antrag, mit Ermächtigung oder auf Strafverlangen verfolgt werden könnte.

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 Bedeutet also, wenn er für die eigentliche Tat wegen des Vollrausches nicht bestraft werden kann, kann er für den Vollrausch als eigenständige Tat wiederum bestraft werden

Kommentar von siggibayr ,

Nachdem du viele Rechtsmöglichkeiten erläuterst, vermisse ich einen kurzen Hinweis zur rein rechtlichen Möglichkeit nach  § 170 Abs. 2 StPO in deiner Ablaufliste. Ansonsten wieder ausführlich beantwortet. Top- Arbeit.

Antwort
von Kuno33, 33

Was passieren wird, kann ich nicht voraussagen. Zeugen zu haben, wäre gut. Möglicherweise ist der Mann ja nicht das erste Mal so in Erscheinung getreten. Wenn Du Pech hast, verläuft alles im Sande.

Wenn es wieder passieren sollte, sprich sofort andere Personen in der Nähe oder den Busfahrer an, damit es Zeugen gibt und sofort etwas passiert, also Hinzuziehen der Polizei.

Noch wichtiger ist, dass Du andere aufmerksam machst, damit Du nicht in Gefahr gerätst, Opfer eines Verbrechens zu werden. Die meisten Täter machen sofort einen Rückzieher, wenn sie merken, dass sie beobachtet werden und andere Dich unterstützen. Wenn andere nicht reagieren, sprich sie direkt an und fordere sie einzeln auf Dich zu unterstützen.

Antwort
von atzef, 27

Als Beschuldigter in einem Strafverfahren darf er auch lügen. Insofern wird seinen einlassungen relativ wenig Gewicht beigemessen.

Du wiederum hast ja eigentlich kein konkretisierbares Interesse daran, den Mann einfach mal so anzuzeigen. Deine Glaubwürdigkeit ist erheblich höher einzustufen.

Dass er besoffen war, minimiert hier nicht seine Schuldfähigkeit.

Maximal droht ihm wohl nur eine Geldstrafe.

Kommentar von diana2066 ,

Die Strafe wäre angemessen wobei ich gelesen habe das bei solchen Delikten die höchst strafe 2 Jahre Freiheitsstrafe ist und was wäre wenn er die Strafe nicht zahlen könnte wenn er verurteilt werden würde :/

Kommentar von Artus01 ,

Wenn er zu einer Geldstrafe verurteilt werden sollte, wird die Geldstrafe in Tagessätzen ausgesprochen. Z. B. kann es heißen 90 Tagessätze zu 10 € = 900 €. Werden die 900 € nicht bezahlt drohen 90 Tage Haft.

Antwort
von jeffsteve, 18

also bei Frauen die Opfer von Sexueller Gewalt wurden sind Deutsche Gerichte  eher auf die seite der Opfer klar musst du dann im Gericht fragen beantworten aber wenn du dich nicht grade  in wiedersprüche Verstrickst glauben sie dir.

Der Alkohlkranker wird sich denke ich rausreden können wenn er so was schon mal gemacht hat kann er wieder einfahren.

Mach dir keine sorgen die werden dir glauben

Kommentar von diana2066 ,

Das Problem ist das ich noch nie in so einem Fall mit der polizei zu tun hatte und der Polizist gestern meinte das ich Unterstützung bekomme und mir sowas nicht gefallen lassen soll. Er wird den beschuldigten vernehmen und die Sache zum Staatsanwalt weiterleiten, bin mir total unsicher was der Staatsanwalt aus der Sache machen wird :(

Antwort
von jeffsteve, 18

die gucken meistens ob sie da anklage erheben oder nicht aber bei dir wird es denke ich eine geben.

siehe dir die fälle in köln an da wurde jetzt auch einer vor gerichtgestellt

Kommentar von diana2066 ,

Du meinst die Fälle an Silvester - ja schlimmes Gefühl wenn einem sowas passiert und die Zeugen in meinem fall ihre Daten nicht angeben wollten bei eigener Nachfrage jetzt begegne ich ihm jeden tag am Bahnhof weil er zufällig immer dahin kommt wo ich bin und von Stalking kann noch nicht die rede sein laut Polizist weil er dazu überall auftauchen muss wo ich bin ist aber auch Verständlich

Antwort
von Johannisbeergel, 37

Auch wenn es unangenehm für dich war, da versteh ich dich voll und ganz, wird da denke ich ziemlich wenig bei herauskommen. 

Ich bin froh, dass dir nicht mehr passiert ist. Leider Gottes gibt es Idioten...mehr wird dazu wohl kaum festgestellt werden. 

Ich würde dir nur den Rat mitgeben, dass du zB im Bus dann lauthals verkündest, was er für ein perverses Schwein ist minderjährigen so nahe zu kommen. Damit eben zB auch Busfahrer und andere Mitfahrer darauf aufmerksam werden und dieses Typ sich massiv blamiert. Mit deinem Verhalten gibst du dem nur den Eindruck, dass du "schüchtern" bist.

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