Frage von DerChacker, 157

Wie konnte Einstein so unfassbare Dinge 'begreifen', entwickeln?

Er war Zollbeamter und hat meines Wissens nach kein wissenschaftliches Studium durchlaufen. Sowas wie Internet gab es damals noch nicht und Bibliotheken hätten für so eine enorme Wissensvermittlung nicht ausgereicht. Er war begabt ok, aber wie hat der Typ es geschafft derart komplexe mathematische Modelle zu begreifen und zu entwickeln, Dinge die wir erst über 100 Jahre später erklären können leitete er einfach so her und das auch noch ganz nebenbei?! Wie???

Antwort
von sarahj, 84

Erstens war er nicht "nur" ein "einfacher Zollbeamter", sondern am Patentamt. Auch hatte er zuvor Physik und Mathematik studiert.

Sein Problem war wohl, daß er schon als Kind ein Querkopf war, und sich gerne mit Lehrern und anderen "Respektspersonen" anlegte. Auch war er besonders in Naturwissenschaften begabt - so fiel er z.B. wegen mangelnden Fremdsprachenkenntnissen bei einer Aufnahmeprüfung zur ETH durch (sollte so manchem Lehrer, der sein Fach für allzu wichtig nimmt, zu denken geben).

Dann hatte er Probleme, einen für ihn passenden Job zu finden - wohl auch, weil er durch sein Wesen vermutlich wenig Fürsprecher und Referenzen aus Akademikerkreisen hatte und landete schließlich im Patentamt.
Von irgend was musste er ja leben...
Dort hatte er allerdings genügend Zeit, als "Untergrundkämpfer" an seinen Ideen zu arbeiten.

https://de.wikipedia.org/wiki/Albert_Einstein

Zusammenfassend: er wurde schlicht verkannt, und wäre fast in einem arroganten bzw. engstirnigen Akademikerumfeld untergegangen.

Kommentar von ProfFrink ,

Zusammenfassend: er wurde schlicht verkannt, und wäre fast in einem arroganten bzw. engstirnigen Akademikerumfeld untergegangen.

Ich frage mich, wie oft soetwas tatsächlich heute noch passiert und wieviel gute Leute wir heute noch einfach verheizen. Gute Wissenschaftler und Ingenieure, die keine Anstellung finden und irgendwo im Projektmanagentment verheizt werden, wo man nichts anderes zu tun hat als anderen Ingenieuren Druck zu machen.

Kommentar von Hamburger02 ,

Und der Anpassungsdruck, die Normierung, wird immer schlimmer...

Kommentar von DerChacker ,

Ja, faqu die Bürokratie

Expertenantwort
von SlowPhil, Community-Experte für Mathematik & Physik, 4

Wie konnte Einstein so unfassbare Dinge 'begreifen', entwickeln?

So unfassbar sind die Dinge gar nicht. Natürlich kann man sich das, was Einstein und seine Kollegen erdacht haben, nicht ohne Weiteres bildlich vorstellen, wohl aber mathematisch denken und ggf. auch gewisse Modellvorstellungen entwickeln. Und das konnte Einstein besonders gut.

Übrigens waren einige seiner Ideen gar nicht soo neu. Die Frage, wie sich Zeit und Raum angesichts von Bewegung verhalten, wurde gerade rege diskutiert. 

Er war Zollbeamter...

Nein, Beamter war er nicht. Er war auch nicht beim Zoll. Vielmehr war er als Experte III Klasse beim Berner Patentamt angestellt. Sch*** stille Post!

...und hat meines Wissens nach kein wissenschaftliches Studium durchlaufen.

Oh doch, Physik nämlich. Als er die Elektrodynamik bewegter Körper veröffentlichte, war er auch fertiger Physiker. Seine Frau Mileva Marić übrigens auch, nur dass sie ihre Dissertation nicht mehr fertig machen konnte, weil ihre Arbeit als Mutter ihr dazu nicht genügend Zeit ließ.

Einstein wiederum konnte schon wegen seiner großen Klappe zunächst keine Stelle an der Uni bekommen, musste aber Geld für seine Familie verdienen. Deshalb arbeitete er zunächst als Hauslehrer und dann eben am Patentamt. Dort hatte er durchaus die Ruhe, die er für seine Arbeiten auf dem Gebiet der theoretischen Physik benötigte.

@UlrichNagel

Ich muss nicht alles seiner ART und SRT akzeptieren, weil es der normalen Logik widerspricht...

Das ist ein Irrtum. Genau das tut es nicht. Es widerspricht der Intuition, was etwas völlig anderes ist. Im Prinzip konnten sich gerade deshalb viele nicht mit der SRT oder gar der ART anfreunden, weil sie ausschließlich auf Logik setzt und keinerlei Rücksicht auf hergebrachte und liebgewonnene Denkgewohnheiten und -traditionen nimmt.

...und auch einige andere Wissenschaftler widersprechen,...

Die Vertreter der "Deutschen Physik" haben das natürlich getan, und auch einige Menschen heute tun es. Ein überzeugendes, stichhaltiges Argument habe ich bisher noch nicht gelesen, dafür umso mehr Fehlschlüsse und simplen Unsinn, der Newton im Grabe rotieren lässt.

Antwort
von Pudelwohl3, 109

Zollbeamter ist nicht ganz richtig. Bei Wikipedia findest Du biographische Fakten.

Expertenantwort
von Hamburger02, Community-Experte für Physik, 19

Bei der Mathematik hat sich Einstein von Marcel Grossmann helfen lassen, Seine Spezialität war, sich das ganz in der Fantasie vorstellen zu können und seine Vorstellungen einem Matehmatiker so klar schildern zu können, dass der dann die entsprechenden Formeln herleiten konnte.

Kommentar von DerChacker ,

Aber dumm Einstein ja auch nicht, wieso machte er das also nicht selbst? Ich dachte Einsteins Frau hätte die Mathematik zur Allgm. Bzw. speziellen Relativitätstheorie entwickelt

Expertenantwort
von hypergerd, Community-Experte für Mathematik, 51

Viel findet man hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_speziellen_Relativit%C3%A4tstheorie

Das Besondere von Einstein: er plapperte nicht alles nach, was andere (Lehrer) sagten, sondern machte sich sein eigenes Bild von der Gesamtheit der Welt:

§1: Konstanz der LIchtgeschwindigkeit

§2: Gleichheit von Gesamtmasse und Energie (E=m*c²)

§3: Relativität der Zeit (abh. von Gravitation & Geschwindigkeit)

§4: Krümmung des Raumes

Da es bereits zig fertige Theorien gab, waren diese 4 neuen Bezugspunkte/Randbedingungen oft nur Umstellungen von vorhandenen Gleichungen.

Was viele nicht wissen: Einstein holte sich oft Hilfe bei Professoren, um die komplizierten Integral- & Differentialgleichungen an diese 4 geänderten Randbedingungen anzupassen. Das soll keine Schmälerung seiner Leistung sein - im Gegenteil: durch diese exakte wissenschaftliche Vorgehensweise hat er mit seinem gesamtheitlichen Denken viele isolierte Theorien berichtigt und miteinander verbunden!

Genau das ist der richtige Weg zum Finden der Weltformel:

https://de.wikipedia.org/wiki/Weltformel

Einer meiner Lieblingssätze von Albert Einstein:

„Jeder ist ein Genie! Aber wenn Du einen Fisch danach beurteilst, ob er auf einen Baum klettern kann, wird er sein ganzes Leben glauben, dass er dumm ist.” 

Auch wichtig: Mut zu haben (analog Galileo), gegen zig andere seine Meinung zu vertreten:

„Wenn ich mit meiner Relativitätstheorie recht behalte, werden die Deutschen sagen, ich sei Deutscher, und die Franzosen, ich sei Weltbürger.
Erweist sich meine Theorie als falsch, werden die Franzosen sagen, ich sei Deutscher und die Deutschen, ich sei Jude.“ Albert Einstein

Antwort
von zalto, 49

Einstein hatte Mathematik und Physik studiert und hat darin promoviert. Damit war er in der Lage, den aktuellen Stand der Forschung zu verstehen.

Zu der speziellen Relativitätstheorie war auch vieles schon zur Jahrhundertwende bekannt und erforscht (Minkowski, Lorentz, Hilbert) - wenn auch noch nicht komplett verstanden. Seine Leistung bestand vor allem darin, aus den vielen Einzelbefunden und -Erkenntnissen eine in sich schlüssige Theorie zu formulieren - und dabei einiges an Altlasten (wie den Äther) über Bord zu werfen.

Wenn es ein Geheimnis seines Erfolgs gab, dann dürfte es die Freude am Verstehen gewesen sein: 

"Als Albert Einstein 1932 gebeten wurde zu beschreiben, was das Formulieren der Relativitätstheorie ermöglicht habe, antwortete er, dass er als Wissenschaftler seine Belohnung in der Freude am Verstehen gefunden habe und nicht in einer möglichen Anwendung dessen, dem er gerade auf der Spur war. Oft betonte er in Schriften und Vorträgen, dass es der Drang zu verstehen und die Freude an der intellektuellen Arbeit sei, die den Menschen erheben und bereichern."

Antwort
von UlrichNagel, 54

Ein "Handwerker" muss kein Ingenieur sein, um es in seinem Genre zur Meisterschaft zu bringen, wenn er jahrelang praktisch die Dinge entwickelt!

Einsteins "Handwerk" war sein Gehirn! Er hat sich Gedanken zu den Vorgängen auf dieser Welt gemacht und natürlich sich auch Rat geholt von anderen Wissenschaftlern, um seine Vorstellungen zu revidieren oder bestätigt zu bekommen! Wenn man sich tiefgründig und mit viel Energie einer wissenschaftlichen Aufgabe beschäftigt, kommt man notgedrungener Weise auf andere Ansätze als "normale" Gelehrte es zu jeder Zeit vermitteln. So sind große "Entdeckungen" gemacht worden!

Ich muss nicht alles seiner ART und SRT akzeptieren, weil es der normalen Logik widerspricht und auch einige andere Wissenschaftler widersprechen, trotzdem war er in seiner Zeit ein "wahnsinniges" (nur im positiven Sinn!) Genie und allen anderen voraus und ich bewundere ihn als dieses große Genie! Aber jeder Mensch kann auch irren!

Kommentar von weckmannu ,

Man hat in der modernen Physik/Quantentheorie eine ganze Menge Phänomene entdeckt, die "der normalen Logik widersprechen" - angefangen bei der Doppelnatur des Lichts als Welle und Teilchen.

Wenn man meint, diese Ergebnisse nicht akzeptieren zu können, wird man zum krassen Außenseiter, der den Anschluss an die gültigen Erkenntnisse verloren hat.

Antwort
von Traveller24, 67

Er war Beamter, aber nicht beim Zoll sondern als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Patentbehörde. Er hat auch ein Studium durchlaufen, und zwar auf dem Polytechnikum in Zürich.

Antwort
von PatrickLassan, 64

Du solltest dich mal mit der Biografie Einsteins beschäftigen, dann würde dir auffallen, dass deine Behauptungen, er wäre Zollbeamter ohne wissenschaftlihces Studium gewesen,  falsch sind.

Kommentar von PatrickLassan ,

@ Werauchimmer: Danke für die negative Bewertung, wenn mir auch unklar ist, weshalb.

Antwort
von Bujin, 49

lol, natürlich hat Einstein Mathe und Physik studiert. Er war Doktor und weiß der Geier was. Im Patentamt hat er gearbeitet weil er sein Studium irgendwie finanzieren musste. Ein Doktor fällt ja schließlich nicht vom Himmel und früher war studieren definitiv teurer als heute. Es gab sogar Zeiten da musste man für eine Ausbildung Geld bezahlen. Heute bekommt man Geld! 

Nach seinem Studium hat er an Universitäten unterrichtet und später sowohl die Deutsche als auch die Amerikanische Regierung beraten. Er war nicht sein ganzes Leben im Patentamt :) 

Antwort
von wwalter59, 23

Einstein wird häufig mit folgendem Satz zitiert:

"If at first an idea isn't absurd, there's no hope for it."

Mit seiner Relativitätstheorie hat er  nach diesem Prinzip gelebt. 

Abgesehen von der Genialität, die er offensichtlich besaß, ist es m.E. auch seine Herkunft als Jude, die ihn für eine Idee qualifizierte, die bis heute erforscht wird (https://www.gutefrage.net/frage/was-nuetzen-uns-gravitationswellen-und-entstehen...). Er war Teil einer Minderheit, die verfolgt wurde. Er war ein Außenseiter in der damaligen Gesellschaft und konnte in Deutschland wohl kaum auf eine akademische Karriere hoffen. Eine gesellschaftliche Außenseiterposition ist ein guter Ausgangspunkt für große Leistungen.

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