Frage von chickenwings311, 117

Wie kommt meine Offenheit?

Hey, ich habe eine zienlich schlimme und Heftige Vergangenheit hinter mir, wurde mir schon oft gesagt. Jedoch finde ich, dass meine Vergangenheit zwar echt nicht sehr schön war und ein paar Krasse Momente hatte, es aber andere noch viel schlimmer getroffen hat. Ich habe mal einen Vortrag in der Schule über eine krasse Situation in meiner Vergangenheit geschrieben und von allen Mitschülern nur Positives Feedback bekommen und meine Lehrerin wurde dadurch so nachdenklich, dass sie eine Kopie davon wollte, aus welchem Grund auch immer. Früher konnte ich nie über meine Vergangenheit reden ohne emotional/depressiv zu werden. Dann habe ich ein paar Therapien gemacht und nun rede ich total gerne über meine Vergangenheit. Ich rede über die schlimmsten Momente in meinem Leben, so als ob es etwas ganz normales ist und finde es schön die Meinungen von anderen zu hören, da ich auch schon den Satz, ich zitiere: "Oha, warum hast du mir nicht mal früher davon erzählt? Ich dachte immer ich habe Probleme, aber jetzt sind meine Probleme irgendwie unbedeutend geworden, weil ich merke, dass andere viel größere Probleme haben." und eine Bekannte von mir wollte sich mal das Leben nehmen, hat es jedoch gelassen, weil ich mit ihr geredet habe, sie verstanden habe und mich in sie hineinversetzen konnte. Seit dem Interessiere ich mich auch für viele Arten der Psychologie und lese Bücher von Robert Green oder Thorsten Havener. Woran kann das liegen, dass ich darüber mittlerweile so gerne rede? Während der Therapie hatte ich nicht das Gefühl etwas zu erreichen. Hat das irgendwas bedeuten, dass ich jetzt so über meine Vergangenheit rede? Bitte um ernst gemeinte und hilfreiche Antworten! :)

Antwort
von cajobi, 27

Du hast jetzt ja schon viele hilfreiche Antworten bekommen, wie ich gesehen habe, aber vielleicht bringt dich meine doch auch noch ein kleines Stück weiter. Ich kann dich sehr gut verstehen. Meine Vergangenheit war auch die Hölle. Ich hab mit keinem Menschen drüber geredet und konnte mich nicht einmal dazu überwinden in Therapie zu gehen, denn das "Darüber reden" ist beinahe so schmerzhaft wie das Erleben. Jetzt, mittlerweile rede ich auch viel darüber, es macht mir nichts mehr aus, denn ich weiß, dass es Vergangenheit ist und das ich nicht mehr diese Person bin die ich war. Vielleicht ist es ja bei dir auch so. Du hast nicht bloß mit deiner Vergangenheit abgeschlossen, sondern du weißt genau, das bist nicht mehr du. Du hast dich weiterentwickelt und bist zu einem neuen Menschen geworden (vermute ich mal). Da bist du wahrscheinlich stolz drauf, was du auch sein kannst! in dem Fall wundert es mich nicht, wenn du sogar "gern" drüber redest, denn du weißt du hast es da heraus geschafft und kannst neu anfangen.

Kommentar von chickenwings311 ,

Hey, ich finde jede Antwort hilfreich :) Ich war auch kein Freund von Therapien aber ich wurde durch die Betreuer in den Wohngruppen in denen ich gewohnt habe und vom Jugendamt praktisch gezwungen. Als ich mit 14 das erste mal in einer Therapie war, habe ich gar nicht verstanden, was es bringen sollte mit jemanden den ich kein bisschen kenne darüber zu reden... mit der Zeit wurde es mir egal, dass ich in Therapien war, da ich dachte, dass sie eh nicht Helfen werden, wenn die erste schon nicht geholfen hat, aber als meine 3. Therapie vorbei war und ich seit Jahren wieder bei meiner Mutter eingezogen bin habe ich gemerkt, dass es mir Plötzlich nichts mehr ausgemacht hat über meine Vergangenheit zu reden. Es war so, als ob ich einen Schalter für Gefühle in meinem Kopf einfach ausgeschaltet habe, während ich meine Geschichten erzählte.. Ich glaube, dass das viele Reden in den Therapien zusammen mit den Gesprächen, in denen auch über meine Vergangenheit geredet wurde, immer wenn ich in eine neue Wohngruppe gezogen bin (9 oder 10 Stück, ich weiß es selbst nicht mehr genau..) mir dabei geholfen hat damit umgehen zu können. Ich habe gemerkt, dass ich jedes mal, wenn ich von meiner Vergangenheit erzählen sollte weniger Gefühle im Spiel waren. Klar, fand ich meine Kindheit bzw. Vergangenheit nicht schön, aber ich bin trotzdem über jedes Ergebnis froh, da all das mich zu dem gemacht hat, was ich jetzt hier bin. Wenn man mir 12 Jahren von einem Betreuer einer Wohngruppe fast Tot geschlagen wird, lernt man ziemlich schnell, dass man anderen Leuten nicht zu sehr vertrauen sollte, da jeder einem in den Rücken fallen kann. So wusste ich das schon mit 12, was ich im Nachhinein ganz gut fand, da ich es so nicht in einem Höheren Alter schmerzhaft lernen musste. Genau, es macht mich Stolz das alles geschafft zu haben, da selbst meine Therapeuten früher gesagt haben, dass sie echt Respekt vor mir hatten... Ich möchte deswgen jetzt bald auch den Blog anfangen in dem ich ein Paar Krasse Geschichten (die teilweise ziemlich hart bzw. verstörend sein können, da ich nichts verschweigen werde) schreibe um so anderen zu sagen, dass sie sche*ß Situationen auch meistern können und damit die Menschen, die denken sie hätten ein Hartes Leben mal merken wie gut sie es eigentlich haben (Habe es schon oft von Bekannten mitbekommen, was sie "Probleme" nennen..) Aber auch du kannst Stolz auf dich sein! auch wenn du damit anders umgehst, als ich... Du hast es immerhin überstanden und das ist alles. für dich war anscheinend Aufgeben ebenso keine Option wie für mich.

Kommentar von cajobi ,

naja, bei mir ist das Ganze leider noch nicht vorbei... es geht seit 5 Jahren und hält immer noch an. Ich habe nur gelernt anders damit umzugehen. Wie du bereits gesagt hast, hat an diesen Schalter für gefühle im Kopf. Manchmal wenn ich jemandem von etwas erzähle, klingt das so kalt und distanziert, als würde es mich eigentlcih gar nicht betroffen machen... das tat es zu jener Zeit schon, aber in dem Moment in dem man erzählt, sind die Emotionen wie weggepustet. Jeder Mensch hat sein Päckchen zu tragen und ich finde auch, dass man Leid nicht vergleichen kann. Wenn also Bekannte von dir mit Problemen zu dir kommen, sind sie nicht automatisch gelöst, nur weil jemand schlimmeres durchgemacht hat... Natürlich bringt es was, weil man dann anders an die Sache herangeht und sie vielleicht nicht ganz so schwer nimmt. Ich bin ehrlich gesagt ein bisschen neugierig, was du durchgemacht hast und wenn du die Frage erlaubst... haben in der Vergangenheit irgendwann mal Drogen eine Rolle gespielt?


Kommentar von chickenwings311 ,

Oh achso.. aber denk positiv: du weißt nie wann es vorbei ist. Vielleicht hört die sche*ße bei dir ja bald auf. Ja, das mit dem Distanzieren ist mir auch aufgefallen.. Ich erwarte bzw. denke ja nicht, das von anderen die Probleme vielleicht verschwinden, nur weil ich meine Erlebnisse mit ihnen teile. Ich bin ja kein Zauberer oder so, aber ich möchte versuchen zu erreichen, dass manche sich mit mir Identifizieren können und vielleicht froh sind, dass jemand mal schreibt, welche Gefühle man in solchen Situationen hat und was in einem vorgeht wenn man sche*ße erlebt. Ich möchte wiederum auch versuchen andere zum Nachdenken zu bewegen. Hatte hier letzte Woche schonmal etwas dazu unter einem Kommentar geschrieben, aber es wurde gelöscht. Aber ich denke wenn ich nacher oder Morgen den Blog anfange, sollte es ok sein, einen Link hier unter deiner Antwort zu posten. du bekommst ja mit, wenn ich deine Antwort kommentiere :)

Antwort
von TheLegendary, 50

Naja du hast dich mit deiner Vergangenheit abgefunden und konntest Emotional damit abschließen, die Therapie war wohl ein voller Erfolg. Da du dich jetzt selber mit Psychologie auseinander setzt solltest du vielleicht über ein Psychologiestudium nachdenken, dann kannst du anderen helfen so wie dir geholfen wurde.

Dass du allerdings "gerne" darüber redest könntet eine Art der Verarbeitung sein oder der Fakt, dass du vom Erzählen dieser Geschichten positives Feedback bekommst.

Kommentar von chickenwings311 ,

Nach der letzten der 3 Therapien, hatte ich noch leichte Probleme darüber zu reden. Meine Offenheit kam erst, als ich schon ne Weile bei meiner Mutter gewohnt habe. Ja, das wäre bestimmt genau mein Ding, aber leider habe ich durch meine Vergangenheit (Extrem viele Schulwechsel und Mobbing) nicht einmal die Chance auf einen Hauptschulabschluss zu bekommen. Ich musste in der 8 Klasse (nach 2 Klassen Wiederholungen) die Hauptschule verlassen, wobei ich auch auf eine Realschule hätte gehen können und spare momentan Geld, damit ich an der Abendschule meinen Hauptschulabschluss machen kann :/ Ich schätze, es ist wirklich ein Stück weit das Positive Feedback, aber ich glaube auch, dass mein Charakter an sich damit etwas zu tun hat. Da ich sehr hilfsbereit bin und ich dadurch das Gefühl habe, vielleicht zu helfen.

Kommentar von Glueckspilzler ,

Oh, das ist natürlich eine ziemliche Hürde :/ Ich hoffe aber mal für dich, dass du das Geld möglichst bald dafür zusammenbekommst. Vielleicht wäre es auch möglich bei einer Firma ein Praktikum zu beginnen um durch positiven Eindruck Chancen auf einen Ausbildungsplatz zu kriegen.. wäre soeine Idee von mir.

Kommentar von chickenwings311 ,

Ich fange wahrscheinlich in 2 Monaten an... Ich hätte schon einen Ausbildungsplatz als Fitness Kaufmann wo ich anfangen kann.. hab da auch schon 2 Wochen lang Probearbeiten gemacht, aber weiß nicht wie das Rechtlich ist, da ich ja keinen Anschluss habe und nach der Ausbildung eigentlich einen Realschulabschluss haben würde... ich kann ja schlecht von 8 Klasse Hauptschule zuletzt auf 10. Jahr Realschule springen... Also vom Unterrichtsstoff würde ich es, wenn ich mich anstrenge sogar schaffen, aber weiß nicht ob das Rechtlich ok ist... außerdem müsste ich dafür jeden tag 2 Stunden und 20 min jeweils Hin und zurück fahren, was mir etwas zu lange ist... arbeite im Moment in einer Sicherheitsdienst Firma auf 450€ Basis und bekomme monatlich von meinem leiblichen Vater Unterhaltsschulden..

Antwort
von Glueckspilzler, 61

Ich würd mal sagen du hast das Kapitel deiner Vergangenheit mittlerweile einfach verarbeitet und akzeptiert wie es war, sodass du nun kein direktes mieses Gefühl beim Nachdenken darüber bekommst.

Du hast es sozusagen für dich abgeschlossen und es als Vergangenes betrachtet, das dich um die Erfahrung reicher gemacht hat, dich aber für die Gegenwart nichtmehr behindert.

Ich bin leider keine Psychologe und es ist nur meine spontane Vermutung.

Peace Glückspilzler :)

Kommentar von chickenwings311 ,

Hey, danke für deine Antwort! Ja ich habe es verarbeitet, aber nicht während einer meiner 3 Therapien, sondern erst, als ich nach der letzten wieder Zuhause war, was ich seltsam finde... Du hast recht, dass ich mit der Vergangenheit abgeschlossen habe. Ich bin mittlerweile sogar froh über meine Vergangenheit, da ich durch all die Schlimmen Erlebnisse Sachen gelernt habe, die ich sonst nicht so früh gelernt hätte. Da ich früher nur an meine Vergangenheit denken musste, damit ich einige Tage depressives Verhalten aufgewiesen habe, wundert es mich jetzt auch sehr, dass es mich 0% mehr stört, darüber zu reden da ich mir auch wenn es bei mir anscheinend ja so ist, ich mir nicht vorstellen kann, dass man so viele krasse Situationen, wie ich sie erlebt habe ohne dass es einem schlecht geht wenn man darüber redet. Es scheint mir so, als ob ich um mich selbst zu schützen bei diesem Thema einfach den Schalter für Gefühle in meinem Kopf ausgeschaltet habe... ich verstehe auch nicht ganz, warum ich solch einen Drang verspüre meine Erlebnisse mit anderen zu teilen... Klar ist es einerseits schön für mich die Zustimmung in form von sätzen wie: " krass, ich dachte immer ich hab Probleme, aber seit ich deine ganzen Geschichten kenne, weiß ich dass es viele Menschen gibt, die viel schlimmere Probleme haben." zu erhalten, aber andererseits kommen dann auch Kommentare wie: "Haha du Opfer" oder "Du willst doch nur Aufmerksamkeit, mehr nicht!", die natürlich nicht so schön für mich sind, da ich damit nur andere Menschen, die kleinere Probleme haben, aber denken sie haben große zum nachdenken bringen möchte. Ich glaube echte Psychologen findet man hier selten, aber du hast schon vollkommen recht:) ich beschäftige mich seit ich in meiner letzten stationären Therapie war etwas mit Psychologie in Form einiger ganz guter Bücher und fange schon langsam an, mich selbst zu "analysieren" :D

Kommentar von Glueckspilzler ,

Nunja, bei diesen Fällen wäre es die beste Reaktion deinerseits einfach drüber zu stehen und diese dummen Kommentare an dir abprallen zu lassen, denn du weißt ja schließlich, dass diese Menschen dich sogut wie garnicht kennen und garnicht in Position wären über dich wahrheitsgemäß urteilen zu können.

Außerdem ist es eine realitätsferne Vorstellung dich mit jedem Menschen auf dem Planeten zu verstehen. Es ist einfach klar, dass es egal was für ein Mensch man ist, es immer Leute geben wird, die dich nicht mögen werden und sich respektlos verhalten. Da muss man einfach lernen die eigene Mühe und Energie nicht an genau diese Leute zu verschwenden, denn es wird sich einfach nicht lohnen. Hingegen ist es viel gesünder für Seele und Geist den gedanklichen Fokus auf die Menschen zu legen, die einem viel Bedeuten und die dich auch mögen so wie du bist.

Kommentar von chickenwings311 ,

Sehe ich auch zu 100% so..

Antwort
von HM0805, 8

Entweder hast du dieses Kapitel abgeschlossen und willst jetzt mit anderen darüber reden, sprich deine Erfahrungen teilen

Oder

Du bist in einer anderen Phase der Depression, in der du es dir bequem machst und du die Aufmerksamkeit die du mittlerweile bekommst genießt. 

Kommentar von chickenwings311 ,

Aus meiner eigenen Sicht möchte ich das mit anderen Teilen um sie zum Nachdenken zu bewegen bzw. andere, die auch viele schlimme Sachen erlebt haben, die jedoch noch nicht mit dem Kapitel abgeschlossen kraft zu geben und wiederum anderen vielleicht zu zeigen, dass es sich in solchen Situationen zu kämpfen lohnt, da aufgeben jeder kann und man nie weiß, wann es vorbei ist. Frage mich halt wie es kommt, dass ich früher nicht einmal darüber nachdenken konnte und jetzt darüber rede, als ob ich dabei meine Gefühle einfach ausgeschaltet habe. Ich würde es verstehen, wenn es mir durch das reden darüber etwas schlecht gehen würde, aber wie die negativen Gefühle die ich früher dabei hatte, jetzt auf einmal vollkommen weg sind und es mir egal ist kann ich mir nicht erklären. Da die Sachen ja mit Gefühlen verbunden sind und ich die Meinung vertrete, dass man Gefühle nicht beeinflussen kann und sie nicht einfach so verschwinden..

Antwort
von JillyBean, 3

Gratulation.

Du hast es geschafft deine Vergangenheit, die du ja sowieso nicht ändern kannst als gegeben zu akzeptieren, als gewesenen Teil deines Lebens. Fertig. du hast es verarbeitet. Da wo du bist, wollen viele erst noch hinkommen. Du redest darüber, weil du anderen zeigen willst, man kann es schaffen ohne zu verzweifeln, ohne sich das Leben zu nehmen. Es gibt Hilfe. Das alles vermittelst du den anderen Menschen, ist doch Klasse.

LG

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