Frage von mha1213, 137

Wie kommt es, dass lt. Medienberichten die Durchschnittsrente im Osten Deutschlands (=frühere DDR) höher ist, als die vergleichbare Westrente?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von atzef, Community-Experte für Politik, 76

Ganz simpel:

Während im Westen ca. 2/3 der Menschen im beschäftigungsfähigen Alter gearbeitet haben, war in der DDR die Frauenerwerbsquote drastisch höher, so dass die insgesamt auf einen Wert > 90 % kamen. Dabei wurden auch wegen des Fehlens von Arbeitslosigkeit und einem ausgebauteren Sytem der staatlichen Kinder"betreuung" (besser : frühkindlicher Indoktrination) auch durchschnittlich längere Beitragszeiten erzielt.

Zwar zahlten die DDRler weit weniger Geld in die Rentenkasse ein, aber um sich weitere Wahlerfolge zu sichern, wurden die Ostrenten dessen ungeachtet von der Kohlregierung auf Westniveau angehoben.

Im Ergebnis produziert das eben diesen Effekt aus deiner Fragestellung.


Kommentar von Utyos ,

Die "frühkindliche Indoktrination" macht sich eher bei dir bemerkbar als bei den in der DDR aufgewachsenen Kindern. Die sind normal geblieben, wie man hier auf Schritt und Tritt merkt, ausgenommen du. Wie auch?

Expertenantwort
von PeVau, Community-Experte für Politik, 55

Ein typischer Springer-Artikel.

Zunächst einmal musst du wissen, dass die ominöse Rentenkasse kein Spartopf ist, in den die zukünftigen Rentner einzahlen und so ihre zukünftige Rente ansparen. Die Renten werden über ein  Umlageverfahren finanziert. Das bedeutet grob vereinfacht, dass die aktuell ausgezahlten Renten durch die aktuell eingezahlten Rentenbeiträge finanziert werden.

Das wurde nach dem Krieg so eingeführt, weil diese Art der Finanzierung den Vorteil hat, dass ohne Ansparphase sofort Renten gezahlt werden können. In dieses System wurden auch die DDR Renten und zukünftigen Rentenansprüche überführt.

Zu diesem Zweck mussten die in der DDR erzielten Einkommen herangezogen werden. Deren Höhe hätte für DDR Verhältnisse ausgereicht, für bundesdeutsche Verhältnisse aber hätten alle DDR-Rentner Rente auf oder unter Sozialhilfeniveau bezogen bzw. bisher in der DDR erworbenen Ansprüche wären völlig unzureichend gewesen. In Hinblick auf aktuell anstehende und zukünftige Wahlen, hatte sich Kohl und seine Mannschaft das einfach nicht getraut.

Deshalb wurden Einkünfte in der DDR durch Faktoren für jedes einzelne Jahr auf bundesdeutsches Einkommensniveau hochgerechnet. Dabei hat man sich an den Durchschnittseinkommen der DDR und der Bundesrepublik in den einzelnen Jahren der Zweistaatlichkeit orientiert. So wurde ein Durchschnittseinkommen in der DDR rentenrechtlich wie ein Durchschnittseinkommen in der Bundesrepublik bewertet.

Rentenpflichtige Einkünfte im Beitrittsgebiet nach dem 3. Oktober wurden dann aber normal bewertet, wobei auch hier noch bis zur Herstellung einheitlicher Einkommensverhältnisse in der Bundesrepublik persönliche Entgeltpunkte (Ost) gebildet werden , die innerhalb der Rentenberechnung mit dem aktuellen Rentenwert (Ost) bewertet werden.

Wenn derzeitige Durchschnittsrentner im Beitrittsgebiet noch eine höhere Rente beziehen, als Durchschnittsrentner im Westen, dann liegt das an den ungebrochenen Erwerbsbiografien der Ostrentner und der Tatsache, dass Frauen im Osten durch eigene Arbeit höhere Ansprüche haben, als Hausfrauen im Westen. Soweit die Statistik.

Damit wird es aber in Zukunft vorbei sein. Mit der Wende und der Deindustrialisierung im Osten, zog die Arbeitslosigkeit ein und die ungebrochenen Erwerbsbiografien wurden zur Seltenheit. Außerdem wurden neue Jobs vorwiegend im Niedriglohnsektor geschaffen. Das hat zur Folge, dass die Rentenansprüche im Beitrittsgebiet von Jahr zu Jahr tendenziell niedriger werden.

Der in dem Artikel gezogene Vergleich mit dem Zwillingspärchen, wo der Westzwilling weniger Rente bekäme, als sein Ostzwilling, hinkt. Denn der Artikel geht davon aus, dass beide das gleiche Einkommen erzielen. Richtig ist aber, dass der Ostzwilling statistisch gesehen nur etwa 77 Prozent dessen verdient, was sein Westzwilling hat. Dieser Einkommensunterschied ist in den letzten 15 Jahren übrigens nicht geringer geworden.

Als Fazit bleibt zu sagen, dass diejenigen, die ihre Rentenanwartschaften zu DDR-Zeiten erworben haben, am besten gestellt sind. Wer danach noch arbeiten musste wird immer weiter schlechter gestellt sein, je nachdem wie lange er in der Bundesrepublik arbeiten musste oder muss.

Wenn die geburtenstarken Jahrgänge (1955-1969) im Beitrittsgebiet in Rente gehen, werden überdurchschnittlich viele auf Grundsicherung angewiesen sein.

Antwort
von Zeitzeugenfall, 19

Seriös kann ein Vergleich Durchschnittsrente OST- WEST nicht erstellt werden. Daher sind Vergleiche durch Presse z.T. wider besseres Wissen moralisch verwerflich,hetzen die Menschen in Ost u. West gegeneinander auf.  Es handelt sich nämlich zum großen Teil um sehr unterschiedliche Personengruppen , die da "verglichen " werden.=

FAKTEN : in der DDR waren alle Personen in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert ,auch alle Staatsbedienstete,Offiziere, Berufssoldaten, Professoren,Dozenten ,aller Uni-Mitarbeiter, Lehrer, Betriebsdirektoren u. alle Verwaltungsmitarbeiter aller dieser volkseigenen Betriebe,staatliche Notare,Rechtsanwälte,Minister, alle Ministeriumsmitarbeiter, Parteifunktionäre ,alle Mitarbeiter der Parteien, Massenorganisationen,alle Arbeiter, Angestellte der Betriebe ,des ganzen Handels, Hotelwesen-= alles staatlich,der staatl. Bahn, der staatl. Post des ganzenVerkehrswesens.=Überhaupt für alle DDR-Bürger, denn es bestand Arbeitspflicht -u-recht für ALLE.auch für alle Frauen ( außer im Kinderjahr für die Zeit jedoch auch geringeRentenanwartschaft.) Und überhaupt für ALLE.   FAZIT : Also waren auch alle gut und sehr gut verdienenden  Personen bis zum Minister , Generaldirektor usw. in der gestzlichen Rente, Auch Beamte mit Beamtenversorgung u,Selbständige mit eigener Versorgung , ebenfalls Berufständische Versorgungswerke ( Rechtsanwälte, Ärzte, Künstler u.a.-wie im Westen gab es nicht. Dadurch waren auch alle Gut-u. Bestverdiener gemeinsam mit den Gering-u. Mittelverdienern in EINER Rentenkasse. (Zusätzlich gab es für einige Berufe außerhalb der Rentenkasse eine geringe Zusatzversorgung, die lohnabhängigen Beiträge wurden jedoch voll nur in die gestzliche Rente gezahlt))Durch  diese Gutverdiener mit ihren hohen Beiträgen ist die Durchschnittsrente im Osten naturgemäß hoch- jedoch nicht höher als im Westen   IM WESTEN sind u. waren DIE GUT -U: SEHRGUTVERDIENER NICHT IN DER GESETZLICHEN RENTE = BEAMTE, SELBSTÄNDIGE; VERSORGUNGSWERKE DER JURISTN; ÄRZTE; KÜNSTLER , OFFIZIERE; BERUFSSOLDATEN; MINISTER ;ABGEORDNETE; MANAGER DER WIRTSCHAFT und und und. WEIL DIESE IN DER GESETZL: RENTENBEITRÄGEN u, RENTEN nicht vorkommen, senkt das im Westen die Durchschnittsrente. Daher kann man keinen VERGLEICH dieser unterschiedlichen Rentensysteme u. Personengruppen anstellen.  Dazu kommen die längerenLebensarbeitszeiten (ZB. meine im Osten 48 Jahre) die vollen Arbeitszeiten für alle Frauen. Keine Arbeitslosenzeiten u.a.

Z,T. bestehen diese Unterschiede Ost- West bei den jetzigen Beitragszahlern auch heute noch. Denn im osten gibt es nur ganz wenige Beamte -fast alle Lehrer  u. Verwaltungsmitrbeiter sind Angestellte u. nicht verbeamtet.

Der Vollstädigkeit wegen sei noch bemerkt, daß seit der Einheit 2 Millionen junge Menschen aus dem Osten in den Westen gingen u.dort einzahlen.

Und von 1947 -1961 fast 5 Millionen junge Beitragszahler aus der DDR in den Westen gingen (fast aus jeder Familie)u. dort in die Rentenkasse einzahlten, diese zum Überlaufen füllten, weil ihre alten Eltern- für deren Rente sie lt. Generationenvertrag zuständig waren- im Osten ohne natürliche Versorger blieben.

DARUM bitte keine solchen miesen , unsachlichen Vergleiche  anstellen. Freuen wir uns über die gelungene Wiedervereinigung, durch die die Menschen im Osten nach ihrer  ungerechten schwersten Last aus den Kriegsfolgen jetzt gerecht mit allen Deutschenleben können. Die ätere Generation (auch meine Eltern starben im Osten in Armut,deren 2 Söhne auch 1957 in den Westen gingen u. dort einzahlten)  hat die Einheit nicht mehr erleben dürfen.

Antwort
von Geraldianer, 81

Hauptsächlich weil die Frauen in der DDR wesentlich mehr gearbeitet haben als im Westen. Die erhöhen dann den Durchschnitt.

Allerdings gibt es auch unterschiedliche Berechnungsformeln. Bei gleichen Einkommen erhält ein Arbeitnehmer in den Neuen Bundesländern eine höhere Rente.

Antwort
von Zeitzeugenfall, 11

Beim  1. Beitrag kann ich nur dem 1. Teil zustimmen, wobei auch der unvollständig ist

Der untere Teil ist falsch, denn die Ostrenten wurden weder damals noch heutevoll auf Westniveau gebracht und wegen Wahltaktik ebenso NICHT,. Denn der Rentenwert Ost und West interschied sich 1990 ca. 40 %  zugunsten des Westens und gegenwärtig  2016 liegt er im Westen bei ca 92,3 € pro Rentenpunkt , den man bei Durchschnittsverdienst im Jahr angerechnet bekommt. Im Osten beträgt der Rentenwert im Gegensatz dazu 2016 nur ca. 26,7€ pro Rentenpunkt.

Das entspricht der Realität  und der GERECHTIGKEIT und hat  mit Ihrer Irreführung " aus wahltaktischen Gründen" nichts zu tun. Den Satz hätten Sie sich sparen können u. müssen, denn er befeuert nur die Hetze in dieser Frage.

Außerdem verweise ich wegen der -Vollständigkeit  und der Verschiedenheit der Personengruppen der beiden Rentensystem in Ost u. West -auf meinen Beitrag weiter unten vom 3. 1. 2016.

 DANKE

Antwort
von sabirke, 59

Zum einen, weil der Artikel von einem Westdeutschen für Westdeutsche geschrieben wurde. Aber auch, weil es in der DDR keine Arbeitslosigkeit und damit keine Brüche in der Erwerbsbiografie gegeben hat. Und im Durchschnitt ist der See 50 cm tief und dennoch ist ein erwachsener Mann darin ertrunken. Ich meine damit, wenn in Westdeutschland der größte Teil der Frauen kaum erwerbstätig war, weil Kinder, Küche, Kirche der Lebensinhalt waren dann bekommen diese auch viel weniger Rente und drücken somit auch den Durchschnitt. Dennoch können viele Rentnerpaare in Westdeutschland von der Rente des Ehemanns sehr gut leben, im Osten werden schon beide Renten gebraucht um wirklich im Alter leben zu können.

Kommentar von lesterb42 ,

Wir gedenken der vielen aus Nahrungmangel verstorbenen Rentner in der ehemaligen Ex-DDR

Antwort
von Bitterkraut, 65

Vielleiht, weil die Leute da durchschnittlich längere Anrechnungszeiten haben

Antwort
von voayager, 42

Da es in der DDR keine Arbeitslosigkeit gab, ergaben sich so mehr Arbeitsjahre als bei etlichen Westdeutschen.

Antwort
von petrapetra64, 42

Weil es in der DDR keine Rentnerinnen gibt, die nur Hausfrauen waren oder lange nur Teilzeit gearbeitet haben, wie bei uns. Daher haben vor allem Frauen eine durchschnittlich höhere Rente als im Westen.

Antwort
von Roderic, 65

Ist sie das tatsächlich?

Statistische Angaben lassen sich sehr leicht nach Belieben interpretieren, wenn man den Kontext der erhobenen Daten nicht richtig berücksichtigt.

Kommentar von Roderic ,

Nun. In dem Artikel ist doch gut erklärt, warum das so ist. Und vor allem steht darin, das es offensichtlch nicht ganz so einfach ist, das vermeintliche Problem aus der Welt zu schaffen. Das bei der Vereinigung nicht alles zur 100%igen Zufriedenheit aller Beteiligten abgelaufen ist, wissen wir doch. Nichtsdestotrotz hätte es auch wesentlich schlimmer ablaufen können. Politik ist immer das Finden von Kompromissen.

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