wie komme ich nur aus meiner Depression wieder heraus?

... komplette Frage anzeigen

5 Antworten

Hallo moonchild1972,

ich habe Deine Schilderungen mit großer Aufmerksamkeit und mit noch größerer Betroffenheit gelesen! Dass Du in Deiner Kindheit ein solches Martyrium ertragen musstest, ist einfach schrecklich und erklärt natürlich vieles. Dennoch kannst Du stolz darauf sein, es so weit gebracht zu haben; immerhin gehst Du einer Arbeit nach und hast all die vielen Jahre bereits durchgehalten! Nun haben Dich wahrscheinlich die Kräfte verlassen und Deine Hoffnung schwindet allmählich dahin.

Du schreibst, dass Du ein hochdosiertes Antidepressivum nimmst. Hast Du den Eindruck, dass dieses Medikament irgendwie Deine depressive Stimmungslage verbessert? Falls nicht, dann könntest Du mit Deinem Arzt sprechen, ob er vielleicht auf ein anderes Medikament umstellen könnte. Mache jedoch bitte nie Alleingänge, was Medikamente anbelangt, sondern stimme bitte immer alles mit Deinem Arzt ab! Was die Psychotherapie betrifft, so könntest Du Dich bei einem neuen Therapeuten auf die Warteliste setzen lassen. In Deiner Situation ist es wahrscheinlich sehr wichtig für Dich, weiterhin therapeutisch begleitet zu werden.

Es gibt allerdings über die fachlichen Hilfen hinaus einiges, was Du selbst tun kannst, um Deine Depressionen wirksam zu bekämpfen. Einer der wichtigsten Schritte im Kampf gegen Depressionen ist, dass Du mit jemandem darüber sprichst. Ich meine, Gespräche auch außerhalb einer Therapie. Warum ist das so wichtig? Nun, niemand kann wissen, wie es in Deinem Herzen aussieht, wenn Du nicht aus Dir herausgehst und Dich jemandem mitteilst. Außerdem ist es ein Heilungsprozess, Gefühle in Worte zu kleiden, denn allein über Deine schmerzlichen Erfahrungen zu reden, kann Deinem Herzen Erleichterung bringen. Wenn Du jedoch Deine Gefühle in Dich einschließt und unterdrückst, dann leistest Du Deinen Depressionen nur Vorschub. Doch ist hier auch ein Wort zu Vorsicht angebracht: Überlege Dir ganz genau, wem gegenüber Du Dich öffnen willst. Es sollte sich auf jeden Fall um eine vertrauenswürdige, mitfühlende und verständnisvolle Person handeln, die selbst stark genug ist, Dir wirklich beizustehen.

Ein weiterer Schritt ist, dass Du Deinen eigenen Wert erkennst. Mangelndes Selbstwertgefühl spielt bei Depressionen eine entscheidende Rolle. Oft ist es, wie auch in Deinem Fall, aufgrund von körperlicher und/oder psychischer Misshandlung in der Kindheit entstanden. Auch wenn frühere negative Erlebnisse bei Dir emotionelle Narben hinterlassen haben, solltest Du daran denken, dass dies nichts an Deinem Wert als Mensch ändert. Daher solltest Du Dich um eine ausgeglichene Ansicht über Deinen wahren Wert als Person bemühen.

Es kann allerdings etwas geben, dass Dir immer wieder Dein Selbstwertgefühl raubt, wenn Du Dich nämlich wegen jedes kleinen Fehlers selbst zerfleischt. Wenn es auch Dir so ergeht, dann denke daran, dass eine solche unvernünftige Fehlersuche Deine Selbstachtung in einem erheblichen Ausmaß untergräbt. Vergiss nicht: Wir alle haben unsere Fehler und Schwächen. Doch wir haben auch Stärken. Statt sich auf eine penible Fehlersuche zu begeben, sollte man lieber an das denken, was man besonders gut kann. Vielleicht setzt Du Dich einfach mal hin und schreibst all die Stärken und positiven Eigenschaften auf, die Du an Dir entdeckst.

Es ist ganz verständlich, dass Du so schnell wie möglich wieder aus Deiner Depression herauskommen willst und Du machst Dir womöglich Vorwürfe, dass Du nicht mehr so leistungsfähig bist wie früher. Vielleicht sagst Du Dir innerlich immer öfter: "Ich bin doch zu nichts mehr zu gebrauchen". Doch mit solchen Selbstvorwürfen raubst Du Dir nur Dein Selbstwertgefühl und Du verschlimmerst Deine Depression. Ganz wichtig ist es gerade jetzt, dass Du nachsichtig und geduldig mit Dir selbst bist. Mach Dir immer wieder klar, dass es eben Zeit braucht, aus Deinem Tief wieder herauszukommen und dass eine Depression nicht ewig dauert.

Da die Depression vorübergehend Deine Leistungsfähigkeit hemmt, solltest Du Dir nie zu viel an einem Tag vornehmen. Lerne es, immer nur kleine Aktivitäten durchzuführen und belohne Dich , wenn Du sie geschafft hast.

Wenn man eine Depression hat, dann saugt man negative Gedanken quasi wie ein Staubsauger in sich auf. Außerdem drehen sich Deine Gedanken wahrscheinlich ständig um Deine eigene schlimme Situation und immer wieder kommt Dir Negatives in den Sinn. Was könntest Du gegen die Negativspirale tun, in der Du gefangen bist? Versuche doch einmal ganz bewusst über Folgendes nachzudenken: Gibt es etwas in Deinem Leben, wofür Du dankbar sein kannst? Welche Menschen sind für Dich da und lieben Dich? Gibt es weitere Menschen, die Dir helfen könnten? Gibt es etwas, was Dir guttun würde, um Dich für eine gewisse Zeit von Deinen negativen Gedanken abzulenken?

Manchen hilft es, wenn sie im Laufe des Tages mehrmals etwas Schönes und Angenehmes tun und es ganz bewusst wahrnehmen. Ein Beispiel: die geliebte Tasse Tee oder Kaffee in Ruhe trinken und versuchen, die damit verbundene Freude bewusst wahrzunehmen. Oder: In einer sonstigen angenehmen Situation verweilen und das Schöne daran eine ganze Zeitlang bewusst auf sich wirken lassen. Das wirkt wie Streicheleinheiten für Deine Seele! Probiere es doch einmal aus!

Bei der Behandlung einer Depression hat es sich sehr bewährt, sich möglichst mehrmals am Tag körperlich zu bewegen. Anfangs kann das ein kurzer Spaziergang sein, den Du im Laufe der Zeit etwas ausdehnen könntest. Das Laufen schafft das Gefühl, etwas geleistet zu haben und baut Dein Selbstwertgefühl auf. Ganz abgesehen davon, was die frische Luft und das Licht in Deinem Körper bewirken, wirst Du feststellen, dass beim Laufen Deine Grübeleien über Negatives nachlassen oder sogar ganz verschwinden. Andere Möglichkeiten der Bewegung wären z.B. Radfahren, Schwimmen oder Gartenarbeiten. Auch wenn es Dich anfangs große Überwindung kostet Dich in Bewegung zu setzen, wirst Du feststellen, dass sich Deine Stimmung mehr und mehr aufhellt.

Ich möchte Dich bei dem Thema Depressionen noch auf einen anderen, wichtigen Aspekt aufmerksam machen. Obwohl die Bibel kein medizinischer Ratgeber ist enthält sie dennoch einige sehr ermunternde Aussagen und eine kostbare Hoffnung. Immer wieder zeigt die Bibel, dass Gott besonders Niedergedrückte sehr am Herzen liegen. In Psalm, Kapitel 72, Vers 13 und 14 heißt es:" Es wird ihm leid sein um den Geringen und den Armen, Und die Seelen der Armen wird er retten. Von Bedrückung und von Gewalttat wird er ihre Seele erlösen,und ihr Blut wird kostbar sein in seinen Augen." Ist es nicht schön zu wissen, dass Gott an Deinem Leid nicht einfach vorbei sieht? Er verspricht uns, zu helfen, sofern wir an ihn glauben und bereit sind, seinen Willen zu tun. Viele, die unter Depressionen litten, haben gemerkt, dass ihnen ein enges Verhältnis zu Gott sehr geholfen hat, nicht mehr so bedrückt und hoffnungslos zu sein. Darüber hinaus ist es auch sehr wichtig, das Gespräch zu jemandem zu suchen, der Dir einfühlsam zuhören kann und der auch reif genug ist, Dir zu helfen. Vielleicht gibt es ja in Deinem Freundes- oder Bekanntenkreis jemanden, zu dem Du Vertrauen hast und an den Du Dich wenden könntest. Ja, schöpfe alle Hilfen aus, die Dir zur Verfügung stehen!

Ich wünsche Dir für die kommende Zeit viel Kraft und dass Dir Menschen zur Seite stehen, die Dich stützen und Dir beistehen! Gib bitte niemals auf, auch wenn Dir immer mal wieder danach ist! Es bleibt nämlich nicht immer alles so, wie es gerade ist! Es gibt Hoffnung, vergiss das bitte niemals!

LG Philipp

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung


Was ich dir aus der Ferne raten kann: Treibe Sport. Jogge, laufe, walke, fahre sportliches Fahrrad. etc...

Depression ist immer auch mangelnde körperliche Energie. Sie ist in der Depression runtergefahren und macht dadurch die Depression schlimmer. Das kann jeder, auch Nicht-Depressive an sich selbst feststellen. Wenn man bei schlechten Wetter z.B. den ganzen Tag auf der Couch vor dem Fernseher hängt und sich passiv berieseln lässt, kommt man mit der Zeit in einen depressionsähnlichen Zustand. Allerdings geht der bei einem gesunden Menschen sehr schnell weg, wenn dieser Mensch mit dem Hund rausgeht, sich also bewegt.

Also mach Sport!!! Auch in psych. Kliniken wird den depressiven Patienten Sport verordnet. Nicht zu lange schlafen, d.h. früh aufstehen und sich bewegen. So fährst du automatisch die Körperenergie wieder hoch und das wirkt der Depression entgegen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von moonchild1972
13.11.2016, 19:23

Dankeschön. Ganz lieben Dank, ich werde es ausprobieren.

0

Liebe Freundin Moonchild,

es tut mir so leid, dass es Dir so schlecht geht und ich war erschüttert über Deine Worte. Ich empfinde tiefes Mitgefühl für Dich und nehme Dich geistig in meine Arme. Ich habe Dich als einen so wundervollen und lieben Menschen kennengelernt und es tut mir mit weh, dass Du zur Zeit so leidest.

Als erstes schicke ich Dir diesen Link, da ich dort vor kurzem Tipps zur Selbstinitiative bei Depressionen gegeben habe.

https://www.gutefrage.net/frage/depression-was-hilft?foundIn=list-answers-by-user#answer-228134181

Darüber hinaus kannst Du mir gerne persönlich schreiben, und ich werde gerne versuchen, Dir in dieser schweren Zeit hilfreich zur Seite zu stehen.

In Gedanken bei Dir und für Dich da

Buddhishi

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von moonchild1972
13.11.2016, 19:57

Danke Dir für Deine Antwort liebe Buddhishi,

das ist total lieb von Dir. Ich werde diese Tipps ausprobieren. Morgen werde ich einen früheren Therapeuten aus meiner Jugendzeit anrufen. Er war damals sehr gut und war in Vergessenheit geraten. Ich hoffe, dass er mich nimmt. Es ist lange her. 28 Jahre.

0

Wenn es bei dir im Moment wirklich so akut ist, würde dir ein stationärer Aufenthalt vielleicht helfen. Mit deinem Partner solltest du übrigens auch reden. Er ist nicht nur für die guten Seiten im Leben da sondern sollte dich auch unterstützen, wenn es dir schlecht geht.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von moonchild1972
13.11.2016, 18:25

Lieben Dank für Deine Antwort. Mein Partner ist sehr für mich da. Ein stationärer Aufenthalt kommt wegen meiner Arbeit und aufgrund schlechter Erfahrung in der Psychiatrie leider nicht mehr in Frage. Aber ist lieb, dass Du mir geantwortet hast.

0
Kommentar von ApfelTea
13.11.2016, 18:43

Ich weiß, dass diese Krankheit ein richtig zäher Brocken sein kann. Du darfst aber auf keinen Fall aufgeben und sie gewinnen lassen. Ich bin keine Psychologin sondern nur Krankenschwester aber ich geb dir mal den Tipp, dich so weit es möglich ist, nur mit schönen Dingen zu beschäftigen. Lustige Musik, ein gutes Buch, tolle Filme mit dem Partner schauen etc. :) gute Besserung

1

Deine Situation klingt alles andere als lustig. Das einzige was man alleine machen kann ist Sport. Gemäss diverser wissenschaftlichen Studien wirkt besonders Ausdauersport sehr gut gegen Depressionen. Voraussetzung dafür sind mind. 4 Trainingseinheiten an 20-30 Minuten die Woche. Bis eine Verbesserung spürbar wird dauert es i.d.R. 4 Wochen.

Meist jedoch kommt man nicht alleine aus einer Depression. Je nach Schweregrad ist eine Psychotherapie oder auch Medikamente unausweichlich.

Gehe zu einem Psychiater. Der ist ein Arzt und die Krankenkasse übernimmt die Kosten. Wenn du keinen findest der Platz hat suche unbedingt weiter. Nicht aufgeben!

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von moonchild1972
14.11.2016, 23:38

Dankeschön samm1917,

das sind gute Ratschläge. Morgen gehe ich zu meiner Nervenärztin (Psychiaterin) bei der ich schon eine Weile in Behandlung bin. Sie hatte heute und am Wochenende zu. War heute mit meinem Lebensgefährten ins Krankenhaus gefahren, da ich wie ein Schlosshund geheult habe und auch meinen Suizid ganz exakt und totsicher geplant habe! Den Ernst der Lage sah ich dann irgendwie ein und fuhr also mit ihm zusammen zum Krankenhaus. Aber jetzt kommt der absolute Hammer: Sie wollten mich nicht aufnehmen!
Mein Partner hat mich mit zu sich nach Hause genommen, damit ich die Nacht nicht alleine bin.
Morgen rufe ich die Krankenkasse an und frage nach, ob das Krankenhaus das darf! Falls nicht, melde ich das der Ärztekammer und mache eine Anzeige wegen unterlassene Hilfeleistung.

Das ist eine gute Idee von Dir mit dem Sport und ich werde sie umsetzen.

Medikamente nehme ich bereits ein, aber sie helfen nicht mehr :( ... Um das Krankenhaus zu vermeiden, werde ich morgen die Ärztin fragen, ob sie etwas an meinen Medikamenten verändern kann.

Eine Psychotherapie ist ein guter Weg. Ich habe die letzten 6 - 8 Wochen sämtliche Therapeuten angerufen. Sehr viele haben keine Kapazität und setzen auch niemanden mehr auf die Warteliste. Und die, die frei sind, nehmen keine Kassenpatienten.

Aber ich werde es weiter probieren.

Dankeschön.

0