Frage von Barnaulka, 186

Wie können wir ein Räumungsurteil abwenden?

Wir sind sehr verzweifelt. Unsere Wohnung, in der wir seit 10 Jahren leben, wurde verkauft. Der neue Eigentümer hat uns wegen Eigenbedarf gekündigt. Da wir privatinsolvent sind und außerdem ein zu geringes Einkommen haben, finden wir keine neue Wohnung. Die Miete von 850€ warm konnten wir aber stets pünktlich bezahlen. Es gibt hier in Berlin auch genug freie Wohnungen zu diese Miete, wir haben jedoch aufgrund unserer finanziellen Situation und der zerschosenen Schufa nur Absagen erhalten.Nun wurde das Urteil verkündet: Bis zum 30.06.16 müssen wir ausgezogen sein.

Hier nun meine Fragen:

a)Was können wir tun, um eine neue Wohnung zu finden. Wer hat eine Idee?

b) Falls wir keine finden, gibt es eine Möglichkeit, die Räumung hinauszuzögern?

Es gibt den Antrag auf Verlängerung der Frist und auch den Vollstreckungsschutz.

Wir haben ja einen Anwalt, aber wir sind uns nicht sicher, ob er uns wirklich realistische Ratschläge gibt, oder doch ehr solche, die gut für sein Portemonnaie sind, daher kamen wir auf die Idee, einmal hier zu fragen.

Wir würden dem ganzen Albtraum auch am liebsten mit einem Auszug ein Ende setzen.

Privatinsolvent sind wir übrigens durch die Folgen eines Betrugs geworden. Grundsätzlich haben wir unsere normalen Rechnungen immer bezahlt.

Weiss jemand Rat auf unsere Frgen?

Vielen Dank im Voraus!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von wfwbinder, 96

Geht zu Eurem Wohnungsamt ist beim Bürgeramt.

Dort bekommt ihr dann die Berechtigung für das "geschützte Segment."

Das Wohnungsamt garantiert für die Mietzahlung, womit dann bei den öffentlichen Anbietern, die ihr schon genannt habt, die Schufa ersetzt wird.

Habe das mit einem Mandanten schon mal durch. ist unproblematisch. Im idealfall eine Sache von 4-5 Tagen.

Kommentar von Barnaulka ,

Wir waren bereits vor dem Gerichtsprozess dort, worauf sie meinten, dass sie nichts für uns tun könnten. Wir gehen ebenfalls davon aus, dass dies nun anders ist, jetzt wo das Räumungsurteil vorliegt.

Kommentar von wfwbinder ,

Genauso ist es. Mit dem Räumungsurteil müssen die Euch helfen.

Kommentar von Barnaulka ,

Vielen Dank nochmal für den einschlägigen Rat. Er klang sehr vielversprechend. Man hat uns aber mitgeteilt, dass das Kontingent für dieses jahr bereits aufgebraucht sei. Sie meinten ja, dass man einen Rechtsanspruch auf eine Wohnung im geschützten Marktsegment hätte. Auf dem Wohnungsamt wurde das verneint. In einem Flyer fand ich dann tatsächlich auch folgedende Information:

"Wichtiger Hinweis!Da es sich um ein freiwilliges Leistungsangebot han-delt, besteht kein einklagbarer Rechtsanspruch auf die Marktsegment-Erteilung und die daraus resul-tierende mögliche Wohnraumverteilung...."

Auf dieser Seite finden Sie mehr dazu:

https://www.berlin.de/lageso/soziales/geschuetztes-marktsegment/

Was meinen Sie nun? Ich sehe uns bereits auf der Straße sitzen....

Kommentar von wfwbinder ,

Dann geht ml zu der genannten Zeko. Ich bin mir sicher, man wird Euch helfen. 

Antwort
von DieMoneypenny, 86

Ihr solltet bei Besichtigungen auf jeden Fall mit offenen Karten spielen und dem Vermieter auch erklären, dass er keine zahlungswilligeren Mieter finden wird. Denn ihr würdet mit neuen Schulden durchaus die Restschuldbefreiung gefährden.
Vielleicht kann Euch auch der Eigentümer eine Referenz ausstellen, dass ihr zu jeder Zeit pünktlich bezahlt habt. Viel Glück!

Antwort
von Spirit528, 88

Falls Obdachlosigkeit droht,  muss euch jemand eine Wohnung stellen. Da ihr die ohnehin bezahlen könnt, sollte das nicht so das Problem sein.

a) Trotz SCHUFA würde ich es weiterhin versuchen. Vielleicht auch einfach mal unbürokratisch. Die Lohnbescheinigungen (und vielleicht die Kontoauszüge die bisherige Mietzahlen zeigen) sind doch Beleg genug dafür, dass man es zahlen kann. Ihr findet garantiert einen Privatvermieter, der kein Problem mit SCHUFA-Einträgen und derartigem hat. Notfalls - vorrübergehenderweise - eventuell eine Sozialwohnung einer Wohnungsbaugesellschaft. Niemand muss hier obdachlos werden. 

b) Da weiß der Paragraphencowboy sicher besser Bescheid. Die Frist scheint schon angemessen zu sein. Aber ein Antrag auf Fristverlängerung könnte hier auch möglich sein!?

Ich denke es ist für euch kein Problem in 4 Monaten eine Wohnung zu finden. 
Als ich einige Tage auf der Straße war, war ich total verzweifelt. Ich hatte nicht mal jemanden online zum Schreiben und sonst auch quasi keine Hilfe außer die Firma bei der ich mich zuvor beworben hatte. Zu diesem Moment hatte ich noch Hartz IV, aber ich fand eine Wohnung. Der Vermieter wollte nicht mal irgendeine Bonitätsauskunft. 

Es kommt halt auch immer auf den Menschen drauf an. Ich bin daher optimistisch, dass ihr was findet werdet. Und bedenkt: zu zweit ist es doppelt einfach als wenn man alleine ist! Und ich musste damals kurz vorm Winter raus. Ich war menschlich zerstört und dachte ich müsste auf der Straße verrecken wenn es kalt wird. Ich war sowas ja auch nicht gewohnt.

Sucht halt alles raus, macht einen Besichtigungsmarathon. Und wenn es ums Eingemachte geht, dann macht ganz klar, dass ihr die Wohnung nehmt und dann kann man immer noch über die Finanzen reden. 

Kommentar von Barnaulka ,

Natürlich verwsuchen wir es weiter, das Problem ist aber, dass der Wohnungsmarkt in Berlin sehr angespannt ist. In anderen Städten hätten wir sicher mehr Glück. Die Wohnungsbaugesellschaften (Degewo, Gewobag, Stadt und Land, WBM, Gesobau) nehemn uns ebenfalls nicht. Von denen haben wir bereits absagen bekommen.

Klar, obdachlos werden wir nicht, aber vom Gerichtsvollzieher in ein Obdachlosenheim verbracht zu werden, wäre sehr hart. Das wollen wir unbedingt verhindern.

Kommentar von Spirit528 ,

Wenn es ganz schlimm werden sollte, gibt es hier Informationen speziell für Berlin: http://www.wohnungslos-berlin.de/

Für den schlimmsten Fall solltet ihr euch aber Gedanken machen, wo ihr eure Sachen unterstellen könntet. Wenn das vom Räumungskommando eingelagert wird, wird das nämlich nicht so günstig. Und nett sind die auch nicht. Du bist gerade obdachlos geworden und das einzige was die Faschisten interessiert ist wer die Kosten dafür trägt..

Kommentar von Spirit528 ,

>  Die Wohnungsbaugesellschaften (Degewo, Gewobag, Stadt und 
> Land, WBM, Gesobau) nehemn uns ebenfalls nicht. 

Dann braucht ihr vielleicht einen Wohnberechtigtenschein oder wie es bei euch heißt, aber ich denke euch geht es zu gut um diesen zu bekommen.

Habt ihr denn auch bei Ebay Kleinanzeigen schon alles abgegrast?

Kommentar von Barnaulka ,

Ja, einen WBS haben wir schon seit längerer Zeit. Wohnungen, die man mit einem WBS anmieten kann, sind solche, die mit öffentlichen Mitteln gefördert wurden, trotzdem stellen die Vermieter dort dieselben Ansprüche, wie auf dem freien Markt. Dazu sind sie auch berechtigt.....

Kommentar von KaeteK ,

Wie wäre es mit einem Bürgen?

Kommentar von Barnaulka ,

Daran haben wir auch schon gedacht und keinen in unserem Umfeld gefunden.

Expertenantwort
von johnnymcmuff, Community-Experte für Mietrecht, 80

a)Was können wir tun, um eine neue Wohnung zu finden. Wer hat eine Idee?

Jemanden finden der für Euch bürgt.

Immer mit offenen Karten spielen und es auch bei privaten Vermietern versuchen.

b) Falls wir keine finden, gibt es eine Möglichkeit, die Räumung hinauszuzögern?

Hast Du selber schon genannt:

Es gibt den Antrag auf Verlängerung der Frist und auch den Vollstreckungsschutz.

Wir haben ja einen Anwalt, aber wir sind uns nicht sicher, ob er uns wirklich realistische Ratschläge gibt, oder doch ehr solche, die gut für sein Portemonnaie sind, daher kamen wir auf die Idee, einmal hier zu fragen.

Der kennt aber die rechtlichen Möglichkeiten, was die meisten Laien hier nicht kennen.

Antwort
von Jewi14, 87

Ich denke, es gibt eine Lösung für euch und zwar in  § 574 Absatz 2 BGB. Eine Eigenbedarfkündigung ist dann mit einer besondern Härte verbunden, wenn angemessener Ersatzwohnraum nur mit unzumutbaren Bedingungen möglich ist.

Da in Privatinsolvenz, wird euch jeder "normale" Vermieter nicht nehmen wollen und darin sehe ich eine besondere Härte. Beredet es mit euren Anwalt.

Kommentar von Barnaulka ,

Vielen Dank für die Antwort, aber eine Privatinsolvenz gilt nicht als Härtefall, zudem hatten wir es auch versäumt der Kündigung zu widersprechen. Wie gesagt: Das Urteil ist bereits gefällt, die Kündigung ist rechtmäßig. Das Gericht hat uns mit der Frist auch etwas mehr Zeit als üblich eingeräumt.

Macht es Sinn in Berufung zu gehen und auf die Privatinsilvenz als Härtefall zu pochen, wo diese doch landläufig nicht als Härtefall anerkannt wird?

Kommentar von Jewi14 ,

Die Privatinsolvenz nicht, aber die erschwerte Möglichkeit der Wohnungssuche. Ob ein Gericht dies als Härtefall ansieht oder nicht, hängt natürlich auch immer vom Richter ab.

Ob ihr in Berufung geht, bitte mit dem Anwalt klären. Auch mit dem klären, ob eine Fristverlängerung zum Räumungszeitpunkt möglich ist

Kommentar von Barnaulka ,

Das werden wir auf jeden Fall besprechen, nur wie gesagt, es wurde ja bereits im vorliegenden Urteil berücksichtigt, dass es schwierig für uns ist, weshalb uns die längere Räumungsfrist zugestanden wurde. Ob es da jetzt Sinn macht, mit genau demselben Argument wieder eine Fristverlängerung zu beantragen.....

Kommentar von KaeteK ,

https://service.berlin.de/dienstleistung/324485/ Eigentlich müsste die Stadt Berlin für solche Fälle Wohnungen stellen. Aber bei der Wohnungsnot, die wir jetzt zur Zeit alle zu beklagen haben, wird es schwierig. Alles Gute!

Kommentar von Barnaulka ,

Da sind wir schon vorstellig geworden, vielleicht klappt es ja. Verlassen will ich mich darauf aber nicht.

Kommentar von Ronox ,

Ich denke, es gibt eine Lösung für euch und zwar in  § 574 Absatz 2 BGB.
Eine Eigenbedarfkündigung ist dann mit einer besondern Härte verbunden,
wenn angemessener Ersatzwohnraum nur mit unzumutbaren Bedingungen
möglich ist.

Diese "Lösung" spielt überhaupt keine Rolle mehr, da ein Räumungstitel bereits besteht.

Kommentar von Barnaulka ,

Es ist eben die Frage, ob wir nicht Berufung gegen das Urteil einlegen sollen. Dann werden ja die einzelnen Gründe eventuell nochmal abgewogen.Wie sollen wir reagieren, wenn uns unser Anwalt dazu rät?

Aber wie gesagt: Wir würden eigentlich lieber ausziehen.

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