Frage von Emily4erdbeer, 58

Wie klettert man am besten einen Baumstamm nach oben?

Habt ihr Tipps, wie man da den besten Halt bekommt und möglichst schnell ist?

Antwort
von Grautvornix16, 16

Hi,- bin mir nicht sicher ob man dir Tips geben sollte weil aus der Distanz nicht einzuschätzen ist ob man da einem abenteuerlustigen aber auch unbedachten "Neuling" eine Anleitung zum "geplanten" Unfall gibt. Was du vor hast solltest du entweder unter erfahrener Anleitung lernen oder an "2m Kirschbaum im Garten" bis zum letzten Handgriff lange genug trainieren. War 20 Jahre in einem Kletterverein und auch wenn ich aktuell privat bedingt etwas raus bin aus der Nummer ist es doch eine der geilsten Sportarten die ich kenne und deshalb fühle ich mich auch irgendwie mit dem "Nachwuchs" verbunden.

Also: hier dann doch ein paar Tips:

Materialbedarf: - Klettergurt / mehrere HMS-Karabiner (Schraubverschluß) / Bandschlingen (mehrere von 1 und 2m Länge) / Kletterschuhe

Da du aber auch einen Plan haben solltest wieder herunter zu kommen hier der weitere Materialbedarf: - Kletter- oder Statikseil (Späleoseil) - Einzelseil 10,5 mm Durchmesser / Abseilachter (groß genug für Doppelstrang) / Reepschnur 6mm, ca 60 cm Länge als Schlaufe

Übe die Nutzung des Abseilachters bis du es im Schlaf beherrscht ohne das du bei der Nutzung auch nur eine Sekunde schläfst ebenso wie das für den gesteckten Achter (als Standardknoten für die Gurt-Seil-Verbindung) und den Prusikknoten (Bremsschlaufe am Seil mit Reepschnur ) gilt.

Die Technik beim Aufstieg am Stamm beruht darauf, dass du eine passend große Bandschlinge um den Baum legst und mit einem HMS-Karabiner am Klettergurt an der dafür vorgesehenen Schlaufe (ca. Bauchnabel) befestigst. Eine zweite Bandschlinge legst du in Fußhöhe um den Stamm mit Spiel genug, um sie nach oben verschieben zu können. Dabei mußt du an dieser Bandschlinge eine kleine Schlinge zur Aufnahme eines HMS-Karabiners schlagen und in den Karabiner wiederum eine Reepschnurschlaufe zur Aufnahme eines Fußes einlegen.  Die obere Schlaufe muß Spiel genug haben damit du dich etwas in Rückenlage bringen und nach der unteren Bandschlinge zum Hochschieben greifen kannst. Dabei blockiert die obere Schlinge deine Position am Stamm. Wenn du die untere Schlinge nachgezogen hast blockiert diese wiederum bei Belastung durch deinen Antritt und du kannst mit leichter Bewegung deines Körpers zum Stamm hin  die obere Schlinge lockern und nach oben verschieben. Dann geht alles wieder von vorne los. Dabei solltest du Kletterschuhe nutzen da diese sowohl speziell versteifte Hartgummisohlen mit erhöhtem Reibungswiederstand (solange der Baum nicht naß ist) bei gleichzeitig gutem Standgefühl haben. Das wird besonders wichtig wenn du dir im Geäst unter Anbringung einer Zwischensicherung eine Abseilstation bauen mußt. 

Während des Aufstiegs führst du die weiteren Bandschlingen sowie das Seil   am Klettergurt mit. Am Gurt ist es mit einem gelegten Achter über einen leichten Materialkarabiner in den dafür vorgesehenen seitlichen Schlaufen gesichert und am Boden mit dem Rest verwicklungsfrei ausgelegt.

Wenn du oben bist legst du Bandschlingen so um massives Geäst in Stammnähe und verbindest sie über einen Karabiner mit deinem Gurt, dass du genügend Bewegungsspielraum zum legen des Kletterseiles hast und bei einem Ausrutschen oder Kippen nur mit ein paar Schrammen blöde am Stamm rumhängst aber keine große Sturzhöhe hast.

Das Kletterseil mußt du in einer Position in Kopfhöhe oder höher über einen Ast in Stammnähe legen. Löse das Seil noch nicht aus der Materialschlaufe /aus dem Materialkarabiner bis du ein Seilende hochgezogen und über den Ast so gelegt hast, dass das Ende wieder mit mehreren Metern Spiel auf der Erde angekommen ist. Danach ausklinken, den Abseilachter in das Seil einbinden und den Achter am HMS-Karabiner am Klettergurt einlegen. HMS zuschrauben nicht vergessen. Danach Standplatzsicherungen abbauen, Material an den Gurt klinken und abseilen.

Einfacher geht es aber wenn mann an das Seilende mehere Meter Angelschnur bindet, an dieses wiederum einen mittelgroßen  / -schweren Stein und das ganze über einen geeigneten Ast wirft. Danach Seil durchziehen (Darauf achten, das die Ast-Stamm-Gabel weitwinkelig genug ist um das Seil beim durchziehen nicht zu blockieren. Dann Seil durchziehen. Wenn beide Strange herunter hängen Reepschnur mit Prusikknoten (der Prusikknoten ist ein Bremsknoten unter Last und verschiebbar bei Entlastung) in Hüft und Fußhöhe in das Seil (Doppelstrang) einbinden und nach demselben Prinzip am Seil aufsteigen (ist eigentlich auch die elegantere Methode).

Aber nochmal: ohne sehr genau den Zustand von Baum und Geäst mit fundierten Kenntnissen einschätzen zu können ist aller Aufwand für die technische Sicherung nur ein "Placebo"  zu eigenen momentanen Beruhigung. Und ohne ausreichende Vorerfahrung und Kenntnis wichtiger Techniken und der eigenen Leistungsfähigkeit durch Klettererfahrungen "in der Wand" wandelt sich ein Baum sehr schnell vom "Freund" und "Abenteuerspielplatz" zur Falle und in einen Rollstuhl. Vergiß das nie. ;-)

Gruß


Kommentar von Grautvornix16 ,

Hm, weiß nicht ob das mißverständlich war. Also: beim Wechsel von Standsicherung in den Abseilachter - erst Achter ins Seil bauen dann Achter mit weiterem Karabiner am Gurt befestigen, Seil stramm durch den Achter ziehen und erst dann die Standsicherung ausklinken, abbauen und Material an den Gurt hängen. - Und dann gehts wieder runter. - Alles klar?

Kommentar von veritas55 ,

Und wie erkennt man ob ein Ast belastbar genug ist ?

Habe nämlich einen alten, kranken Apfelbaum dem dringend geholfen werden muss - traue mich aber nicht, Jemanden von meinen Freunden da hoch zu schicken weil ich es selber ganz sicher nicht wagen würde....

Es gibt doch bestimmt auch Äste die schon morsch sind ohne dass man  es ihnen ansieht...:/!

Kommentar von Grautvornix16 ,

Genau das ist das Problem. Wenn man "nur" Kletterer ist erkennt man es eben nicht ohne auch gleichzeitig spezifische botanische Kenntnisse zu haben. Deshalb ist Baumkletterer auch nicht gleich Felskletterer. - Wir sind das Risiko durch "gabelnahe" Umlenkung / Auflagerung des Seils eingegangen in der Hoffnung es dadurch minimieren zu können - Physik eben.

Antwort
von schlaumensch123, 20

Was mir grad noch einfällt: allerdings nicht ungefährlich und geht nurmei dickeren bäumen. Seil um den baum an beiden füßen festbinden bei den händen seil um den baum legen und an den seiten schlaufen machen. Jetzt kann man sich abwechselnd gut hochstützen und ziehen.

Antwort
von schlaumensch123, 8

Entweder leiter oder wenn du es professionell machen willst am seil.empfiehlt sich vor allem an höheren Bäumen.Dafür aber umbedingt mit erfahrenen üben.

Mit steigeisen ist nicht zu empfehlen, da der baum dadurch einen großen schaden nehmen kann.

Antwort
von Flocom, 28

Tutorial: http://de.wikihow.com/Auf-einen-astlosen-Baum-klettern

Antwort
von Lordofhellfire3, 22

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