Frage von douschka, 76

Wie kann zur freiwilligen Abgabe von Tieren überzeugt werden?

Vorab, ich möchte keinen weiteren Hund. Aus Mitleid und weil es mit meiner Hexe passt, habe ich kranken und betagten Haltern tägliche Gassigänge für ihren Hund angeboten. Das funktioniert gut. Durch die nun schwere Lebenskrise der Halter mit vielen Krankenhausaufenthalten ist deren Hund fast bei mir eingezogen. Die 8- jährige sehr schwergewichtige Labihündin ist aufgeblüht und mag nicht mehr zu ihren Leuten. Sie lehnt sie ab, was mir und besonders den Haltern weh tut.

Fakt. Die Halter sind schwer krank und können ihren Tieren (Katzen und Hund) nicht mehr gerecht werden und haben auch sonst die Übersicht verloren. Wir als Nachbarschaft kümmern uns besonders in Abwesenheit der Halter (KH). Keine Dauerlösung. Die Einsicht zur nicht gerechten Tierhaltung seitens der Besitzer besteht, jedoch nicht die Konsequenz daraus. Sie kämpfen ums Dasein und Aufrechterhaltung einer Fassade. Zu menschlich, mir tun die Tiere leid und die Besitzer, die Halt und Trost bei ihnen suchen und es doch nicht schaffen.

Wenn die Tiere ihr Elixier sind und sie doch nicht bewältigen können, wie geht man diplomatisch vor? Sehe die Menschen und auch die vernachlässigten Tiere. Wie damit umgehen? Welche Wege?

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von xttenere, 17

Ich verstehe Dich nur zu gut. Diplomatie ist die eine Sache, das Wohl der Hündin eine andere.

Ich war mit unserem kleinen Papillon in einer ähnlichen Situation. Als mein damaliger Lebenspartner und Besitzer des Kleinen an Lungenkrebs erkrankte, musste er zur Bestrahlung und Chemo für längere Zeit ins Spital. Sein Wunsch war, dass ich seinen Hund mitnehme, wenn ich ihn besuche. (in die Kafeteria...dort waren Hunde erlaubt ) Ich hab im diesen Wunsch erfüllt...nur ein einziges Mal. Der sonst so mutige kleine Hund sass da wie ein Häufchen Elend da und zitterte. Dieser Geruch um ihn herum und der Zustand seines Herrchens war zuviel für ihn. Ich hab ein Machtwort gesprochen, und seinen SAM ( so heisst der Kleine )  nicht mehr mitgenommen. Mein Partner war traurig...aber er hat es verstanden, weil er wollte dass es dem Kleinen gut geht.

Zum Wohle der Hündin würde ich mit den Besitzer deutlich über die Psyche des Tieres sprechen...das es unter diesem Zustand leidet, und versuchen eine gemeinsame Lösung zum Wohle der Fellnase zu treffen. 

Wenn die Besitzer uneinsichtig sind, wirst Du Dich zurück ziehen müssen, so sehr es dich auch schmerzt.

Aber ich denke, das die Beiden früher oder später auf Dich zukommen werden, da sie ihren Zustand und ihre Unzulänglichkeit einsehen werden.

Kommentar von xttenere ,

Danke für den Stern

Antwort
von beglo1705, 13

Schwierig, da sehr viele Emotionen mit im Spiel sind. Da ist Diplomatie höchsten Grades gefragt von dir. Allerdings muss auch dazu gesagt werden, freiwillig geht nicht mit Druck, sondern nur wenn die Besitzer das auch verstehen, begreifen und "abspeichern" und das positiv behaftet.

Eine Möglichkeit für dich wäre, den Besitzern zu zeigen, wie sehr die Tiere bereits auf dich/auf euch fixiert sind. Taten, statt Worte. Das überzeugt mehr und nachhaltiger, als eine Liste mit Pro und Contra aufzuzeigen, die im Nachhinein vielleicht negativ rüber kommt und die Nachbarn sozusagen komplett dicht machen, da sie ja sowieso schon hinter der Fassade leben, geprägt durch zusätzliche, schwere Krankheit.

Wenn die Nachbarn das dann begriffen haben, könntet ihr evtl. mit Eigeninitiative einen guten Platz für die Tiere suchen, die Nachbarn mitnehmen und auch mit entscheiden lassen, kennen lernen, Sicherheit vermitteln. Das ist ganz wichtig und muss behutsam angegangen werden.

Ein ähnliches Problem hatten wir auch in unserer "Gassigemeinschaft". Ein ganz freundlicher älterer Herr, der immer mit dabei war, hatte auch einen Hund und er ist leider auch erkrankt, musste ins Heim. Wir haben uns auch Gedanken gemacht, was den nun mit dem übrig gebliebenen Hund passiert, da wir allesamt keinen zusätzlichen Hund aufnehmen konnten und wollten.

Wir haben dann den Herrn gefragt, wie wir helfen können, damit er sich um seinen Hund keine Sorgen mehr machen muss. Er war ziemlich erleichtert, dass "der wilde Haufen " sich darüber mehr Gedanken gemacht hat, als seine restliche Familie, die nur an dem Grundstück welches zu erben war interessiert war.

Kurzum, jede von uns hat Aushänge gemacht, einen guten Platz zu suchen für den betagten Cocker im ganzen Landkreis.

Eine verwittwete, rüstige Dame hat den Hund übernommen, nachdem man zusammen mit dem Herrn dort hin gefahren ist, alles besprochen und sich kennen gelernt hat. Schlußendlich hat der Halter entschieden, wo es für seinen treuen Freund wohl am Besten ist. 

Hier war meine Frage dazu:

https://www.gutefrage.net/frage/hat-jemand-eine-gute-idee-um-hier-zu-helfen?foun...

Ich wünsche dir, dass ihr das richtige Verhandlungsgeschick im richtigen Moment habt, denn trotz aller Diplomatie und trotz allem Verständnis dem Gegenüber gehört für so ein Vorhaben auch etwas Glück dazu.

Antwort
von michi57319, 31

Ich kann deine Gedanken und auch dein Engagement nur zu gut nachvollziehen.

In die Waagschale werfen möchte ich an dieser Stelle, daß ihr (die Nachbarschaft) es ja gut hinbekommt, was eine große Hilfe für die Besitzer ist. Die Dauerlösung kommt, wenn die Besitzer wirklich nicht mehr können und dann kommt es darauf an, was die Erben wollen.

Richte dich durchaus auch gedanklich darauf ein, daß der Hund im Tierheim landet, wenn die Erben den Hund nicht übernehmen wollen, utopische Preise für die Übernahme fordern, etc.

Du hast vollkommen Recht: Leiden wird das Tier auf jeden Fall. Du und die anderen mit.

Es gibt in diesen Fällen selten einfache, unkomplizierte und saubere Lösungen.

Meine Idee dazu wäre noch, den Hund schriftlich und vertraglich gesichert zu übernehmen und den Vorbesitzer regelmäßig zu besuchen, wenn er zu Hause ist. Der Hund versteht das schnell, daß er bei dir wohnt und nur noch auf Besuch bei seinem ehemaligen Herrchen ist.

Hunde sind Opportunisten.

Antwort
von Minischweinchen, 16

Hallo,

ich kann beide Seiten verstehen. Für die kranken Leute ist der Hund eine Art Strohhalm, für den es sich lohnt wieder nach Hause zu kommen, auch wenn es ihnen sehr schlecht geht , wenn sie im Krankenhaus sind oder auch zuhause. 

Sie lieben die Tiere sicherlich, entscheiden aber nicht mehr im Sinne des Hundes, weil sie entweder nicht mehr dazu in der Lage sind oder einfach der Wahrheit nicht ins Gesicht sehen möchten, weil es sie zu sehr schmerzt, der Gedanke, das die Tiere weg sind.

Leider geht dies aber auf die Kosten der Tiere. Auch das  hin und her mit dem Hund, das geht einfach nicht, denn der Hund kennt sich nicht mehr aus. Vor allem, wenn er nicht mehr dort hin will, zu seinen Besitzern, ist dies ein sehr schlimmer Zustand.

Du hattest geschrieben, das Du keinen weiteren Hund möchtest. Würdest Du dann die Labihündin auch nicht behalten, wenn Dir die Leute den Hund übergeben würden? Ich stelle es mir furchtbar vor, wenn der Hund in einem Tierheim landen würde, denn er hat sich bei Dir so gut eingelebt. Der Hund würde dies sicherlich als Katastrophe empfinden.

Natürlich könntest Du mit dem Tierschutz drohen, aber das macht man natürlich sehr ungern. 

Ich an Deiner Stelle würde erst nochmal versuchen mit den Leuten zu reden. Ihnen direkt ins Gewissen reden, von wegen...... wenn sie den Hund so lieben , wie sie vermitteln, dann denken sie im Sinne des Hundes, damit dieser wieder glücklich ist usw. Wenn, dann geht dies nur auf diesem Weg. Ebenso mit den Katzen.

Viel schöner wäre es halt, wenn Du schon mal den Hund behalten würdest. Mit den Leuten besprechen könntest, das sie Dir den Hund übergeben, aber auch schriftlich und Du sie aber besuchen kommst, wenn sie wieder aus dem Krankenhaus heim kommen, damit sie ab und zu mit dem Hund Kontakt haben und nicht ganz den Lebensmut verlieren. Deine Nachbarn haben zwar sich, aber beiden gibt der Hund sicherlich sehr viel und davor, das dieses Gefühl verschwindet, haben sie Angst. 

Was die Katzen betrifft, auch müssen diese in andere Obhut und so traurig es ist, wenn sie die Katzen nicht mehr versorgen können, muss man sich an den Tierschutz wenden, besser noch ans Veterinäramt, da diese auch handeln dürfen, jemand vom Tierschutz nicht. Sie können nur auf die Menschen einwirken und dies dann dem Veterinäramt weitergeben. 

Wenn Du schreibst, sie haben den Überblick verloren, dann wirds ja auch so ziemlich schlimm in der Wohnung aussehen oder irre ich mich da jetzt?

Wenn Deine Nachbarn nicht mehr in der Lage sind, auch sich selber nicht mehr richtig zu versorgen und die Wohnung, dann solltest Du Dich an die Diakonie o.ä. Einrichtungen wenden, damit sie Hilfe bekommen. Oder haben Deine Nachbarn Kinder?

Es ist eine ganz traurige Situation, aber passieren muss etwas. Die Tiere brauchen Hilfe , aber auch die Menschen. Das Du Ihnen dabei helfen möchtest und Dir so viele Gedanken machst, ist wunderbar, denn vielen Menschen ist alles egal, auch, wenn sie Situationen genau vor ihren Augen haben. 

Liebe Grüsse und ich wäre echt glücklich, wenn sich alles gut lösen ließe, denn so eine Situation stimmt einen immer wieder sehr traurig.

Kommentar von douschka ,

Natürlich würde ich die Hündin übernehmen, gerade weil sie nicht in so guter Verfassung ist, nicht ins TH sollte und ich sie seit ihrer Junghundzeit kenne und früher schon in Pflege und Ausbildung hatte. Bei ihr würde ich eine Ausnahme machen, weil ich die Vorgeschichte kenne. Sie wurde aus schlechter Haltung beschlagnahmt, die älteren Herrschaften hatten sie aufgenommen und sich rührend um sie gekümmert. Da waren sie noch gesund und fit. Frauchen ist inzwischen nicht mehr ganz klar im Kopf und stürzt ständig ganz arg. Herrchen hatte vor paar Wochen einen schweren Herzinfarkt und nun wurde auch noch Krebs festgestellt (Chemo usw. beginnt). Sehr tragisch. Für Haushalt und sonst. haben sie keine Kraft, entsprechend sieht es aus. Eigentlich brauchen sie eine Haushaltshilfe, aber dazu reicht das Geld wegen Verschwendungssucht nicht. Als ehem. schweizer Beamte haben sie eine fürstliche monatl. Rente und Zweitwohnsitz in D. und trotzdem ist kaum Geld übrig. Das meine ich mit Übersicht verloren. Mit ihren Kindern sind sie seit vielen Jahren zerstritten.

Ich meine, da Hund wie Katzen über dem Tierschutz kamen, sollte es den auch interessieren was für Zustände herrschen. Wir sind 4 verschiedene Nachbarn, die sich seit Jahren um die Tiere kümmern. Bissel ausgenutzt fühlten wir uns schon manchmal, aber jetzt ist die Situation sehr ernst. Danke für deine mitfühlende Antwort. LG

Kommentar von Minischweinchen ,

Nichts zu Danken, ich kann mir sehr gut vorstellen, wie Du Dich fühlst. Man kann nicht einfach wegschauen und das ist auch gut so.

Es ist ganz toll von Dir, das Du die Hündin behalten würdest - hätte mich auch gewundert wenn nicht. Du hast ein großes Herz und sehr viel Tierverstand, was man leider sehr selten trifft. 

Ich Danke Dir sehr für den ausführlichen Kommentar. Du hast recht, auf jeden Fall muss was passieren und am Besten an den Tierschutzverein wenden, von dem die Tiere sind. Am Besten wäre ein persönliches Gespräch direkt vor Ort, denn da kann man doch immer besser reden , als am Telefon.

Das andere ist halt, der Tierschutzverein kann zwar die Tiere wieder "wegnehmen" - was auch im Tierschutzvertrag steht, aber ist doch auch schwierig, denn sie haben kein Recht die Wohnung ohne Erlaubnis zu betreten. Wenn die also sagen, sie dürfen nicht rein, dann können die wieder gehen, unverrichteter Dinge. 

Wenn sie aber einen Amttierarzt, also vom Veterinäramt dabei haben, den müssen sie diesen reinlassen. 

Sie sollen halt nicht vorgewarndt sein und dann alles in Ordnung bringen, wenn die dann kommen, sondern alles so vorfinden, wie es wirklich ist.

Die Tiere werden vernachlässigt und jeder verlässt sich einfach auf Euch Nachbarn. Wird schon irgendwie gehen. Auch wenn die Besitzer an den Tieren hängen, scheint die Frau ja dies nicht mehr wirklich beurteilen zu können, was für die Tiere gut ist und der Mann kümmert sich auch nicht und möchte die Tiere aber auch nicht abgeben und dies ist doch auch ein sehr egoistischer Zug. Vor allem, wo er doch sehr krank ist.

Es ist gut zu wissen, das Du das in die Hand nimmst und die Hündin hat sehr großes Glück, das sie bei Dir gelandet ist. 

Wenn es ein "vernünftiger" Tierschutzverein ist, werden diese auch gleich handeln und Dir gerne die Hündin übergeben.

Ich wünsch Euch nur das Allerbeste und das auch die Katzen ganz bald dort wegkommen und sehr schnell einen schönen neuen Platz finden.

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