Frage von xoLara242xo, 81

Wie kann man sonst noch Bindung zum Hund aufbauen + Vertrauen?

Hallöle! :) Ich möchte noch viiiiiiel mehr Bindung zu meinem Welpen aufbauen, als wir ohnehin schon haben. ^^ Ich weiß aber nicht wirklich, wie ich das sonst noch anstellen kann.

Vor einem Monat habe ich mit ihr noch viele Zerrspiele gemacht, aber jetzt ist sie mitten im Zahnwechsel und ich möchte sie nicht an ihren Zähnchen verletzen. Wenn sie mal müde ist, lege ich mich manchmal zu ihr, aber sie will, wenn sie müde ist, ihre Ruhe haben und geht dann weg. Das akzeptiere ich natürlich auch. Sonst füttere ich sie auch oft aus der Hand, übe Blickkontakt bei Spaziergängen und beim gemeinsamen Training bauen wir wohl auch eine stärkere Bindung auf.

Kennt ihr vielleicht noch irgendwelche Bindungsspiele oder ähnliches? :) Und wisst ihr, wie ich mehr Vertrauen gewinne? Ist Bindung und Vertrauen das gleiche oder baut man mit Bindung Vertrauen auf? :D

Freue mich auf eure Vorschläge!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Muggelchen71, 42

Hallo, eine Bindung und vor allem Vertrauen baut man mit ganz klaren Regeln auf.

Jedes Wolfsrudel hat ganz klare Regeln und das schafft Sicherheit.

Ein Hund braucht jemand, wo die "Führung" übernimmt und sobald er das erkannt hat, habt ihr eine unheimlich enge Bindung weil es das ist, was ihm Sicherheit gibt.

Klar möchte man den Hund entscheiden lassen, er kommt und will gekuschelt werden, man kuschelt den Hund. Er springt ins Bett/Sofa und man findet das toll. Denkt der Hund will Zuneigung.

Aber es ist so, dass der Hund dann die Regeln aufstellt und ihr danach handelt. In Euren Augen mag das kein Problem sein, doch es entsteht so nur eine Zweckgemeinschaft und keine Bindung.

Ihr geht zuerst durch die Haustüre und beim zurück kommen auch.Ansonsten ist das so, das der Hund mit Euch gassi geht und Euch dann zurück in EURE Wohnung bringt.  Ihr entscheidet wann gekuschelt wird, wann gespielt wird. Spielzeug nach dem Spielen gleich wegräumen und nicht liegen lassen. Ihr fangt das Spiel an und hört es auf. Ihr füttert wann ihr es wollt und nicht wenn der Hund am Napf steht. Kommt der Hund und will schmusen, wird er auf sein Platz zurück geschickt. Ganz kurz später ruft ihr ihn zum kuscheln. So auch mit aufs Sofa oder Bett. Hund will hoch, dann nicht hochlassen, wegschicken und kurz danach (wenn ihr es wollt) auf Bett oder Sofa lassen.

Beim spazieren gehen Hund nicht an der Leine ziehen lassen. Macht Euch mit Spielzeug, Leckerlies wichtig und interessant. Immer wieder Komandos geben und Übungen wie sitz, platz einbauen. Leckerlies verstecken und suchen lassen. Aber ganz wichtig, Ihr entscheidet!

Immer Grenzen setzen. Eure Hund wird älter und dann sind viele Dinge nicht mehr lustig. Jede Hundemutter weißt ihre Welpen zurecht, jedes hochrangigeres Rudelmitglied korrigiert Fehlverhalten. Hier geht es auf keinen Fall um schlagen oder schimpfen, sondern um Kleinigkeiten, auch ohne Worte. Arbeitet viel mit Körpersprache und Gesten. Textet den Hund nicht zu. Man sollte nie wütend oder sauer sein, das kann ein Hund nicht verstehen. Aber immer klar und bestimmt. Habt Dinge im Kopf die ihr umsetzen wollt und zeigt Sicherheit. Hunde können sozusagen Gedanken lesen und wissen ganz genau, ob ihr das auch ernst meint oder denkt "ich probiere es mal, wird aber bestimmt nicht klappen"!

Lobt ausgiebig im RICHTIGEN Moment. Ein Hund wird nicht im nervösen und unruhigen Zustand gelobt, sondern dann wenn er sich ruhig und gehorsam verhält. Ansonsten wird der unruhige Zustand gelobt was dazu führt, dass man irgendwann einen hyperaktiven Hund hat. Streicheln und kraulen ist auch Lob. Wenn ihr raus geht, Leine erst anlegen, wenn der Hund ganz ruhig ist, Schwanz wedeln ist auch Aufregung.

Es ist eigendich ganz einfach, aber so werdet ihr ein perfektes Team und nicht nur Futtergeber und Spielanimatör. Denn dann weiß der Hund, dass er sich auf Euch verlassen kann, das ihr eine Führungskraft seit und er sich entspannen kann und nicht alles überwachen muss. Denn das ist auf Dauer sehr anstrengend für einen Hund.

Ganz viel Freude mit Euren Schatz.

Kommentar von xoLara242xo ,

Dankeschön! :) Den Großteil machen wir auch schon richtig.

Kommentar von derHundefreund ,

Diese Antwort ist, von Anfang bis Ende, einfach nur Weltklasse. Wirklich sehr guter Beitrag, ich bin begeistert!

Kommentar von Muggelchen71 ,

Danke...

Kommentar von derHundefreund ,

Alles was du geschrieben hast, stimmt bis ins kleinste Detail. Ich bin wirklich schwer beeindruckt! Kompetentes Fachwissen in seiner reinsten Form, anders kann man das nicht nennen.

Ich würde gerne erfahren, woher du das alles weißt bzw. ob du auch beruflich in dieser Richtung unterwegs bist.

Kommentar von Muggelchen71 ,

Danke! Ich schreibe Dir eine privat Nachricht. Wir lesen uns ;-)

Antwort
von Jule59, 29

Du bist auf einem sehr guten Weg! Hier eine Reihe von Bindungsspielen, die ich meinen Welpentrainings vermittelt habe:

Duldungsübungen:

  • Den Hund, wenn er ausgepowert ist und liegt, mit sanftem Streicheln in Rückenposition befördern, dabei den Bauch kraulen und leise und sanft mit ihm sprechen. Bei Rüden auch Penis und Hoden berühren.
  • In dieser Lage die Beine und Pfoten sanft massieren und die Zehen spreizen. "Tellington-Touch" am ganzen Körper ausführen.
  • Den Hund öfter hochnehmen und in verschiedenen Positionen tragen.
  • Die Ohren massieren, hineinsehen (Schlappohren hochnehmen)
  • Das Zahnfleisch und die Lefzen sanft massieren
  • Die Rute berühren
  • Den Hund täglich bürsten, auch wenn es nicht "nötig" ist.

Das alles soll der Hund sich ohne Gegenwehr gefallen lassen. Der Weg dorthin muss sanft, aber dennoch bestimmt erfolgen. Also z.B. einen Moment länger festhalten, wenn der Hund sich selbstständig wieder aus der Rückenlage befreien will, bevor du die Hand wegnimmst. Oder ihn täglich einen Augenblick länger auf dem Arm halten, wenn er zappelt.

Dabei immer ruhig und leise bleiben.

Sonstiges:

  • Leise mit dem Hund sprechen und primär über Körpersprache arbeiten. Das lehrt den Hund, Blickkontakt zu dir zu halten und sich nicht darauf zu verlassen, dass du schon laut genug rufst, wenn du etwas von ihm willst.
  • Jeden Blickkontakt, den der Hund von sich aus zu dir sucht, freundlich bestätigen. Ein Lächeln, ein leises "Fein" oder ein "Okay", wenn der Hund z.B. stehenbleibt und um Erlaubnis fragt, dass er weitergehen darf.
  • Clickertraining beginnen. Eine der besten Bindungsübungen, die es gibt.
Antwort
von Hamburger02, 29

Ich würde ja mal sagen, du machst das schon ganz gut. Den Rest bringt die Zeit.

Antwort
von SusanneV, 43

Du machst das toll.

Mein Tipp, wenn sie was richtig macht, dann lobe sie ganz überschwenglich.

Was hast Du für einen Hund und wie alt ist die Kleine?

Kommentar von xoLara242xo ,

Ich habe einen Kooikerhondje und sie ist gestern 18 Wochen alt geworden. :) Überschwänglich loben ist eine gute Idee, das einzige Problem dabei ist, dass sie dann ausflippt und extrem bissig wird. So schnell kann sie dann keiner mehr abstellen. :D

Kommentar von Jule59 ,

Kein Hund braucht überschwängliches Lob. Das einzige, was damit erreicht wird, ist ein Hund, der ausflippt, während der unwissende Hundebesitzer glaubt, das habe was mit Freude zu tun.

Dieser Unsinn wird seit Jahrzehnten auf Hundeplätzen vermittelt und hat nur eines zur Folge: Hunde die nicht mehr auf leise Töne und Körpersprache reagieren und sich stattdessen wie aufgezogene Clowns benehmen.

Kommentar von Muggelchen71 ,

DANKE!!!! Genau so sollte es sein! Prima geschrieben Jule59 Ein Hund wird nur dann gelobt, wenn er ruhig ist und dann ist kraulen auch eine Zuneigung. Dieses überschwengliche Loben macht unheimlich Stress und fördert wie oben ja schön beschrieben auch die Beisserei. Beim 18 Wochen alten Welpen mag das noch lustig sein, Aber spätestens wenn der Hund ausgewachsen ist, lacht niemand mehr drüber.

Kommentar von SusanneV ,

Das hab ich jetzt zwar so noch nicht gehört und erlebt. Also meine Hündin flippt nicht vollkommen aus oder beisst. Mir wurde das vom Trainer so gesagt. An Eurer Argumenten könnte natürlich auch viel wahres dran sein. Ich bin jetzt wieder hin und hergerissen.

Antwort
von annasophie88, 36

Futterspielchen machen, sie dressierten damit sie dich als Rudelanführer anerkennt. Zeit schafft eine starke Bindung zwischen euch.

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