Frage von KimPossible97, 81

Wie kann man möglichst schnell politisch gebildet werden?

Ich habe das Gefühl, sobald man etwas googlet, kommen nur noch mehr Kriege, Politiker, Parteien, Historische Ereignisse etc., von denen man noch nicht gehört hat und dann verliere ich schnell den Überblick und habe keine Lust mehr, weil alles so viel ist. Aber ich hätte gerne ein fundiertes, politisches Grundwissen - wie stelle ich das am besten an und möglichst schnell?

Expertenantwort
von Unsinkable2, Community-Experte für Politik, 25

Dein Problem ist, dass du gleichzeitig Breite UND Tiefe versuchst. Dabei MUSS die Informationsmenge dich ja erschlagen. 

Suche dir eines aus: 

  • Entweder breites und oberflächliches Wissen
  • Oder tiefes Wissen zu einem Thema, das dich interessiert.

Beides gleichzeitig endet immer in Chaos und Frust.

Dabei ist es egal, womit du anfängst. Denn am Ende wirst du beides können: Breite UND Tiefe. Und das so breit und so tief, wie du magst.

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Am einfachsten und leichtesten ist es, wenn du dir zur gleichen Zeit immer nur ein "Lieblings-Thema" aussuchst. Also eines, das dich wirklich brennend interessiert.

  1. Dann holst du dir einen Kaffee oder ein Bier oder was du sonst gern trinkst.
  2. Dann machst du Google auf. 
  3. Und dann googlest du wild drauflos. Gib einfach als Suchbegriffe ein, was dir zum ausgewählten Thema gerade einfällt. Und dann: Lass dich überraschen!
  4. Lies, was dir zu deinem ausgewählten Thema unter den Mausfinger kommt!
  5. Ganz egal aus welcher Quelle. Hauptsache, du legst dich nicht auf eine "Quellen-Strömung" fest. Lies konservative Zeitungsartikel, aber auch linke. Lies rechte Blogbeiträge und liberale Essays. Lies Studien genauso, wie prosaische Erklärungstexte. Lies langweilige Parteiprogramme und spannende Diskussionen in Foren darüber. Alles wild durcheinander, so, wie es gerade kommt. ... Entscheidend ist nur eines: Der Text muss für dich verständlich sein. 
  6. Aber - Wichtig! - nur zu diesem Thema. Nicht verzetteln! ;)
  7. Schreibe dir Begriffe, die du nicht verstehst, auf einen Zettel. Schlage sie bei Wikipedia und im Duden nach. Versuche, zu verstehen, was du liest.
  8. Glaube niemandem blind. Mache dir stattdessen deine eigenen Gedanken zum Thema: Wie fügen sich die Informationen zusammen? Wo ist "der kleinste gemeinsame Nenner", den linke und rechte Zeitungen haben? Worin unterscheiden sich die Ansichten und warum? Welche Ansichten in Diskussionen sind für dich glaubwürdiger? Und warum? Kann man auch die Gegenseite verstehen? Hat auch sie gute Argumente? Wie stehst du dazu? Welche Meinung hast du?

Und du wirst sehen: In Windeseile baust du dir ein robustes Allgemeinwissen zu dem Thema auf, das mit JEDER "Stammtisch-Diskussion" mithalten kann. 

Sobald du glaubst, dass du genug zu diesem einen Thema weißt, um es ein bisschen besser zu verstehen, nimmst du dir das nächste interessante Thema her. Und da machst du genau das Gleiche. ... Und dann noch einmal und noch einmal und noch einmal.

Es ist zwar nicht tragisch, wenn du doch mal vom Hundertsten ins Tausendste kommst, weil du immer mehr und mehr Informationen zu folgen und einzuordnen versuchst, aber du merkst es ja selbst: Irgendwann ist Schluss mit Lustig. Die Informationsmenge überfordert einen. Also versuche, erst mal nur bei dem einen Thema zu bleiben. Nicht allzu sehr ablenken lassen. 

... der Rest kommt mit der Zeit von ganz allein. 

Antwort
von tucho, 22

Neben den bisher genannten Möglichkeiten gibt es auch noch - bitte nicht erschrecken, liebe Kinder - BÜCHER, die Dich an bestimmte Themen heranführen + Dir einen ersten Überblick verschaffen, von dem aus Du dann weiterrecherchieren kannst.

Zu Einzelthemen etwa die Beck´sche Reihe (C.H. Beck) - eine Sachbuchreihe zu allen möglichen Themen und Wissensgebieten, die knapp und verständlich gehalten ist.

Darüberhinaus gibt es natürlich diverse Einführungen in die Menschheitsgeschichte, Weltgeschichte etc, die versuchen aufzuzeigen, dass geschichtliche Ereignisse selten für sich alleine stehen, sondern die Dinge im Zusammenhang miteinanderstehen.

Wenn Du das nachrecherchierst, wirst Du sehen, dass sich häufig eines aus dem anderen ergibt.

Verschaffe Dir am Besten erstmal einen kurzen Überblick und informiere Dich dann tiefer (= intensiver) zu Themen, die dich besonders interessieren.

Antwort
von AriZona04, 29

Nunja, was gewesen ist, ist Geschichte, die tatsächlich erlernt werden muss. Ich bin zufällig in die Politik "eingestiegen" - ich hatte mich vorher nicht aktiv dafür interessiert und auch keine Nachrichten geguckt. Aber als vor ein paar Jahren soo viel und intensiv über Grichenland berichtet wurde, hat sich das regelrecht in mein Gehirn reingebohrt. Ab da hab ich aktiv Nachrichten gehört (im Radio). Und seitdem erkenen ich eben Zusammenhänge, was jetzt den Brexit angeht und anderes. Es kommt mit der Zeit. Alles andere musst du Dir dann evtl. anlesen oder frag mal bei Freunden., Bekannten usw. nach, was die wissen und wie alles zusammenhängt. Ist schon interessant. Manchmal jedoch verfluche ich mein Wissen, weil man sich absolut machtlos vorkommt!

Antwort
von spmuc, 32

Ich würde erstmal weniger googlen, da sind oft ziemlich unzuverlässige, ideologisch angehauchte oder auch komplett verschöwrungstheoretische Seiten dabei.

Spontan würde ich dir die bpb-Schriftenreihe empfehlen, als eine von vielen Möglichkeiten: http://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/


Das sind ausgewählt Schriften der Bundeszentrale für politische Bildung, die allesamt nur 4,5€ inkl. Versand kosten. Ich habe mir dort mal ein 700 Seiten langes, sehr gut lesbares Buch zur DR Kongo bestellt.

Sonst gäbs noch die deutschsprachige Monatszeitung "Le Monde Diplomatique", die sehr ausführliche Reportagen zu meist aktuellen, eher unbekannten pol. Themen hat. Die Zeitung selbst ist zwar sehr klar links angefärbt, hat aber oft interessante Standpunkte, die durchaus auch einige Gedanken wert sind.

Kommentar von Pr1nzAlbert ,

ausgewählt Schriften der Bundeszentrale für politische Bildung

Und die sind natürlich überhaupt nicht

ideologisch angehaucht

Der war gut!

Kommentar von spmuc ,

Die Texte aus der Schriftenreihe sind nicht von der bpb selbst, sondern von anderen, renommierten Autoren. Darf man fragen, an welchem aktuellen Titel aus der Reihe du dich störst? Welche konkreten Hinweise hast du? Oder ist das mal ein Schuss ins Blaue?

Dein zweites Zitat bezieht sich auf die LMD und nicht auf die bpb. Welche konkreten Probleme hast du damit?

Kommentar von Flutschikato ,

So oder so sind Schriften niemals völlig objektiv. Denn dann würden sie parktisch nichts vermitteln.

Kommentar von spmuc ,

Natürlich gibt es selten eine "absolute" Objektivität, insbesondere wenn es um Werungen und nicht um falsifizierbare Tatsachenbehauptungen geht. Was Pri1nzAlbert hier macht, ist aber einer Sammlung an Texten von vielen verschiedenen Autoren pauschal mangelnde Objektivität zu unterstellen, nur weil sie in einer gewissen Reihe an Publikationen nachgedruckt worden sind.

Antwort
von Andretta, 27

Schau mal bei www.bpb.de

Das ist die Bundeszentrale für politische Bildung.  Da findest Du alle wichtigen Themen ausführlich, gut verständlich und mit viel Hintergrundwissen aufbereitet.

Kommentar von Pr1nzAlbert ,

Schriften des Bundespropagandaministeriums nützen nur dem der eine Parteikarriere bei CDU SPD und ähnlichen anstrebt.

Antwort
von Philippus1990, 20

Zeitung lesen. Jeden Tag. So habe ich es gemacht. Mit der Zeit baut sich dann ein gewisses Grundwissen auf. Im Schnelldurchgang geht das nicht.

Kommentar von Pr1nzAlbert ,

Dabei kommt es aber auf eine breit gefächerte Auswahl an, welche Zeitungen du liest. Wer es von vornherein ablehnt Zeitungen wie die Junge Welt und die Junge Freiheit zu lesen, der konditioniert sich selbst sein Gehirn mit dem Mainstream aber bildet sich weder eine eigene Meinung noch sich politisch weiter.

Kommentar von Philippus1990 ,

Ich bin mit unserer bürgerlichen Lokalzeitung immer ganz zufrieden gewesen. Und kommunistische Schmierblätter wie die "Junge Welt" muss man nun wirklich nicht lesen - allenfalls für der Befassung mit politischem Extremismus. Aber dafür muss man ja erst einmal ein gewisses Grundwissen angehäuft haben. Es macht insofern keinen Sinn mit extremistischen Publikationen anzufangen.

Kommentar von spmuc ,

...seine Idee ist, dass man eine Zeitung ganz links (jw) und ganz rechts (jF) liest, alles andere ausspart, und dann eine fundierte Meinung in der Mitte bekommt. Ich bezweifel, dass so etwas in der Realität funktioniert - vor allem, wenn man scheinbar unter dem Präfix handelt, dass alle anderen Zeitungen lügen, weil sie Lügenpresse und "Mainstream" sind. Die Medienkompetenz scheint bei Pr1nzAlbert aber eher rudimentärer Natur zu sein, vgl. seinen Post bei Andretta zur bpb - er scheint nicht mal das Konzept hinter der Schriftenreihe erfasst zu haben.

Kommentar von Philippus1990 ,

Die "Junge Freiheit" ist aus meiner Sicht nicht ganz rechts. Das Pendant zur "Jungen Welt" wäre m. E. viel mehr die "National-Zeitung". Das Konzept ist aus meiner Sicht aber auch deshalb nicht sinnvoll, weil radikale Rechte und radikale Linke sich trotz Unterschied im Hinblick auf das Ziel in vielerlei Dingen einig sind.

Antwort
von david161, 26

informier dich viel über aktuelle Themen. Informier dich über TTip und CEta (Freihandelsabkommen) dann emphehle ich dir diese Seite https://www.campact.de/ ( ist ne Seite wo du für allesmögliche was nicht gut für uns ist unterschreiben) aber du brauchst geduld um die Sachen zu verstehen. Mit der Zeit merkst du wie nah wir am ende der Welt stehen. Also deine Vorstellungen von der Usa lösen sich in Luft auf und du wirst merken das Trump 100* besser ist als killary. Viel spaß beim erwachen!

Antwort
von MeliS1998, 4

Es wurden ja schon viele gute Tipps gegeben, aber einen hätte ich noch: einfach ab und zu mal eine Folge Mit offenen Karten schauen, die gibts auch auf Youtube und die Serie hat mir sehr geholfen, zu verstehen, welche Probleme es überhaupt in welchen Weltregionen gibt. Und das in kurzen 10 Minuten Videos, die einen nicht mit zu vielen Infos überfordern.

Hier beispielsweise einmal eine ältere Folge über die EU von 2007:

Antwort
von soissesPDF, 16

Schnell geht das schonmal nicht, dafür brauchts a) Zeit und b) Erfahrung, zudem eine grundlegende Vorbildung in Geschichte.

Antwort
von Flutschikato, 5

Möglichst schnell : Bildzeitungsüberschriften auswendiglernen und schon bist Du "politisch gebildet".

Möglichst diversifiziert : das dauert eben und man muss viel lernen.

Du solltest zuerst zwischen Quantität und Qualität differenzieren.

Antwort
von Pr1nzAlbert, 15

Politische Bildung bekommst du nur wenn du dich über längere Zeiträume intensiv mit dem Zeitgeschehen beschäftigst und vor allem neben TV und Zeitungen auch im Internet stöberst, auch ausländische Nachrichten über Deutschland verfolgst, einheimische Nachrichten und die hier empflohlenen Regierungspublikationen kritisch hinterfragst und nicht alles glaubst was dir erzählt wird.

Wenn irgend ein Ereignis eintritt, worüber in den Nachrichten groß berichtet wird, dann frag dich immer zuerst "wem nützt das was da gerade passiert ist" denn in der Politik gibt es keine Zufälle. Meist liegt die Wahrheit weder in der offiziellen Darstellung noch auf Hardcore-Verschwörerseiten sondern irgendwo in der Mitte.

Durch die häufige Auseinandersetzung mit Politik nach dieser Methode entsteht politisches Bewußtsein. Das Auswendiglernen von Bundespropaganda führt allenfalls zu unkritischem Wiederkäuen der Regierungsmeinung aber keineswegs zu deiner eigenen politischen Bildung.

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